Amos Zweig, Gastautor / 10.10.2019 / 16:00 / Foto: Langinger / 14 / Seite ausdrucken

Vom Irrtum, im Kapitalismus zu leben

Von Amos Zweig.

Viele Leute im Westen schreiben dem Kapitalismus alle möglichen Probleme zu. Banken, Pharmaindustrie, Tech-Giganten, Fabriken und Energiekonzerne zerstören den Planeten, beuten die Arbeiter aus und bereichern sich unverhältnismäßig. Die Menschen sehen den Kapitalismus so negativ, weil ihnen beigebracht wurde, dass wir hier im Westen in einem kapitalistischen System leben. Sie haben also das Gesellschaftssystem, das sie aus dem Alltag kennen, unter dem Namen Kapitalismus abgespeichert. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sie die Probleme, die sie in diesem System sehen, dann als Folge des Kapitalismus verstehen.

Nun ist dies aber nicht korrekt. Die Definition von Kapitalismus ist: ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, in dem materielle Güter in Privatbesitz sind und der freie Markt die Verteilung und Produktion von Gütern bestimmt. Demgegenüber steht mit der Zentralplanung ein System, in dem eine zentrale Regierungsinstanz die Produktion und Verteilung von Gütern bestimmt.

Wir im Westen leben in einer gemischten Marktwirtschaft, die zum Teil vom freien Markt und zum Teil von Zentralplanung gesteuert wird. Die Fiskalquote eines Landes ist der prozentuale Anteil des Bruttoinlandproduktes (BIP), der von der Regierung durch Steuern, Gebühren, und Abgaben eingezogen wird. In der Schweiz lag die Fiskalquote 2017 bei 28,5 Prozent, in Deutschland bei 37,5 Prozent und in Österreich bei 41,8 Prozent. Diese Zahlen zeigen also, dass wir in der Schweiz zum Beispiel zu mindestens 28,5 Prozent in einer Zentralplanung leben. In Realität ist der Anteil an Zentralplanung allerdings deutlich höher als 28,5 Prozent, denn diese Zahl betrachtet nur die direkte Konfiszierung und anschließende Ausgabe von privaten Mitteln durch den Staat. Dazu kommen noch finanzielle Mittel aus der Staatsverschuldung und der Manipulation des Geldsystems sowie die Einmischung in die Wirtschaft durch Regulationen und Gesetze.

Da wir also in einer gemischten Marktwirtschaft leben, ist es nicht angebracht, alle Probleme unseres Gesellschaftssystems dem freien Markt zuzuschreiben. Man muss versuchen, so gut es geht, jedes Problem seiner korrekten Quelle zuzuordnen – also entweder dem freien Markt oder der Zentralplanung. 

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage

Auf dem Markt tauschen Menschen freiwillig Produkte (Güter und Dienstleistungen). Das "frei" im freien Markt, besagt dabei, dass die Leute die Produkte und die Tauschkonditionen frei wählen können. Je mehr Gesetze und Regulationen es also gibt, umso weniger frei ist der Markt.

Der Markt wird automatisch durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage reguliert. Wenn viele Menschen Brot möchten, dann werden viele Leute beginnen, Brot zum Markt zu bringen, weil sie es gegen mehr Produkte eintauschen können. Die Einführung von Geld in ein Wirtschaftssystem ändert nichts an diesem Mechanismus. Der Verkäufer möchte sein Brot gegen Geld tauschen, der Käufer möchte sein Geld gegen Brot tauschen. Geld macht bloß den Tauschhandel einfacher, indem es als Tauschmittel und als Wertmaßstab funktioniert. Wenn der Preis von Brot steigt, bedeutet dies, dass mehr Leute Brot kaufen oder weniger Leute es herstellen wollen. Der steigende Preis erhöht den Anreiz Brot herzustellen. Sobald mehr Leute Brot produzieren steigt das Angebot an Brot wieder und der Preis sinkt, bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht sind.

