Vier qm pro Person: Studenten sind dankbare Flüchtlinge

Von Susanne Baumstark.

Bekanntlich reichen nicht nur im bayrischen Manching „kleine Anlässe um Essenszubereitung“ oder Musikhören aus, um die Lage kurzfristig eskalieren zu lassen, wie der Focus zur Randale vor der dortigen Asylunterkunft zitiert: „Flüchtlinge hatten Sperrgitter herausgehoben und versucht, damit die Tür der Auszahlungsstelle einzurammen, die kurz nach dem Ausbruch der Tumulte von den Mitarbeitern versperrt worden war. Sie verbarrikadierten sich mit dem Sicherheitspersonal in der Auszahlungsstelle.“

Obwohl sich die Straftaten rund um das Zentrum „auf hohem Niveau“ stabilisierten, leiert der Bayerische Flüchtlingsrat – es muss sich um einen Sprung in der Platte handeln – die Phrase von einer Kriminalisierung der Flüchtlinge herunter, die so mangelhaft untergebracht und betreut seien und auf wenig Raum leben müssten. Man darf sich gut und gerne davor scheuen nachzufragen, was der Flüchtlingsrat sonst noch alles mit seiner rechtfertigenden Schützenhilfe entschuldigen würde.

Das Argument der vielen Menschen auf engem Raum zieht jedenfalls nicht mehr, spätestens seit Erscheinen eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung zur Notunterkunft für Studenten in München. Dort, wo 32 Menschen, verteilt auf Mehrbettzimmer bei vier Quadratmetern pro Person und ohne zentrale Beleuchtung, derzeit leben, heißt es: „Beschweren will sich niemand. Alle sind dankbar, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Und ja, es sei auch schön, so viele Leute um sich herum zu haben.“

Geld für Irrsinns-Forschung

Natürlich nicht als Werbung für einen Dauerzustand dieser Wohnart gedacht, zeigt das Beispiel auf, wie Bewältigung einer Notlage konstruktiv funktionieren kann. Hochgradig pädagogischer Schwachsinn ist hingegen die entschuldigende Rechtfertigung jeglicher Ausschreitungen von Personen, noch dazu stets rassistisch motiviert. Der Lerneffekt liegt auf der Hand: Wir müssen nie und nichts verantworten; schuld sind immer nur die Deutschen, die uns so schlecht behandeln.

Dass sich Regierungsverantwortliche mit solchen nie weitsichtig agierenden und offenbar lebensfremden Flüchtlingslobbyisten vernetzen und sie mit Steuergeldern sattsam versorgen, liegt auch in den breit gefächerten Verbindungen mit universitären Auswüchsen und deren Schlagkraft begründet.

Theoretisches Futter bekommen die Aktivisten zum Beispiel vom 2016 formierten Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung: „ein Arbeitszusammenhang, in dem dauerhaft zu einer ‚Politik von unten‘ geforscht wird.“ Ein Arbeitskreis realisiert gerade das Handbuch „Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen“. Die chaotische Unordnung ist bewusst geplant:

„Ein wesentliches Grundmotiv poststrukturalistischer Ansätze ist die Skepsis gegenüber stabil und wohlgeordnet erscheinenden sozialen Phänomenen. Poststrukturalistische Perspektiven… betonen demgegenüber, dass Phänomene des Bruchs, der Abweichung und der Vielfalt sowie unerwartete Dynamiken konstitutiv für Gesellschaft sind.“

Dieser Blickwinkel sei auch bezüglich der daraus resultierenden „Negierung der Annahme von feststehenden und objektiv erfassbaren Identitäten“ zentral. Es gehe zudem um die „Bedeutung von Macht für die Formierung von sozialen Bewegungen und ihren Subjekten“.

Die Revolte wird also ganz unverschämt in aller Öffentlichkeit vorbereitet – versteckt vor der arbeitenden Bevölkerung nur insofern, als dass sich jene am Feierabend ganz sicher nicht mit solchen theoretischen Abgehobenheiten befassen wollen.  

Susanne Baumstark, Jahrgang 1967, ist freie Redakteurin und Diplom-Sozialpädagogin. Ihren Blog finden Sie hier.

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Leserpost (15)
Martin Landvoigt / 02.12.2017

Es ist eine seltsame Beobachtung, wie man den Zerfall der Gesellschaft in Zeitlupe beobachten kann. Was in der Zeit der Studentenunruhen um 1968 durchaus mit progressiven Charakter geschah, erleben wir nun in einigen Parallelen unter anderen Vorzeichen. Damals ging der Impuls von der Universität aus. Junge Menschen und einige Professoren wollten die Gesellschaft mitgestalten. Das Establishment war erzkonservativ, de Aufbegehrenden bekamen einige Sympathien seitens der Presse. Heute gibt es auch weder eine starke Spannung in der Gesellschaft. Man hat gelernt. Das Establishment ist heute linksgrün. Man bemüht sich um die Hoheit an den Universitäten und Medien, Identitäre werden mit aller Schärfe dämonisiert und ausgegrenzt. Der Zerfall der Gesellschaft erscheint aber ähnlich scharf. Dem vitalen Eigeninteresse folgend wird der neue Konservative auf der Suche nach einem neuen Gesellschaftsbild aktiv. Dagegen wird eine multikultureller Brei angerührt, der keine Vision antreibt und moralinsauer die offensichtliche Zerstörung der gesellschaftlichen Errungenschaften befrödert.

