Am 6. Februar erschien im Tagesspiegel, laut SZ „Berlins führender Regionalzeitung“, eine Kolumne von Harald Martenstein zum Thema „Nazi-Vergleiche“. Darin ging es um „Impfgegner“, die sich mit einem Gelben Stern kenntlich machen, auf dem das Wort „ungeimpft“ steht. Eine klare Anspielung auf das Schicksal der Juden im Dritten Reich, allerdings nicht die erste und einzige dieser Art.
Martenstein begann seine Kolumne mit einem Rückblick auf eine Kundgebung in Jerusalem vor zehn Jahren. Ultraorthodoxe Juden demonstrierten gegen die israelische Regierung, viele trugen den „Judenstern“ an ihrer Kleidung. „Ihrer Ansicht nach verhielt sich der Staat Israel ihnen gegenüber so ähnlich wie die Nazis. Auch beim ‚Marsch gegen Islamophobie‘, 2019 in Paris, waren ‚Judensterne‘ zu sehen, nur mit fünf Zacken statt sechs“.
Laut Godwins Gesetz, so Martenstein, „taucht in jeder öffentlichen Diskussion von emotionaler Bedeutung irgendwann ein Nazivergleich auf“. Heute würden „Donald Trump, Wladimir Putin, Sebastian Kurz oder die AfD mit Hitler oder der NSDAP verglichen oder gar gleichgesetzt“, so etwas könnte man durchaus „Verharmlosung des Holocaust“ nennen.
Dehm schießt den Vogel ab
So habe die britische Zeitschrift „New Statesman“ Angela Merkel „die gefährlichste deutsche Führungspersönlichkeit seit Adolf Hitler“ genannt, ein SPD-Politiker die CSU mit der NSDAP verglichen. „Den Vogel abgeschossen“ habe allerdings Diether Dehm von der Linkspartei, als er zur Bundespräsidentenwahl 2010 anfragte: „Was würden Sie machen, wenn Sie die Wahl hätten zwischen Hitler und Stalin?“ Dehm bezog sich auf die Kandidaten Joachim Gauck und Christian Wulff.
Martenstein wies darauf hin, dass der Hitlervergleich „natürlich nie stimmt“, wer ihn benutzt, „möchte sein Gegenüber als das absolut Böse darstellen, als Nichtmenschen“. Und: „Der Vergleich will Hitler gerade nicht verharmlosen, er macht ihn zu einer Art Atombombe, die einen politischen Gegner moralisch vernichten soll. Der ‚Judenstern‘ dagegen soll seine modernen Träger zum absolut Guten machen, zum totalen Opfer. Er ist immer eine Anmaßung, auch eine Verharmlosung, er ist für die Überlebenden schwer auszuhalten. Aber eines ist er sicher nicht: antisemitisch.“ Denn: „Die Träger identifizieren sich ja mit den verfolgten Juden… Von denen, die das ‚antisemitisch‘ nennen, würden wahrscheinlich viele, ohne mit der Wimper zu zucken, Trump mit Hitler und die AfD mit den Nazis vergleichen. Der Widerspruch in ihrem Verhalten fällt ihnen nicht auf.“
Eine ruhige, sachliche Analyse eines seltsamen Phänomens, wie sie ruhiger und sachlicher nicht sein könnte. Aber schon zu gewagt für eine Zeitung, die sich selbst das „Leitmedium der Hauptstadt“ nennt und den Spruch „Rerum cognescere causas“ – „Den Dingen auf den Grund gehen“ zum Leitspruch gewählt hat. Einen Tag stand die Martenstein-Kolumne auf der Tagesspiegel-Seite, dann verschwand sie. An ihrer Stelle erschien eine „Stellungnahme der Chefredaktion“, mit der das Verschwinden erklärt wurde. Hier ist sie im vollen Wortlaut:
Am 6. Februar veröffentlichte der Tagesspiegel an dieser Stelle eine Kolumne von Harald Martenstein, in der es um „Nazi-Vergleiche“ ging. Darin wurde die These aufgestellt, das Tragen von „Judensternen“ auf Corona-Demonstrationen mit der Aufschrift „Ungeimpft“ sei zwar „eine Anmaßung, auch eine Verharmlosung“ und „für die Überlebenden schwer auszuhalten“, aber „sicher nicht antisemitisch“, weil die Träger sich mit verfolgten Juden identifizierten. Die Kolumne wurde sowohl innerhalb der Redaktion als auch von Leserinnen und Lesern stark kritisiert.
