Das Berliner Abgeordnetenhaus hat im November ohne Gegenstimmen ein sogenanntes Klimaanpassungsgesetz beschlossen. CDU, SPD, Grüne und Linke stimmten dafür. Und nicht einmal die AfD wollte dagegen sein, sie enthielt sich. „Wir stellen heute die Weichen für eine beispiellose Investition in das grüne Kapital unsere Stadt“, verkündete der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Dieser Senat, die Regierungskoalition, bekennt sich zu mehr Bäumen, zu konsequentem Klimaschutz und zur massiven Steigerung der Klimaresilienz unserer Hauptstadt.“ Das sei eine Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen.
In trauter Eintracht rettet man in Berlin Mensch und Planet vor dem Hitzetod. Und da es um Leben und Tod geht, darf Geld natürlich keine Rolle spielen. Rund 3,2 Milliarden Euro soll das Programm über 15 Jahre kosten.
Berlin ist nun also das erste Bundesland mit einem Klimaanpassungsgesetz. Mit dem Beschluss übernahmen die Berliner Abgeordneten im Wesentlichen die Forderungen der Bürgerinitiative „BaumEntscheid“, die dazu ein Volksbegehren beantragt hatte, das nun nicht mehr per Volksentscheid verfolgt werden muss. Aber was verbirgt sich dahinter? Es ist ganz einfach zu verstehen: „Beim Baum-Entscheid können die Leute für ein Gesetz abstimmen. Es heißt Klima-Anpassungs-Gesetz. Das bedeutet: Das Klima auf der Welt ändert sich. Daher müssen wir Menschen jetzt vieles anders machen. Uns also dem Klima anpassen. Einige Änderungen stehen in unserem Gesetz“ (Baumentscheid in leichter Sprache). Kern des neuen Gesetzes ist somit, dass Berlin grüner werden soll. Die Zahl der Straßenbäume soll von heute 440.000 auf eine Million erhöht werden, stadtweit soll alle 15 Meter einer stehen.
Berlin ist kein Baummangelgebiet
Noch wenige Monate vor dem Beschluss hatte die Regierung das Vorhaben aus Kostengründen zurückgewiesen. Nach damaliger Schätzung sollten die Baumpflanzungen mindestens 7,2 Milliarden Euro kosten (berechnet für den Zeitraum 2026 bis 2040, detailliert nach den 20 wichtigsten Maßnahmen und Einzelpositionen, jedoch ohne Berücksichtigung von Inflation, Preissteigerungen und Personalkosten!). Zuvor kursierte auch die Zahl von 12 Milliarden Euro. Dann hat es wohl jemand auf 3,2 Milliarden runtergerechnet und alle waren begeistert über das Schnäppchen und haben zugeschlagen.
Sprecher der Bürgerinitiative ist der Aktivist Heinrich Strößenreuther, der als Gründer der Klimaunion und von GermanZero noch Größeres vorhat, nämlich die Deindustrialisierung (= „Klimaneutralität“) Deutschlands nicht bis 2045, nicht bis 2040, sondern bis 2035. Als er 2021 in die Berliner CDU eintrat (die er 2024 dann wieder verließ, um zu den Grünen zurückzukehren), sprach der Vorsitzende und heutige Regierende Bürgermeister Kai Wegner von einem „prominenten und spannenden Mitglied". Er habe in Deutschland dazu beigetragen, den Diskurs zu den notwendigen Klimaschutz-Bemühungen „ideologiefrei und wertebasiert zu verändern".
Schauen wir auf andere europäische Städte mit mehr als einer Million Einwohner, sieht man schnell, dass Berlin kein Baummangelgebiet ist. Pro Tausend Einwohner kommt Warschau auf 83–111 Bäume, Budapest auf 88–106, Paris auf 95–119, Stockholm auf 100–150, Wien auf 105, Rom auf 107–143, Barcelona auf 125–156, Madrid auf 152–182 und Berlin heute schon auf 251 Bäume.
