Und täglich raunt der Faktensheriff

ARD-Mann Pascal Siggelkow verleumdet weiße Evangelikale Christen in den USA. Statt harter Fakten liefert er aber nur Halbwahrheiten und Gerüchte, bei näherer Betrachtung stellt sich der ganze Beitrag als nasser Knallfrosch heraus.

Am 8. Juni 2023 veröffentlichte die GEZ-finanzierte Online-Tageszeitung tagesschau.de einen Beitrag von „ARD-faktenfinder“ Pascal Siggelkow mit dem Titel: „Evangelikale in den USA: Desinformation im Auftrag des Herren“. „Desinformation“ bedeutet: bewusst falsche Informationen weitergeben, um andere zu täuschen. Das wird etwa bei bewaffneten Konflikten gemacht, als Teil der psychologischen Kriegsführung, um den Feind zu verunsichern.

Wenn Christen in den USA – und letztlich richtet sich der Artikel, wie sich zeigt, gegen alle Christen –, vorgeworfen wird, „Desinformation im Auftrag des Herrn“ zu betreiben, heißt das übersetzt: Sie lügen ihre Mitmenschen bewusst an. Und wer hat sie dazu angestiftet? Wenn man der vom NDR betriebenen Website tagesschau.de Glauben schenkt: Gott.

Tagesschau.de benutzt mitunter reißerische Schlagzeilen als Köder, um Nutzer zum Anklicken der Texte zu bewegen (clickbait). Darum sollte man prüfen, ob das Versprechen der Überschrift im Text eingelöst wird. Im vorliegenden Fall nicht: Die Vokabel „Desinformation“ wird im Text kein einziges Mal mehr benutzt – wohl aber als sogenannter tag unter dem Artikel: Sucht man gezielt nach Beiträgen zum Thema „Desinformation“, dann erscheint an erster Stelle das Pamphlet gegen die Christen. Ein Fall von clickbait, der gleichzeitig eine faustdicke Lüge und Verleumdung ist: Die Überschrift erhebt einen spektakulären Vorwurf gegen eine Konfession, der an keiner Stelle des Beitrags belegt wird.

Ein „Traum von einem Text“

Zudem soll die Schlagzeile ein Spott sein, denn es ist im deutschsprachigen Raum spätestens seit dem 19. Jahrhundert beliebt, Amerikaner zu verhöhnen, als einen vermeintlich kulturell und intellektuell niedriger stehenden, denkfaulen Menschenschlag, der überhaupt nichts anfangen könne mit der feinziselierten abendländischen Zivilisation. Wie der Dichter Nikolaus Lenau 1832 schrieb: 

„Bruder, diese Amerikaner sind himmelan stinkende Krämerseelen. Todt für alles geistige Leben, maustodt.“

Dies war auch die Masche des Spiegel-Journalisten Claas Relotius, der für seinen Antiamerikanismus immer wieder Journalistenpreise erhielt. Zitat aus Wikipedia

„…darunter den Österreichischen Zeitschriftenpreis, den Katholischen Medienpreis, den Peter-Scholl-Latour-Preis sowie viermal den Deutschen Reporterpreis (letzteres war zuvor niemandem gelungen) – dreimal davon für die beste Reportage des Jahres. 2014 zeichnete ihn CNN als Journalist of the Year aus.“

Das war, ehe auch die Dümmsten bemerkten, dass seine kleinen Geschichten erfunden waren. Für seine „Reportage“ „In einer kleinen Stadt“ etwa war Relotius nach Fergus Falls in Minnesota gereist. „Es sollte der Versuch sein, Trumps Wähler zu beschreiben und zu verstehen“, rechtfertigte sich der Spiegel später. „Ein Monat unter Menschen, die sonntags für Donald Trump beten“, hieß es bei Erscheinen des Artikels in der Unterüberschrift. Nun, wie sich herausstellte, beteten diese Menschen nicht sonntags für Donald Trump und auch ansonsten war fast alles gelogen, was Relotius schrieb: Es gibt dort keinen Wald, „der aussieht, als würden darin Drachen hausen“, kein Kino, das seit Jahren nur „American Sniper“ zeigte etc.