Wenn eine Transaktion freiwillig stattfindet, bedeutet dies immer, dass beide Parteien zum Zeitpunkt des Tausches lieber das Produkt des anderen hätten als das eigene, welches sie dafür hergeben müssen. Wenn ich aber gleich gutes Brot an einem anderen Ort günstiger kriegen kann, werde ich das natürlich tun. So optimiert der freie Markt automatisch das Preis-Leistungs-Verhältnis (P-L-Verhältnis). Es kann trotzdem noch unterschiedliche Qualitäts- und Preisklassen geben, aber in jeder Preisklasse wird das P-L-Verhältnis ständig optimiert.

Gewalt, Umweltverschmutzung, Streit, Armut

Bei der freien Interaktion von Menschen kann eine Reihe von Problemen auftreten. Diese umfassen vor allem Gewalt, Nachbarschaftseffekte, Eigentumsstreitigkeiten und Menschen, die sich nicht selbst versorgen können. Natürlich muss irgendwie sichergestellt werden, dass alle Interaktionen auf dem Markt freiwillig sind. Diebstahl, Raub, Mord, Erpressung, Betrug, Vertragsbruch und andere Verbrechen gegen Körper und Eigentum müssen verhindert werden.

Nachbarschaftseffekte sind Umweltbeschädigungen oder Umweltaufwertungen, die sehr viele Menschen marginal betreffen. Das Ozonloch ist hierfür ein gutes Beispiel. Niemand kann einen bestimmten Kühlschrankhersteller verklagen, weil FCKW aus dessen Kühlschrank die Ozonschicht über seinem Grundstück beschädigt hat. Trotzdem ist das Ozonloch für die Bevölkerung als Ganzes ein gravierendes Problem, das irgendwie verhindert werden muss. Ein öffentlicher Park in einer Stadt ist ein Beispiel eines positiven Nachbarschaftseffekts.

Wo Menschen miteinander interagieren, werden auch manchmal Uneinigkeiten vorkommen. Ab welcher Lautstärke ist die Musik meines Nachbars eine Verletzung meines Eigentums? Wie übertrieben dürfen die Versprechen eines Verkäufers sein, bevor sie als Betrug gelten? Der freie Markt braucht einen Konsens über die Definition von Eigentum und über dessen akzeptable Nutzung.

Der Staat als gigantischer Käufer

Was geschieht, wenn jemand nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft im freien Markt zu überleben? Dies betrifft in erster Linie Kinder und geistig oder körperlich Invalide. Allerdings hört man oft das Argument, dass durch die fortschreitende Technologisierung des Marktes immer mehr Menschen von diesem Problem betroffen sind.

Die Freiheit, sein eigenes Leben so zu gestalten, wie es einem gefällt, ist etwas, was jeder Mensch sich wünscht und zu maximieren versucht. Diese Freiheit sollte daher nicht unnötig eingeschränkt werden. Dies bedeutet, dass sich der Staat nur dann in den freien Markt einmischen sollte, wenn es ein Problem gibt, das dieser nicht selber zu lösen vermag. Die Details können wir hier nicht diskutieren, aber grundsätzlich sind die oben erwähnten Probleme Bereiche, in denen eine Diskussion über staatliche Einmischung angebracht ist.

Zentralplanung ist, wie gesagt, wenn eine zentrale Regierungsinstanz die Produktion und Verteilung von Gütern bestimmt. Die Regierung hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten, dies zu tun: Geld und Gesetze. Subventionen haben den Effekt, dass der Staat plötzlich als gigantischer Käufer in den Markt eintritt. Subventionen suggerieren eine zusätzliche Nachfrage nach dem subventionierten Produkt, auf welche die Firmen im betroffenen Sektor sofort reagieren. Somit wird dann mehr von diesem Produkt erzeugt, als die Nachfrage in der Bevölkerung bei den jetzigen Produktionskosten rechtfertigen würde.

Steuern, Zölle, Verkaufs- und Produktionsverbote, Arbeiter- und Konsumentenschutzgesetze, Lizenzierung und Qualitätsrichtlinien hingegen erhöhen die Produktionskosten. Somit wird dann weniger von dem betroffenen Produkt hergestellt als die Nachfrage bei den aktuellen Produktionskosten rechtfertigen würde. Wird ein ganzer Wirtschaftssektor durch solche Aktionen behindert, können Ausnahmeregelungen einen ähnlichen Effekt wie Subventionen haben.