Okay, Hamburg hat mit etwa 300 noch mehr, und London ist mit rund 950 praktisch Wald. Aber diese beiden Städte brauchen natürlich aufgrund ihrer Lage und ihres Wetters ganz besonders viel Schatten. Da ist man eben mit der klimakatastrophentechnischen Daseinsvorsorge schon ein wenig weiter.
Berlin hat heute etwa 440.000 Straßenbäume, 500.000 in den Parks und noch mal etwa 350.000 auf Privatgrundstücken und Brachland (die allerdings nicht in die Statistik eingehen). Macht zusammen rund 1,3 Millionen. Blickt man via Satellit im Sommer von oben auf Berlin, ist etwa ein Drittel der Stadt grün, weil baumbestanden. Da können weder Hamburg mit 25 bis 30 Prozent noch London mit mageren 21 Prozent mithalten. Ganz zu schweigen von der Londoner Innenstadt, der City of London, die noch nicht einmal ein Prozent aufweist.
Eigentlich ist es schön, dass wir in Berlin so viel mehr Bäume haben als andere Großstädte. Aber heißt das, dass es wirklich genug sind? Was sagt die Wissenschaft? „Bislang leben nur 4,5 Prozent der Berliner*innen in einem ausreichend grünen Gebiet. Das soll sich – mit dem Einsatz der Politik – und dem Engagement der Bürger*innen selbst künftig ändern“, erfahren wir auf dem Ökoportal Cleanthinking.de. Oh weh, nur 4,5 Prozent! 95,5 Prozent leiden also unter akutem Grüngebietsmangel. Das ist arg. Und wenn es da steht, dann muss es wohl stimmen. Die Berliner Politik scheint es zumindest parteiübergreifend zu glauben. Keiner hat dagegen gestimmt. Alle glauben, dass wir dringend Kühlung brauchen. Weil, es könnte ja im Sommer immer mal wieder ein paar heiße Tage geben.
Woher kommt das Geld?
Zum Glück hat der Kanzler sein Wahlversprechen gebrochen, die Schuldenbremse ist demoliert und viel Geld erst mal wieder irgendwie da.
Eine Milliarde will man daher aus dem neuen Sondervermögen des Bundes nehmen. Die Bäume sind darin der mit Abstand größte Einzelposten. Aber es wird auch an viele andere wichtige Dinge vom Naturkundemuseum bis zum Queeren Archivzentrum gedacht. Neben den 1.000 Millionen für Bäume sind beispielsweise 20 Millionen für Straßen, Radwege und Gehwege und 50 Millionen für die Digitalisierung der Verwaltung vorgesehen. Alles in allem – in den Worten des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner – eine „Frischzellenkur" für die Berliner Infrastruktur.
Der Rest kommt dann wohl aus dem Haushalt, will meinen: Schulden. 68 Milliarden hat Berlin schon. Ein paar mehr werden nicht schaden, oder? In Planung ist derzeit eine Erhöhung auf 81,6 Milliarden bis 2029. Also alles easy. Trotzdem kann man ja einmal die Frage stellen: Ginge es vielleicht irgendwie billiger? Rund drei Milliarden Euro für etwa eine halbe Million Bäume macht immerhin 6.000 Euro pro Baum.
Im Rahmen des Europäischen Green Deals hat sich die EU-Biodiversitätsstrategie dazu verpflichtet, bis 2030 mindestens drei Milliarden zusätzliche Bäume in der EU zu pflanzen. Wenn die auch 6.000 Euro pro Stück kosten würden, käme man auf das hübsche Sümmchen von 18.000 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau dem BIP der EU in 2024. Scheint ein wenig unrealistisch. Irgendwie muss man also auch preiswerter an Bäume kommen.
Ein von Hochhausrandbebauung eingeschlossener Berliner Urwald
Eine Möglichkeit wäre ein allgemeines Mähverbot auf Berliner Freiflächen. Allein auf dem Tempelhofer Feld würde so in den nächsten Jahrzehnten ein Jungwald mit 600.000 bis 3.000.000 Bäumen entstehen. Für umme! Aber leider haben die Berliner ja per Volksentscheid beschlossen, dass dieses ehemalige Flughafengelände unberührt bleiben muss. Es ist keine Bebauung erlaubt und auch keine Baumpflanzung. Ob es aber auch verboten ist, der Natur ihren Lauf zu lassen, das müsste mal wohl noch klären. Und ich finde, man sollte es klären! Statt für Urban Gardening könnten wir das schöne Land doch für Urban Jungleing nutzen. Und richtig knorke wäre ein von einer Hochhausrandbebauung eingeschlossener Berliner Urwald.
