Wenn man Nichtjapaner fragt, welche japanischen Feste sie kennen, dann fällt vielen Leuten das Kirschblütenfest ein. Doch das ist kein Fest im landläufigen Sinn. Viele Japaner machen, wenn die Kirschbäume blühen und die ersten warmen Tage des Jahres kommen, mit der Familie oder Freunden gern Picknicks im Freien. Doch das nennen sie nicht Fest, sondern Hanami, übersetzt: Blütenschau. Man trifft sich zwischen Ende März und Anfang April in Parkanlagen und genießt die schönen Frühlingstage. Es gab und gibt zwar organisierte Events, die sich Kirschblütenfest nennen, doch solche Veranstaltungen sind nur mäßig besucht.
Das Obon-Fest
Ein stimmungsvolles Fest, das in Japan jedes Jahr zum 15. August begangen wird, ist Obon. Von der Bedeutung her ähnelt es dem katholischen Allerheiligen und Allerseelen, doch die Bräuche sind andere. Man gedenkt in diesen Tagen der Verstorbenen und geht davon aus, dass die Geister der Ahnen zu ihren lebenden Nachfahren zu Besuch kommen. Es wird auch als Laternenfest bezeichnet, weil es die Tradition gibt, in der Nacht auf den 16. August brennende Lampions in Flüssen, oder im Meer schwimmen zu lassen, die die Geister der Ahnen zurück ins Jenseits geleiten sollen.
Was mir an diesem Fest am besten gefallen hat, war das Bon-Odori, der Tanz zu Obon. Es wurden provisorische Bühnen aufgestellt, zum Teil mehrere Meter hoch und rundum mit leuchtenden Lampions dekoriert. Auf der Bühne gab es Musiker, oder es kam volkstümliche Musik vom Band, aber ganz oben stand immer ein Paukenschläger, der den Rhythmus schlug, während sich unten Tänzer und Tänzerinnen in einfachen Schrittfolgen um die Bühne im Kreis bewegten. Jeder, der wollte, konnte sich einreihen und mittanzen, meist waren aber Frauen in Sommerkimonos in der Überzahl.
Solche Bühnen gab es überall, oft hörte man die Musik bei einbrechender Dunkelheit in unmittelbarer Nachbarschaft und konnte dann kurz dort vorbeischauen. An den schönen Sommerabenden war das Bon-Odori sehr stimmungsvoll. Und es gab auch oft Streetfood zu kaufen, gegrillte Hühnerspieße oder gebratene Nudeln. Einmal hat mich bei so einer Gelegenheit ein freundlicher Japaner, den ich nicht kannte, angesprochen und zu sich nach Hause eingeladen, seiner Frau missfiel es aber sichtlich, dass ihr Gatte zu später Stunde mit einem Ausländer aufkreuzte.
Neujahrsfest
Ein anderes wichtiges Ereignis, das in Japan festlich begangen wird, ist Neujahr. Silvester ist dabei nicht so wichtig, es dient nur zur Vorbereitung auf Neujahr. An den ersten Tagen des neuen Jahres besuchen dann alle festlich gekleidet die Schreine. Aber auch Verwandten und Bekannten werden Besuche abgestattet, und man wünscht sich gegenseitig alles Gute im neuen Jahr.
Die Nengajō genannten Neujahrskarten werden schon rechtzeitig in den Tagen vor Neujahr in die Postkästen geworfen und auf den Postämtern nach den Adressaten sortiert, sodass alle Glückwunschkarten gesammelt und pünktlich am ersten Januar von den Briefträgern zugestellt werden können. Auch die Fernsehprogramme sind zu Neujahr mit diversen Shows nur auf die Festtage zugeschnitten.
Matsuri
Abgesehen von den Festen, die in ganz Japan gefeiert werden, gibt es auch Feste, die nur regional stattfinden. Ein Teil davon sind Dorf- und Stadtfeste, vergleichbar mit den Kirchweihfesten in Deutschland, wo hauptsächlich nur die Einheimischen teilnehmen. In Japan stehen sie oft in Zusammenhang mit religiösen Zeremonien bei Tempeln oder Shinto-Schreinen. Bei letzteren werden dann tragbare Schreine durch die Straßen getragen.