Missmanagement und Korruption

Auch staatliche Eingriffe in den Markt können eine Reihe von Problemen mit sich bringen. Diese sind vor allem die Missallokation von Ressourcen, die Verschlechterung des Preis-Leistungs-Verhältnisses in betroffenen Sektoren sowie Lobbying, Korruption und Vetternwirtschaft.

Die menschlichen Wünsche sind grundsätzlich unbeschränkt. Jeder Mensch muss seine unendlichen Wünsche priorisiert und dann gemäß seinen endlichen Ressourcen nur die wichtigsten davon erfüllen. Wie oben bereits beschrieben, führen staatliche Eingriffe in den Markt dazu, dass mehr oder weniger von einem Produkt erzeugt wird, als es die Nachfrage bei den aktuellen Produktionskosten rechtfertigen würde. Das heißt, Menschen werden dazu gezwungen, von ihrer eigenen Priorisierung abzuweichen und werden somit netto weniger glücklich sein, als sie es sonst gewesen wären.

Jahrelange Marktverzerrungen führen aber nicht nur dazu, dass es jahrelang zu viel / zu wenig von einem Produkt gab, sie führen auch zu jahrelangen Fehlinvestitionen, sodass ganze Wirtschaftszweige dann auf ein falsches Ziel eingestellt sind. Nicht nur gibt es dann zum Beispiel zu viele / zu wenige Wohnungen, sondern es gibt dementsprechend auch zu viele / zu wenige Baufirmen, Bauingenieure, Elektriker, Betonproduzenten, Krane, Plattenleger, Waschmaschinen et cetera. Die so aufgebaute Missallokation von Ressourcen wieder zu korrigieren, kann Jahre dauern und ist oft mit viel persönlichem Leid verbunden.

Staatliche Eingriffe in den Markt verschlechtern das Preis-Leistungs-Verhältnis der verfügbaren Produkte. Wird das Angebot künstlich eingeschränkt, dann steigt der Preis. In einem freien Markt würde der steigende Preis zu mehr Kompetition führen, was dann die Qualität steigern und den Preis wiederum senken würde. Wegen der staatlichen Einmischung bleibt dieser Effekt aus. Subventionen auf der anderen Seite halten ineffiziente Produktionsmethoden künstlich am Leben, was das Preis-Leistungs-Verhältnis ebenfalls verschlechtert.

Lobbying, Korruption und Vetternwirtschaft

Das Hauptproblem der staatlichen Einmischung in die Wirtschaft ist, dass dabei unweigerlich der folgende Mechanismus zu wirken beginnt: Zwischen den persönlichen Interessen der Politiker und den persönlichen Interessen der Assoziierten der betroffenen Firmen bildet sich eine Überlappung. Die Firmen haben ein Interesse daran, das Geld zu kriegen, das die Regierung in diesem Sektor ausgeben will und dass die Gesetze für sie möglichst vorteilhaft sein werden. Die Politiker haben ein Interesse daran, wiedergewählt zu werden und mehr Geld für sich selber zu kriegen. Somit ist es ein logischer Deal, dass die Firmen den Politikern Geld und Wählerstimmen versprechen im Gegenzug gegen Regierungsaufträge, Subventionen, und vorteilhafte Gesetze. Lobbying, Klientelismus, Insiderdeals, Korruption, und Vetternwirtschaft sind dann die Folge davon.

Diese Praktiken sind eigentlich ein prächtiges Beispiel des freien Marktes, wo zwei Parteien ein weniger geschätztes Gut gegen ein höher geschätztes eintauschen. Das Problem dabei ist nur, dass das, was die Politiker eintauschen, ihnen nicht gehört. Es sind nicht ihr Geld und ihre Gesetze, sondern die der Allgemeinheit. Sie wurden nur als Verwalter davon gewählt, aber sie sind nicht die Besitzer. Darum ist dieser Vorgang auch fundamental anders, als wenn Firmen oder Privatpersonen einander Geschenke machen, um sich für einen Geschäftsdeal zu gewinnen.