„Relotius hat in Fergus Falls eine Fantasie erschaffen, einen Traum von einem Text. Das gab er bei seinem Geständnis vor seinen Chefs zu“, räumte der Spiegel ein. Ein „Traum von einem Text“ ist doppeldeutig. Die Darstellungen entsprangen Relotius’ Fantasie, ja, aber es war aus Sicht des Spiegel und all derer, die Relotius mit Journalistenpreisen auszeichneten, eben auch ein traumhafter Text: Wie beim Spiegel üblich, war er voller Gehässigkeit und sprachlichem Kitsch und reproduzierte all die deutschen Vorurteile über die tumben amerikanischen christlichen Hinterwäldler. Antiamerikanismus pur.

Faktenfinder im Wilden Westen

Sechs Jahre nach Relotius ist nun ARD-„Faktenfinder“ Pascal Siggelkow in den Wilden Westen gereist, auf dem Rücken seiner Computermaus. Die ARD hat zur Bebilderung des Beitrags ein Foto ausgesucht, auf dem man eine ältere weiße Frau beten sieht. Sie trägt ein T-Shirt mit Wahlwerbung für Donald Trump. Das, wovor Claas Relotius uns damals gewarnt hatte! Gehört er rehabilitiert?

Um zu erfahren, wie Christen angeblich „Desinformation im Namen des Herren“ betreiben, hat Siggelkow zwei „Experten“ befragt, von denen er vorher wusste, was sie ihm sagen würden. Zum einen Annika Brockschmidt, „Postergirl des deutschen Antiamerikanismus“. Sie hat den „Spiegel-Bestseller“ „Amerikas Gotteskrieger“ geschrieben, in dem sie in die gleiche Kerbe schlägt wie Claas Relotius. Im Unterschied zu diesem ist sie aber gar nicht erst in die USA gereist, das sei „aufgrund der anhaltenden Pandemie“ nicht möglich gewesen, erklärte sie im Januar 2022 auf Twitter.

Die andere Expertin unseres Faktenfinders ist „Jiore Craig, Resident Senior Fellow beim Institute for Strategic Dialogue (ISD)“. Ihre Qualifikation? Naja, sie ist halt irgendwo angestellt und hat eine Meinung – eine, die Siggelkow hören will. Das „Institut für strategischen Dialog“ ist eine von der Bill & Melinda Gates Foundation finanzierte Lobbygruppe, die sich auf ihrer Website so vorstellt:

„Wir formulieren und vertreten politische Lösungen und versorgen lokale Behörden, Zentralregierungen und multilaterale Institutionen mit Daten, Fachwissen und technischer Unterstützung, um eine evidenzbasierte Politik und Programmgestaltung zu ermöglichen.“

Super!

Das geheime Leben von Amerikas Christen

Steigen wir in die Geisterbahn und gruseln uns über die Christen in Amerika. Schon der Vorspann von Faktenfinder Siggelkows Text lässt dem Leser die Haare zu Berge stehen:

„Sie sind gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, machen Stimmung gegen queere Menschen und geben sich als Kämpfer gegen den Sozialismus: die weißen Evangelikalen in den USA. Ihr politischer Einfluss ist groß.“

Der demagogische Kunstgriff „weiße Evangelikale“ ist das Lockmittel des Artikels: Wer von den tagesschau-Lesern mag schon weiße Christen, die die Bibel lesen? Schnell wird freilich klar, dass sich der Beitrag gegen alle möglichen Christen richtet, auch die, die nicht weiß und keine Evangelikalen sind, wie dieser Absatz deutlich macht:

„Wenn im kommenden Jahr der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wird, könnten sie erneut eine wichtige Rolle dabei spielen: die weißen Evangelikalen. Zusammen mit rechten Katholiken, Protestanten, Mormonen und denominationslosen Christen bilden sie die sogenannte Religiöse Rechte, sagt Journalistin und Autorin Annika Brockschmidt.“

Die Konfessionen, die Siggelkow – Brockschmidt paraphrasierend – hier anführt, machen mehr als die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung aus. Da wäre es kaum überraschend, wenn sie „eine wichtige Rolle“ bei den Präsidentschaftswahlen spielen würden. Aber wissen diese rund 200 Millionen Menschen eigentlich, dass man sie in Deutschland für „religiöse Rechte“ hält? Die meisten wären sicherlich sehr verwundert. Etwa die Protestanten: Für Siggelkow/Brockschmidt gehören sie alle zur „Religiösen Rechten“. Hillary Clinton und die eher linksgerichtete Senatorin Elizabeth Warren sind Mitglieder der Methodistischen Kirche. Die Methodisten sind Protestanten. Laut Siggelkow/Brockschmidt sind Protestanten Teil der „Religiösen Rechten“. Clinton und Warren wären also Anhänger der „Religiösen Rechten“. 

