Dushan Wegner, Gastautor / 19.05.2019 / 10:04 / Foto: Gregor Tatschl / 99 / Seite ausdrucken

Verschwörungstheorien und Kompromat

Wenn Sie eine Uhr sehen, sei es eine einfache Digitaluhr oder ein teures Schweizer Werkstück, wie Volksvertreter es tragen, würden Sie davon ausgehen, dass diese Uhr zufällig entstanden ist? Erschiene es Ihnen plausibel, dass diese Uhr entstand, indem Metallstücke sich beim Schütteln einer Kiste zufällig zusammenfügten? – Nein, selbstverständlich nicht!

Wenn wir eine Uhr sehen, gehen wir stets auch von einem Uhrmacher aus. Dieser Appell an menschliche Intuition ist als „Uhrmacher-Analogie“ (siehe Wikipedia) fester Bestandteil "kreationistischer" "Theorien", also jene Welterklärungsansätze, die davon ausgehen, dass die Welt samt allem, was darin ist, von einer intelligenten, bewussten Entität – sprich: Gott – geschaffen wurde. Das Uhrmacher-Argument lautet, im Kern: "Ich kann es mir nicht anders vorstellen, also muss es so sein."

Die Ironie in der Gleichzeitigkeit zweier aktueller Meldungen aus dem politischen Zirkus ließ mich schmunzeln!

Die eine Meldung trägt den Titel:

Steinmeier ruft zum Kampf gegen Verschwörungstheorien auf (welt.de, 17.5.2019)

Die andere Meldung lautet:

Geheime Besprechungen beim UN-Migrationspakt – Auswärtiges Amt räumt nichtöffentliche Sitzungen ein (tagesspiegel.de, 17.5.2019)

In dem einen Text lesen wir:

Bis heute glauben laut Steinmeier „viele Menschen daran, dass sich reale oder irreale Verschwörer im Geheimen zusammentun, um dunkle, meist verbrecherische Komplotte zu schmieden“. (welt.de, 17.5.2019)

Im anderen Text lesen wir:

Entgegen offizieller Darstellungen des Auswärtigen Amts (AA) wurde der umstrittene Migrationspakt der Vereinten Nationen in Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. (tagesspiegel.de, 17.5.2019)

Im einen Text lesen wir:

„Populisten in vielen Ländern verbreiten nicht nur sogenannte alternative Wahrheiten, sondern offensichtliche Lügen und Verschwörungstheorien.“ Als Beispiel nannte er die „wirklich gefährliche Behauptung vom angeblichen großen Austausch der Bevölkerung“. (welt.de, 17.5.2019)

Merkel spricht derweil selbst über „Resettlementflüchtlinge“ (siehe @RegSprecher, 2.5.2019, bilden Sie sich auf "Umsiedlungsflüchtlinge" Ihren eigenen Reim…), und dieselbe Regierung will partout nicht verraten, wie viele Migranten tatsächlich eingeflogen werden – es sind wohl nicht wenige (jungefreiheit.de, 15.5.2019).

"Verschwörungstheorie" ist ein politisches Kampfwort, ähnlich wie "Populismus".

In wörtlicher Bedeutung bezeichnet das Wort "Verschwörungstheorie" eine überprüfbare Theorie, wonach sich mächtige Akteure zum Schaden der Gesellschaft "verschworen" haben.

Nicht jede Verschwörungstheorie in der Geschichte erwies sich als falsch, und wahrlich nicht jede erwies sich als richtig.

Ein recht plumper Rundumschlag

Wer noch vor wenigen Jahren behauptet hätte, dass die NSA das gesamte Internet abhört, wäre als "Verschwörungstheoretiker" abgekanzelt worden. Randnotiz: Es war laut netzpolitik.org, 7.8.2013 Steinmeier selbst (damals als Kanzleramtsschef), der die Datenweitergabe vom BND an die NSA absegnete.

