Entgegen seinem Ruf leistet Ungarn sehr kluge Beiträge in der Hilfe für afrikanische Länder und ihre Bewohner. Anders als bei uns gilt es nicht als falsch, wirtschaftliche Interessen bei entwicklungspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Seit Victor Orbáns Kritik an der europäischen Migrationspolitik und seiner Aussage, dass europäische Politiker „die Migranten ermutigen und den Eindruck erwecken, dass es sich lohnt loszuziehen“, wird in den europäischen Medien behauptet, dass Rassismus zum Alltag in Ungarn gehört. Orbán hat sich seit 2015 geweigert, illegale Migranten aufzunehmen, da sie als "Bedrohung für die öffentliche Sicherheit“ angesehen werden. Wie Victor Orbán kürzlich auf der Konferenz der des Nationalen Konservatismus (NatCon) in Brüssel sagte, gibt es bis heute keine illegalen Einwanderer (z.B. aus Afrika) in seinem Land. Anderseits engagiert sich die Regierung Orban zunehmend in einzelnen Ländern Afrikas. Wie passt das zusammen?
Kaum jemand nimmt zur Kenntnis, dass in den letzten Jahren tausende Afrikaner nach Ungarn gekommen sind, um an angesehenen Hochschulen zu studieren. Ungarn hat auch hunderte von Studenten aus Ghana aufgenommen, die aus der Ukraine bei Kriegsbeginn geflohen sind. Den Studenten wurde angeboten, die gleichen günstigen Studiengebühren wie in der Ukraine zu zahlen. Gehen Afrikaner in ein „rassistisches Land“ ?
Derzeit leben ca. 8.000 Afrikaner in Ungarn, davon studieren 2.600 von ihnen – aus 25 Ländern Afrikas – an ungarischen Universitäten. Einige hundert – eine genaue Zahl ist mir (noch) nicht bekannt – haben Stipendien des ungarischen Staates erhalten.
Einige praktische Beispiele für ungarisches Engagement
Uganda
Ungarn hat dazu beigetragen, den Finanzsektor Ugandas gegen Cyberangriffe zu stärken und das System mobiler Zahlungen zu sichern. Das Cybersicherungsprojekt wurde vom ungarischen Staat mit 3,9 Millionen Euro finanziert und von einem ungarischen Unternehmen durchgeführt.
Ferner hat Ungarn im größten Flüchtlingslager in Uganda den Bau von drei Schulen finanziert, bei der Modernisierung des öffentlichen Verwaltungssystems geholfen, ein mobiles Gesundheitszentrum sowie ein Krankenhaus für Kardiologie eingerichtet.
Tschad
Die 2019 gegründete Agentur „Hungary Helps“ hat kürzlich in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ihr erstes Repräsentationsbüro für humanitäre Hilfe auf dem Kontinent eröffnet. „Hungary Helps“ will – nach eigener Darstellung – durch Nothilfe dazu beitragen, dass Menschen nicht in die Emigration getrieben werden. Hilfe solle dorthin gehen, wo Probleme sind und nicht Menschen in einer Notlage nach Europa bringen. Maxime, die dortige Bevölkerung einzubinden und Projekte schnellstmöglich in deren Hände zu geben.
Immer noch schlägt der rechtsliberalen Regierung Orbán aus der EU Misstrauen entgegen. Zuletzt im März 2024, als sich Ungarn mit 200 Soldaten (mit Victor Orbáns Sohn Gáspár, ausgebildet an der Royal Military Academy Sandhurst) an friedenssichernden Maßnahmen im Tschad beteiligte. Besonders Frankreich ist verärgert, weil sich die Regierung Orbán nicht mit Frankreich abgesprochen hat.
Die ungarischen Militärs sind im Rahmen eines bilateralen Abkommens in den Tschad gekommen. Wenn deutsche Medien – im Sinne Frankreichs – den ungarischen Soldaten jeweils fehlende Ortskenntnis, Erfahrung mit komplizierten ethnischen Konflikten oder Kommunikation vorwerfen, dann haben sie wohl die Kongo-Mission der Bundeswehr in den Jahren 2003 bis 2014 verdrängt. Bis heute gibt es keine umfassende Darstellung des Einsatzes, weder für den Bundestag noch für die Öffentlichkeit.
