der Attentäter im Manifest sich gegen Sozialabbau und die Beteiligung am Afghanistankrieg ausgesprochen hätte, hätte er dann mehr Recht?
Eigentlich verschlägt die Tat die Sprache, doch wenn schon die ersten Na-bitte- und Aha-Rufe laut werden, kann man nicht ruhig bleiben.
Der Attentäter hat nicht Recht, egal was er schreibt. Gleich, welcher Ideologie er sich zurechnet, er hat sie weder falsch noch richtig ausgelegt, er hat seine eigene Aggression verübt und scheinbar eine Begründung in seiner Phantasie. Es ist völlig gleichgültig, ob an seinen Thesen irgendwo etwas dran sei. Niemand wird seine Untat deshalb relativieren, ihn gar als Helden feiern. Seine Phantasie darüber ist falsch.
Muss man wirklich aussprechen, dass Kritik am Islamismus gerade nicht die Schlussfolgerung auf Individuen bedeutet und eben am Wert des Einzelnen ansetzt?
Leider ja, denn hier wird sie vom linksvölkischen Deutschtum systematisch und vorsätzlich falsch verstanden. Was ist denn, wenn Leute, die das Scheitern des Multokulto sehen, gesagt kriegen, sie seien Nazis und müssten NPD wählen? Vielleicht glauben sie es selbst und handeln entsprechend. Wenn Sarrazin der Rassist und Faschist ist und seine Leser desgleichen, dann hat man sich schön von ihnen distanziert und ist schon mal besser, aber was sollte dann die Leser noch hindern, Rassismus und Faschismus als Alternative anzunehmen?
Könnte man nicht vermuten, der Attentäter habe sich diese Missinterpretationen zueigen gemacht? Er sei darauf hereingefallen, Islamkritik würde in der Vertreibung der Moslems, in der Nachfolge des Antisemitismus, enden müssen? Hat er geglaubt, die Parolen von Gegengewalt und Widerstandsrecht gegen Verbrecherstaat und Willkür gälten auch für ihn? Ist er womöglich nicht zu wenig tolerant, sondern hat sich wegen Übertoleranz legitimiert gefühlt?
Wir wissen es nicht, wir wissen gar nichts. Die anderen Interpreten ihrer eigenen Auffassung wissen auch nichts.