Steinmeier versucht in seinem recht plumpen Rundumschlag, Kritiker an geheim verhandelten Plänen zur Migration in einen großen Böse-Leute-Topf zu werfen mit Spaßtheorien, die kaum jemand ernst nimmt. Wer Verschwörungstheorien zur Mondlandung zitiert und die mit kritischen Fragen zum Regierungshandeln gleichsetzt, der gewinnt so nicht unbedingt mein Vertrauen in die Ehrlichkeit seiner Argumentation.

Eine Verschwörungstheorie kann grandios falsch sein, und sie kann rassistisch und antisemitisch sein, wie etwa die sogenannten "Protokolle der Weisen von Zion" oder die Behauptungen von der "Brunnenvergiftung" – beides antisemitische Verschwörungstheorien mit reicher Verbreitung in Teilen der Welt wie LibanonÄgypten oder unter Palästinensern – die "Protokolle" haben es sogar in die Charta der Hamas geschafft (inhaltlich z.B. in Artikel 22, explizit in Artikel 32) – Steinmeier kann ja bald wieder beim "Al-Quds-Tag" in Berlin mit Hamas-Fans über Verschwörungstheorien debattieren (siehe etwa tagesspiegel.de, 8.6.2018).

Eine Verschwörungstheorie kann sich aber auch als womöglich wahr erweisen; etwa, dass die CIA mal mit Verhaltenssteuerung durch Medikamente herumprobierte (siehe nytimes.com), dass die US-Tabakindustrie eine Zeit lang wohl nicht alle Erkenntnisse zur Krebsgefahr offenlegte (siehe cancer.org, 9.1.2014), und die "Brutkasten-Lüge", die zum Irakkrieg motiviert, ist heute de facto Allgemeinwissen (siehe Wikipedia).

In den USA alles eine Nummer größer

Sogenannte "Verschwörungstheorien" werden keineswegs nur von kleinen "Internet-Leutchen" verbreitet! Man könnte die Behauptung, in Chemnitz habe es "Hetzjagden" gegeben, auch als eine Art von "Verschwörungstheorie" bezeichnen, die allerdings von der Kanzlerin selbst verbreitet wurde, und der Chef des Verfassungsschutzes wurde gegangen, weil er sich der politisch opportunen Unwahrheit verweigerte (siehe „Berliner Inquisition, Maaßen und die Scheiterhaufen des Wahrheitssystems").

In den USA ist bekanntlich alles "eine Nummer größer", und wenn einzelne US-Demokraten nicht gerade antisemitisch über Israel herziehen oder den Öko-Sozialismus planen, beschäftigt sich die Partei seit nun schon Jahren mit einer Verschwörungstheorie zur angeblichen "Russia Collusion", basierend auf dubiosen Dossiers – und das Handeln der US-Demokraten, zusammen mit merkwürdig "unfrei" wirkenden Medien sowie gewissen NGOs, diese scheinbare Besessenheit mit einer widerlegten Theorie, es könnte selbst als "Verschwörung" interpretiert werden.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist in Österreich der Vizekanzler Heinz-Christian Strache zurückgetreten, wegen eines Videos von 2017. Es war ein, na, sagen wir mal, "pseudo-konspiratives Treffen" auf Ibiza. In monatelanger Arbeit und mit Methoden, die an feindlich-geheimdienstliche Tätigkeiten erinnern, wurde Strache in ein verwanztes Haus gelockt und alkoholisiert, und er sagte Dinge, die sich für einen Politiker zweifellos nicht ziemen – um es höflich auszudrücken. Davon wurden heimlich nach Art sowjetischer Agententätigkeit auch Videoaufnahmen gemacht, und diese wurde nun via linker Zeitungen platziert. Interessanterweise scheint ein umstrittener Satiriker vom deutschen Staatsfunk bereits im April von dem Video gewusst zu haben (siehe sueddeutsche.de, 17.1.2019, aber auch diepresse.com, 18.5.2019) – Verschwörungstheoretiker fragen sich, wo präzise die Grenze zwischen geheimdienstartigen Tätigkeiten, feindlichem Fallenstellen und deutschen Medien verläuft.

