News-Redaktion / 16.07.2019 / 17:00 / 0 / Seite ausdrucken

Umweltministerium fordert Ausstiegsplan für Glyphosat

Im November 2017 verlängerte die EU die Zulassung für das beliebte Pflanzenschutzmittel Glyphosat bis 2022. Maßgeblich war die Zustimmung des damaligen deutschen Agrarministers Christian Schmidt (CSU) gewesen. Mit seinem Votum im Brüsseler Berufungsausschuss sorgte er für Irritationen innerhalb der Großen Koalition, denn viele andere deutsche Politiker versuchen sich in der Glyphosat-Debatte mit Verbots- und Ausstiegsforderungen zu profilieren.

Mit einem nationalen Totalverbot vor 2022 rechnet kaum jemand, denn die einzelnen EU-Mitgliedsländer – oder auch Regionen – können nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen. In Österreich wurde zwar kürzlich ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, doch die Europäische Kommission wird es höchstwahrscheinlich wieder kassieren (Achgut.com berichtete). Anstatt ein generelles Glyphosatverbot anzustreben, will die Bundesregierung den Einsatz mit einer „systematischen Minderungsstrategie“ deutlich einschränken und die Anwendung so schnell wie möglich „grundsätzlich“ beenden – ein Ziel, das auch im aktuell geltenden Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD festgehalten ist.

Vergangene Woche bestätigte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) im „Tagesspiegel“-Interview, dass die Bundesregierung zurzeit an einer Minderungsstrategie für Glyphosat arbeitet. Mit einer Weiterzulassung nach 2022 rechne sie ohnehin nicht. Laut einem aktuellen Bericht, der ebenfalls im Tagesspiegel erschienen ist, hat das Bundesumweltministerium Klöckners Bekenntnis zum Glyphosat-Aus begrüßt. Nun brauche man für die Zeit vor 2022 einen „überzeugenden Ausstiegspfad mit Einschränkungen bei Flächen und Anwendungen“.

Die Forderung nach einem konkreten Ausstiegsplan kommt paradoxerweise zu einer Zeit, in der die angebliche Schädlichkeit von Glyphosat zunehmend in Zweifel gezogen wird. Am Montag hat ein Bundesgericht in San Francisco eine Strafe gegen den Glyphosat-Hersteller Bayer von 80,3 Millionen auf 25,3 Millionen US-Dollar reduziert. Es sei nicht erwiesen, dass Bayer ein bekanntes oder offensichtliches Gesundheitsrisiko bewusst vertuscht habe. Der Leverkusener Konzern war von einem Amerikaner verklagt worden, der Glyphosat für seine Krebserkrankung verantwortlich macht. Bayer will nun in Berufung gehen und für einen kompletten Freispruch streiten.

Im Juni war bereits eine Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien zu dem Schluss gekommen, dass für glyphosathältige Pflanzenschutzmittel „kein erhöhtes Risiko für diesen Wirkstoff im Vergleich zu anderen zugelassenen Herbiziden“ abgeleitet werden könne. Es gebe auch „keine gesicherten Belege dafür, dass Glyphosat die Artenvielfalt stärker beeinflusst als andere Maßnahmen zur Unkrautregulation.“ Rückstandsdaten von Lebensmittelproben hätten gezeigt, dass von den untersuchten Produkten „keine Gefahr für die menschliche Gesundheit “ ausgehe.

Über das Für und Wider eines Glyphosat-Verbots wird vor allem seit 2015 leidenschaftlich diskutiert. Damals stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das Pflanzenschutzmittel als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Zu beachten ist allerdings, dass die IARC Glyphosat in die selbe Gefährlichkeitsstufe wie Wurst eingeordnet hat. Auch durch hohen Konsum von Wurst oder Schinken steigt die Krebsgefahr. Dutzende andere Forschungsinstitute und Regulierungsbehörden in aller Welt vertreten die Ansicht, dass von Glyphosat bei sachgemäßer Handhabung überhaupt keine Gefahr für den Menschen ausgeht.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
News-Redaktion / 24.09.2022 / 07:57 / 0

Die Morgenlage am Samstag

Die Zahl der Toten bei regierungskritischen Protesten im Iran steigt auf 50, sieben Menschen starben bei einem Anschlag in Kabul, zwischen Armenien und Aserbaidschan gab…/ mehr

News-Redaktion / 23.09.2022 / 15:30 / 0

Jugendliche Täter ohne Herkunft

Zuerst sollte man möglichst nicht darüber berichten, wenn Straftäter einen Migrationshintergrund haben. Bei jugendlichen Tatverdächtigen darf die Berliner Polizei solche Angaben nun auch nicht mehr…/ mehr

News-Redaktion / 23.09.2022 / 08:02 / 0

Die Morgenlage am Freitag

Inzwischen soll es 31 Tote bei den Protesten im Iran gegeben haben und der Justizchef will "hart durchgreifen", Russland beginnt mit den "Referenden" in den…/ mehr

News-Redaktion / 21.09.2022 / 11:45 / 0

Mindestens drei Tote bei Protesten im Iran

Weitere Demonstrationen nach dem Tod einer jungen Iranerin, die wegen Verletzung der Kopftuchpflicht von der Sittenpolizei festgenommen worden war. Bei den Protesten nach dem Tod…/ mehr

News-Redaktion / 21.09.2022 / 11:30 / 0

4,6 Millionen Dosen Corona-Injektionen müssen entsorgt werden

Ihr Verfallsdatum ist erreicht. Offenbar verfangen Impfkampagnen nicht wie geplant. Die Bundesregierung muss immer mehr sogenannte Corona-Impfstoffe entsorgen. Wie "Bild" (Mittwochausgabe) meldet, war bis zum…/ mehr

News-Redaktion / 21.09.2022 / 07:33 / 0

Die Morgenlage am Mittwoch

Alexander Lukaschenko bereitet Weißrussland aufs Kriegsrecht vor, drei AfD-Politiker brechen ihre Donbass-Reise ab, jeder zweite Einzelhändler ist in Existenznot, niederländische Bauern protestieren während der Thronrede…/ mehr

News-Redaktion / 20.09.2022 / 15:35 / 0

Russische Behörden nehmen Rüstungsunternehmer fest

Russische Ermittlungsbehörden haben einem Medienbericht zufolge den Direktor eines großen Rüstungsbetriebs wegen Betrugsverdacht festgenommen, meldet n-tv.de. "Juri Schumski, Generaldirektor des Staatsbetriebs Swerdlow-Werk, eines der landesweit…/ mehr

News-Redaktion / 19.09.2022 / 13:00 / 0

Weiter viele Stornierungen im Wohnungsbau

...während Wohnungen immer knapper werden. Wohnungen sind knapp, was durch verstärkte Zuwanderung auch noch verschärft wird. Seit Jahren sprechen deutsche Politiker davon, dass nun endlich der…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com