Henryk M. Broder / 07.04.2018 / 16:08 / 9 / Seite ausdrucken

Umstandsmoden für die Gefreiten

Letzte Woche fanden in Deutschland die „traditionellen Ostermärsche“ statt. „Tausende von Menschen“, so berichtete sowohl das Erste wie das Zweite, hätten gegen den Krieg und für Abrüstung demonstriert. Die Bildausbeute von den Orten des Geschehens war dürftig; zu sehen waren Menschen, die Regenbogen-Fahnen schwenkten, „Omas gegen Rechts“ und „Kinder für den Frieden“.

Um die Berichte opulenter erscheinen zu lassen, wurden sie mit bewegten Bildern aus den Kindertagen der Friedensbewegung aufgefüllt. Ich wunderte mich, warum überhaupt über etwas berichtet wird, das so wichtig ist wie die deutschen Minigolf-Meisterschaften der Senioren. Vermutlich weil es schon immer getan wurde. Jährlich grüßt das das Murmeltier.

Etwas Wichtiges kam in den Berichten nicht einmal andeutungsweise vor. Das Rückgrat der deutschen Friedensbewegung ist – die Bundeswehr. Seit die Wehrpflicht „ausgesetzt“, also de facto abgeschafft wurde, existiert die Armee nur noch auf dem Papier. Trotz der vielen Auslandseinsätze – von Mali bis Afghanistan – taugt sie für den Ernstfall so sehr wie ein Spaten bei einem Erdrutsch.

Das Standardgewehr der Bundeswehr, das G36 der Firma Heckler & Koch, läuft beim Dauerfeuer heiß und hat nicht genug Schlagkraft. Die Mehrzweck-Helikopter NH 90 durften nach einem Unfall monatelang nicht fliegen. Die Indienststellung des neuen Militärtransporter A400M verzögert sich seit Jahren, weil ständig neue Probleme entdeckt werden. Die 93 Tornado-Jets sind „nicht NATO-tauglich“, u.a., weil sie über kein „Freund-Feind-Erkennungssystem“ verfügen, das „irrtümliche Angriffe auf alliierte Jets verhindern soll“. Von 244 Leopard-2-Panzern gelten höchstens 95 als einsatzbereit.

Das alles kann kein Zufall sein. Die Bundeswehr ist das, was ihr Slogan „Wir. Dienen. Deutschland“ verspricht: ein Dienstleistungsunternehmen. Ihr guter Ruf als „zeitgemäßer Arbeitgeber, der Gleichstellung ermöglicht“, zieht inzwischen auch junge Frauen an.

Und damit das so bleibt, will die Bundeswehr auch „Spezialkleidung für schwangere Soldatinnen“ einführen, 500 Umstandsuniformen werden derzeit von 80 Soldatinnen getestet. Es heißt, sie seien „elastisch“ und könnten während der ganzen Schwangerschaft getragen werden. Sowohl am Schreibtisch als auch im Gelände.

Zuerst erschienen in der Züricher Weltwoche

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Robert Bauer / 07.04.2018

Umstands-Kampfanzüge bei der Bundeswehr sind ein alter Hut, die gab es immer schon. Ab Dienstgrad Stabsfeldwebel, manchmal auch schon ab Hauptfeldwebel, wurden die in der Kampfsportart Adipositas gestählten Körper mit entsprechenden Größen ausgestattet. Und auch so mancher im Stabsdienst ergraute Oberstleutnant der Luftwaffe durfte sich mit einem solchen Accessoire schmücken.

Karla Kuhn / 07.04.2018

“Es heißt, sie seien „elastisch“ und könnten während der ganzen Schwangerschaft getragen werden. Sowohl am Schreibtisch wie auch im Gelände.”  Elastisch, also mitwachsend.  Soll das ein Witz sein ?? Das elastische Zeug klebt am Körper und man schwitzt darin, außerdem, wie soll sich eine Frau mit dickem Bauch, noch dazu “elastisch” eingeengt, im GELÄNDE bewegen ? Für Schwangere gelten besonder Regeln. Jetzt sollen ja erst mal die Straßen “panzertauglich” gemacht werde, damit die Panzer, die noch einsatzfähig sind ( sind noch welche ?) durchs Gelände (im elastischen Anzug ?) befahren werden können. Soweit ich mich erinnere, sind die Russen bei Manövern, (z.B. in Dippoldiswalde/Sachsen, 1966 haben wir das selber gesehen) über Stock und Stein, in rasantem Tempo mit ihren Panzern durchgebrettert. Die benötigten keine “panzertauglichen” Straßen dazu. Wenn es nicht das eigene Geld ist, kann man es sehr großzügig verteilen. Wir haben wirklich eine ganz großartige GroKo. !