Ist es "Wahlkampf mit erweiterten Mitteln", Politiker in Fallen zu locken, zu alkoholisieren und zu verhängnisvollen Aussagen zu verlocken? Manche vermuten, hinter der Aktion nach Art sowjetischer Geheimdienste stecke "Political Beauty" (etwa @DanielLaufer, 17.5.2019) – siehe auch Kontext „Dürfte Satire einen Menschen töten?" (2017)

Es ist immer wieder nützlich, alte Wörter neu zu lernen, heute "Kompromat", vom russischen "компромат", war die Kurzform von "компрометирующий материал" ist, laut Wikipedia "ein ursprünglich aus dem Jargon des sowjetischen Geheimdienstes KGB stammender Begriff für kompromittierendes Material, meist über einen Politiker oder eine andere Person des öffentlichen Lebens. Solches Material kann verwendet werden, um unliebsame Personen zu diskreditieren oder um Personen mit der Drohung, das Material zu veröffentlichen, zur Kooperation zu zwingen".

Wir sollten uns darauf einstellen, dass Globalisten den Geist und die Methoden alter Schule mit den Möglichkeiten neuer Technik kombinieren. Wie viele "feindliche" Politiker wurden noch abgehört, bis man endlich Kompromat fand? In der Logik derer, welche das Fallenstellen und heimliche Filmen bejahen, ist es ab sofort moralisch und demokratisch vertretbar, den politischen Gegner auch mittels junger Damen zu verführen, ihn zum Trinken zu verleiten und zu filmen, und das so lange und so oft, bis er etwas Verwerfliches sagt.

Wollen wir eine Gesellschaft, in der politische Gegner mit Geheimdienstmitteln erledigt werden, ohne richterlichen Beschluss, ohne Rechtsgrundlage außer dem „gesunden linken Volksempfinden“? – Wer die Erledigung Straches bejubelt, der könnte im Geiste der alten Sowjetunion und der Diktatur womöglich näher stehen als der freiheitlichen Demokratie.

Wozu wird die Erledigung Straches deutsche Globalisten und Haltungsjournalisten denn noch motivieren?

Für NGOs einen eigenen Geheimdienst? 

Werden wir demnächst erleben, dass deutsche Medienschaffende und NGOs einen eigenen Geheimdienst aufbauen, der politische Gegner im In- und Ausland in Fallen lockt und dann erledigt? Wer gibt ihnen den Auftrag?

Frau Nahles von der deutschen (!) SPD fordert jetzt Neuwahlen in Österreich (! – ist das geschichtlich klug?!) – ihre Parteikollegin Dreyer ist bekanntlich Chefin des Verwaltungsrates beim ZDF, dessen "Satiriker" auffallend früh von dem in geheimdienstartigen Fallen-Video wusste – wer Verschwörungstheorien erfinden will, würde hier eventuell Material finden – doch das sollte man nicht tun, so sagt der Herr Bundespräsident.

Steinmeier wirft seinen politischen Gegnern vor, "Verschwörungstheorien" zu verbreiten, weil sie "dunkle Mächte" und "Verschwörer" hinter politischen Entscheidungen sehen – während tatsächliche Verschwörer den politischen Feinden der Globalisten tatsächliche Fallen stellen.

Im Text „Darf man über ‚Lügen‘ reden?" habe ich dargelegt, dass Systeme und Organisationen sich durchaus "lügend" verhalten können, ohne dass ein einzelner Mensch verantwortlich zu machen wäre. Ebenso kann sich ein System wie die UN, die EU oder, ja, die ominöse "Weltgemeinschaft" verhalten, als ob sie sich zu diesem oder jenen Ziel "verschworen" hätten.

Ich glaube nicht, dass hinter der Strache-Falle oder den Migrationsbewegungen oder all den anderen Dingen, die "einfach passieren", eine Verschwörung steckt. Viele einzelne Player mit Mangel an Gewissen und Verstand, vielleicht, aber nicht eine Verschwörung – es ist auch gar nicht notwendig für die Theorie.

