Josef Hueber, Gastautor / 04.01.2021 / 16:00 / Foto: Pixabay / 22 / Seite ausdrucken

Um Gottes Willen: Mama kocht!

Alles hat bekanntlich zwei Seiten. Wäre es nicht ein Wunder, wenn man der Coronazeit nicht auch Gutes abgewönne? Man kennt die Phrasen: Wir denken jetzt erst über vieles nach, was in der Zeit des tötenden Kapitalismus, der immer mehr und immer höher und immer schneller auf seine Fahne geschrieben hat, aus dem Blick geraten ist. Aber da gibt es auch Gefahren, auf die nur Feminist:/*Innen hinweisen.

Angesagt ist: Zur Ruhe kommen, endlich einmal sich auf sich selbst besinnen können, wieder mal ein Buch lesen, Musik hören, die Natur schätzen lernen… Die Neue Zürcher Zeitung erwartet im Morgenbriefing vom 21. Dezember sogar Gutes von Corona für die Europäische Union und legt nahe, dass sie zum „Katalysator für ein neues, eigenständigeres europäisches Selbstbewusstsein“ werden könnte.

Jakob Strobel y Serra, Chefgourmet bei der FAZ, addiert eine weitere Hoffnung, verursacht durch Corona: ein erwachender Sinn für gesundes, gutes Essen zu Hause, die „gemeinsame Mahlzeit am heimischen Tisch“. Und weil seine Leser, allesamt Genießer, nicht zu den Geringverdienern zählen, setzt er noch Moral drauf: Corona sorge für ein einsetzendes „Nachdenken über vernünftige Ernährung“, für das Aus des „Irrglauben(s)“, es gäbe ein „Menschenrecht auf unser täglich Industriebilligfleisch“.

Die Gefahr von „rechts“

Alles schön und gut. Doch darf dies kein Anlass sein, kein waches Auge auf gefährliche gesellschaftliche Folgen zu richten. Nein, nicht etwa die von Pessimisten angemahnte Zunahme an Einsamkeit, Depressionen und Suiziden, ausgelöst von der schimmelfarbenen Decke, die sich immer dichter wie Dauernebel über den Alltag gelegt hat. Es geht um Gefährlicheres: den Rückfall in die Vergangenheit der spießigen Familie.

Als nicht zu überschätzender Kollateralschaden der Epidemie für unsere Gesellschaft im Zuge des Lockdowns droht das Wiedererwachen eines verstaubten, reaktionären Familienbildes, dessen verkrustete, Frauen diskriminierende Rollenzuweisungen längst im Mülleimer der Geschichte entsorgt waren. Könnte dieses Szenario womöglich Wirklichkeit werden?

Aus der „Hochschule“ Fulda kommt eine neue, wahrscheinlich aber nicht die letzte Idee zu Corona. Ja, Corona, auch wenn man den Horrorbegriff schon nicht mehr hören mag, birgt die erschreckende Gefahr, dass wir in eine Zeit zurückfallen, die reaktionär, wenn nicht sogar „nazi“ war.

Flashback: Es ist die Zeit, als anno dunnemals die Frau und Mutter am Herd stand und für die Familie gekocht hat. Der männliche Boss der Familie ließ sich bedienen, wie auch die Kinder, und nach dem Essen zogen sich alle zurück, während das Heimchen am Herd abspülte. Das Wort Emanzipation stand damals vielleicht in einer Ausgabe des Duden, in der Wirklichkeit hatte es keine Bedeutung. Die Familie minus Mutter war der Tyrann, die Mutter der Sklave, sorry, die Sklavin.

High Noon für den Feminismus

Von den Wärtern gesellschaftlichen Fortschritts hören wir, es sei fünf vor zwölf, es müsse verhindert werden, im Rahmen des Corona-Lockdowns auf die traditionelle Familie zurückzufallen und damit verbundene spießige Rollenbilder auferstehen zu lassen.