Aber nein. Es geht ausdrücklich um Straßenbäume, eine halbe Million zusätzliche Straßenbäume! Die Kurzversion des neuen Gesetzes kann man auf der Website von BaumEntscheid Berlin nachlesen: „Neue Bäume werden gepflanzt und umfassend gepflegt. So sorgt in jeder Straße je Straßenseite durchschnittlich alle 15 Meter ein gesunder Baum für Schatten und Kühlung.“ Drei Milliarden Euro sollen ausgegeben werden, damit, wenn es im Sommer einmal heiß wird, niemand hundert Meter laufen muss, sondern direkt vor seiner Tür das schützende Dach eines Baums findet, unter dem er sich auf die Straße setzen und dem Hitzetod entgehen kann. (Zusätzlich soll laut Gesetz jeder auch noch in höchstens 150 Meter Entfernung in einer sogenannten „Kühlinsel“ Zuflucht finden.)
Ein Blick in das Vorleben von Herrn Strößenreuther zeigt, warum es unbedingt Straßenbäume sein müssen. Bevor er sich den Bäumen widmete, war er u.a. Initiator der Falschparker-App Wegeheld und Mitgründer der Initiative Volksentscheid Fahrrad. Und wie bereits erwähnt, will er Deutschland bis 2035 „klimaneutral“ haben. Letztlich geht es immer darum, Autos zurückzudrängen. Was könnte diesem Ziel besser dienen, als 500.000 zusätzliche Bäume auf Berlins Straßen zu pflanzen? Wer Berlin kennt, weiß, dass schon die Pflanzung nebst Rückbau störender Parkplätze bei jedem einzelnen Baum zu monatelangen Baustellen führen wird. Kein Problem für mich und Herrn Strößenreuther, wir sind beide Radfahrer und kommen immer irgendwie durch. Aber was ist mit den hitzevulnerablen alten Menschen, die dann in ihren Autos im Stau die Klimaanlage zum Glühen bringen und es vielleicht nicht mehr erleben, dass die Bäume groß genug werden, um ihnen Schatten zu spenden?
Auf cleanthinking.de erfahren wir, dass schon beim Berliner Radentscheid, den Strößenreuther vor acht Jahren mit auf den Weg brachte, viele Maßnahmen „bis heute nur unvollständig umgesetzt“ worden. Und auch das Mobilitätsgesetz (Radwege) kranke an mangelnder Umsetzung. „Ich habe die Sorge, dass es wieder so läuft“, so Strößenreuther. Seine Sorge ist unsere Hoffnung. Vielleicht werden am Ende nicht Milliarden, sondern vielleicht nur ein paar hundert Millionen in Form von Jungpflanzen in den märkischen Sand gesetzt.
Der Beitrag erschien zuerst auf Novo-Argumente.


Besser als Panzerwracks in der Ukraine oder Windkraftanlagen in Wald und Feld allemal. Und Brennholzreserven in urbanem Gelände werden in den kommenden Jahren immer wichtiger…
Nothinking de, die teuerste Antwort auf alle Fragen, die niemand stellen würde und alle Probleme, die keiner hat.