Ein Beispiel dafür, ist Sanjasai in Tokyo beim Asakusa-Schrein, in der Nähe des Flusses Sumida. Der Bezirk ist das ganze Jahr über touristisch geprägt, vom Kaminari-Mon bis zum Asakusa-Schrein führt eine Verkaufsstraße, die nur aus Ständen und Kiosken besteht. Dort werden Reiscracker verkauft, aber auch andere touristische Artikel angeboten.
Durch diese Straße werden in der dritten Maiwoche, wenn das Fest stattfindet, Omikoshi genannte Schreine von großen Menschengruppen auf den Schultern getragen, und es geht dabei sehr ausgelassen zu. Dieses Fest ist über Tokyo hinaus bekannt und deshalb immer gut besucht.
Solche Feste, beziehungsweise Festivals, werden Matsuri genannt, und zu jenen, die auch überregional bekannt sind, reisen immer viele Schaulustige an. Rund ein Dutzend solcher Matsuris sind so berühmt, dass sie zu richtigen Touristenmagneten geworden sind. Die populärsten ziehen jährlich hunderttausende von Besuchern an. Meist sind es Japaner, aber in den letzten Jahren kamen auch immer öfter internationale Gäste dazu.
Gemeinsam mit Tänzergruppen durch die Straßen ziehen
Vom Ablauf her gibt es mehrere Kategorien, wie diese Prozessionen ablaufen können. Bei einigen, wie dem oben erwähnten Sanjasai, werden tragbare Schreine durch die Straßen getragen, doch bei anderen werden geschmückte Festwägen durch die Stadt gerollt, auf denen auch Menschen sitzen können, zum Beispiel Musiker. Diese Wägen werden an Seilen gezogen und manchmal gehört es zum Brauch, dass die Wägen touchieren, meistens werden sie jedoch zur Bewunderung durch die Straßen gefahren.
Es gibt aber auch Matsuris, wo nur Musikergruppen, die japanische Musikinstrumente wie Shamisan und Flöte spielen, gemeinsam mit Tänzergruppen durch die Straßen ziehen. Unter Umständen können dort auch Blasmusikkapellen auftreten, die schmissige Märsche spielen. Dabei tragen die Musiker – in der Mehrzahl meist Musikerinnen – Phantasieuniformen und bieten im Vorbeimarsch eine einstudierte Show.
Die Auftritte dieser Bands sind streng choreographiert, alle Musiker marschieren nicht nur im gleichen Rythmus, sondern alle Trompeten- und Posaunenspieler wenden ihre Instrumente auch gleichzeitig nach links oder rechts, nach oben oder unten. Ähnlich marschieren auch die Schlagzeuger, und vorneweg schwingen die Stabführer ihre Stäbe, werfen sie hoch in die Luft und fangen sie geschickt wieder auf.
Der „Fußtanz“
Bei der einfachsten Art dieser Matsuris gibt es keine Umzüge, nur Ess-, Verkaufs-, und Spielstände, wo man bei Geschicklichkeitsspielen etwas gewinnen kann. Und dazwischen gibt es kleine Bühnen, wo kurze Aufführungen dargeboten werden.
Das originellste, was mir bei so einer Gelegenheit begegnet ist, war Ashi-odori, der „Fußtanz“. Der „Tänzer“ liegt da auf der Bühne auf dem Rücken mit dem Kopf zum Publikum, sein Körper bleibt aber für die Zuschauer unsichtbar, nur seine unteren Extremitäten sind zu sehen. An den hochgereckten Füßen hat er Masken befestigt, und seine Schienbeine sind bis übers Knie durch Stoffe, die Kostüme andeuten, verdeckt. So kann er begleitet von Musik durch die Bewegung seiner Füße einen Puppentanz simulieren.
Meist sind bei den Matsuris die Kategorien vermischt, Umzüge sind da kombiniert mit Tanz- und Musikdarbietungen, und daneben gibt es Verkaufsstände. Kleinere Feste finden meist an ein, bis zwei Tagen statt, doch größere Feste können mehrere Tage oder sogar Wochen in Anspruch nehmen, da muss den Besuchern Abwechslung geboten werden.