Nicht-weiße Evangelikale, das hat Siggelkow recherchiert, seien in den USA „deutlich in der Minderheit: Sie machen nur 24 Prozent aller Evangelikalen aus.“ „Nur“ 24 Prozent? Eine Information, die Siggelkow leider nicht recherchieren konnte, ist der Anteil der Schwarzen in den USA an der Gesamtbevölkerung: 13,6 Prozent. Auch über die religiösen Einstellungen von Schwarzen in den USA – 74 Prozent von ihnen glauben laut einer PEW-Umfrage an den Gott der Bibel, 44 Prozent sagen, dass die Bibel als Gottes Wort wortwörtlich genommen werden müsse – will Siggelkow lieber nichts wissen, schließlich will er nur weiße Christen als das darstellen, was er für evangelikale Eiferer hält. Ja, der Siggelkow ist schon ein Faktenfinder der besonderen Art.

Der US-Kongress: 70 Prozent „religiöse Rechte“? 

Protestanten, Mormonen, „rechte Katholiken“ – für Siggelkow und Brockschmidt alles die gleichen böhmischen Dörfer. Und dann sind da noch die „denominationslosen Christen“. Auch sie gehören laut Siggelkow/Brockschmidt zur „Religiösen Rechten“. Das sind wahrscheinlich sogar besonders schlimme Finger. Dass „denominationslos“ lediglich heißt, sich keiner der klassischen Denominationen – also etwa römisch-katholisch, Lutheraner, Methodisten, griechisch-orthodox etc. – zuzurechnen, können Siggelkow und Brockschmidt ja nicht wissen. Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich auskennt? Etwa bei OBI.

Der aktuelle US-Kongress besteht übrigens zu 55,4 Prozent aus Protestanten. Wenn dann vielleicht noch ein Drittel der 30 Prozent Katholiken „rechte Katholiken“ (was immer das heißen mag) sind, wären zwei von drei amerikanischen Kongressabgeordneten „religiöse Rechte“. Das sieht nach einem Durchmarsch aus. Siggelkow zitiert Brockschmidt:

„Der gemeinsame Nenner ist weißer, christlicher Nationalismus – die Vorstellung, dass die USA von und für weiße, konservative Christen gegründet sei.“

Hier werden zig Millionen Menschen pauschal und ohne jeglichen Beleg zu Rassisten erklärt. Was ist mit unserem Faktenfinder? Hat der diese wilden Anschuldigungen überprüft? Nein, hat er nicht, wie eine Nachfrage beim NDR ergab. Siggelkow bzw. der NDR hat keine Skrupel, pauschal große Religionsgruppen vorzuverurteilen. Bei anderen Religionen würde tagesschau.de das sicherlich nicht tun. Erst vor einigen Tagen erschien dort etwa ein Beitrag über die „in Deutschland weit verbreitete Muslimfeindlichkeit“. Darin hieß es:

„Unter Muslimfeindlichkeit verstehen die Fachleute aus Wissenschaft und Verbänden ‚Zuschreibungen pauschaler, weitestgehend unveränderbarer, rückständiger und bedrohlicher Eigenschaften gegenüber Muslimen‘. Dadurch werde bewusst oder unbewusst eine ‚Fremdheit‘ oder sogar Feindlichkeit konstruiert. Als Gründe für feindliche Ansichten nannten die Fachleute etwa ein ‚unbewusstes Vorverständnis‘, Fehlinformationen oder auch pauschale Ängste.“

Man ersetze „Muslime“ durch „Christen“, schon hat man die Stoßrichtung von Siggelkows christenfeindlichem Beitrag in Worte gefasst.

Dabei kann Siggelkow im gesamten Artikel amerikanischen Christen nichts vorwerfen, das irgendwie moralisch fragwürdig wäre – obwohl er sich alle Mühe gibt. Einige Beispiele. „Streng konservative Richter“ hätten die Mehrheit im Supreme Court, sagt er. Die Folge sei „die Aufhebung der Grundsatzentscheidung zum Abtreibungsrecht „Roe v Wade“ im vergangenen Sommer. Dadurch sei „es den Bundesstaaten möglich, Schwangerschaftsabbrüche stark einzuschränken oder gar ganz zu verbieten“. Trump habe damit „sein Wahlversprechen gegenüber den weißen Evangelikalen“ eingelöst. Das ist natürlich Kokolores. Der Supreme Court hat lediglich entschieden, dass das Abtreibungsrecht vom Gesetzgeber zu regeln ist – wie in Deutschland auch. Und Trump hat seine Wahlversprechen gegenüber allen Amerikanern gemacht und nicht gegenüber einer bestimmten Hautfarbe. Laut einer PEW-Umfrage ist übrigens die Mehrheit der Schwarzen in vielen Bundesstaaten der Meinung, dass Abtreibung in „allen oder den meisten Fällen“ illegal sein solle. Auch in dieser Hinsicht setzen sich „weiße Evangelikale“ von Schwarzen nicht so stark ab, wie Siggelkow glauben machen will.

