Gastautor / 21.04.2015 / 08:13 / 7 / Seite ausdrucken

Vandana Shiva´s Traum vom gesunden Essen…

Von Hans-Jörg Jacobsen

Gestern, am 20.April, wurde der Golden Rice-Initiative der Patents Humanity Award in Washington verliehen

Das führte zu einem von der BBC übertragenen Diskussion zwischen Vandana Shiva und dem Autoren dieses Beitrags. Der clip beginnt etwa bei Minute 45 in dem mit “Crisis in the mediterranean” überschriebenen Programmteil. Nun wurde, über die indische Aktivistin und Hochstaplerin Vendana Shiva schon viel geschrieben, in letzter Zeit auch mehr Kritisches, beispielsweise auf der Achse

So kämpft Shiva nach eigenen Aussagen seit drei Jahrzenten jeden Tag für besseres und nahrhafteres Essen und propagiert gerade für die Entwicklungsländer Schulgärten und Gärten in den Städten. Ich weiß nicht, wann Shiva das letzte Mal eine UNICEF-Statistik gelesen hat, aber sollte sie es getan haben, so wäre ihr bekannt,  daß zwanzig Prozent der Kinder im Grundschulalter auf diesem Planeten gar keinen Zugang zu Schulbildung haben.  Vermutlich sind das auch gerade die Kinder, die zuallererst von Fehlernährung wie dem VitaminA-Mangel betroffen sind. VitaminA-Mangel (oder VAD) ist eine Folge von Armut und gehört zu dem Komplex der unter „hidden hunger“ zusammengefassten Mangelernährungen durch das Fehlen von Vitaminen und Mineralstoffen. Was nützt diesen armen Würmern, die keine Schule besuchen können, ein Schulgarten, in dem Gemüse angebaut wird? Auch fragt man sich, wann Shiva das letzte Mal einen Slum im Mumbai, Manila, Kairo oder Nairobi besucht hat: Dort sind andere Probleme zu lösen als fancy „urban gardening“. Als wir im letzten Monat anlässlich unserer „allowgoldenricenow“-Tour in Manila eine Slum passierten, sahen wir viele Menschen, darunter schmutzige Kinder, Ratten, verlauste Hunde und menschliche Exkremente in offenen Rinnen, aber keinen Platz für einen Garten, geschweige denn eine Schule. Abgesehen von fehlendem Platz, hat diese Art der Nahrungsmittelproduktion schon in entwickelten Ländern ihre Probleme (siehe auch hier), die bei uns vielleicht lösbar sein sein mögen, aber in ärmeren Ländern? Wer macht da die Bodenanalysen und tauscht den Boden aus?

Shiva verstieg sich dazu, den Golden Rice auch als „Emperor without clothes“ (Kaiser ohne Kleider) zu bezeichnen. Leider erwähnt sie nicht, daß der Kaiser vollendet bekleidet sein könnte, wenn nicht sie selbst und die mit ihr kollaborierenden NGOs durch Gerichtsprozesse und Feldzerstörungen dafür gesorgt hätten, daß die wegen der bizarren Überregulierung für transgene Pflanzen zu generierenden Daten noch nicht vorhanden sind. So ist es auf den Philippinen Vorschrift, daß stets nur eine transgene Linie in Feldversuchen ausführlich getestet werden kann. Wenn, wie auf den Philippinen leider passiert, aus den zahlreichen vorhandenen Reissorten mit den Genen für ß-Carotinsynthese eine ungeeignete Linie für diese Feldversuche ausgewählt wird, dauert es leider einige Jahre länger, bis die Daten für eine großflächige Anwendung vorhanden sind. Wenn dann noch, wie 2013 passiert, urbane Aktivisten, die sich nicht mal die Mühe gemacht haben, sich als Reisbauern zu verkleiden, Felder zerstören, fehlen weitere Daten, so daß die Anwendung weiter nach hinten geschoben werden muss. Und die Kinder erblinden und sterben weiter. Es ist pure und menschenverachtende Heuchelei, wenn Shiva, Greenpeace & Co behaupten, es gäbe andere Lösungen als den Golden Rice: Warum funktionieren die nicht? Warum sind die Millionen, die diese Mafia zur Verhinderung von Golden Rice in Propaganda-Aktionen verpulvert, nicht für die Lösung des Problems eingesetzt worden? Von daher war die letzte Frage der BBC-Moderatorin, ob der Vorwurf des „crime against humanity“ für Shiva´s & Konsorten Aktivitäten richtig sei, mehr als berechtigt: Der International Criminal Court erklärt „inhumane acts intentionally causing great suffering or serious bodily or mental injury“ als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und genau das ist die Verhinderung der Anwendung von Golden Rice durch Greenpeace, Vendana Shiva, MASIPAG, Brot für die Welt, Misereor etc…

Professor Hans-Jörg Jacobsen war Leiter der Abteilung Pflanzenbiotechnologie am Institut für Pflanzengenetik der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover

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Leserpost

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Stefan Neudorfer / 23.04.2015

So sind die Öko-Ideologen - Recht haben ohne Rücksicht auf die Natur und die Menschen. Die Bezeichnung Mafia für Shiva, Greenpeace & Co ist mehr als angebracht ... mir fallen noch weitere ein, die ich aber nicht nennen möchte.