Prunkwagen-Prozessionen
Das Gion-Fest in Kyoto dauert den ganzen Monat Juli, doch der Höhepunkt ist am 17. Juli, wenn altertümliche Prunkwägen durch das Stadtviertel gezogen werden. Die Wägen haben hohe hölzerne Räder, sind aber nicht lenkbar, es gibt keine Deichsel. Die Männer, die sie durch die Straßen ziehen, müssen die Vorderräder der Wägen jedes Mal mit Hauruck herumreißen, wenn sie abbiegen oder eine Kurve fahren sollen. Diese Art von Festwägen, mehr oder weniger prunkvoll, habe ich in verschiedenen Städten gesehen.
Ein anderes Fest mit Umzugswägen, das mindestens ebenso berühmt ist wie das Gion-Fest, ist das Nebuta-Fest in Aomori in Nordjapan. Es findet Anfang August statt. Die Wägen sind mit sehr schönen bunten Motiven dekoriert. Sie zeigen Helden und Dämonen, Tiger oder Drachen und sind dabei von innen beleuchtet, deshalb kommen sie besonders im Dunkeln zur Geltung. Diese Wägen werden auch von Menschen gezogen, sind aber sehr beweglich, sie können gedreht werden und ohne Probleme die Straßenseite wechseln. Die Wägen werden begleitet von großen Musik- und Tanzgruppen, alle in besonderen Kostümen, die nur bei dieser Gelegenheit getragen werden.
Diese Feste finden meist in der warmen Jahreszeit statt, aber es gibt ein solches Fest auch Anfang Dezember, das ist das Nachtfest in Chichibu, in der Nähe von Tokyo. Die Stadt ist relativ klein und von Bergen umgeben. Das Fest ist zwar bekannt, aber es kommen dorthin nicht so viele Zuschauer, denn es findet bei recht kühlen Temperaturen statt. Außer der Prozession mit den Prunkwägen gibt es auch ein schönes Feuerwerk. Doch um dabei bis in die Nacht durchzuhalten, muss man sich öfters mit heißem Sake aufwärmen.
Das Kantō-Matsuri
Ein anderes bekanntes Fest ist das Kantō-Matsuri in Akita im Nordosten Japans, es wird Anfang August begangen. Bei diesem Fest werden an langen Bambusstangen in großer Zahl befestigte leuchtende Lampions balancierend durch die Straßen getragen. Angeblich sollen die Lampions auf den Stangen Reisähren symbolisieren, denn bei diesem Fest wird eine gute Reisernte erbeten.
Die Träger jonglieren die Stangen, die ein hohes Gewicht haben, auf einer Handfläche, auf der Stirn, auf den Hüften oder auf den Schultern. Sie wechseln sich dabei auch ab und geben die Laternenstangen weiter. Insgesamt werden bei der Parade über 200 Stangen präsentiert, und es wird dazu fleißig getrommelt. Die größten Stangen sind 12 Meter hoch, 50 Kilogramm schwer und sind mit 46 Laternen bestückt. Auf dem Straßenzug, wo sie getragen werden, darf es keine Oberleitungen geben, sonst kommt die Prozession nicht durch.
Die kleinsten Stangen sind nur 5 m hoch, 5 kg schwer und haben 24 Laternen. Mit diesen können sich die Anfänger versuchen, und wenn so eine kleine Stange einmal umfällt, passiert nicht allzu viel. In den Laternen brennen zwar echte Kerzen, doch wenn die Stangen umfallen, werden die Flammen durch den Luftzug ausgelöscht.
Hanagasa-Matsuri
Ein anderes bekanntes Fest in Nordostjapan ist Hanagasa-Matsuri in Yamagata. Das Fest findet jährlich am ersten Wochenende im August statt. Der Name kommt von dem Blumenhut, einem Strohhut mit roten Blumen, der beim Tanz getragen wird. Aber nicht am Kopf, sondern in den Händen, denn er wird beim Tanz geschwungen.
