Stefan Frank / 21.03.2020 / 16:00 / Foto: Frank Schulenburg / 7 / Seite ausdrucken

Und noch ein Antisemit wirbt für Bernie Sanders …

US-Senator Bernie Sanders, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei und US-Präsident werden möchte, schart weiter prominente Antisemiten um sich. Diesen Monat erhielt Sanders die Unterstützung des prominenten schiitischen Imams Hassan Qazwini aus dem US-Bundesstaat Michigan, der vor einigen Jahren öffentlich behauptet hatte, der IS werde „von Israel geleitet“.

Qazwini, der einst vor dem Ba’ath-Regime aus dem Irak floh, ist in Dearborn Heights, einer Kleinstadt bei Detroit, aktiv. Dort ist er Vorsitzender des Islamic Institute of America. Bis 2015 war er Imam des Az-Zahraa Islamic Center in Detroit. Die Website Detroit News berichtet über seinen Redeauftritt bei einer Pro-Sanders-Kundgebung:

„Imam Sayed Hassan Qazwini, Leiter des Islamic Institute of America in Dearborn Heights, erinnerte sich an das Jahr 2000 und sagte, sie seien von George W. Bush getäuscht worden, ‚der zu uns kam und sagte, er würde sich um arabische Amerikaner kümmern und darum, racial profiling zu bekämpfen … Wir waren verblüfft und werden diesen Fehler nicht wiederholen. […] Wir brauchen jemanden, der Amerikaner vereint statt uns trennt, und das ist Senator Bernie Sanders’, sagte er.“

Antisemitische Verschwörungstheorien

Qazwini ist nicht nur ein glühender Anhänger des sozialistischen Senators aus Vermont, sondern auch ein großer Freund antisemitischer Verschwörungstheorien. Wie die auf die Auswertung und Übersetzung arabischer und islamistischer Quellen spezialisierte Medienbeobachtungsgruppe MEMRI berichtet, kann Qazwini auf eine Geschichte radikaler und antisemitischer Äußerungen zurückblicken.

So sagte er am 22. November 2015 in einer Videoansprache:

„Wenn der IS Nichtmuslime angreift, machen diese sofort den Islam dafür verantwortlich. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der IS von einer Agenda motiviert ist, die von den Feinden des Islam geführt wird, und ich möchte Sie darauf aufmerksam machen. 

Der IS hat Menschen im Libanon, in Syrien, im Irak, in Kuwait, in Saudi-Arabien, in Pakistan, in Afghanistan, im Jemen, in Algerien ins Visier genommen. Der einzige Ort, der völlig sicher war und [der] nie vom IS bedroht wurde, ist Israel. Was sagt Ihnen das? Das spricht Bände – dass der IS irgendwie mit Israel verbunden ist. 

Der IS spielt die Rolle des Arms der Zionisten in der muslimischen Welt, um mehr Muslime und Nichtmuslime zu töten, damit sie den Namen des Islam diffamieren können, damit die Menschen den Islam für die Gräueltaten des IS verantwortlich machen können, damit die Menschen von dieser Religion entfremdet werden können – dieser friedlichen Religion, unserer Religion. 

Wer profitiert sonst von diesen Gräueltaten? Muslime profitieren? Wenn sie das Schicksal von über sechs Millionen Muslimen in den Vereinigten Staaten gefährden, 20 Millionen in Europa lebenden Muslimen […] Ihr Glaube, ihr Schicksal, ihr Wohlergehen, ihr Lebensunterhalt werden durch den IS gefährdet. Der Islam profitiert? Nein. Der größte Nutznießer all dieser Gräueltaten sind, wie ich Ihnen sage, die Zionisten. Es ist das zionistische Regime.“

Die pro-israelische Lobby hat die USA als Melkkuh benutzt“

Im September 2016 sagte Qazwini in einer Freitagspredigt, die US-Regierung beuge sich der Pro-Israel-Lobby, die die USA als „Melkkuh“ benutzten:

