Wolfgang Röhl / 03.01.2015 / 23:07 / 2 / Seite ausdrucken

„Vollkommene Übereinstimmung mit dem Zeitgeist“

Mit dem Soziologen Ulrich Beck ist auch ein Stückchen Suhrkamp-Kultur abgetreten. Jene Art von Gesellschaftsbetrachtung, welche sich um ungeliebte Realitäten nicht sehr bekümmert, um filigran formuliertes Visionsgut für die akademisch gebildeten Stände aber nie verlegen ist. Jürgen Kaube, der neue, für das Feuilleton zuständige Herausgeber der „FAZ“, hat den Tod des fleißigen Zeitgeistthesenlieferanten genutzt, eine elegant vergiftete Duftmarke zu setzen. Dem Chor der ansonsten fast einhellig Beck-begeisterten Nachrufer dürfte sie sauer aufstoßen:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zum-tod-des-soziologen-ulrich-beck-13351274.html

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Leserpost

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Max Wedell / 05.01.2015

Aus dem Nachruf von Kaube ist eine Verärgerung gegenüber jenen herauszulesen, die dem Zeitgeist hinterherdenken… eine solche Verärgerung ist Einstellungssache… diejenigen, die voll im Zeitgeist drinstecken, werden sie nicht nachvollziehen können. Wesentlich gefährlicher wird es aber, wenn Personen, die als Risikoforscher gelten, sich am Zeitgeist orientieren. Risikoforscher, die immer nur vor Risiken warnen, die die Gesellschaft ohne ihn auch schon erschrecken, und die immer alle Risiken abstreiten oder gar ignorieren, die die Gesellschaft ohne ihn auch abstreitet oder gar ignoriert, sind nach meiner Meinung - mal ziemlich direkt gesagt - eher überflüssig. Braucht unsere Gesellschaft also Risikoforscher, die (ziemlich nachträglich) in eine allgemeine Atomangst einstimmen, oder die beim Thema Einwanderung regelmäßig ein Nullrisiko behaupten - wenn auch meist dadurch, daß die Möglichkeit von Risiken in dem Zusammenhang überhaupt nicht erwähnt wird? Die Gesellschaft braucht sie eher nicht… aber die tonangebenden Kreise der Gesellschaft brauchen sie ganz dringend, um zu “beweisen”, wie richtig sie liegen mit dem, was sie denken. Kommen wir nun zum positiven Fazit meiner Kurzwürdigung: Ulrich Beck war offensichtlich ein wirklich wichtiger Leuchtturm in den tonangebenden Kreisen unser Gesellschaft.

Roland Schmiermund / 04.01.2015

“Dem Chor der ansonsten fast einhellig Beck-begeisterten Nachrufer dürfte sie sauer aufstoßen” Wenn sie es verstehen. Ich habe da so meine Zweifel. Gruß

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