Dabei bewegen sich nur die Tänzergruppen durch die Straßen, aber es fahren auch Autos in der Größe von Lieferwagen mit, auf denen Paukenschläger postiert sind, und die Musik kommt vom Band. Dabei ist immer die selbe Musik zu hören, der Hanagasa Ondo. Es gibt auch einige gemischte Tanzgruppen, aber ansonsten tanzen in den meisten Gruppen ausschließlich Frauen.
Während bei vielen anderen Festen eine jahrhundertelange Tradition behauptet wird, ist das Hanagasa-Matsuri relativ neu, es begann erst in den 1960er Jahren. In diesem Fall lässt sich sagen, dass es ein rein touristisches Event ist.
Kurokawa-Nō
In der Präfektur Yamagata gibt es aber auch ein festliches Kulturereignis, das wenig bekannt ist, jedoch schon seit Jahrhunderten veranstaltet wird. Es handelt sich um das sogenannte Kurokawa-Nō. Das ist keins der üblichen Matsuri, sondern ein Schreinfest in dem kleinen Ort Kurokawa. Es findet jedes Jahr vom 1. Februar bis zum darauf folgenden Tag statt. Die ortsansässigen Familien spielen dabei vom Abend durch die Nacht bis zum nächsten Morgen ohne Unterbrechung traditionelles Theater und zwar Nō- und Kyōgen-Stücke in alten historischen Kostümen und Masken.
Zum Teil wird in Privathäusern gespielt, der Abschluss findet jedoch im Kasuga-Schrein statt. Ich habe der Veranstaltung einmal beigewohnt, und es war für die Darsteller weit ermüdender als für die Zuschauer, denn sie mussten nicht nur die ganze Nacht wach bleiben, sondern dabei auch noch Theater spielen. Die abschließende Aufführung im Schrein am folgenden Morgen zog sich ziemlich lange hin, weil allen Beteiligten immer wieder die Augen zufielen.
Es gibt bei der ganzen Veranstaltung viele Riten und zeremonielle Bräuche. Und wenn auch die Anwesenheit von Zuschauern, die nicht aus dem Dorf stammen, zugelassen ist, sind die Aufführungen kein Publikumsevent, denn sie bedeuten eigentlich, dass sie nur zu Ehren des Schreingottes stattfinden.
Tanabata-Fest in Sendai
Tanabata ist ein traditionelles Fest in Japan, das eigentlich chinesischen Urspungs ist. Es bezieht sich auf zwei Sterne im Milchstraßensystem, die sich angeblich am 7. Juli – nach dem Mondkalender – am nächsten kommen, und es wird dabei auf die Legende von Kuhhirte und Weberin Bezug genommen. Es soll sich um zwei Liebende handeln, die sich nur einmal im Jahr am 7. Juli sehen dürfen. Doch wenn der Himmel zu diesem Datum bewölkt ist, fällt das Wiedersehen auch an diesem Tag aus.
Ursprünglich soll Tanabata ein Fest in adeligen Häusern gewesen sein, heute ist es eher ein Fest für Kinder. In Kindergärten und Schulen ist es Brauch, Bambuszweige aufzustellen und die Kinder können dort Wunschzettel an die Zweige heften. Auf bunte Papierzettel schreiben sie Wünsche, von denen sie hoffen, dass sie in naher Zukunft in Erfüllung gehen.
Das Tanabata-Fest in der Stadt Sendai im Nordosten Japans findet aber nicht am 7. Juli statt, sondern am 7. August, denn es orientiert sich am Mondkalender. Es ist für seinen schönen und aufwändig gestalteten Papierschmuck bekannt, der in den Einkaufsstraßen aufgehängt wird. Die bunten Dekorationen baumeln da von großer Höhe herab, aber die unterhalb angebrachten langen Papierstreifen berühren zum Teil die Köpfe der darunter hinwandelnden Besucher.