Hans-Jörg Jacobsen / 22.04.2015

Sehr geehrter Frau Kalenberg, sehr geehrter Herr Richter, ich bin ziemlich frisch pensioniert, aber schreibe schon lange in Blogs wie der Achse. Mein erster Vortrag zum Thema “Gentechnik” datiert etwa auf das Jahr 1985 im Rahmen der vom damailgen Asta der Uni Bonn organisierten Veranstaltungsreihe “Kritische Uni”  und denen hat schon damals nicht gefallen, was ich gesagt habe. Berufliche Nachteile habe ich nie gehabt, weder an der Bonner Uni noch an der Leibniz-Universität Hannover. Es gab zwar Kollegen, die fragten, warum ich mir das antue, aber das war es schon. Natürlich gab es in der Presse die üblichen Feme-Schmähungen durch Greenpeace-Clowns, Naturschutzaktivisten und Internet-Trolle, aber das muss man aushalten. Schwerwiegender war der mit dürftigen Argumente begründete Stop unseres HannoverGen-Projekts durch die im Februar 2013 frisch ins Amt gekommene rotgrüne Landesregierung. Darunter haben aber vor allem die Schüler und Schülerinnen unserer Region gelitten.

Peter Wieland / 21.04.2015

Bitte entfernen Sie den “Idiotenapostroph” in der Überschrift “Vandana Shiva´s”, das ist der Achse unwürdig.

Dr. Christel Happach-Kasan / 21.04.2015

Es macht mich wütend, dass aus purem Machtinteresse Greenpeace und Co den Anbau des Goldenen Reises verhindern. Ja, es ist reines Machtinteresse. Greenpeace und Co fürchten den Erfolg des Goldenen Reises. Der Erfolg würde der Welt vor Augen führen, dass ohne Grund Angst geschürt wurde und dass diese Organisationen sich nicht für eine bessere Welt einsetzen. Unterstützt wird Greenpeace durch die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen wie insbesondere Brot für die Welt. Was ist christlich daran, Kindern Hilfe zu verweigern? Wo ist der Einsatz des Entwicklungshilfeministers? Kuscht er wie seine Kollegin Ilse Aigner vor Seehofer und Söder? Während meines Studiums in Marburg habe ich Nachhilfestunden im Fach Mathematik an der dortigen Blindenstudienanstalt gegeben. Sie war zu damaliger Zeit die einzige Möglichkeit für Blinde, Abitur zu machen. Ich erinnere mich an Stefan, der zu einer Stunde mit einem total verkratzten Gesicht erschien. Er war noch nicht sehr lange blind, war noch nicht gewohnt, mit dem Blindenstock zu gehen und den Weg abzutasten und war deshalb mit Wucht gegen einen Baum gelaufen. Selbst im reichen Deutschland ist das Leben für Blinde erschwert. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie schwer das Leben für Blinde in armen Ländern ist. Und deutsche Spender für Greenpeace und Co unterstützen es mit ihrem Geld, dass der Goldene Reis, der eine ganz konkrete Hoffnung für Gesundheit und Leben in diesen Ländern darstellt, dort nicht angebaut wird. Schrecklich.

Dr. Peter Langelüddeke / 21.04.2015

Herr Jacobsen fragt mit Recht “Warum sind die Millionen, die diese Mafia zur Verhinderung von Golden Rice in Propaganda-Aktionen verpulvert, nicht für die Lösung des Problems eingesetzt worden?” Ich habe mal die Annual Reports von Greenpeace International von 2001 bis 20012 durchsucht nach Infos über ihr finazielles Gebaren. Ich fand, dass Greenpeace in dieser Zeit rund 72 Millionen Euro ausgegeben hat nur für die Kampagne gegen Gentechnik (in den letzten Jahren haißt das dann “sustainable agriculture”), das heißt 6 Millionen pro Jahr. Nur für Propaganda. Da wurden keine Werte geschaffen. Anfang 2001 hatten die Herren Potrykus und Beyer ihr Golden Rice-Zuchtmaterial dem International Rice Research Institute (IRRI) übergeben. Das Institute hatte daraufhin Greenpeace South East Asia zu einem Informationsbesuch eingeladen, was Greenpeace aber nicht davon abhielt,  stur bei der Verdammung jeder Art von Gentechnik zu bleiben und den Golden Rice für überflüssig zu erklären. Hätten sie damals in die Hände gespuckt und erklärt “Wir demonstrieren dass es ohne diesen Reis geht”, und hätten sie dazu mit Hilfe von z.B. “Brot für die Welt” oder von “Misereor” wenigstens in den Ländern mit Reis-Anbau versucht die Not zu lindern, hätten sie meinen Respekt gehabt. Und vielleicht hätte ich Greenpeace sogar mit einer Dauerüberweisung eines kleinen Betrags unterstützt.  Aber so sehe ich nur Hass - ein immer wieder betonter Hass, der sich in Spendenbereitschaft auszahlt.

Helfried Richter / 21.04.2015

Vielen Dank, Herr Jacobsen, für die interessanten Informationen. Bemerkenswert ist ist der Trend, dass sich viele Menschen, die mit Wissenschaft und dem gesunden Menschenverstand nicht auf Kriegsfuß stehen, erst aus der medialen Deckung trauen können, wenn Sie Ihren Brotgeber verlassen haben oder in Pension sind. Weil sie sonst in berufliche Turbulenzen kommen können…

Renate Kalenberg / 21.04.2015

Ich glaube Herrn Prof. Jacobsen jedes Wort und halte die Heuchelei und Verlogenheit unserer Wohltätigkeitsindustrie inzwischen für eine der größten Sorgen unserer Epoche. Auffallend ist jedoch, dass immer ehemalige, bereits pensionierte Amts- und Funktionsträger aufwachen oder den Mut fassen, gegen den Strom zu schwimmen. Wo bleibt hingegen der Widerstand der Aktiven, die noch etwas bewegen könnten?

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