Denn beide Parteien tauschen am Ende ihr eigenes Geld gegen ein Produkt, und werden darum auch bemüht sein, einen angemessenen Gegenwert für ihr Geld zu kriegen. Ein Politiker aber ist ja vom Staat angestellt, und sein Lohn ist nicht abhängig davon, wie effizient er seinen Auftrag umsetzt. Er kriegt nicht mehr Lohn, wenn er eine Straße 10 Prozent günstiger bauen lassen kann, oder weniger, wenn sie doppelt so viel kostet. Aber wenn eine Baufirma ihm 100.000 Franken schenkt, dann hat er 100.000 Franken mehr. Und wenn sie 100.000 Franken für seine nächste Wahlkampagne spendet, verhält es sich genau gleich.

Wählerstimmen dank Subventionen

Probleme, die aus solchen Deals zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessen entstehen, sind in unserem Gesellschaftssystem dermaßen verbreitet, dass sie förmlich universell sind.

  • Öffentlicher Verkehr, Post, Straßenbau, Wasserversorgung, Müllabfuhr, Bildung und Krankenkassen sind staatliche Monopole. Konkurrenz gibt es kaum. 
  • Der SRF wird zum Teil über eine eigene Zwangsabgabe finanziert.
  • Bauern, Sportvereine, und Krippenplätze werden subventioniert, die Profitierenden wählen dafür dementsprechend.
  • 1.700 Organisationen haben Mandate im Schweizer National- und Ständerat. Mandate sind nur aus Selbstdeklaration bekannt, Kontrolle oder Konsequenzen bei Verletzung der Meldepflicht gibt es nicht. Honorare müssen nicht deklariert werden. Beispiele: Karin Keller-Sutter mit 175.000 Franken vom Versicherungskonzern Baloise. Ignazio Cassis mit 180.000 Franken von Krankenkassenverband Curafutura.
  • Erneuerbare-Energie-Konzerne und herkömmliche Energieversorgungsunternehmen lobbyieren in Deutschland und im ganzen EWR für Milliarden-Subventionen und für vorteilhafte Konditionen. Diverse andere Firmen kämpfen erbittert für die Klassifizierung ‘energieintensiv’, damit sie von den staatlichen Auflagen für erneuerbare Energien verschont bleiben.

BER, Banken und Pharma-Lobby

Staatliche Großbauprojekte wie zum Beispiel der Berliner Flughafen werden oft deutlich zu tief geschätzt und kosten dann am Ende doppelt so viel. Staatliche oder private Lobbyfirmen sind bei solchen Fehlschätzungen oft instrumentell. Die aktiven Politiker können sich mit einem guten Deal profilieren und die Mehrkosten auf ihre Nachfolger schieben. Die Baufirmen kriegen einen riesigen Auftrag und wissen, dass sie die Kosten später nachverhandeln können.

In vielen Ländern wechseln hochrangige Politiker aus der staatlichen Verwaltung direkt in hohe Positionen großer Konzerne.

Too big to fail. Banken gehen riskante Spekulationen ein und verleihen betrügerischerweise Geld, das sie gar nicht haben und werden dann mit dem Geld der Steuerzahler vor dem Bankrott gerettet. Umgekehrt wenden Banken in den USA jährlich zwischen 60 und 70 Millionen Dollar für Lobbying auf.

Institutionen wie die Food and Drug Administration (FDA) halten mit teuren und langwierigen Prozeduren diverse Medikamente und Behandlungsarten vom Markt und vergrößern somit den Gewinn der großen Pharmakonzerne. Diese wiederum schütteten 2016 gemäß FDA-Vorsitz Dr. Raeford Brown 100 Millionen Dollar in die US-Wahlen ein.

