
In Tschechien können etwa 10% der Bevölkerung als relativ arm eingestuft werden. Bezüglich der relativen Armut ist Tschechien also ‘reicher’ als Deutschland. Tschechien ist bzgl. der relativen Armut sogar das ‘reichste’ Land der EU. Die Quelle hiefür ist eine Studie des Instituts für Wirtschaft in Köln, “Einkommen und Vermögen in Deutschland und wie der Staat sie umverteilt.” Trotz dieser hervorragenden Statistik sind deutsche Migranten, die nach Tschechien auswandern auf der Suche nach einer besseren finanziellen Zukunft, in Tschechien eher unüblich.
Hätten die Malocher aus Karl Marxens Zeiten die Chance, einen Blick ins Jahr 2015 zu werfen, um die Lebensumstände ihrer Klasse zu begutachten, würden ihnen vor Grauen über deren Elend garantiert die Knochen schlottern.
So richtig dieser Kommentar auch ist, so ist jede Argumentation dahingehend, daß mit dem “relativen Armutsbegriff” eher Unterschiede in den Einkommensverhältnissen als Armut oder Wohlstand erfaßt werden, müßig. Der Grundfehler, daß hier Relationen in möglichst krasse, absolute Begriffe gefaßt werden, ist lange bekannt. Armut ist seit vielen Jahren ein politischer Kampfbegriff; die regelmäßige Veröffentlichung eines Armutsberichtes für die Bundesrepublik Deutschland, möglichst mehrmals im Jahr, in dem er für einzelne Gruppen (Kinder!) getrennt erhoben oder veröffentlicht wird, legitimiert die Akteure in Politik und Sozialindustrie, ständig neue Forderungen nach einem Ausgleich durch weitere Steuermittel zu rufen. Das kann man sich doch durch Sachkritik an Datenerhebung und -interpretation nicht verderben lassen!
Es ist immer faszinierend, die Berufsempörung von Herrn Hauptgeschäftsführer dieses Vereins erleben zu dürfen. Offenbar kann man von solchen Studien und Verwaltungstätigkeit in solchen Gremien und auf entsprechenden Managerposten ganz gut leben, während in der Pflege ausgebildete Kräfte zunehmend von umgeschulten Hilfskräften verdrängt und für eine dreischichtige, physisch und psychisch anspruchsvolle Arbeit eher Hungerlöhne gezahlt werden. Maserati-Harry und Co. lassen grüßen!
Auch die eben beschlossene Lohnsteigerung von 3,5 % bei den Metallern wird die Armut in Deutschland weiter steigern. So geht wenigstens die Arbeit für den Wohlfahrtsverbands nie aus.
Die durchschnittliche Hartz4 Familie inDeutschland käme von ihrer Kaufkraft, medizinisch-sozialen Versorgungslage und Wohnsituation her einer Familie des gehobenen Mittelstandes in Indien gleich.
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