Noch immer sind im Tschad rund 1.000 Franzosen stationiert. Paris unterhält seit der Unabhängigkeit in der Hauptstadt seiner früheren Kolonie N’Djamena (früher Fort Lamy) einen seiner größten Militärstützpunkte. Frankreich kontrolliert seit jeher den Tschad und betrachtet ihn als sein Einflussgebiet (sa chasse gardée).
Französische Politiker sind offenbar noch nicht bereit, ihre Einflussmöglichkeiten in der ehemaligen Kolonie Tschad zu verlieren. Den französischen Interessen genehme Präsidenten an der Macht zu halten, hat aber dem Ansehen der ehemaligen „Grande Nation“ (Selbsteinschätzung) sehr geschadet. Die Staatsstreiche in Guinea, im Niger, in Mali und in Burkina Faso hatten jeweils verschiedene Hintergründe, aber überall jubelten die Menschen den Putschisten zu; oft brannten bei diesen Demonstrationen französische Fahnen, verbunden mit dem Slogan „A bas la France“ ("Nieder mit Frankreich“).
Die Regierung des Tschad bleibt eine der letzten Verbündeten der Franzosen. Die antifranzösische Stimmung in der Sahelregion hat den Tschad noch nicht erreicht.
Sierra Leone
Bei einem Wirtschaftforum mit dreißig ungarischen Unternehmen wurde mit Hilfe der Universität für Agrar- und Biowissenschaften (MATE) eine Zusammenarbeit mit Sierra Leone in den Bereichen Ernährungssicherheit (Lebensmittel) und Landwirtschaft vereinbart. MATE forscht in den Bereichen wie dem Anbau von Kulturpflanzen, der Nahrungsmittelsicherheit und nährstoffreichen Pflanzen sowie nachhaltigem Wassermanagement.
Hinzu kommen Investitionen, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser für mehr als 300.000 Menschen zu gewährleisten.
84 Studenten aus Sierra Leone studieren bereits in Ungarn.
Fazit
Victor Orbán ist demokratisch mit großer Mehrheit gewählt und hat offensichtlich die Unterstützung der Mehrheit der Ungarn, seine Auffassung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit durchzusetzen. Die obigen bilateralen Beispiele – Ungarn gewährt auch öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) über multilaterale Kanäle (IWF, Weltbank, UN-Institutionen) in Form von finanziellen Beiträgen, obligatorischen Mitgliedsbeiträgen und freiwilligen Beiträgen – zeigen, dass die medial inflationär gemachten Unterstellungen gegen Ungarn etwa im Verhältnis zu Afrikanern unfair sind.
Da die Mittel begrenzt sind, konzentriert sich das Land auf ausgewählte Bereiche und Projekte (siehe oben). Für Ungarn ist die beste Form von Entwicklungsbeistand technische Hilfe, Förderung von Bildung, Weiterbildung und die Entsendung von Fachleuten.
Anders als bei uns gilt es nicht als falsch, wirtschaftliche Interessen bei entwicklungspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, dtv 2021 (11. Auflage)
Beitragsbild: European Peoples Party CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Deutschland betreibt pure Scheckbuchdiplomatie, auch betreffend (vermeintliche) Entwicklungshilfe. Es geht auch gar nicht darum, den Einwohnern unterentwickelter Länder damit zu helfen, es geht darum, sich ein (vermeintlich) gutes Gewissen zu erkaufen. Bevorzugt natürlich mit dem Geld anderer, also letztlich auf Kosten der noch produktiven Bevölkerung Deutschlands. Je mehr Geld in Richtung Dritter Welt (sprich: deren oft autokratischen Regimen) verschleudert wird, desto grösser die hypermoralische Selbstbefriedigung. Den Menschen der Dritten Welt nützt es hingegen nichts, den Zahlenden in Deutschland ebenso wenig.
@P.Wetter Besten Dank für Ihren Kommentar. Ich wollte schon seit längerer Zeit -ohne die üblichen Vorurteile- über den Umgang Ungarns mit Afrika und den Afrikanern berichten. Allerdings ist es sehr schwierig entsprechende seriöse Informationen zu bekommen. Vielleicht bekomme ich ja einmal Kontakt mit einem ungarischen Diplomaten und/ oder sachkundigen Journalisten. Es lohnt sich m.E. das ungarische Engagement weiter zu beobachten. Ich war einmal zu einem Vortrag an der Andrassy Universität in Budapest. Leider haben sich damaligen Kontakte nicht erhalten.
