David Harnasch / 07.02.2009 / 12:01 / 0 / Seite ausdrucken

Unwichtiger Umzug

Ich besitze zwar kein einziges Buch aus dem Suhrkampverlag, leider betreffen mich dessen Umzugspläne aber trotzdem. Denn was auch immer die völlig unmündige Stadt Berlin wem auch immer verspricht, wird bekanntlich letztlich von den Bürgern Bayerns, Hessens, Hamburgs und Baden-Württembergs bezahlt.
Es ist absolut in Ordnung, dass Ulla Berkéwicz-Unseld die Kohle abgreift - es wäre unverzeihlich dumm, das nicht zu tun. Wenn sie einen Teil ihrer Leute feuern möchte, ist das auch ihr Bier. Komplett lächerlich ist es allerdings, wenn sie gestern in der Kulturzeit erzählt, ihr Verlag profitiere von der räumlichen Nähe zur Politik. Wenn irgendwas im Jahr 2009 völlig scheißegal ist, dann eine Verlagsadresse zur Zustellung von Snailmail. Da ein Verlag im Gegensatz zu einer Druckerei oder einem Automobilzulieferer aber zu 100% aus Köpfen und zu 0% aus Maschinen besteht, sind die Mitarbeiter weniger egal. Frau Berkéwicz-Unseld freut sich “über jeden”, der das Umzugsangebot annimmt. Da 80% der Belegschaft gegen den Umzug sind, verbleiben ihr also 20% motivierte Mitarbeiter und ein paar, die verzweifelt genug sind, um gegen ihren Willen in die Hauptstadt zu ziehen. Offenbar ist das Arbeitsrecht derart idiotisch gestaltet, dass die Verlegerin lieber den Großteil ihrer verbleibenden Angestellten unglücklich macht, als die Minderleister abzufinden und zu feuern - was, nebenbei, natürlich ehrlicher wäre. Schade für alle Beteiligten inklusive mir, schön für Berlin.

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