Manfred Haferburg / 22.10.2022 / 16:46 / Foto: Pixabay / 16 / Seite ausdrucken

Update zum Streik in den französischen Kernkraftwerken

Georg Herwegh dichtete Mitte des 19. Jahrhunderts den folgenden Liedtext:

„Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“

Das hatten sich wohl auch die CGT-Gewerkschaftsbosse gedacht und begannen den Herbst mit einem Streik in der Energieversorgung. Die Achse berichtete. Die Lage von EDF, das zu 84 Prozent dem Staat gehört und bald zu 100 Prozent verstaatlicht werden soll, ist sowohl durch einen Einbruch seiner Stromproduktion als eine Folge der Nichtverfügbarkeit einiger Kernkraftwerke aufgrund von Korrosionsproblemen und einer Häufung von wegen Corona verschobenen geplanten Wartungsarbeiten belastet. Dazu trug auch der Verkauf des Stroms zu Niedrigpreisen auf Wunsch des Staates bei. 

Deutsche Medien halten sich mit der Berichterstattung über die Streiks in Frankreich sehr zurück. Zu groß ist die Angst, dass die Männer der Arbeit auch in Deutschland ihre Macht erkennen. Gleichwohl hatten wir von der Achse schon am Mittwoch eine baldige Lösung des Problems vorhergesagt: „Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Verhandlungen in den nächsten Tagen erfolgreich abgeschlossen werden könnten“. 

Nun sind die Verhandlungen abgeschlossen

Nun sind die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Die Geschäftsleitung von EDF und die Gewerkschaften einigten sich am Freitag, den 21. Oktober, auf Lohnerhöhungen, um die Befürchtungen über die mangelnde Stromversorgung vor dem Winter zu entschärfen. „Die Verhandlungen sind abgeschlossen, eine Vereinbarung wird den Gewerkschaften vorgelegt, die sie dem Personal unterbreiten werden“, sagte ein Sprecher von EDF am Freitag.

Unmittelbar auf diese Ankündigung hin ließen die Streikenden den Druck auf die Kernkraftwerke, die Frankreichs Hauptlieferanten von Strom sind, nach. Die Beschäftigten des Kraftwerks Gravelines (Nordfrankreich) – mit 1.700 Mitarbeitern und sechs Druckwasserreaktoren von je 910 Megawatt das leistungsstärkste KKW in Westeuropa – waren die ersten, die den Streik aussetzten, da sie der Ansicht waren, dass die Geschäftsleitung auf ihre Forderungen eingegangen war, wie Franck Redondo, Sekretär des CSE des Kraftwerks der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Andere folgten im Laufe des Nachmittags: Chooz, Saint-Laurent-des-Eaux, Bugey, Chinon, Dampierre, Saint-Alban und Penly. Vier der zwölf am Freitag bestreikten Kraftwerke müssen noch darüber abstimmen, ob die Bewegung ausgesetzt wird oder nicht, so Julien Lambert, Bundessekretär der FNME-CGT.

Im Laufe der Wochen hat der Streik zu Verzögerungen im Zeitplan für die Arbeiten am französischen Nuklearpark geführt und die Sorgen über mögliche Engpässe in diesem Winter, mitten in der europäischen Energiekrise, erneut geschürt. Der am 13. September begonnene Streik weitete sich aus und betraf am Freitagmorgen 12 der 18 Kraftwerke des Kernkraftwerksparks. Am Freitag, bevor der Streik teilweise aufgehoben wurde, hatten vier Reaktoren ihre Produktion gesenkt, während die Wartungsarbeiten an 18 Reaktoren verzögert wurden.