Wieder mehr Eigenverantwortung

Dies sind nur ein paar Beispiele aus einer endlosen Liste. Viele Firmen machen heutzutage Gewinn, nicht weil sie das beste Produkt zum besten Preis anbieten, sondern weil sie sich Politiker kaufen und durch vorteilhafte Gesetze eine vorteilhafte Position am Markt kriegen. Meine Vermutung ist, dass dieser Faktor entscheidend dazu beiträgt, dass die gefühlte Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Während der normale Bürger immer schneller und immer härter strampeln muss, um finanziell über Wasser zu bleiben, machen es sich diejenigen mit guten Connections an der Spitze der Einkommensverteilung gemütlich. Steigende Steuern, undurchsichtige Gesetze und die Entwertung der Einkommen durch Inflation führen durch solche undurchsichtigen Deals dazu, dass die reale Umverteilung von den Vielen zu den Wenigen geht.

Die Schuld für diese Missstände wird dann gerne dem freien Markt in die Schuhe geschoben, denn der freie Markt ist ein praktischer Sündenbock. Tatsache ist allerdings, dass alle oben aufgezählten Praktiken genau Beispiele eines nicht freien Marktes sind. Diverse Steuern, Gesetze, oder Ausnahmen führen jeweils zu den beschriebenen Ungerechtigkeiten.

In den vereinzelten Fällen von Deregulation, wo die Gesetzesdichte reduziert und der Markt wieder freier wurde, haben sich vergleichbare Missstände sehr schnell korrigiert und das P-L-Verhältnis der betroffenen Produkte stieg rapide an. Die Liberalisierung der europäischen Luftfahrt zum Beispiel führte zu einer drastischen Preisreduktion, zu einer Verdopplung der Passagierzahl, und zum Entstehen von Jobs in Luftfahrt, Tourismus, Logistik und Handel. Kurz nach dem Fall des Bahnmonopols in Deutschland kam Flixbus auf und revolutionierte den Reiseverkehr weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Der freie Markt ist der beste bekannte Mechanismus, um die Wirtschaft zu organisieren, und bessere Produkte zu günstigeren Preisen herzustellen. Er ist der Motor, der den drastischen Anstieg unseres Lebensstandards ermöglicht hat, und es schmerzt mich, wenn die Bevölkerung durch propagandistische Fehlinformation dazu verleitet wird, gegen den freien Markt und für mehr Zentralplanung zu stimmen, was dann die beklagten Probleme verschärft, und zu noch lauteren Rufen nach noch mehr Zentralplanung führt.

Die staatliche Einmischung in die Wirtschaft führt zu einem schlechteren Preis-Leistungs-Verhältnis und dadurch können sich Wenige auf Kosten der Allgemeinheit ungerecht bereichern. Die Profiteure lachen sich dabei ins Fäustchen, und die Situation für die Bevölkerung wird immer aussichtsloser. Es wird Zeit, diesen unproduktiven Teufelskreis zu beenden und sich wieder vermehrt auf die Urteilsfähigkeit erwachsener und mündiger Bürger zu verlassen, selber wählen zu können, was gut für sie ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei amoszweig.com