Damit dies nicht passiert, bewahrt uns die Ernährungs-Soziologin Prof. Jana Rückert-John von der Hochschule Fulda davor, falsche Haltungen zu akzeptieren oder sogar zu verinnerlichen.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat ergeben, dass circa 30 Prozent der Deutschen wegen Corona jetzt häufiger gemeinsam Mahlzeiten einnehmen, und etwa 20 Prozent häufiger gemeinsam kochen. Klöckner sieht darin eine „gute Entwicklung“.

Der Dissens lässt nicht lange auf sich warten. Jana Rückert-John hält nicht hinterm Berg, was sie von dieser Meinung hält. Im linken Publikationsforum „Kursbuch“ hatte sie schon mal vor Fleischkonsum gewarnt. Der sei nämlich eine „Gefahr für die Zukunft“. Jetzt veröffentlichte sie eine Schrift zum Thema „Über das Essen in Coronazeiten“. Dort, so lässt uns Strobel y Serra wissen, macht sie ihren feministischen Ängsten Luft. Die „gute Entwicklung“ á la Klöckner bedeute ein Zurückgreifen auf ein „ideologisiertes Bild“ von Familie: „Die Mutter steht wieder am Herd und kümmert sich auch noch um den Abwasch, während sich der Herr des Hauses bestenfalls als Grill-Guru gefällt.“ 

Dies sei eine „Retraditionalisierung“ der Familie und der damit verbundenen „Geschlechterrollen“. Grund genug für die Fachfrau in Ernährung, sich davor zu „grausen“.

Wissenschaft über den Wolken

Ich frage ganz simpel: Hat die Soziologin Jana Rückert-John lebensgesättigte Erfahrung – jenseits des Schreibtisches – mit Kindern am Herd gemacht? Hat sie schon mal gesehen, welche Freude es (Entschuldigung!) vor allem Mädchen macht, „Mama“ oder „Oma“ dabei zu helfen, gemeinsam zu kochen? Oder, zu Weihnachten, Plätzchen zu backen?

Ich habe keinen Eintrag gefunden, ob und wie viele Kinder die Professorin hat. Man kann vermuten, dass ihr die Wissenschaft keine Zeit zum Kinderkriegen außerhalb eines einzigen Prototyps ließ und lässt, ihre Zeit großzügig an Nachwuchs, ob Kinder oder Enkel, in der Küche zu „verschwenden“.

Beinahe vergessen. Meine Mutter hatte soviel Freude daran, zu sehen, wie uns schmeckte, was sie auf den Tisch brachte. Sie kochte Glück. Und wenn es an den Abwasch ging (weil wir keine Spülmaschine hatten), bestand sie darauf, dies alleine zu machen, weil sie es „besser konnte“. Und sie war glücklich dabei.

Was für ein Dummerchen meine Mutter war! Sie war das typische „Opfer“ des politisch verpönten Rollenbildes, das „Heimchen am Herd“. Dass ihr die Opferrolle dieser   Diskriminierung nicht bewusst wurde, lag wohl an ihrem beschränkten Verstand. Und daran, dass sie von lebenserleuchtenden Erkenntnissen, wie sie uns die ideologiefreie Wissenschaft „Küchen-Soziologie“ vermittelt, keine Ahnung hatte.

Foto: Creative Commons CC0 Pixabay

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Leserpost

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Hjalmar Kreutzer / 04.01.2021

Immer wieder faszinierend, worüber man so alles soziologisieren, promovieren, habilitieren und einen Leerstuhl auf Steuerzahlers Kosten einrichten kann. Ich warte jetzt noch auf den Gegenpol, die Soziologie der Verdauung.