Erwiesen: Christen benutzen Radio und Internet

Er tut aber trotzdem so, als sei er einem großen Skandal auf der Spur. Da sind ja noch diese Netzwerke, die unsichtbare Wellen aussenden:

„Den Einfluss der weißen Evangelikalen erklärt sich Craig auch mit deren großen Netzwerk. So gibt es unter anderem die Salem Media Group, ein Medienunternehmen, das mehr als 100 Radiosender besitzt sowie zahlreiche Websiten (sic!) betreibt. Eigenen Angaben zufolge erreicht die Mediengruppe elf Millionen Radiohörer und hat mehr als 150 Millionen monatliche Web- und App-Aufrufe. Mitbegründer der Salem Media Group ist Stuart Epperson, der bereits 2005 vom Time Magazine als einer der 25 einflussreichsten Evangelikalen in den USA bezeichnet wurde.“

Was Siggelkow hier herausgefunden hat: Viele Christen in den USA schalten öfter mal das Radio ein und ziehen sich da christliche Botschaften rein. Mehr noch: Sie surfen sogar im Internet. Da gucken sie sich „Websiten“ (sic!) an. Dank des Begriffs „Netzwerk“ kann Siggelkow diese Trivialitäten wie eine finstere Verschwörung wirken lassen. Würde er auch bei ARD und ZDF vom „Einfluss“ dieses „großen Netzwerks“ sprechen?

„Auch zu rassistischen, rechtsextremen Gruppierungen hätten die weißen Evangelikalen enge Verbindungen, so Craig.“

Beleg: Fehlanzeige. Motto: Möglichst viel Jauche schleudern, irgendwas wird schon hängenbleiben.

„Bei dem Versuch, neue Anhänger zu gewinnen, gehen die weißen Evangelikalen allerdings nicht mit ihren extremen Positionen hausieren, sagt Craig. Denn sie wüssten, dass sie damit nicht viele Menschen mitreißen könnten.“

Gehen diese Christen vielleicht deshalb nicht „mit ihren extremen Positionen hausieren“, weil sie gar keine „extremen Positionen“ haben? Sondern einfach nur das Evangelium verkünden wollen? Aber, aber! – wir wollen doch nicht gleich das Schlimmste annehmen! 

„Geben sich als Kämpfer gegen den Sozialismus“

Ein Beispiel der Positionen, bei denen Siggelkow selbst aus der Ferne der kalte Angstschweiß über den Rücken läuft:

„Die weißen Evangelikalen geben sich zum Beispiel als Kämpfer gegen den Sozialismus.“

Sie geben sich nur so – heißt das, sie verteilen heimlich, als Bibel getarnt, das Kommunistische Manifest? Nein, so ist das nicht gemeint. Sie sind offenbar wirklich gegen Sozialismus. Würde man bei den öffentlich-rechtlichen deutschen Sendeanstalten solche Ausbeuter und Yankee-Imperialisten auch nur die genderneutrale Toilette putzen lassen? Nein, das würde man nicht. Wie sieht die konterrevolutionäre Aktivität dieser Pfaffen aus? Kommen sie bei Arbeitskämpfen auf Pferden angeritten und schießen auf die Streikposten? Ja, fast:

„Die weißen Evangelikalen sprächen sich daher für Steuererleichterungen aus, sagt Craig.“

Dem öffentlich-rechtlichen deutschen Journalisten muss an dieser Stelle speiübel geworden sein. Und dieser Steuererleichterungsfaschismus ist noch immer nicht alles, was die amerikanischen Christen an Verbrechen gegen die Menschheit im Schilde führen:

„Auch bei anderen politischen Debatten würden die weißen Evangelikalen versuchen, mit ihren Narrativen allgemeine Sorgen aufzugreifen.“

Montagmorgen, Redaktionskonferenz bei tagesschau.de. Sagt der Praktikant: „Sollten wir mit unseren Narrativen vielleicht mal allgemeine Sorgen aufgreifen?“ Siggelkow: „Ey, bist du ein weißer Evangelikaler, oder was?“ Jetzt wird’s kriminell:

„Dabei legten sie den Fokus zum Beispiel auf den Schutz der Kinder. ‚Beim Thema gleichgeschlechtlicher Ehe oder Sexualität verbreiten sie die Ansicht, dass das nicht zu früh in den Schulen eingebracht werden soll…‘“

Kein Sex in der ersten Grundschulklasse? Schutz der Kinder? Diese Ami-Christen sind ja echt total verpeilt!