Diese Dekorationen stellen nicht nur Schmuck dar, sondern haben je nach Ausgestaltung auch unterschiedliche Bedeutung. Die einen sollen helfen, Lernfortschritte zu erzielen, andere Krankheit und Unglück fernhalten, wieder andere häuslichen Frieden und Gesundheit bewahren, oder zu sparsamem aber erfolgreichem Wirtschaften anregen. Letztlich deckt sich diese Symbolik mit den Zetteln, auf die die Kinder ihre Wünsche schreiben und an den Bambuszweigen befestigen, dass sie in Erfüllung gehen mögen.
Awa-Odori
Awa-Odori ist ein Tanzfest in der Präfektur Tokushima auf der Insel Shikoku. Dieses Fest ist in Japan sehr berühmt, es findet jedes Jahr vom 12. bis 15. August statt. Und das Datum ist ein Hinweis darauf, dass es ursprünglich aus dem oben erwähnten Bon-Odori entstanden ist, beziehungsweise eine Sonderform des Bon-Odori darstellt.
Eine Besonderheit ist, dass Männer und Frauen ganz unterschiedlich tanzen. Der weibliche Tanz ist sehr geschmeidig und elegant, der männliche Tanz rau und zum Teil auch komisch. Die Tänzerinnen sind in schöne Sommerkimonos zum Teil in Pastellfarben gekleidet. Am Kopf tragen sie spitz gefaltete Strohhüte und an den Füßen Geta genannte Sandalen, deren Sohlen nicht flach, sondern mit Querhölzern erhöht sind. Beim Tanz kippen sie die Zehen nach vorn, was die Schritte nicht platt, sondern zierlich, fast ballettartig wirken lässt.
Zwischen den einzelnen Tanzgruppen gehen auch Musikgruppen mit, die Flöte, Shamisen und Trommeln spielen. Als Zuschauer muss man dort nicht wie bei den meisten anderen Festen am Straßenrand stehen, sondern es gibt Tribünen, wo man bequem Platz nehmen und die vorbeiziehenden Tanzgruppen bewundern kann. Mir ist dieses Fest in sehr schöner Erinnerung geblieben.
Hakata Dontaku in Fukuoka
Das Hakata-Dontaku-Fest in Fukuoka findet jedes Jahr Anfang Mai statt und wirkt relativ modern. Es treten neben Teilnehmern in Kimonos auch Mitwirkende in modernen Kostümen auf, und es fahren dekorierte Wägen aus Reklamezwecken mit. Das Wort Dontaku soll auf das holländische Wort zondag (Sonntag, in Japan bedeutete es im weiteren Sinn auch Feiertag) zurückgehen, doch welchen Bezug das zu dem Fest hat, wurde mir nicht klar. Ursprünglich soll es ein Fest zu Neujahr gewesen sein, deshalb treten auch drei Glücksgötter auf, und das Fest blickt angeblich sogar auf eine 800-jährige Tradition zurück.
Die Glücksgötter Fukurokujin, Ebisu und Daikoku spielen heute noch eine wichtige Rolle, sie reiten in Maske und Kostüm auf Pferden in der Prozession mit. Die übrigen Mitwirkenden sind aber meist verschiedene Tanz- und Musikgruppen, darunter das Polizeimusikkorps von Fukuoka. Daneben finden viele Veranstaltungen auch auf Bühnen statt. Das Fest soll jährlich mehrere hunderttausend Besucher anziehen, aber mich hat es nicht sonderlich beeindruckt.
Tenjin-Fest in Osaka
Sehr beliebt ist in Japan auch das Tenjin-Fest in Osaka, es findet am 25. Juli statt. Es erinnert an den Dichter und Gelehrten Sugawara no Michizane, der von 845 bis 903 lebte und nach seinen Tod unter dem Namen Tenjin Tenman zum Gott der Gelehrsamkeit erklärt wurde. Sein erster ihm zu Ehren errichteter Schrein befindet sich in Kyoto, doch in Osaka wurde ihm auch ein Schrein gewidmet und dort wurde das Tenjin-Fest populär.
Es beginnt mit Zeremonien am Tenman-gū-Schrein, dann findet eine Prozession durch die Stadt statt und später gibt es eine große Bootsparade auf dem Fluss Okawa verbunden mit einem nächtlichen Feuerwerk.