Gabriele Klein / 07.04.2018

aber eines müssen wir der Verteidigungsministerin lassen. Noch nie war unsere Bundeswehr so transparent wie heute…... ( sie wurde derart transparent, dass man sich das spionieren sparen kann). Auch kenne ich in der ausländischen Presse nichts Vergleichbares wie die Ablichtungen unserer Ministerin. Also die ausländischen Verteidigungsminister scheinen mir da richtig lichtscheu, wortkarg und bedeckt im Vergleich zu Frau van der Leyen….. (schon komisch) Aber nicht nur die ausländischen Verteidigungsminister sollten dem Beispiel von Frau van der Leyen folgen, auch bei den ÖR würde etwas mehr an Transparenz im Hinblick auf unbrauchbaren Schrott, Sende und Geldkanäle nichts schaden . Wessen Verdienst ist es die ÖR   deren Sende und vor allem Geldkanäle transparenter gemacht zu haben?

M.Roll / 07.04.2018

So so - Uniformen für schwangere Soldatinnen im Gelände. In der ganzen Republik werden schwangere Mitarbeiterinnen ausgemustert ( sprich freigestellt ) da sie schwanger den Belastungen des täglichen Berufsalltags nicht mehr gewachsen sind. Gilt bei der Bundeswehr ein anderes Mutterschutzgesetz ?

Karin Eschert / 07.04.2018

Diejenigen jungen Frauen, die sich den Soldatenberuf ausgesucht haben, taten das bewusst und kommen u.a. oft aus dem Leistungssport, wo man es gewohnt ist, mit körperlichen und psychischen Belastungen adäquat umzugehen. Ich glaube nicht, dass Umstandsmode ganz oben auf der Wunschliste steht.Die haben teilweise das Gefühl, dass man sie damit in der Öffentlichkeit lächerlich macht. Die Soldatinnen wären sicher dankbar, wenn es statt Umstandsmode in Tarnfleck für alle Schutzwesten in ihrer Größe gäbe und vielleicht modernere, die weniger wiegen. Mit den vorhandenen in Gr. List es der Soldatin oft nicht möglich, das Gewehr so zu halten, dass man damit trifft. Macht aber auch nichts, wenn das Gewehr sowieso nicht zielgenau ist. So was nennt sich Motivation!

Monique Basson / 07.04.2018

Als ehemalige Pazifistin kann ich bei diesem Thema leider nicht mehr lachen. Deutschland verhält sich wie eine Lämmerherde, die den Schäfer entlässt und dem hungrigen Wolf dessen Aufgaben überträgt. Viele ehemalige Freunde von mir werden jetzt den Kopf schütteln und sagen, dass sie es bei mir ja schon immer gewusst hätten, aber ich bin nicht nur für die Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer, ich würde auch einen verpflichtenden Sozialdienst für junge Frauen einführen. Viele der jungen Politaktivistinnen haben einfach zu viel Zeit und beweisen tagtäglich, dass “Müßiggang ist aller Laster Anfang” ein zutreffendes Sprichwort ist.

Rudolf George / 07.04.2018

Realsatire ist noch eine unverschämte Untertreibung. Was Frau vdL mit der Bundeswehr macht, ist allerdings nur eine Entsprechung dessen, was Frau M mit dem ganzen Land macht: die Substanz vernichten, während man als politisch Verantwortliche dummdreist schwafelt und mit Ablenkungsmanövern versucht, das eigene Zerstörungswerk zu vertuschen.

Uta Buhr / 07.04.2018

Was ich an unserer Verteidigungsministerin so schätze, ist ihre überragende Kompetenz. Was macht es schon,  dass die Flugzeuge der “Bundeswehr”  nicht vom Boden abheben, Panzer nicht fahren und Gewehre nicht gerade schießen, wenn doch das kuschelige Umfeld in der Kaserne stimmt. Schminkspiegel in den Spinden sowie Wickelkurse für Soldaten haben natürlich Priorität und erhöhen die Wehrkraft der Truppe ungemein. Dass die Soldatinnen ab sofort mit spezieller, hoffentlich schicker Umstandsgarderobe ausgestattet werden, ist daher von bahnbrechender Wichtigkeit. Fazit:  Unsere Uschi ist doch ein Pfundsmädel, das wirklich an alles denkt!

Gabriele Schulze / 07.04.2018

Wenn das der F…., Entschuldigung, die Kanzlerin wüßte! Aber eigentlich paßt dieser desolate Zustand doch zu Teddybären-Politik. Und eigentlich darf man dann doch keinen einzigen Soldaten resp. keine einzige Soldatin irgendwohin schicken!

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