Selbst wenn die deutsche Regierung nicht von "Resettlementflüchtlingen" sprechen würde, die UN nicht von "Resettlement" (unhcr.org/resettlement.html) und nicht von "Replacement Migration" (un.org), selbst dann müsste man sich fragen, wohin die Handlungen zielen, unabhängig davon, ob da ein Einzelner die Strippen zieht oder eben nicht – es passiert, ob mit Akteur oder ohne. Der Regen regnet, unabhängig davon, ob Petrus im Himmel die Wolken "anschaltet" – oder ob sich einfach Tropfen bilden, weil die Wolken in größere Höhen aufsteigen. In der Logik eines Steinmeier gibt es keinen Regen, weil niemand nachweisen konnte, dass ein Wettergott bewusst und aktiv das Wetter steuert, und doch werden die Menschen nass.

Was Popper "Metaphysik" nennt

Ich selbst halte mich von Verschwörungstheorien fern, soweit irgend möglich. Eine Theorie muss auch praktisch belegbar oder eben widerlegbar sein, sonst ist sie das, was Popper "Metaphysik" nennt. Wenn ich aber eine Verschwörungstheorie entwickeln müsste, dann würde ich gemäß Ockhams Rasiermesser die einfachstmögliche Theorie entwickeln, etwa so: "Einige derer da oben werden von Russland bzw. China 'motiviert', Europa zu schwächen durch den Versuch, das Sozialamt Afrikas zu machen, damit Russland und China sich derweil Afrikas Rohstoffe aufteilen können (ich würde etwa heranziehen: theguardian.com, 11.9.2018: "Kremlin officials are offering arms and military services deals in exchange for diplomatic support and mineral extraction contracts"; forbes.com, 4.8.2018: „Chinese corporations are all over Africa.", aber auch die US-Reaktion, theguardian.com, 13.12.2018: "US unveils new Africa policy to counter ‚predatory‘ Russia and China") – während Europa sich der Armen und Gestrauchelten aus Afrikas Krisenregionen annimmt, zanken USA, Russland und China um die Rohstoffe – und nebenbei die anderen Rohstoffe der Zukunft produzieren, etwa Information und Künstliche Intelligenz (siehe etwa reuters.com, 15.1.2019: „Commentary: Are China, Russia winning the AI arms race?")" Natürlich wäre eine solche Theorie völliger Humbug, wie sollte ich sie beweisen? Wäre sie aber wirklich noch abgedrehter als "Merkel hat einfach ein großes Herz und ist sich der deutschen Schuld bewusst, und deshalb zieht sie ganz Europa in die Bredouille"?

„Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit genügt.“

Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker, ehrlich nicht, ich bin vielmehr ein großer Freund eines anderen logischen Rasiermessers, nämlich „Hanlon’s Razor": "Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit genügt."

"Linke" und "gute" Politiker halten in Sonntagsreden die Bedeutung der Privatsphäre hoch, doch die Erledigung des politischen Gegners mit schmutzigen Geheimdienstmitteln und illegale Überwachung bejubeln sie. Es sind dieselben Leuten, die Kopftücher für ein Symbol des Feminismus halten und eine "Islamisierung" ebenfalls für "Verschwörungstheorie" halten. Nein, dafür braucht es keine "Verschwörungstheorie" zur Erklärung, es genügt die übliche linke Kurzsichtigkeit. Wenn das "gesunde linke Volksempfinden" sagt, dass der zu Erledigende ein "Böser" ist, dann braucht es wohl keinen Richterbeschluss und keine Rechtsgrundlage – dünneres Eis ist kaum denkbar.

Meine "Verschwörungstheorie", wenn sie so wollen, lautet eher: Viele "derer da oben" in der Politik verfügen über Inselbegabungen, und sie können (so gut wie) nichts, als "nach oben" zu gelangen. Viele von denen sind weder von Gewissen noch von Sinnsuche geplagt, auffallend oft nicht einmal von Sorge um die eigenen Kinder. (Doch wenn sie Familie haben, dann lassen sie diese auch nicht verhungern – wäre die Einstellung von Verwandten eigentlich "Verschwörung" oder "gelebte Sozialdemokratie", Frau Schwesig? – siehe ostsee-zeitung.de, 17.5.2019. Was sagt Genosse Steinmeier dazu?)

