BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse fordert auf einer CSU-Klausur außerdem die EU möge bitte für niedrigere Energiepreise und geringere Zölle sorgen.
Jahrelang hörte man so gut wie nichts Kritisches von den Spitzenvertretern deutscher Automobilkonzerne zu den politischen Vorstößen, die Verbraucher zum Kauf von Elektro-Batterieautos zu nötigen. Vielleicht hofften sie, die deutsche Regierung und die Europäische Union würden ihnen die Zustimmung zur Abschaffung des eigenen Kerngeschäfts mit einem solchen Subventionsüberschuss vergüten, zu dem man einfach nicht "Nein" sagen kann.
Jetzt, nachdem der Weg zurück fast schon verbaut ist, versteht man auch in den Führungsetagen der Automobilhersteller, dass diese Selbstabschaffung mitnichten den erwarteten Gewinn bringen wird. Und plötzlich melden sie sich zu Wort, die Spitzenmanager der Automobilkonzerne und sagen Dinge, auf die viele Menschen, die der Automobilwirtschaft verbunden sind, lange Zeit vergeblich gewartet haben.
Heute ist es BMW-Chef Oliver Zipse, über dessen entsprechende Rede am gestrigen Montag vor den 85 bayerischen CSU-Abgeordneten, die sich zu einer dreitägigen Klausur in das abgelegene Kloster Banz zurück gezogen hatten, berichtet wird. Zipses neue Weisheit: „Eine Fokussierung auf eine singuläre Technologie, die auch noch große Abhängigkeiten schafft, zu einem Zeitpunkt 2035 nur Elektromobilität, ist ein großer strategischer Fehler.“
Und er hat erkannt: „Sie können Kunden ja nicht zwingen, etwas zu kaufen. Der Kunde kann ja sagen, ich kaufe gar nicht. Ich fahre das alte Fahrzeug weiter.“ EU Kommission und Bundesregierung sind allerdings noch der Meinung, sie könnten den Kunden dazu zwingen, etwas zu kaufen, indem man ihnen die Alternative verbietet. "Alternativlosigkeit" ist in deutschen Regierungskreisen ohnehin sehr beliebt.
Was ist an der Bewahrung vorhandener Geschäftsmodelle falsch?
Und auch Zipse möchte vom Klimarettungsnarrativ keinesfalls abweichen, sonst würde er seinen Worten von 2020 widersprechen, als er versprach: "Bei Nachhaltigkeit, beim Klima- und Umweltschutz wird es keine Abstriche geben. Das Thema ist entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft. Deswegen müssen wir gerade in herausfordernden Zeiten die richtigen Weichen stellen – und werden die Schlagzahl sogar nochmal erhöhen." Deshalb liegt es ihm eher, trotz unbotmäßiger Forderungen als Musterschüler aufzutreten: „Wir haben in den letzten zehn Jahren die CO2-Ziele immer unterschritten. Also: Technologie-Offenheit funktioniert.“
Er argumentiert nach dem Motto: „Jedes Jahr müssen Sie ein bisschen besser werden als im vorherigen Jahr, Sie dürfen aber alle Technologien einsetzen: Das ist ein Konstrukt, das deutlich mehr bringen würde – und zwar in Richtung CO2-Effizienz und nicht etwa zur Bewahrung von vorhandenen Geschäftsmodellen.“
Was ist eigentlich an der Bewahrung von vorhandenen Geschäftsmodellen falsch, wenn die sich im Vergleich zu den politisch gewollten wirtschaftlicher als erfolgreicher erweisen?
Aber auch Zipse möchte die Spitzen-Politiker in Berlin und Brüssel nicht verärgern, sondern adressiert lieber Forderungen an sie: „Strompreise runter. Das ist das aller-aller-wichtigste“. Außerdem hätte er gern geringere Zölle: „Jeder Zoll ist ein Zoll zu viel. Die Rechnung zahlen immer die Bürger des Landes, das die Zölle erhebt.“ Die höchsten Zölle, die BMW zahlen müsse, seien tatsächlich von der EU verhängt worden und nicht von den USA. „30,7 Prozent für elektrische Minis, die wir in China produzieren."