Viel Tamtam wurde Ende letzten Jahres um Ilhan Omar und Rashida Tlaib, die zwei ersten in den US-Kongress gewählten Muslima, gemacht. Nur wenige deutsche Medien erwähnten damals, dass beide Politikerinnen der Demokratischen Partei in der Vergangenheit durch antisemitische Äußerungen aufgefallen waren. So bezeichnete Omar Israel als „Apartheitsregime“ das die Welt „hypnotisiert“. Auch Tlaib bezeichnete Israel laut tagesschau.de als „Apartheidstaat“ und setzte sich zudem für die antisemitische Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) Bewegung ein.
Ihr Einzug ins US-Repräsentantenhaus hindert die beiden Frauen offenbar nicht daran, weiterhin mit „israelkritischen“ Äußerungen zu provozieren. Im Januar warf Rashida Tlaib Befürwortern eines Gesetzes, das Boykottaktionen gegen Israel erschweren sollte, in einem Twitter-Post vor, nicht zu wissen, welches Land sie repräsentierten. Der Vorwurf, Juden hätten eine geteilte Loyalität und würden gegen die Interessen ihrer Heimatländer agieren, ist ein altes antisemitisches Vorurteil. Auch Ilhan Omar hat mit einem Tweet für Empörung gesorgt. Im Februar schrieb sie, die israelfreundliche Haltung in den USA lasse sich mit den Millionenspenden der proisraelischen Lobbygruppe Aipac erklären. Politiker aller Lager, darunter die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kritisierten Omar daraufhin scharf und forderten eine Entschuldigung.
Diese kam dann auch. Die Geschichte schien vergessen, doch nun – gut drei Wochen später – hat Omar mit einem weiteren Twitter-Disput für Aufregung gesorgt. „Man sollte nicht von mir erwarten, dass ich einem fremden Land Treue schwören muss, um meinem eigenen Land im Kongress zu dienen oder in einem Ausschuss zu sitzen“, schrieb Omar an ihre jüdische Parteikollegin Nita Lowey, und bediente damit, wie schon zuvor Tlaib, das antisemitische Stereotyp der geteilten Loyalität. Diesmal scheint die 37-jährige Abgeordnete eine Grenze überschritten zu haben. Wie das Magazin „Politico“ berichtet, hat eine Gruppe demokratischer Politiker eine offizielle Erklärung vorbereitet, die Omar verurteilen und die Fraktion von ihr distanzieren soll. Ein erster Entwurf, der auch von Nancy Pelosi unterstützt wird, erwähnt Omar allerdings nicht namentlich.
Sollte das Repräsentantenhaus die Resolution verabschieden, würde es sich um eine in der Geschichte des US-Kongresses beispiellose öffentliche Rüge einer Abgeordneten durch die eigene Partei handeln. Einigen Vertretern der Republikaner und pro-israelischer Gruppen gehen die Pläne der Demokraten jedoch nicht weit genug. Sie wollen erreichen, dass Omar ihren Posten im einflussreichen außenpolitischen Ausschuss verliert – ein Schritt, der laut Politico bislang von keinem der führenden Demokraten befürwortet wird.