Nur noch 46 Prozent des Kraftwerksparks verfügbar

Das Ergebnis: In dieser Woche waren nur 46 Prozent der Leistung des Kernkraftwerksparks verfügbar, wie aus von AFP analysierten Daten von EDF hervorgeht. Im Moselkraftwerk Cattenom „geht die Bewegung vorerst weiter, die Beschäftigten wollen einen gewissen Druck aufrechterhalten, solange das Abkommen nicht unterzeichnet ist“, so eine Gewerkschaftsquelle. Darüber hinaus wurde eine Streikankündigung für das KKW Flamanville (Seine-Maritime) für 21 Uhr angekündigt, so der Kommunikationsdienst des Kraftwerks.

Am Ende der zweitägigen Verhandlungen „sind mindestens die 120 Euro brutto pro Monat für alle an Erhöhung erreicht“, sagte Julien Lambert gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Im Einzelnen hat die EDF-Leitung laut Franck Redondo, FO-Sekretär des CSE in Gravelines, eine Erhöhung von 5 Prozent für Niedriglöhner bis hin zu den Meisterstellen angeboten. Den Führungskräften wurde eine Erhöhung um 2,5 Prozent angeboten, die von Prämien begleitet wird, deren Höhe noch festgelegt werden müssen. 

EdF strebt bis Februar eine Verfügbarkeit des Reaktorparks von 96 Prozent an

Das Unternehmen EdF strebt in den kommenden Monaten die Wiederinbetriebnahme der derzeit stillstehenden Reaktoren an, um am 1. Februar, dem Tiefpunkt des Winters, eine Verfügbarkeit von 96 Prozent der installierten Leistung zu erreichen.

Die Ministerin für den Energiewandel, Agnès Pannier-Runacher, begrüßte die Einigung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Die Beteiligten haben in einer Rekordzeit Fortschritte gemacht. Ich begrüße diese Einigung und werde die Konkretisierung sehr genau verfolgen“, versicherte sie.

„Alle gehen wieder an die Arbeit“

Die vier repräsentativen Gewerkschaften (CGT, FO, CFDT und CFE-CGC) haben theoretisch noch bis Donnerstag, den 27. Oktober, Zeit, um die Vereinbarung zu bestätigen. Dies ist ein zweiter Schritt nach einer Branchenvereinbarung über Lohnerhöhungen in der Strom- und Gasindustrie (IEG), die am Montag von CGT, CFDT und FO ohne die CFE-CGC unterzeichnet wurde.

Im KKW Gravelines wird am Montag eine Abstimmung stattfinden. „Wenn die Vereinbarung am Montag bestätigt wird, ist für uns die Angelegenheit abgeschlossen, alle gehen wieder an die Arbeit. Wir werden uns das Hemd schweißnass machen, um die Kraftwerke für die Franzosen sicher an das Netz anzuschließen“, sagte Franck Redondo.

Man beachte die subtile Wortfindung: „…für die Franzosen…“. Von Schwitzen der EdF-Arbeiter dafür, dass „les Allemands fous“ , die verrückten Deutschen, mit Hilfe französischen Atomstroms ihre letzten drei Kernkraftwerke stilllegen können, ist nicht die Rede. Die deutsche Stilllegungsorgie mitten in einer veritablen Energiekrise führt in Frankreich ohnehin nur zu Unverständnis. 

Foto: Pixabay

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PALLA Manfred / 22.10.2022

+ + + Dumme Frage ?!? - gibt es in FRANCE auch eine Strom- und Gas-BÖRSE ?!? - da werden bei UNS gerade “Schöne Milliarden” generiert/verdient, allein nur durch den “H A N D E L”, also für das N I C H T S -TUN !!! - und unsere “Ballina Polterit-Klamauk-Truppe”  v e r s c h u l d e t “dafür” die BRD-“Steuer”-Zahler mit “200” Milliarden Euronen !!! - Ist D A S nicht I R R E ?!?! - P. S.: - Werter Autor, bitte i m m e r auch erwähnen, daß in France fast “60” REAKTOREN in den “18” WERKEN l a u f e n ;-)