Melanie Kauderer / 02.12.2017

Kann ich nur zustimmen. Ich habe als Studentin viereinhalb Jahre lang in einem Studentenwohnheim gewohnt, auf 9 Quadratmetern. Das Zimmer war mit speziellen Möbeln ausgestattet (Schrank, Bett, Schreibtisch) und dick durfte man nicht sein, sonst wäre es zu eng geworden. Je 10 Leute haben sich ein Bad und eine Küche geteilt. Wir haben uns gut verstanden, zusammen gekocht und es war immer jemand zum Reden da. Hätte jemand randaliert, der wäre sofort rausgeflogen. Natürlich waren das keine goldenen Zeiten, aber ich war froh, eine so günstige Unterkunft zu haben. Denn ich musste mir mein Studium zum größten Teil selbst verdienen.

Helmut Driesel / 01.12.2017

Eine andere Zeitung hat ja kürzlich verkündet, dass geplante 40000 dieser Flüchtlinge in den nächsten Jahren als Studenten die Universitäten bereichern werden. In welchen Fächern vorzugsweise wurde noch nicht verlautet. Aber da bieten sich die poststrukturalistischen Protest- Bewegungs- und Kulturwissenschaften geradezu an. Die werden sicher in der Industrie 4.0 und den Bürotürmen, Laboren und Arztpraxen des kommenden postanthropozentrischen Zeitalters dringend gebraucht. Wenn ich in den letzten 20 Jahren gelegentlich gefragt wurde, warum ich nicht nach der Wende versucht hätte, noch was zu studieren, da habe ich immer sarkastisch geantwortet: Ein Studium hätte ich möglicherweise noch geschafft, aber am Nachholen des westdeutschen Abiturs wäre ich zuverlässig gescheitert. Das mag, analytisch betrachtet, Unsinn sein. Eine Erkenntnis steckt trotzdem drin. In der Mitte des Lebens weiß ja niemand, ob er nur wenige oder viele gute Jahre vor sich hat, haben darf. Der zu allem entschlossene Optimismus alleine trägt nicht über jede Untiefe. Menschen mit gesundheitlichen oder charakterlichen Defiziten, Disziplin- oder Drogenproblemen, mit Hörsturz, Konzentrationsstörungen, mit chronischer Müdigkeit, Schnupfen, Depression, Infektionen oder Allergien sollte der Staat nicht aus falschem Verständnis von Gerechtigkeit den Weg zum Studium leichter machen als für andere. Das ist Verschwendung von Zeit und Lebenskraft, von der Verschwendung staatlicher Ressourcen mal abgesehen. Selbst dann, wenn sich eine Gesellschaft das leisten kann und können will, selbst dann ist es nicht klug. Schon gar nicht weitsichtig. Das kann und sollte auch für Flüchtlinge und Einwanderer gelten.

Hubert Bauer / 01.12.2017

Man sollte mal die - nach eigenen Angaben - beengt untergebrachten “Flüchtlinge” fragen, ob und ggfs. wie viele Kinder sie gerne haben würden. Wahrscheinlich kommt im Schnitt eine Zahl von um die Fünf heraus. Dann sollte man die “Flüchtlinge” fragen, wie wir sie mit ihren vielen Kinder unterbringen sollen. Die Antworten darauf würden mich brennend interessieren.

Jochen Brühl / 01.12.2017

Weil diese Irrsinns-Forschung nach Meinung mancher nicht mehr gefördert werden soll, läuft ja auch die ganze mediale Hetze gegen diejenigen, die das nicht mehr staatlich ausfinanziert haben wollen. Da könnten ganze Industriezweige absterben, wenn die Falschen an die Schalthebel der Macht kommen und in der Folge viele ihr staatlich gesichertes Auskommen verlieren. Deshalb darf sich an der Situation auch nichts bessern, weder bei Flüchtlingen bzw. Migranten aus einem betsimmten Kulturkreis, noch bei Armutsbekämpfung, noch bei LSBQT oder sonstigen Hirngespinsten von Benachteiligungen. Mit dem Zeitpunkt, mit dem verkündet würde, nun ist es deutlich besser geworden, naht das Ende dieser auskömmlichen Existenz. Aber mit dem aktuellen Sozialstaat, verbunden mit einer unbegrenzten Zuwanderung über die verschiedensten Rechtsgrundlagen in diesen Sozialstaat, ist eine Vermehrung der Armut - insbesondere der Kinderarmut - einem Naturgesetz gleichkommend, gesichert.

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