Ich stamme aus Ungarn, mein Vater spricht 2 afrikanische Sprachen (Swahili, Bambara), ich habe einen pechschwarzen afrikanischen Adoptivbruder mit blitzenden weißen Zähnen. Nachts wirkt er wie die Grinsekatze (Cheshire Cat) aus Alice im Wunderland. Cheshire Cat hat eine preußische Arbeitsmoral und zahlt seine Steuern. Wir halten die links-grün-woken gemeinsam für gemeingefährliche Ideologen, Ignoranten, Imbezile, Idioten. Wir hatten oft Freunde aus anderen Kulturkreisen in Ungarn zu Besuch. Sie wurden mit ungarischen Paprikahuhn und Großmutters Lángos traktiert oder von ungarischen Ureinwohnern um gemeinsame Fotos gebeten. Die einzigen Rassisten sind diejenigen, die krampfhaft in alles Rassismus hinein interpretieren.
Danke für diesen Artikel. Die Ungarn machen so vieles richtig, man wird neidisch. Allein, wie sie der Korrupten EU samt vdL die Stirn bieten nötigt mir Respekt ab.
Und das Wahrheits und Welterrettungsmonopoldünken der Deutschen ist nur noch peinlich. Und sie merken es nicht mal, siehe Schulze, Baerbock ect.Herr scheiß Hirn vom Himmel!!
Herr Seitz danke für den Artikel. Ein ungarischer Freund wird sich ganz besonders freuen, dass Ungarn mal aus einer anderen Perspektive gezeigt wird, zumindest mit einem anderen Fokus. Ihn betrübt es sehr, dass er in der deutschen Presse sonst immer nur negative Schlagzeilen über sein Heimatland ließt, was viele Deutsche verinnerlichen und ihm vorhalten.
Zu Deutschland:
Manchmal kommt der Gedanke auf, dass Deutschland sich mit der Zahlung von Entwicklungshilfe Sympathien kaufen möchte.
„Ungarn ist anders “
Unter diesem Titel hat Bence Bauer kürzlich ein Buch vorgelegt , was viel zum Verständnis der Magyaren beitragen könnte, wenn es denn von denen gelesen würde, die sich des öffenlichen Diskurses ermächtigt haben, diesen bestimmen und immer noch auf Anweisung von Merkel, über Ungarn ein Negativ- Bild glauben verbreiten zu müssen.
Ungarn war 150 Jahre lang von den muslimischen Osmanen besetzt , die das Land vollkommen zerstört haben und nur verbrannte Erde hinter sich gelassen haben.
Daraus hat sich eine kollektive Erinnerung in das Gén der Ungarn eingebrannt, welches jeden Versuch einer Wüstensekte , wieder einem Fuss in ihr Land zu setzen mit unerbitterlicher Abwehr begegegnet.
Sie erfahren zu dem täglich am eigenen Leibe, was es bedeutet mit einem Ethnikum zusammen zu leben, die stolz Cigányok genannt werden will und die auch in den 600 Jahren , die seit ihrer Einwanderung aus Vorderindien vergangen sind, wenig Neigung zeigen, sich in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren.
So kommt es nicht von Ungefähr, dass so gut wie alle Ungan Orbàn zustimmen, der der Meinung ist, Elend und Leid an Őrt und Stelle entgegen zu treten, statt dieses uns eigene Land zu lassen.
Sehr geehrter Herr Seitz, so wie jeder Artikel von Ihnen, ist auch dieser äußerst interessant und aufschlussreich! Wie immer liefern Sie Informationen, die man als normaler Mensch nirgendwo sonst bekommen kann. Dafür gebührt Ihnen Dank! Zum Inhalt kann ich nur sagen, dass sich die Gutmenschen in Politik und Journaille bei uns, wie in vielen anderen Fällen, in Grund und Boden schämen müssten, erstens für ihr eigenes unfähiges und dümmliches Handeln und vor allem dafür den ungarischen Ministerpräsidenten ständig abzukanzeln, der doch objektiv betrachtet einer der Besten auf einem solchen Posten ist.