Frances Johnson / 04.01.2021

Ich wasche an Sonnabenden und Feiertagen nie abends ab. Morgens wäscht der Erste ab und putzt die Küche, der auf ist, egal wer. Das fluppt. So gönnte ich mir am 25. ein Liegenbleiben, und als ich herunter kam, war alles blitzblank, die Kinder zusammen, sehr zufrieden mit ihren Geschenken, hatten sich ins Zeug gelegt. Gibt es wirklich andernorts immer nur Rollenmuster? Ich kann das nicht ganz glauben. Wir haben doch auch Laissez-Faire und Savoir-Vivre von den Romanen gelernt. Soziologinnen müssen immer diesen Mist in die Welt pupsen, damit einer merkt, dass sie existieren.

Hans Buschmann / 04.01.2021

Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, auch wenn sie in professoralemGewand auftritt.

Georg Dobler / 04.01.2021

Kommt der FAZ-“Chef-Gourmet”, der gegen Industrie-Billigfleisch ist eigentlich nicht eine Sekunde lang auf den Gedanken dass Gastronomen die noch auf die Novemberhilfen warten und die zahllosen erwerbslosen Bediensteten in Hotelerie, Reisen, Skitouristik, die oft schon als sie noch in Arbeit waren nur Billiglöhne bekommen haben und auf Trinkgelder angewiesen waren jetzt froh sind wenn sie überhaupt noch ein paar Cent für Billigfleisch haben”. Das sind abgehobene gutverdienende realitätsblinde grüne Prediger.

Judith Panther / 04.01.2021

„ Jana Rückert-John, Soziologin“. Hatte nicht Roger Schelske gerade vorgestern noch in seinem Artikel “Gestern an der Tanke: Danke, liebe Doofe, danke!” genau diese parasitäre Spezies beschrieben? Die den lieben langen Tag in der gleichen Weise „Sinn produziert“ wie ein infiziertes Ulcus unablässig Sekret sezerniert? Die die produktive Arbeit derer entwerten, von deren produktiver Arbeit sie leben? Die sich mit vor Fett triefenden Backen an der Pole Position der steuergeldgefüllten Fleischtöpfe tummeln, wo ihnen das Gebratene und Gesottene nur so ins offene Maul fliegt? Die einem 5-Sterne-Koch die Stiefel lecken würden, eine 5-Sterne-Hausfrau aber vor dem drohenden Abwasch warnen? Diese „fröhlich plappernden Kathas und Annalenas mit ihrer naiven Begeisterung“, deren „Luxuspensionen, Vermögenszuwächse und Erbschaften“ uns, dem „steuerzahlenden Fußvolk steigende Mieten und Armutsrenten“ garantieren? Die sich als unsere „Freunde ausgeben“ uns aber noch nicht einmal zu den Parties einladen, die wir bezahlt haben? (Ich frage für einen Freund …)  

Jörg Themlitz / 04.01.2021

Es scheint notwendig die Jakobiner Mützen hervor zu kramen und zu entstauben. Da wir Gewalt scheuen reichen vielleicht die Mittel von 1989, um die Kaste der Frau Rückert-John et. al. zu entzaubern und vom Steuertrog zu verjagen. Es war doch herrlich zu erleben, wie sich 1989 die vielen Institute für Marxismus-Leninismus etc. mit den tausenden Professoren, Doktoren usw. in Nichts auflösten. Die hat nie jemand gebraucht, außer zur Selbstversorgung, Geschichtsfälschung und Rechtfertigung der eigenen Verbrechen. Solche für die Existenz der Art Mensch unnützen Personengruppen erscheinen immer wieder. Selbst noch in der Renaissance galten Hofastrologen als die angesehensten Wissenschaftler ihrer Zeit. Warum diese Kaste immer die Lüge heranzieht, Mutter, Herd, Familie = Nazi? Ich erspare mir die Mühe zu errechnen, wie viele Millionen Frauen vor und in der Nazizeit in Betrieben etc. gearbeitet haben. Dazu Hunderttausende in Heimarbeit. Heut Home office genannt. Die Hose die heut von Frauen in Pakistan genäht wird, wurde damals von Frauen in Deutschland genäht. Im sozialpolitischen Lexikon von 1938 steht ausdrücklich drin, sinngemäß: ´In den Betriebsposten “Vertrauensmann” kann selbstverständlich eine Frau gewählt werden.`; Was natürlich für Textil-, Lebensmittelbetriebe usw. Sinn macht.

