Selten waren sich Deutschlands Journalisten so einig wie in diesem Fall: Dass Vanity Fair Deutschland definitiv nicht funktionieren kann, gehörte seit Start des Magazins vor zwei Jahren zum Refrain jedes Journalistenstammtisches. Insofern mag, neben dem Zorn von Bloggerkollege Alan Posener, auch die schiere Fülle der negativen Zukunftsblicke das Projekt gen Abgrund gelenkt haben. Vanity Fair wurde, könnte man sagen, von Deutschlands Medienszene zu Tode gebrabbelt. Von den unzähligen Schlaumeiern, die sofort wussten, dass “wir keine echten Stars haben” oder dass “Intellekt in Deutschland keinen Glamour entwickeln darf”. Und so weiter.
Und kurios, dass nun dieselben kritischen Beobachter in nationaler Selbstüberschätzung Condé Nast-Chef Newhouse implizit für sein offenbar für frivol gehaltenes Timing kritisieren. “Einen Tag nach dem Tod der deutschen Vanity Fair”, schreiben entrüstet die Mediendienste, “startet der Verlag in Großbritannien das 334 Seiten dicke Lifestyle-Heft ‘Love’”. Als wenn Condé Nast nun über mehrere Monate in kollektiver Trauerstarre zu verharren hätte. Herrjeh, hier ein Schock: Es dreht sich nicht die ganze Welt um Deutschland. Dieses Land ist für Condé Nast EIN Markt unter vielen. Ist doch schön, wenn sich der Verlag weiter an Produktinnovationen versucht. Und mal umgekehrt gefragt: Wie groß wäre die Empörung, wenn der Axel Springer-Verlag einen seiner osteuropäischen Titel beerdigen würde und tags drauf einen weiteren BILD-Ableger startete?
Also: Dass Vanity Fair hier nicht funktionierte und vielleicht auch an verlegerischen Fehlern scheiterte, ist, finde ich, schade – aber kein Grund für diplomatische Verstimmungen zwischen Washington und Berlin.