W. Renner / 22.10.2022

Zum letzten Absatz: Die Wortfindungen werden halt national so angepasst, dass sie immer im Konsens des globalen Klimagelübdes stehen. Die Schweizer werden ja auch zum Energiesparen im allgemeinen, und Strom sparen im Besonderen aufgefordert, obwohl hier die Wasser- und Kernkraftwerke problemlos laufen. In einer kleinen Meldung am Rande in den Nachrichten erfährt man dann, dass die Schweiz noch nie so viel Strom exportiert hat wie in diesem Jahr - also dem Jahr der „Energiekrise“ und „grössten Stromknappheit“. Und wohin hat die Schweiz den (bösen Atom) Strom wohl exportiert??? Nach Neuseeland und Burkina Faso wohl sicher nicht.

Gabriele Schäfer / 22.10.2022

Der deutsche Michel schläft. Nur nicht bei Fußball. Diese Woche war auf den Straßen kein Durchkommen mehr, bei einem „ niederrangigen“ Fußball- Spiel. Der „ teutsche“ Mann läßt sich sowas nicht entgehen. Mutig schreitet er voran und sieht seinen Balltretern „ heroisch“ unter FLUTLICHT zu. Da interessiert doch kein kommender „ Blackout“!

Moritz Ramtal / 22.10.2022

2,5% oben plus eine Lohnverwässerung durch 5% unten bei den aktuellen Inflationsraten, nah wenn sich der Streik mal nicht gelohnt hat.

Jochen Lindt / 22.10.2022

Eigentlich sind die AKWs in Frankreich eine rein politische Veranstaltung. Sie dienen primär der “Grandeur” der Grande Nation.  Also Atomwaffen und so. Nebenbei springt noch was fürs Volk raus, nämlich recht niedrige Strompreise, staatlich garantiert. Gewinn haben die französischen AKWs nie gemacht, nicht einen Tag lang.  Aber wozu auch? Strom ist im 21.Jh eher Menschenrecht als Wirtschaftsgut. Da muss ich den Franzosen zustimmen.  Dass wir in Deutschland jedem Windmühlenbetreiber einen Obolus abdrücken müssen und obendrein die höchsten Energiepreise der Welt haben, ist doch gar nicht einzusehen.

H. Krautner / 22.10.2022

“Von Schwitzen der EdF-Arbeiter dafür, dass „les Allemands fous“ , die verrückten Deutschen, mit Hilfe französischen Atomstroms ihre letzten drei Kernkraftwerke stilllegen können, ist nicht die Rede.”               Kein Bäcker schwitzt dafür, dass niemand verhungert, sondern weil er mit dem Brotverkauf sein Geld verdienen will.  Die EdF-Arbeiter schwitzen auch nicht dafür, dass die Deutschen mit Strom versorgt werden, sondern sie schwitzen allein nur dafür, dass sie mit ihrem Arbeitslohn ihren Lebensunterhalt möglichst gut finanzieren können.

Chris Kuhn / 22.10.2022

Nur gut für meine EdF-Aktien! Und auch Cameco (Uran, Saskatchewan) hat nen Lauf.

Joachim Krone / 22.10.2022

Was mich total wundert ist die pyramidale Blödheit der Grünlinken, nicht zu erkennen, dass ihre Überwachungspläne via Smart Phones und Smart Meters und Smart Homes ohne Strom NIEMALS funktionieren werden. Vergesst einfach eure dusslige Revolution, ihr DEPPEN. OK, ich schreibe euch ne Postkarte, wenn mein Nachbar verbotswidrig sich einen Tee kocht - wenn sie denn jemals ankommt in eurer neuen Germania-Zentrale für 770 Millionen Euro.

Andreas Ost / 22.10.2022

Ihre Version widerspricht der des Herrn Trittin.  Der hier das DSagen hat. Im DLF sagte er, die deutschen Kraftwerke wuerden wie bekloppt Strom fuer die Franzosen wegen Ihres Sonderwegs erzeugen muessen. Der Franzosen ist der wahre Schuldige. Im O- Ton nachzuhoeren!

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