Shingenkō-Fest in Yamanashi
Ein anderes Fest, das in Bezug zu einer historischen Figur steht, ist das Shingenkō-Matsuri in Yamanashi. Der namensgebende Shingen Takeda lebte im 16. Jahrhundert, war Daimyō des Landes Kai (das dem Gebiet der heutigen Präfektur Yamanashi entspricht) und einer der bedeutendsten Feldherrn seiner Zeit. Die Armee mit 24 Generälen unter seiner Führung galt wegen ihrer effektiven Kavallerie zu seinen Lebzeiten als unbesiegbar.
Er starb 1573, bevor die entscheidenden Kämpfe um die Reichseinigung unter Nobunaga Oda begannen. Sein Sohn und Nachfolger Katsuyori Takeda hatte zwar seine siegreiche Armee geerbt, aber nicht das strategische Genie seines Vaters. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen erlitt er bei der Schlacht von Nagashino gegen Nobunaga Oda eine vernichtende Niederlage. Es gelang ihm zwar, sich vom Schlachtfeld zurückzuziehen, doch am Ende verlor er alles, und mit ihm ging sein ganzer Familienclan unter.
Vor diesem Hintergrund wird jedes Jahr im April eine große Prozession veranstaltet, wo ein Schauspieler als Shingen Takeda mit seinen 24 Generälen hoch zu Ross eine Armee anführt, bei der alle Teilnehmer in Samurai-Rüstungen erscheinen. Auch Shingen Takedas Hofstaat marschiert mit. Es gibt ähnliche Umzüge mit historisch kostümierten Akteuren in anderen Städten, doch das Shingenkō-Fest ist sowohl von der Teilnehmer- als auch von der Besucherzahl her die größte derartige Veranstaltung.
Ein geläuterter Neuanfang
Das war nur eine kurze Auswahl an Festen, die man in Japan besuchen kann. Doch wer von Festen spricht, darf die zahlreichen Feuerwerke in den Sommermonaten nicht vergessen. Obwohl sie, außer dem Feuerwerk selbst, meist mit keinerlei gesonderten Veranstaltungen einhergehen, herrscht dabei immer eine festliche Atmosphäre. Um gute Plätze zu ergattern, machen sich die Zuschauer meist schon früh auf den Weg und setzen sich auf einer Wiese oder an einem Ufer wie zu einem Picknick bei Hanami auf eine mitgebrachte Decke und warten auf den Beginn. Mit Essen und Trinken können sie sich dabei bis zur einbrechenden Dunkelheit die Zeit vertreiben.
Im Gegensatz zu den zahlreichen im Sommer stattfindenden Feuerwerken, sind sie zum Jahreswechsel selten. Nur in Ausnahmefällen veranstalten Gemeinden Silvesterfeuerwerke. Und selbst wenn, sind sie in keiner Weise mit den sommerlichen Feuerwerken zu vergleichen. Die können bis zu einer Stunde oder mehr dauern, sind oft von Musik begleitet und laufen nach einer ausgeklügelten Choreographie ab.
Die Jahreswechsel werden dagegen in Japan sehr ruhig, fast kontemplativ begangen. Um Mitternacht wird nicht lärmend gefeiert, sondern es ertönen nur 108 Glockenschläge in den buddhistischen Tempelbezirken. Durch die Schläge sollen die Leidenschaften ausgetrieben werden, die den Menschen das Leben schwer machen, sodass mit Beginn des neuen Jahres ein geläuterter Neuanfang möglich wird.
Beitragsbild: Corpse Reviver - Eigenes Werk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Danke für den schönen Artikel. Nachzutragen wären die Namahage-Monster aus Akita (am Bahnhof sind welche ausgestellt), und das Setsubun-Fest zum Frühlingsbeginn, bei dem die Oni (Dämonen des Winters) mit Bohnen beworfen werden. War dieses Jahr dabei und habe mir auch eine Eho-Maki gegönnt. In Aomori gibt es übrigens ein sehr sehenswertes Nebuta-Museum mit den Festwagen.