Was man vielleicht noch erwähnen sollte, ist die Tatsache, dass die Bäume Wasser brauchen. Klingt banal, ist aber wichtig. Berlin liegt in einer der niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands (ca. 570 – 500 Liter/m²/Jahr), und ist als Großstadt maximal versiegelt. Das bedeutet, dass Stadtbäume gegossen werden müssen. Und so eine Linde (beliebtester Stadtbaum Berlins) braucht im Schnitt 200 bis 400 Liter. Und nein, nicht im Jahr, sondern täglich im Schnitt eines Jahres. Bei angenommenen 300 Litern pro Tag macht das 109.500 Liter pro Jahr. Davon ziehen wir jetzt mal die knapp 600 Liter/m² Jahreniederschlag ab (mehr als 1 m² unversiegelte Bodenfläche hat so ein Stadtbaum i.d.R. nicht zur Verfügung), womit ein Defizit von 108.900 Litern verbleibt. Pro Jahr und pro Baum. Die müssen natürlich irgendwo herkommen (gießen). Bei 500.000 neuen Bäumen sind das im Jahr zusätzliche 54.5 Millionen Liter. Übergwiegend Trinkwasser!, das mit dieselbetriebenen Tankwagen ausgebracht wird.
Ich habe keine Ahnung, was der kausale Zusammenhang sein könnte, aber wenn ein deutscher Satz in der Gendersprache geschrieben wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er auch inhaltlich eine Lüge ist. Verursacht der falsche Inhalt den grammatikalischen Unsinn oder umgekehrt, wer kann mir das erklären?
„Eine Möglichkeit wäre ein allgemeines Mähverbot auf Berliner Freiflächen. Allein auf dem Tempelhofer Feld würde so in den nächsten Jahrzehnten ein Jungwald mit 600.000 bis 3.000.000 Bäumen entstehen. Für umme! “ Sehr richtig. Bäume wachsen von selbst, selbst an den Straßen: Es würde eine ausreichend große Erdinsel reichen. Es gäbe sicher genug Leute, die sich freiwillig darum kümmern würden. (Kleiner Zaun drumherum, damit die Fiffis wegbleiben, reicht völlig aus). In unserer Umlandgemeinde haben selbst die wildwachsenden Bäume ab einem gewissen Stammesumfang Nummern! Ein völlig sinnloser Verwaltungsakt. Erinnert mich an den Sternenzähler im Kleinen Prinzen.
Fairerweise muss man sagen, dass die Hitze in Berlin-Mitte im Sommer tatsächlich unerträglich ist. Da könnte man schon den ein oder anderen zusätzlichen Baum pflanzen. Vielleicht nur nicht ganz so viele wie anvisiert. Und man hat es z.B. bei der Neugestaltung des Gendarmenmarkts total versemmelt, die große Fläche entsprechend grün zu gestalten, aus „architekturhistorischen Gründen“. Eine vertane Chance.
Gehören Bäume nun zur Stadtmöbelierung?
Berlin als C40 Stadt (www c40 org/de/cities/berlin/ dort mal „C40 Beschleuniger für grüne und gesunde Straßen“) baut vor. Statt Steine kloppen, Bäume pflanzen dank Zwangsarbeit durch das JobCenter. In Hamburg gibt es ähnliche Projekte die Arbeitslose übernehmen müssen, sonst droht eine Sanktion. Das Deutschland seit langem untergeht, kann daran erkannt werden das es noch nie so viel Armut gegeben hat. Kaum einer beachtet den aktuellen Armutsbericht. Es sind locker 20 Millionen Deutsche die am Rand leben und manche darüber hinaus. Denen will Berlin nun einen begrünten Rand ermöglichen. Oder ist das wie in Hamburg eine „Ausgleichsfläche“? Der Hintergrund dieser Ausgleichsflächen ist folgender. Wenn in ganz Berlin, Hamburg alle Bäume abgeholzt wurden und in Kenia wieder angepflanzt werden, dann ist die Umweltbilanz ausgeglichen. Und wenn ich 1000 Bäume im Urwald pflanze, dann gibt es in Deutschland Geld über die börsennotierten CO2 Zertifikate (EU-Emissionshandel (ETS)). Das die Unlogik seit über 15 Jahren besteht, interessiert bisher niemand. Der grüne Krebs zersetzt alles und jeden. Fehlt nur noch das der Jesuiten Papst in Berlin auftaucht. Opus Dei, Jesuiten Schulen wie Canisius-Kolleg sind schon vorhanden. P.S. Wer mal NGO Geldverschwendung und eine lustiges Projekt der Begrünung in Hamburg sehen will, 53.595075, 10.044158.