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Bernhard Keim / 10.10.2019

Die hier vorgebrachte Definition von Kapitalismus zeichnet sich dadurch aus, dass sie einfach falsch ist. Marktwirtschaft und freier Wettbewerb sind zwar notwendige, aber keine hinreichenden Voraussetzungen für den Kapitalismus. Auch Privateigentum ist noch zu wenig, auch an Produktionsmitteln. All das gibt es schon seit tausenden von Jahren, ohne dass es Kapitalismus gegeben hätte. Kapitalismus ist auch kein System, sondern er ist einfach ein Trick um heute schon das zu bezahlen, was man erst morgen gewinnt. Um den Unterschied zwischen einer bloßen Marktwirtschaft und Kapitalismus zu zeigen genügt ein einfaches Beispiel. Ein Bäcker hat seinen Meistertitel in der Tasche und würde gerne seine eigene Bäckerei aufmachen. Er spart und spart und spart und irgendwann nach dreissig Jahren, hat er genug beisammen um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Er hat Erfolg und verdient nun mehr. Im Kapitalismus leiht sich der Bäcker das Geld für seine Produktionsmittel. Statt dreißig Jahre zu sparen und zu warten, nimmt er einen Kredit oder einen stillen Teilhaber auf und kann morgen schon loslegen. Der Geldgeber will natürlich eine Sicherheit sehen. Bäcker stellt als Sicherheit die Bäckerei. Er muss nun zwar Zinsen und Tilgung zahlen, aber auch nach deren Abzug steht er besser da und nach zehn Jahren ist die Sache abbezahlt. Das geht nur weil a) es einen Markt gibt, der seine Bäckerei bewerten kann, b) es Privateigentum gibt, das er verpfänden kann. c) er zukünftige, erwartete Erträge auf die Gegenwart abdiskontieren kann um im Voraus zu berechnen, ob die Sache ein Erfolg wird und es d) Rechtssicherheit gibt, so dass niemand Angst davor haben muss, vom anderen übers Ohr gehauen zu werden. Ausserdem gibt es funktionierende, freie und transparente Beschaffungs- und Absatzmärkte, die nicht nicht manipuliert werden können. All diese Voraussetzungen fehlten der Planwirtschaft. Es gab weder Preis-, noch Kostentransparenz, keine freien Märkte, kein Eigentum etc.

Ferenc v. Szita - Dámosy / 10.10.2019

...zwar sehr bedenkliche Schlußfolgerungen (freier Markt als Allheilmittel für alles?!), jedoch ein gerade für Laien hervorragend und v.a. verständlich geschriebener Artikel über den Funktionsmechanismus des freien Marktes, den so mancher Politiker oder Ökofanatiker tunlichst lesen sollte…!!!

Ines Sack / 10.10.2019

Vor ein paar Jahren sagte Urban Priol mal in seiner Show zum Thema Strafzinsen: “Man muss Zinsen zahlen, wenn man Geld spart. Also langsam kommt der KAPITALISMUS an seine Grenzen.”  Und ich dachte mir so: Geht’s noch? Welcher Kapitalismus?

Eugen Richter / 10.10.2019

Volle Zustimmung. Vor 15 Jahren, beim ersten Lesen des Buch Geldsozialismus von R. Baader, dämmerte das auch. Seit dem versuche ich der Matrix zu entkommen.

Bernd Ackermann / 10.10.2019

Und wo gibt es diesen tollen Angebot-und-Nachfrage-regeln-alles-Markt? Im Glücksbärchi-Land hinter dem Regenbogen? Um das Brot-Beispiel aufzugreifen, folgendes wird in der freien Marktwirtschaft passieren: ein “Investor” kauft große Teile des Landes auf dem Brotgetreide angebaut wird und diktiert den Brotherstellern den Preis. Oder die Brothersteller treffen geheime Preisabsprachen zu Lasten des Verbrauchers. Oder der größte Brothersteller drängt mit Dumpingpreisen die kleineren Anbieter aus dem Markt oder übernimmt sie, bis er ein Monopol hat und die Brotpreise diktieren kann. Der Vorstandsvorsitzende des Brotmonopolisten erklärt, dass 30% Rendite nicht ausreichend sind und verlagert die Brotproduktion nach China, weil der chinesische Bauer für 50 Cent in der Stunde arbeitet. So läuft das heute.  “Die menschlichen Wünsche sind grundsätzlich unbeschränkt” - ja, das sind sie. Vor allem der Wunsch nach mehr und mehr Geld, was ja durchaus verständlich ist. Und Wasserversorgung im Besitz der Kommunen oder öffentlicher Verkehr sind ein “Problem”? Werfen Sie einen Blick nach Paris, dort hat man die Wasserversorgung privatisiert. In Folge sind die Wasserpreise explodiert. Und erstaunlicherweise fand sich kein Marktteilnehmer, der eigene Wasserrohre in der Stadt verlegen wollte um den Wettbewerb auszubauen. Warum, wenn doch “steigende Preise zu mehr Kompetition führen”? In den USA war der Personenfernverkehr in privater Hand, allerdings war das Angebot so schlecht, dass niemand mit den Zügen fahren wollte. Angebot mies = Nachfrage mies, und keiner wollte es besser machen. Wie kann das sein, wo doch der Markt alles regelt? Lesen Sie nach wie und warum die halbstaatliche Amtrak entstanden ist. Die freie Marktwirtschaft, die alles besser macht, der ungezügelte Kapitalismus, ist genauso eine Utopie und sinnbefreite Ideologie wie der Kommunismus. Beides funktioniert nicht, immer kommt die menschliche Gier dazwischen.