Merkel ist bis heute nicht in der Lage, kohärente Sätze zu bilden, und von Leuten wie Nahles oder Juncker brauchen wir gar nicht zu reden. Nein, ich sehe bei denen keine große Verschwörung, höchstens das Köfferlein nebenher und die Anschlussverwendung danach, nein, ich sehe zuerst Menschen mit einer einzigen Fähigkeit, nämlich, an die Macht zu gelangen – und sonst mit schreiend wenig.

Ich bin ein Nicht-alles-Glauber

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, doch ich bin ein Nicht-alles-Glauber.

Ich wage es, dieser Tage öfter zu sagen: "Ich glaube euch nicht.", oder, mit einem ehemaligen Straßenrowdy und Außenminister: I am not convinced – ich bin nicht überzeugt.

Ich halte die Falle, in welche dubiose Kräfte den österreichischen Vizekanzler lockten, nicht für den Teil eines "großen Plans". Es sind einzelne Akteure mit Partikularinteressen. Irgendwer wollte seinen Gegner erledigen. Irgendwer wollte einen schnellen Euro verdienen. – Ich glaube aber auch nicht, dass dieser Fall die eine große Ausnahme war. Dieselben Leute und Akteure werden umherziehen und anderes Material herzustellen versuchen – wahrscheinlich ziehen sie bereits umher, schon länger.

Ich glaube denen nicht, dass die einen Plan zum Guten haben; dafür ist schon zu viel Leid geschehen. Ich glaube ihnen nicht, dass die überhaupt einen Plan haben, denn dafür ist zu oft das eingetreten, was die „Bösen“ und „Verschwörungstheoretiker“ vorhersagten.

Ich werfe denen nicht die große Verschwörung vor, nicht einmal wirklich Bosheit – kann ein Mensch "böse" sein, wenn er nicht weiß, was "gut" bedeutet?

Das Gegenstück zur Uhrmacher-Theorie ist die Theorie von der Evolution. Europa hat es, durch manche Irrung und Wirkung hindurch, weit gebracht – und nun? Die Menschheit und ihre Kultur entwickeln sich weiter, doch ob und wie das in Europa passieren soll, das wird täglich wolkiger.

China und Russland haben Pläne und verfolgen sie; das ist keine "Verschwörung", sondern Strategie. Amerika versucht derzeit mit Trump an der Spitze, den linken Suizidalismus abzuschütteln – nur Europa geht es derzeit wie jüngst dem Dach der Notre-Dame; es brennt, und man fürchtet den Wiederaufbau fast mehr als den Brand.

Es gilt auch weiterhin, am Irrsinn nicht irre zu werden; Denkregeln können uns als Geländer dienen, etwa diese: Nichts ist nur deshalb wahr, weil du es gesagt hast. Ganz bestimmt ist nichts nur deshalb wahr, weil ein Politiker es gesagt hat. Keine Theorie ist dadurch schlecht, weil sie einen Politiker stört – doch wahr ist es dadurch ebenso nicht.

Den Strache-Rücktritt kann man so oder so sehen (nicht jeder Politiker, der tatsächlich Geld annahm, etwa in einem schwarzen Koffer, ist für alle Zeiten zurückgetreten, um es höflich zu formulieren), aber unausweichlich ist dieser Rücktritt doch. Die Methoden aber, mit denen Strache erledigt wurde, diese schmutzigen Tricks könnten ein Hinweis sein auf kommende nationale Wahlkämpfe in Zeiten des Globalismus.