Die Chefredaktion hat sich in den vergangenen Tagen intensiv mit dieser Kolumne und der Kritik daran auseinandergesetzt. Wir haben mit Kolleginnen und Kollegen, mit Wissenschaftlern und Betroffenen gesprochen und selbstverständlich auch mit dem Autor und wir kommen zu dem Schluss, dass wir diese Kolumne so nicht hätten veröffentlichen sollen; wir haben sie deshalb zurückgezogen.
Wir haben grundsätzlich unsere redaktionellen Abläufe sowie unsere Qualitätskontrolle und unser Selbstverständnis überprüft. Dazu stellen wir klar: Es gehört zum Selbstverständnis des Tagesspiegels, ein breites Meinungsspektrum abzubilden. Wir sind davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Gedanken, Ideen und Argumenten ein Gewinn für uns selbst, für unsere Leserinnen und Leser und letztlich auch für die Demokratie ist – gerade auch dann, wenn wir uns an ihnen reiben. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir über alle journalistischen Genres hinweg die Standards dieser Redaktion einhalten.
Dazu zählt für uns: Wir trennen deutlich zwischen Vermutungen und recherchierten Erkenntnissen. Wenn ein ernsthafter wissenschaftlicher Dissens besteht oder eine wissenschaftliche Minderheitsmeinung vertreten wird, machen wir das deutlich und ordnen es nachvollziehbar ein. Grundlage unserer Texte sind immer die Recherche, die Erkenntnis und das Argument. Wir verteidigen die Meinungsfreiheit, sind uns aber deren Grenzen bewusst.
Dabei gilt: Nicht alles, was rechtlich betrachtet gesagt werden darf, ist dem Ton des Tagesspiegels angemessen. Scharf dürfen Glossen, Kolumnen und Kommentare sein; persönlich verletzen sollten sie nicht. Wir nutzen Ironie, aber wir vermeiden Zynismus. Wir verzichten auf Provokationen um der Provokation Willen und vermeiden Graubereiche, die zu Missverständnissen einladen oder verleiten. Wir orientieren uns an Rationalität mehr als an Emotionalität und bleiben menschlich respektvoll. Alle Texte, die im Tagesspiegel veröffentlicht werden, müssen diesen Kriterien gerecht werden.
Die „Stellungnahme der Chefredaktion“ ist etwa dreimal so lang wie die Martenstein-Kolumne. Wer immer sie verfasst hat, hat sich viel Mühe gegeben, wie ein Häretiker, der aus Angst vor dem Scheiterhaufen alles widerruft, auch das, was er nicht gesagt hat.
Niemand hat dem Tagesspiegel vorgeworfen, dass er zynisch berichtet oder kommentiert, dass er Provokationen um der Provokation Willen einsetzt (was auch nicht weiter schlimm wäre) oder dass er Emotionalität der Rationalität vorzieht. Der Tagesspiegel ist eine liberal-konservative Zeitung, die Meinungsvielfalt praktiziert, mal mehr, mal weniger, je nachdem, woher der Zeitgeist weht. Derzeit kommt er aus der radikalen Mitte, die sich gerne führen und kommandieren lässt und einer Regierung vertraut, von der sie entmündigt und enteignet wird. So etwas nennt man in Deutschland „Demokratie leben!“

Ein Vergleich, was ohnehin etwas ganz anderes ist als eine Gleichsetzung, von Coronanazis und Hitler-Nazis ist nicht nur selbstverständlich erlaubt, seine Unterlassung ist grob fahrlässig.
Für einen Journalisten sowieso.
