Rainer Bonhorst / 11.03.2022 / 16:00 / Foto: Leonhard Lenz / 48 / Seite ausdrucken

Ukraine-Flüchtlinge: Anders als 2015

Nun sieht es so aus, als würde sich 2015 eben doch wiederholen – aber die Flüchtlinge aus der Ukraine sind doch ein ganz anderes Klientel als jenes, das vor ein paar Jahren zu uns kam.

Ein merkwürdiger Gedanke beschleicht mich beim Blick auf die Flüchtlingsströme aus der Ukraine. Beim Blick auf die, die schon unterwegs sind, und vorausschauend auf die, die noch kommen werden. Europas größter Flüchtlingsstrom seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Millionenheer. Der merkwürdige Gedanke, der mich beschleicht: Hat Angela Merkel vielleicht doch richtig gehandelt, als sie 2015 die Grenzen für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten öffnete?

Bei allen kulturellen Unterschieden: Menschen sind Menschen und Flüchtlinge sind Flüchtlinge. Und wer will unsere Grenzen gegen die herüberströmenden Ukrainer verschließen? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, nicht gerade ein Merkel-Fan, will die Ankömmlinge sogar „mit offenen Herzen“ empfangen. Das ist deutlich mehr als Merkels „Wir schaffen das“.

Sicher, es ist ein großer Unterschied, ob Menschen aus Osteuropa, also aus unserer geografischen und kulturellen Nachbarschaft zu uns kommen, oder ob sie aus der islamischen Kultur kommen – mit ihren Traditionen, die nicht recht zu uns passen, und mit ihren Fanatismen, die bei uns keinen Platz haben dürften. Der Blick auf die heutigen Flüchtlingsströme wirft trotzdem die Frage auf: Kann man in der Not diesen Unterschied wirklich zum entscheidenden Faktor zwischen einem Ja und einem Nein machen?

Da kommen keine Schwaben mit Kehrwoche

Auch die Ankunft weiterer hunderttausender Ukrainer wird eine massive Belastung für unsere Gesellschaft werden. Sie kommen nicht aus Nahost, aber sie sind auch keine Schwaben mit Kehrwoche und keine Niedersachsen mit Kühlschrank-Temperament. Es wird kulturelle Zusammenstöße geben, weniger massiv als seinerzeit, aber nicht zu unterschätzen. Und trotzdem ist die Pflicht, sie, wenn nicht mit offenem Herzen, so doch mit offenen Grenzen zu empfangen, offenkundig.

Haben wir es damals geschafft, wie Angela Merkel optimistisch verkündet hat? Na ja, mit Hängen und Würgen. Es hat mehr Probleme gegeben, als man sich wünschen kann, von der Mädchenjagd auf der Kölner Domplatte über Gaunereien mit unserem Sozialsystem bis hin zu kriminellen und islamistischen Clan-Bildungen. Dass es dazu gekommen ist, hat aber mit den anschließenden Versäumnissen mindestens so viel zu tun wie mit der geöffneten Grenze selbst.

Ja, wären es nur bloße Versäumnisse gewesen, man könnte das halbwegs entschuldigen. Aber es waren ständige und ganz bewusste Beschönigungen und systematisches Wegschauen. Beides war offizielle Politik und inoffizielle Politik der Oberlehrer in vielen Medien. Es begann ja schon damit, dass seinerzeit im Fernsehen lauter Frauen mit Kindern und Männer mit akademischen Berufen vorgeführt wurden. Dabei waren es hauptsächlich junge Männer mit ziemlich unakademischem Hintergrund, die zu uns kamen. Dann der offizielle Versuch, die massenhaften Übergriffe vor dem Kölner Dom totzuschweigen. Das wäre vielleicht sogar gelungen, hätte der Kölner „Express“ entgegen der üblichen medialen Schönfärberei nicht die Wahrheit berichtet. Welche seelischen Narben hätte ein gelungenes Totschweigen wohl bei den hunderten attackierten Frauen und Mädchen hinterlassen!