sybille eden / 10.10.2019

Danke Herr Zweig für dieses sehr erhellenden “Grundsatzreferat”. Allerdings möchte ich ,wie auch Herr Jungnickel, darauf hinweisen, den marxistisch, diffamierenden Begriff “Kapitalismus”, für eine freie Marktwirtschaft besser nicht mehr zu verwenden! Sie machen sich damit zum “Opfer” der marxistischen Spachverdrehung und Verfälschung, der wir seit Jahrzehnten von den Medien und Linksintellektuellen ausgesetzt sind . Die korrekte Bezeichnung lautet “Offene Gesellschaft” und das “Privateigentum” nennt Ludwig von Mieses “Sondereigentum”. Eugen Böhm-Bawerk, ein Mitstreiter Ludwig Erhards, hat ihn dazu überredet sein “Projekt” nicht” Freie” Marktwirtschaft zu nennen, sondern “Soziale”. Er wusste das es mit dem Wort “Freie” keine Akzeptanz bei den De,utschen gefunden hätte, aber bei dem Wort “Sozial”  im Volk sofort Glückshormone ausgeschüttet werden. Allerdings hat Erhard das später bitter bereut als er sah, was aus seiner freien Idee geworden ist. Hierzu , ich meine zum Thema Srrachverfälschung, möchte ich ihnen das grossartige Buch von Prof. Gerd Habermann empfehlen,daß unter dem Titel: “RICHTIGSTELLUNG”, ein polemisches Sprachlexikon, erschienen ist. Alles Gute.

Jens Rickmeyer / 10.10.2019

Kapital = »materielle Güter in Privatbesitz« ist das genaue Gegenteil vom »Fiat Money« des heutigen Finanzsystems. :-(

Peter Keller / 10.10.2019

Herr Zweig, es wird nicht wahrer, wenn Sie die Lügezahlen des Eidgenössichen Finanzdepartments nachplappern: Die Fiskalquote in der Schweiz ist ca. 50%, jedenfalls nicht unter 44%; dies weil die Beamten in der Schweiz systematisch Zwangszahlungen an private Organisationen (Krankenkasse, Pensionskasse, AHV, Unfallversicherung) gar nicht erfassen. Gut, der Doofbürger glaubts und ists glücklich mit zwei mal Ferien pro Jahr auf Malle, weil die Kohle sonst nicht reicht zum Steuerzahlen. Geliefer wie bestellt.

Karsten Dörre / 10.10.2019

Grundlegende Kenntnisse über Kapitalismus, Marktwirtschaft, freie Marktwirtschaft und soziale Marktwirtschaft sollten bekannt sein. Dies wird bereits an Gesamtschulen bzw. Realschulen gelehrt. In einer freien Marktwirtschaft gibt es keinen Staat und kein Gemeinwesen. Steuern, Zölle, gesetzliche Beschränkungen und Kontrolle des Wettbewerbs sind durch den Staat nötig, um Volk und Staat am Leben zu erhalten.

beat schaller / 10.10.2019

danke herr zweig für diesen gut verständlichen artikel. einzig bei den steuerlasten der schweiz habe ich mühe, diese nach zu vollziehen. da kammen ja auch die direkte bundessteuer hinzu, die eigenmietwerte, die vermögenssteuer und auch bei ahv die direkten einkommensabzüge bei nur tiefen auszahlungleistungen.  aus meiner sicht, sind diese ansätze über alles gesehen wesentlich höher und auch abhängig von steuerort.  sonst ist der artikel hervorragend danke. b.schaller

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