„(Sie) versuchten zudem, auch die aktuellen Debatten um Cancel Culture und Wokeism für sich zu nutzen, so Craig. ‚Auch hier sehen sie Potential, Menschen für ihre Ansichten zu gewinnen.‘“

Der Leitsatz der Cancel Culture lautet bekanntlich: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung nicht aussprechen dürfen.“ Diese Christen wiederum verteidigen nicht nur den ersten Zusatz der amerikanischen Verfassung, der das Recht auf Redefreiheit garantiert – sie versuchen auch, andere mit Argumenten davon zu überzeugen, dass Redefreiheit und Meinungsvielfalt gut für sie seien. Sie wollen Menschen „für ihre Ansichten gewinnen“! Wie nennt man so etwas? Alle zusammen: DESINFORMATION!

„Geiselnehmer“

Noch etwas hat Siggelkow herausgefunden: Christen sind Geiselnehmer. So, wie Hans Gruber im Nakatomi Plaza in dem Film „Die Hard“:

„Nach Ansicht von Craig ist ein Erfolg der Religiösen Rechten, dass sie die Partei der Republikaner gewissermaßen als Geisel halten würden. Den weißen Evangelikalen sei es gelungen, sich als Machtbasis zu etablieren, da sie für viele republikanische Politiker eine wichtige Wählergruppe seien. Die weißen Evangelikalen haben ihre Hochburgen in bestimmten Bundesstaaten, die eine hohe Anzahl an Wahlmännern haben.“

Die weißen Evangelikalen leben nicht in Städten und Dörfern, sondern in Hochburgen. Mit einer hohen Anzahl an Wahlmännern! Die Zahl der Wahlmänner richtet sie bekanntlich nach der Bevölkerungszahl. Das heißt: In einem Bundesstaat mit 39 Millionen Einwohnern leben mehr Evangelikale als in einem Bundesstaat mit 400.000 Einwohnern? Echt jetzt? Staaten mit einer hohen Anzahl an Wahlmännern sind etwa: Kalifornien, New York und New Jersey. Sicherlich wird es am Strand von San Diego nur so vor Evangelikalen wimmeln, die mit sogenannten „Wasser-Skis“ und „Wakeboards“ kommen, weil sie so tun wollen, als könnten sie über das Wasser laufen. Die Folgerung:

„Sie sind also politisch bedeutsam.“

Laut der Verfassung hat bei Wahlen jeder Bürger eine Stimme. Die Stimme eines evangelikalen Christen zählt nicht mehr und nicht weniger als die eines Katholiken, eines Hindus, eines Moslems, eines Sikh oder eines Atheisten. Mittlerweile ist wohl klar, wogegen sich der tagesschau.de-Beitrag richtet: Dagegen, dass es in den USA Christen gibt, die das Radio und das Internet benutzen, mit Nachbarn sprechen, sich an öffentlichen Debatten beteiligen und die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. How dare you?!

„Konferenzen mit biblischen Bezügen“

Siggelkow ist indessen einer noch größeren Verschwörung auf der Spur:

„Zudem sind die weißen Evangelikalen auch mit anderen Bewegungen vernetzt, die rechtspopulistische oder verschwörungsideologische Inhalte verbreiten. Die rechtspopulistische Nichtregierungsorganisation Turning Point USA unterstützt beispielsweise die Religiöse Rechte finanziell, um die ‚biblischen Werte wiederherzustellen‘.“

Christen wollen die „biblischen Werte wiederherstellen“? Ist das wirklich wahr? Leute wie jener ominöse Stuart Epperson („der bereits 2005 vom Time Magazine als einer der 25 einflussreichsten Evangelikalen in den USA bezeichnet wurde“) geben sich also den Anschein, sie seien eiskalte Geschäftsleute, die nur Dollars zählen, doch in Wahrheit trachten sie danach, heimlich Nächstenliebe zu verbreiten. Oder sogar erzreaktionäre Botschaften wie: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!“. Wenn das stimmt, dann hat Siggelkow etwas aufgedeckt, das größer ist als Watergate und doppelt so schockierend. Und es MUSS wahr sein. Seine Expertin schwört beim heil’gen Aal:

