News-Redaktion / 08.11.2019 / 16:32 / Foto: Edalisse Hirst / 0 / Seite ausdrucken

US-Botschafter errichtet Reagan-Denkmal in Eigenregie

Am Vortag des 9. November – dem 30. Jahrestag des Mauerfalls – hat der amerikanische Außenminister Mike Pompeo in Berlin ein Bronzeabbild des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan enthüllt. Das pikante daran: Die drei Meter hohe Figur ist von der Verwaltung der Hauptstadt nicht gewollt. Daher steht sie auf dem Gelände der amerikanischen Botschaft – genauer gesagt auf einer Terrasse.

Nach Angaben von „n-tv.de“ wollen die Vereinigten Staaten seit über zehn Jahren Reagan mit einer Statue in Berlin ehren. Die Verwaltung habe jedoch bislang alle Anträge von US-Beamten und Würdenträgern abgelehnt. Sie habe argumentiert, eine Statue sei unnötig, da Reagan bereits Ehrenbürger der Stadt sei. Reagan zu ehren, wäre zudem unfair gegenüber anderen, die die Stadt auch gegen die sowjetische Besetzung nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützt hatten. Nun sei der amtierende US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, auf die Idee einer Aufstellung auf dem exterritorialen Boden der Botschaft gekommen. Laut „n-tv.de“ ist die Figur teilweise von der Straße aus sichtbar.

1987 besuchte Reagan West-Berlin und hielt eine Rede direkt an der Mauer, nur wenige Meter vom Brandenburger Tor und dem heutigen Standort der US-Botschaft entfernt. Der konservative Präsident forderte den damaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow auf, seinen Ankündigungen von Öffnung und Umgestaltung (Glasnost und Perestroika) konkrete Taten folgen zu lassen: „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder! Öffnen Sie dieses Tor!“ Binnen drei Jahren waren die meisten realsozialistischen Regime Geschichte. Sie kollabierten nicht zuletzt deshalb, weil Reagan in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion auf Konfrontation setzte und das „Reich des Bösen“ zu einem Wettrüsten zwang, das es schließlich bankrottierte.

Viele West-Berliner waren allerdings sehr kritisch gegenüber Reagan und warfen ihm vor, den Kalten Krieg zu verschärfen. Während seines Besuches gab es schwere Ausschreitungen, der Stadtteil Kreuzberg wurde mehrere Stunden lang von der Polizei abgeriegelt. Diese Reagan-kritische Stimmung wirkt offenbar bis heute in der Stadt nach.

In anderen Ländern gibt es weniger Vorbehalte gegen Ehrerweisungen für den 2004 verstorbenen US-Präsidenten. Seit 2011 steht in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Reagan-Statue; auch die georgische Hauptstadt Tiflis würdigt ihn mit einem Denkmal. In Polen, Tschechien und anderen Ländern sind Straßen und Plätze nach dem Mann benannt, der Ostmitteleuropa vom russischen Einfluss befreite. Zu den Reagan-Fans gehört auch die oppositionelle Berliner CDU. Sie ist empört über das „Botschaftsasyl“. „So ist das unter einer geschichtsvergessenen Linkskoalition. Armselig“, zitiert die „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ (LZ) den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger.

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