„Doch Israel ist nicht zufrieden. Israel wird niemals zufrieden sein. Netanjahu ist niemals zufrieden, und leider ist das die schmerzhafte Wahrheit: Die pro-israelische Lobby hat die Vereinigten Staaten als Melkkuh benutzt. Das ist die Realität. Während viele Menschen in unserer eigenen Stadt jetzt darum kämpfen, Arbeit zu finden, verbeugt sich die Regierung vor der pro-israelischen Lobby, indem sie ihr 38 Milliarden Dollar gibt. 38 Milliarden Dollar. […] 

Dieses [F-35] Kampfflugzeug wird Herrn Netanjahu geschenkt, und dennoch ist Herr Netanjahu mit den Vereinigten Staaten nicht zufrieden. Er wird niemals zufrieden sein. Der Koran sagt: ‚Die Juden und Christen werden niemals zufrieden mit euch sein, ehe ihr ihrer Religion folgt.’ Netanjahu wird mit den Vereinigten Staaten niemals zufrieden sein, es sei denn, die USA werden für Herrn Netanjahu zu einer bedingungslosen Melkkuh – einer Farm.

Das ist es, was Netanjahu will. Er glaubt, dass die Vereinigten Staaten nichts anderes als eine Farm für ihn sind. Er besitzt diese Farm zusammen mit der pro-israelischen Lobby, und niemand in den USA hat das Recht, ‚Nein’ zu ihm zu sagen. In dem Moment, in dem jemand ‚Nein’ zu ihm sagt, ist er leider zum Scheitern verurteilt.“

„Nichts gegen Juden“

Qazwini bezeichnete Senator Sanders in derselben Predigt als einen „ehrenwerten Mann“, „obwohl er Jude ist“:

„Wir haben das bei dieser Wahl mit eigenen Augen gesehen. Ein ehrenwerter Mann – ich halte ihn wirklich für einen ehrenwerten Mann, obwohl er ein Jude ist … Aber wissen Sie, wir haben kein Problem mit dem jüdischen Volk. Wir haben ein Problem mit den Zionisten, nicht mit dem jüdischen Volk – mit einem ehrenwerten Mann wie Bernie Sanders. 

Als andere Kandidaten untereinander darum konkurrierten, mehr Loyalität gegenüber Israel und mehr Bereitschaft zu zeigen, Amerika für das Interesse Israels zu verkaufen, weigerte sich dieser Mann, das zu tun, obwohl er selbst Jude ist. Aber dann musste er den Preis bezahlen. Er verlor.“

Am 4. Mai 2019 äußerte Qazwini die Hoffnung, dass die vom Iran unterstützten jemenitischen Houthi-Rebellen Saudi-Arabien „morgen besetzen, nein: befreien“ werden. Der französischen Regierung warf er vor, durch das Burkiniverbot Muslime vor den Kopf zu stoßen und so Frankreich zu einem „Treibhaus für Radikalisierung“ zu machen.

Bernie Sanders scheint fleißig an einer antisemitischen Basisbewegung nach Vorbild der Corbyniten in Großbritannien zu arbeiten.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass er Phillip Agnew, einen der Mitgründer der linksradikalen, mit der Terrororganisation PFLP verbündeten Organisation Dream Defenders, zu einem leitenden Berater gemacht hat. In einem Artikel für die Zeitschrift Ebony aus dem Jahr 2015 hatte Agnew den Zionismus als „eine rassistische, ausbeuterische und ausgrenzende Ideologie“ bezeichnet.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

Foto: Schulenburg">Frank Schulenburg CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Ralf Pöhling / 21.03.2020