Vor wenigen Monaten schrieb George Soros: "Europa schlafwandelt in Richtung Untergang, und die Europäer müssen aufwachen, bevor es zu spät ist." Wer hätte gedacht, dass ich ihm zustimme, wenn wohl auch anders, als er es meinte. Es gilt heute auch weiterhin, und es gilt so nachdrücklich wie noch nie: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

 

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

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Leserpost

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Wolfgang Kaufmann / 19.05.2019

Die ganze Schnatteria regt sich über die (unzweifelhafte) moralische Verkommenheit eines schmierigen Politikers auf, doch keiner stört sich an der Dekadenz unseres Rechtsempfindens. Sprich: Das Gesicht eines U-Bahn-Schlägers muss wegen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und Pipapo verpixelt werden, aber ein Einbruch mit konspirativen Methoden in Straches Privatsphäre und die Veröffentlichung der entstandenen Aufnahmen gelten nicht als Skandal, weil sie ja angeblich einer guten Sache dienen. Früher sagte man: Der Hehler ist schlimmer als der Stehler. Leider ist inzwischen ein rein taktisches Verhältnis zu Recht und Gesetz hoffähig geworden, wie wir es aus den Zeiten des Sozialismus nur allzu gut kennen.

Frank Holdergrün / 19.05.2019

Ich stelle mir den Strache Case als eine Art Geschäft vor, ausgedacht von simplen, mafiösen Leuten, die die angeberhafte Oberkellner-Mentalität Straches unschwer identifizieren konnten. Eine langfristige Falle, geschickt an die Schwächen dieser beiden traurigen Gestalten gelegt, fertig war die Geschichte. Wir werden niemals erfahren, wer den Anstoß gab und was die Zeitungen für dieses Ding bezahlt haben. Fakt aber ist, Klar ist, wem das Ganze nutzt: der Relotius Presse und einer Partei, die Gastwirtssöhne ihr eigen nennt, die fleißig twittern und den Schmutz Straches begierig zur AfD nach Deutschland kübeln. Es scheint ihr letzter Rettungsanker zu sein und keiner von uns wollte jemals bei Gesprächen von Gasgerd mit seinen Geschäftspartnern in der Russischen Föderation anwesend (gewesen) sein. Relotius und die Abhörer von Strache spielen in einer Liga, ihr perfides Vorgehen kennt keine Grenzen mehr.

Sepp Kneip / 19.05.2019

Man kann das Wort “Verschwörungstheorie” vonseiten des Mainstreams einfach nicht mehr hören. Insbesondere im Hinblick auf das, was in Deutschland und Europa derzeit passiert. Ist es Verschwörungstheorie, wenn man über Tatsachen redet, die von den Protagoniosten der Umvolkung öffentlich gesagt wurden? Zwar nicht vor breitem Publikum, aber in Kreisen, die dieser Politik offen gegenüber stehen. Die Verfechter dieser Umvolkungspolitik sind sattsam bekannt. Und sie meinen es ernst, allen voran Frans Timmermans, der sogar den Kommissionsvorsitz anstrebt. Sie sind es, die eine Verschwörung gegen die Bürger Europas betreiben. Gegen die Nationen und Kulturen. Timmermanns will die europäischen Nationen “ausradieren”. Es gibt also eine Verschwörung - und das ist keine Theorie, die ist real. Es sind die vom Bürger gewählten Volksverteter, die dieses Volk zerstören.

Ingo Hahnen / 19.05.2019

Der Veröffentlichungszeitpunkt spielt bei der Aufdeckung und medialen Verarbeitung eines Skandals wie bei Strache, d. h. für die politische Partei, der es nutzt, eine ganz zetrale Rolle. Für Politprofis ein gefundenes? Fressen. Kostenlos? Für alle, die nicht wissen, wie es jetzt ungefähr weiter geht, der sollte sich der Barschel Affäre erinnern. Ein orchestrierter Erregungszeitraum und empörte Linke. Der Wahltag kommt und die Ernte wird eingefahren. Allerdings sollte man Barschel nicht ohne Engholm denken. Der musste seine Lügen jedoch erst nach dem Wahltag einräumen. Politik ist ein dreckiges Geschäft. Die meisten Leute, die es mittlerweile ganz nach oben schaffen, müssen nach Abi und AStA eben in den Parteien ihre Ausbildung zum Funktionär und Abgeordneten veredeln. Kampagnenfähigkeit ist mit das Wichtigste. Totengräber wie Frau Nahles beherrschen dieses Geschäft