Obschon ich es selber nicht tuen würde, weiß ich übrigens von keinen Holocaust -Überlebenden, die sich über einen Ungeimpft Stern aufgeregt haben, aber ich weiß von welchem, die ihn selbst tragen.
Und von deutschen Behörden, die einem deswegen verhaften wollen.
Das ist also der tolle Unterschied:
Vor 83 Jahren wurde der Untermensch verhaftet, wenn er sich weigerte , einen zu tragen.
Ganz toll.
Deutschland und Demokratie – irgendwie passt das leider einfach nicht zusammen, das knirscht immer wieder. Die jeweils gerade herrschende „Elite“ will immer wieder alle ihre Kritiker aus der Gesellschaft entfernen da sie sich von einer politischen Partei zu einer „Kirche“ erhebt. Selbstverständlich mit einem Dogma analog zur Unfehlbarkeit des Papstes. [Übrigens – wer war der erste „Schwurbler“? Galileo]
Harald Martensteins „ruhige, sachliche Analyse“ wird gelöscht und die Erklärung dafür macht noch nicht einmal im Ansatz den Versuch, sich mit dem Text zu befassen! Warum ist die „Stellungnahme der Chefredaktion“ ein Nichts von epischer Breite? Soll sie uns sagen, „tut uns leid, wir müssen gerade vor einem Tribunal Abbitte leisten“? Wo ist das Argument dagegen, dass das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen mit der Aufschrift „Ungeimpft“ nicht antisemitisch ist? Wenn DAS antisemitisch sein soll, dann ist auch jeder heutige Vergleich mit dem Nationalsozialismus… faschistisch! Und jeder, der andere als „rechts“ diffamiert, ist ein Faschist! Diesen Deal mit unserer Medienöffentlichkeit mache ich doch gerne: Unterlasst erst einmal selbst jeden (jeden!) Vergleich mit dem Nationalsozialismus – weil das verharmlosend ist und eine inakzeptable Instrumentalisierung darstellt!
Wer kauft und liest derartigen Zeitungsschrott?
Nichtselberdenker. Sonst nicht erklärbar.
Kommt die Zeitung (ÖR) die ins Haus, ist es mit der Wahrheit aus.
Diese RND und DPA Kopieranstalten zum Wohle der Sozialistischen Partei Deutschlands, Zeitung genannt mit Lügentitel wie überparteilich usw. sind ihr Geld schon lange nicht mehr wert.
Nicht kaufen, nicht abonnieren, nicht lesen.
Das gesparte Geld ist besser bei Achgut, Tichy, Reitschuster, Sciencefiles und wie sie alle heißen, angelegt.
Wem gehört der Berliner Tagesspiegel noch mal?
Querleser-Fundstück … +++ Chefs der Volksrepubliken Donezk und Lugansk lassen Bevölkerung nach Russland evakuieren … 18 Feb. 2022 14:17 Uhr/RT +++
Die sind fertig, und zwar endfertig. Die Verantwortlichen können nicht mal mehr sagen, WARUM sie die Kolumne von Martenstein zurückziehen wollen oder müssen. Die Begründung erinnert frappierend an die „Geständnisse“ und „Widerrufe“ in der D.D.R. – Ja, tatsächlich ist wohl nicht der Hitler sondern der Stalin und seine deutschen Widergänger unser Problem. Der Totalitarismus 2.0 hat Einzug gehalten. Freiwillige Selbstzensur, ja bitte – nur warum, das weiß man im Einzelfall nicht… Fühlte sich irgendwie unangenehm an, als der Verleger bzw. der Verbandsvorsitzende von XXX angerufen hat. Irgendjemand Wichtiges war irgendwie nicht ganz einverstanden… Der neue Kommunismus ist ein Total-Opportunismus. Nur noch die Null-Meinung gilt als demokratisch lupenrein und normativ hieb- und stichfest; nur das reine Nichts an Aussage darf neben der Regierungsverlautbarung als Kommentar erscheinen. Die deutsche Presse ist tot, jedenfalls in der Hauptstadt.