Passt ins übliche Bild. Die Linken sind Einfallstor für radikalislamische Interessen im Westen. Warum? Weil sie global denken und agieren (Proletarierer aller Länder, vereinigt euch!) und Israel eben ein Nationalstaat ist. Das islamische Dauergefasel, dass die Juden ja nicht das Problem wären, sondern die Zionisten, ist natürlich eine Krücke. Denn der Judenhass wird ja über den Koran gefördert. Und Israel gibt es erst seit 1948. Weite Teile der islamischen Welt wollen die Juden aus Nahost vertreiben. Israel ist ihre dortige Festung, die die Vertreibung verhindert. Ohne Nationalstaaten geht es nicht. Denn der wehrhafte Nationalstaat ist der Garant dafür, dass seine Bewohner in Frieden und Sicherheit vor dem Feind leben können. Wer die Nationalstaaten rasiert, öffnet dem Völkermord die Tür.

S. Marek / 21.03.2020

Lieber Herr Stefan Frank, um nur die bekanntesten und lautesten Anti-Semiten hier aufzuführen reicht der Platz hier beim weiten nicht. Dieser Gendefekt wird entweder vererbt oder mit Muttermilch weitergegeben.  Anderen wird er Ideologiebedingt, Islam - Faschismus - Kommunismus, von Kindesbeinen an ins Hirn eingraviert.

Wilfried Cremer / 21.03.2020

Vielleicht wirkt Sanders mildernd auf die Islamisten. Was wissen wir?

Ulla Schneider / 21.03.2020

Ich frage mich ernsthaft, warum dieser Herr aus dem Irak geflohen ist. Mit dieser Anschauung passt er dort doch viel besser hin. Das gleiche gilt für die hier lebenden Iraner, die mit voller Inbrunst in Berlin an einem bestimmten Tag, sie wissen schon, die gleichen bösen Forderungen hinausschreien, wie im Iran. Irgendetwas stimmt da nicht mehr…

Rolf Menzen / 21.03.2020

So wie es momentan aussieht, ist Bernie nur zweiter hinter Sleepy Joe Biden.

Gerd Heinzelmann / 21.03.2020

Sanders konzentriert sich auf die Jugend. Warum wohl? Hierzulande versucht die SPD das Wahlalter von 18 auf 16 zu drücken. Warum wohl? Sie wird es wahrscheinlich auch weiterhin versuchen, solange sie mit Merkel in dieser Regierung fläzt!

Dragan Isakovic / 21.03.2020

Seit sich linke Bewegungen in der EU breit machten, den klassischen rechtsradikalen Antisemitismus durch ihren Antizionismus ersetzend bzw. ergänzend, hat Israel von der EU wenig zu erwarten. Ein paar ritualisierte Phrasen bezüglich historischer Verantwortung, im Krisenfalle aber keinerlei Hilfe, dafür reichlich Hilfsgelder für antizionistische arabische/iranische Bewegungen und NGOs. Sollten die Linken im Stile eines Sanders die politische Hoheit in den USA erringen, wird Israel gänzlich auf sich gestellt sein. Sanders ist ein gutes Beispiel, wie linke politische Ideologie eine eigenständige Identität ausbildet. Für totalitäre Ideologien üblich, werden andere Weltanschauungen bekämpft, die eigenen religiösen und kulturellen Wurzeln stehen dem linken Utopia im Wege, wobei die westlichen Linken den islamischen Antisemiten kräftig auf den Leim gehen. In den jüdischen Verbänden in Deutschland dürfte Sanders damit offene Türen einrennen, bei den etablierten Parteien ebenfalls (von den rechten Flügeln abgesehen, aber die sind bereits politisch marginalisiert). Tja, was soll man dazu sagen? Es ist egal, ob man Israeli, Deutscher, Amerikaner usw. ist, wenn man dem linken Mainstream folgt, zerstört man früher oder später den eigenen Nationalstaat/Kultur/Religion. Politische und religiöse Ideologien sind äußerst Eifersüchtig auf alternative Weltanschauungen und wie bei krankhaft eifersüchtigen Personen werden die Eifrigen immer fündig . . . bis das Leben unerträglich wird und alles zerbricht.

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