Sebastian Gumbach / 19.05.2019

Dirk Müller hat das ungefähr so erklärt: Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen ( / Organisationen / Parteien / Menschen Ziele verfolgen. Die oberste Ebene - das Interesse von Staaten wie China oder den USA - überlagert z.B. die Interessen der Wirtschaft. Die Interessen der Wirtschaft überlagern die Interessen von politischen Parteien, die Interessen von Parteien überlagern meine Interessen. Ich als einzelner Mensch stehe am Ende der Nahrungskette, und ich habe nur sehr bedingt Einfluss auf die Interessen der Schichten über mir. Ein zentrales Interesse ist die Etablierung eines EU-Staates, und das bedeutet zwangsläufig die Zerschlagung der Nationalstaaten. Wie erreicht man das? Durch heterogene Völker, also einen maximalen Influx von Afrikanern und Arabern. Das ist nicht mein Interesse, aber ich kann das auch kaum beeinflussen. Meine einzige ‘Waffe’: Migration in Gebiete, in denen das nicht praktiziert wird.

Donald Adolf Murmelstein / 19.05.2019

Die K.O-Methoden sind menschlicher geworden - zumindest befindet er sich noch unter den Lebenden. Vor ein paar Jahren würde er wahrscheinlich schon Hosiana singen.

Manfred Haferburg / 19.05.2019

Toller Artikel, Chapeau. Die hinterhältigen und illegalen Methoden, mit denen der Vizekanzler Strache in eine Venusfalle gelockt wurde, sind widerwärtig und zwielichtigen Linken wie Böhmermann und Konsorten durchaus würdig. Das betrifft auch die zeitliche Orchestrierung vor der Europawahl. Nur - wie kann ein führender Politiker so genuin dumm sein und sich mit Bäuchlein und Bierdose derartig vor einer jungen, russischen “Oligarchin” aufblasen, im Glauben sie damit beeindrucken zu können?  Hat der Mann keinen Spiegel? Was wollte er von Ihr?  Hier war Dummheit hinreichend, auch wenn ich zumindest einen Mangel an Moral unterstelle.  Sollte so jemand Vizekanzler sein? Insofern ist das Ergebnis der Intrige womöglich gut für das Land Österreich.

Bernhard Krug-Fischer / 19.05.2019

Lieber Herr Wegner, heute früh habe ich zum Beitrag von Herrn Maxeiner in meinem Leserbrief noch Werbung für Ihren Artikel gemacht und schon wird er auf der Achse eingestellt. Zufall oder steckt vielleicht sogar eine Verschwörungstheorie dahinter??  Z.B. Maas und Steini zum Rücktritt aufzufordern und in die Wüste zu schicken?? Verdient hätten sie es.

Helmut Driesel / 19.05.2019

  Hier regieren seit hundertfünfzig Jahren Verschwörungstheoretiker. Sie verstehen Demokratie als die Kunst, den politischen Gegner in eine ausweglos miese Situation zu reden. Und nicht nur die Demokraten, letztlich hat sich die gesamte sozialistisch-kommunistische Bewegung als attraktive Verschwörungstheorie etabliert. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die Politiker von der Realität meist überrascht werden, und das sogar dann, wenn es zutreffende Vorhersagen gab. Und das hängt gar nicht von der ideologischen Ausrichtung ab. Soziale Bewegungen, Parteien und staatliche Institutionen entwickeln mit der Zeit einen eigenen Egoismus, einen eigenen Selbsterhaltungswillen und Ideen, wie man das eigene Territorium vergrößern und in der Bedeutung steigern könnte. Warum sollten sie vor dem Instrument der Verschwörungstheorie zurück schrecken? Abgeordnete werden demokratisch gewählt und dann mit viel Geld eingekauft, sie werden geschult und trainiert, bis sie perfekt im demokratischen Apparat funktionieren, bis sie in allen Belangen die egoistischen Interessen des Apparats voraus ahnen und in seinem Sinne wirken können. Man hat entweder ein schönes Leben in dieser gemeinen Welt oder man hat es nicht. Wer könnte sich dem mit logischen Argumenten entziehen?

B.Kröger / 19.05.2019

Lieber Herr Wegner, wie sagten die alten Römer: Cui bono (Wem nützt es)

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