
Tja, Pazifisten haben es im Moment schwer, sind sie nicht völlig neben der Spur wie Margottchen. Schlöndorff sagt im Interview mit dem Münchner Merkur: “Wenn es um die Frage geht. Das Leben meiner Familie gegen das Leben von hunderttausenden Franzosen, dann ist das für mich kein Dilemma. Da rette ich selbstverständlich die hunderttausend Franzosen. Ich würde die Moral der Statistik unterwerfen”. Meine Güte! Ist das so einfach? Derart gravierende Entscheidungen sind in der Wirklichkeit doch weitaus vielschichtiger als dass man sie nach einer solch simplen Logik trifft. Wahrscheinlich eiert selbst der kommandierende General lange Zeit herum und versucht einen Ausweg zu finden, auch seinen eigenen Kopf und seine Familie zu retten. Aber wenn man die “Moral der Statistik unterwirft”, kann man auch den Kämpfern gegen den IS die benötigten Waffen liefern, und zwar so schnell, dass weitere Massenexekutionen mit vielen tausenden von Toten möglichst bald ein Ende finden, zumal einem schon die ersten Bilder auf fürchterliche Weise bekannt erschienen. Aber wir diskutieren erst mal gründlich. Vielleicht erledigen ja die Amis in der Zwischenzeit den Drecksjob.
Der Stadtkommandant von Paris, Dietrich von Cholditz, musste von keinem “schwedischen Diplomaten” überredet werden, die Stadt zu verschonen, darauf ist er, aus den genannten Gründen, von ganz alleine gekommen. Aber der Kinobesucher, der in der Regel keinen Schimmer hat, wie sich die Geschichte in Wahrheit abgespielt hat, der denkt nach der Vorstellung des Filmes bestimmt: “Der böse deutsche Nazi-General ist von einem ganz tollen Schweden zur Übergabe der Stadt überredet worden….”. Alleine für diese Geschichtsklitterung wünsche ich Schlöndorffs Machwerk einen grandiosen Flop.
Lieber Herr Röhl, Wenn ich ihre Kommentare erinnere, wissen sie doch schon sehr gut, was bei den Deutschen, leider bis zum Erbrechen, gut ankommt und welche Stoffe von der Filmförderung durchgewunken, sowie reichlich ausgestattet werden - Nazis, Juden, Sozial- und Ökokram - weshalb wohl Innovation und Exklusivität im deutschen Film leider für immer verloren sind. Entweder Schenkelklopfer-Humor à la B. Herbig oder gedankenschwere Zerknirschung à la M. Brandt oder J. Vogel in Abwechselung mit Verbrecher- oder Deppenvisage à la K. Yanar. Und einer der hierzulande erfolgreichsten Filme, der den beliebten Leinwandmagneten ‘der Jude’ präsentierte, “Alles auf Zucker”, lief nach dem Drehbuch eines witzisch aufgemotzten Plots, der merkwürdigerweise haargenau der Handlung einer wirklich amüsanten und intelligenten, polnischen Komödie von I. Cywinska aus dem Jahre 2000 folgte (“Das Wunder von Purim”), doch an keiner Stelle deren Klasse erreichte. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, trotz reichhaltiger, vom Volke gesponserter Ausstattung kann es nicht besser, wie man beim müden Abklatsch der brillanten Daily-Show sehen kann, in welchem O. Welke und seine witzischen Studio-compañeros Freitag-abendlich einen Schenkelklopfer nach dem anderen raushauen, bis dem anspruchsvollen Zuschauer die Kinnlade vom Gähnen ausrenkt. Ich fürchte, wir müssen uns auf viele Jahre mit plagiierten, internationalen Erfolgen oder flachen Themen, sowie risikoscheuen Produzenten einstellen, solange die deutsche Filmförderung ihre Macht ausspielt und die nachwachsenden Filmemacher nicht die Kraft für eigenständige, gute Ideen entwickeln.
Ein Klasse Beitrag! Danke dafür. Den Film werde ich ich mir natürlich ansehen.
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