Kurt Müller / 04.01.2021

Im Artikel ist ja schon alles gesagt, und die Frau Klöckner hat es auch schön gesagt. Aber man ärgert sich natürlich über dieses komische weltfremde Geschwurbel. Männer futtern gerne mal; so manchen Mann macht man mit einem Schweinebraten richtig glücklich, das gibt ja auch Kraft für den Abend im Schlafzimmer, bis beim Untermieter die Lampe von der Decke fliegt, also ist ein gutes Essen doch eigentlich auch für die Frauen von Vorteil. Die durchaus kräftigeren Frauen von früher, die ja auch selber gerne mal einen Schweinebraten vertilgt haben, bei der vielen harten Arbeit, die wussten solche Zusammenhänge, aber haben dieses wichtige Wissen vielleicht aus Rache über die Frechheiten von vorlauten Emanzen den jüngeren Frauen nicht weitergegeben, und so stehen diese heute da: tote Hose, die Männer laufen immer wieder weg wenn sie dann langweilig werden, Scheidungs-Leid, Patchwork-Chaos, ein verwirrtes Leben mit viel buntem Getue und dem neuesten Kikkifax - ist nicht mein Problem. Meine Frau kocht mir gerne mal einen Schweinebraten und findet nichts dabei, und ich koche ihr gerne ihr Lieblingsessen (scharfes Ungarisches Golasch) und finde nichts dabei. So sind wir glücklich, finden nichts dabei, gehen arbeiten und fahren in den Urlaub, und wundern uns immer mal über diese ganzen Vorwürfe, denn wir sind ja mit sowas auch gemeint; gescheite sogenannte ‘progressive’ Leute kennen wir gar nicht, und sie fehlen uns auch überhaupt nicht.

Dr. Freund / 04.01.2021

Das neue Frauenbild wurde in Liebig34 vorgelebt. Kochen war gestern, Kiffen ist heute. Bei der Räumung wurde die Alternative zum alten Mutter-Frauenbild deutlich. Sperrmüll-Ambiente mit Fäkal-Hautgout im LGBT-Vorzeige-Projekt. In der höchsten Form ihrer Entwicklung lebt die neue Frau auf Bäumen, wie im Hambacher Forst, und bewirft die Polizei zur Begrüssung mit ihren Fäkalien. Wenn sie denn unfreiwillig auf die Wache mitgenommen wird, verrichtet sie gerne ihre Notdurft auf dem Rücksitz des Streifenwagens. Jutta D. , die Stimme der RAF,findet das klasse.

Giovanni Brunner / 04.01.2021

Ich ungebildeter Mensch habe tatsächlich nicht gewußt, dass Ernährungssoziologie ein Studienfach ist. Wirklich erstaunlich wie sich die Geschwätzwissenschaften ausbreiten. Schlimmer noch ist, dass man solchen Vollpfosten/innen offenbar zuhört und Plattformen bietet.

Dr.Elke Schmidt / 04.01.2021

Kochen ist ein Privileg! Als ich noch gearbeitet habe war die Zeit dafür nicht ausreichend in der Woche, da gab es Essen in der Betriebskantine, nun ja, man wurde satt. Auf das Wochenende freute man sich schon, weil da wurde gut gekocht. Im Laufe der Jahre fand mein Ehemann zunehmend ebenfalls Vergnügen an dieser Tätigkeit, was ich mit viel Argwohn betrachtete, denn es macht mir Spaß. Inzwischen teilen wir uns diesen Luxus, jeder hat seine Spezialitäten. Es gibt zur Zeit so viel Bedarf an Pflegekräften und Helfern. Es wäre schön, wenn Berufe, die nichts Wesentliches zur Gesellschaft beitragen, umschulen würden. Ich warne aber, eine Bettpfanne leert sich nicht durch kluge Ratschläge.

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