„Die großen Konferenzen von Turning Point USA, die sich ursprünglich dem Kampf gegen den Sozialismus verschrieben hat, hätten wiederum eine Menge biblischer Bezüge, sagt Craig.“

Biblische Bezüge – bei einer christlichen Konferenz? Man kann sich lebhaft vorstellen, wie das Gespräch zwischen Siggelkow und Craig ablief:

– Siggelkow: „Was machen die so für Konferenzen? Können Sie da was besonders Perverses nennen?“

– Craig: „Nun, das sind Konferenzen mit biblischen Bezügen. Letzten Monat etwa…“

– Siggelkow: „Danke, das reicht. Ich will die Leser nicht mit Tatsachen verwirren.“ (Kritzelt etwas in seinen Notizblock und murmelt dabei:) „mit bib-li-schen Be-zü-gen“. (Schlägt das Notizbuch zu und sagt:) „Klasse. Das wird ein Knüller. So wie das Anti-Christen-Buch von der Annika.“

 

Stefan Frank, geboren 1976, ist unabhängiger Publizist und schreibt u.a. für Audiatur online, die Jüdische Rundschau und MENA Watch. Buchveröffentlichungen: „Die Weltvernichtungsmaschine. Vom Kreditboom zur Wirtschaftskrise“ (2009); „Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos“ (2012).

Foto: Montage Achgut.com/Freepik

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Heiko Stadler / 13.07.2023

GEZ-Faktenfinder: „Wenn im kommenden Jahr der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wird, könnten sie erneut eine wichtige Rolle dabei spielen: die weißen Evangelikalen.” Da nicht zu erwarten ist, dass die Wahlen in den USA auf Merkelscher Art für “unverzeihlich” erklärt werden, wäre ein Hautfarbensensor in Verbindung mit einer Zutrittskontrolle vor jeder Wahlkabine die ideale Lösung für die GEZ-Musterdemokraten.

Jörg Haerter / 13.07.2023

Schlimm, diese Christen! Schreiben sich auch noch Nächstenliebe auf die Fahnen und sind gegen Kinderfrühsexualisierung! Und Weisse gehören dazu, damn! Kann man die nicht verbieten, die mit ihrer Menschenfeindlichkeit? Aber zum Glück bleibt uns ja Multi-Kulti, Trans und Gender sowie die freie Wahl des Geschlechts, puh, da sind wir nochmal davongekommen. Ich empfehle als Therapie den Besuch von Berlin, speziell den Görlitzer Park oder einige Freibäder.

Hans Meier / 13.07.2023

Ursprünglich gelangte das Christentum aus Kleinasien, manifestierte sich in Konstantinopel. Übernahm die Griechische Schrift aus der Kyrillisch wurde und die orthodoxe Christliche Kultur entstand. Die Evangelikalen stehen den orthodoxen Christen wesentlich näher, weil sie in allen Lebenslagen Familienmenschen sein dürfen, und ihre private Verantwortung selbständig und ihrem privatem Glauben, entsrechend schultern. Sie sind urdemokratisch, können selbst lesen schreiben denken und Predigten oder Vorträge halten. Sie benötigen kein Zöllibat, keine Inquisition und keine Perversion eines Katholizismus, oder dem daraus entstandenen Anglikanismus eines Großbritannischen Empire an Welthherrschaft. Die hoch-herrschaftliche Einteilung in den Adel und seine Leibeigenen, den Untertanen hat die orthodoxe Christenheit nie mitgetragen, sondern die Würde der Menschen nie bestritten, die im Glauben an das Gute, das Göttliche anbeten. Genau wie Amerikas Evangelikale. Dass nun ein GEZ-Spesen-Ritter, der wissen muss, so überflüssig wie ein Kropf, parasitär existierend, seine Hirn-Blähungen als Schmähungen furzt, ist nicht verwunderlich. Er residiert schließlich in einer Darm-wind-anstalt.

Dr. Joachim Lucas / 13.07.2023

Sowas kann man verbuchen als Agitprop. Linke Staatssender, Frankfurte Schule halt. Diese Leute merken niemals, dass sie Teil der Zerstörung eines freiheitlichen System sind, von dem sie letzlich leben und das ihnen die Freiheit gibt solchen Quark zu verzapfen.

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