Die Schizophrenie linker Feministinnen, die aus Angst, als fremdenfeindlich zu gelten, die im Islam verbreitete Missachtung der Frauenrechte akzeptieren, wird mir ohnehin ein ewiges Rätsel bleiben. Und über die Berliner Stadtpolitik, die dem Wuchern der Clans fast tatenlos zuschaute, kann man nur den Kopf schütteln bei gleichzeitigem Haareraufen.

Geschafft haben wir es irgendwie, wenn auch – wie gesagt – mit Hängen und Würgen. Auch die neuen Flüchtlingsströme, die in noch größerer Masse zu uns kommen werden, werden wir bewältigen. Sie werden weniger, dafür andere Probleme mitbringen. Aber diesmal sollten weder Politik noch Medien wieder in die alte Beschönigungsfalle tappen. Zu einer soliden Willkommenskultur – wie zu einer echten Freundschaft – gehört auch, Ärgernisse offen anzusprechen. Dass dies damals versäumt wurde, ist in meinen Augen der eigentliche Schaden, der durch Angela Merkels Öffnung der Grenzen angerichtet wurde.

Diesmal kommen wirklich hauptsächlich Frauen und Kinder

Allerdings sind die Unterschiede zwischen damals und heute nicht zu übersehen. Da sind zum einen die vielen Frauen und Kinder, die sich auf den weiten Fluchtweg begeben haben. Und diesmal ist das keine Manipulation von Fernsehanstalten, die sich als Erzieher der Nation verstehen. Diesmal stimmen die Bilder. Denn die jungen Männer bleiben daheim und kämpfen gegen die russischen Angreifer. Auch damals, 2015, hätte man fragen können, warum so viele junge Männer die Flüchtlingskolonne bildeten. Hätten viele von ihnen nicht daheim eine wichtige, wenn auch gefährliche Aufgabe gehabt? Aber wer will da richten?

Anders ist auch die Stimmung im gesamten Europa. Angela Merkel, die den damaligen Flüchtlingsstrom gerne mit den Nachbarländern geteilt hätte, stieß an Grenzen, die so vernagelt waren wie unsere offen waren. Heute mauert nur das Brexit-Land England und schämt sich nicht, bisher gerade mal ein halbes Hundert Ukrainer hereingelassen und tausende abgewimmelt zu haben. Im Übrigen gilt heute, dass gerade so zugeknöpfte Länder wie Ungarn und Polen ihre Nachbarn mit offenen Armen aufnehmen. Die Verteilung über die übrigen Länder der Europäischen Union scheint diesmal zu gelingen.

Ja, die Unterschiede zwischen damals und heute sind nicht zu übersehen. Trotzdem lehrt uns der Krieg in der Ukraine so manche Lektion, die auch rückblickend interessant ist. Eine dieser Lektionen könnte sein, Angela Merkels humanitäres, wenn auch politisch unbedachtes „Wir schaffen das“ im Lichte dieser neuen Flüchtlingskrise zu betrachten.  

Foto: Leonhard Lenz CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Elias Schwarz / 11.03.2022

Es gibt wahrscheinlich mindestens ein Million Russen und Ukrainer in Deutschlad. Und wahrscheinlich 99% von denen ist das, was man als “integriert” bezeichnet. Sie arbeiten, zahlen Steuer, bilden keine Parallelgesellschaften und sind loyale Bürger. Und diejenige, die jetzt kommen, werden das auch.

P. Wedder / 11.03.2022

Dann unterhalten Sie sich mal mit kontrollierenden Polizisten oder Leuten in den Registrierungen…da sprechen auf einmal sehr viele Ankommende arabisch.

Chr. Kühn / 11.03.2022

“Hat Angela Merkel vielleicht doch richtig gehandelt, als sie 2015 die Grenzen für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten öffnete?” Immer gut, wenn so ein Satz gleich am Anfang des Artikels kommt…denn dann kann ich mir den Rest sparen.

Lutz Gütter / 11.03.2022

Wie gestern der Rietzschel, so heute der Bonhorst. Viel Gefasel, nicht viel Fundiertes. Empfehle hingegen den Indubio Podcast mit Prof. Michael Meyen.

Victor Kleinpeter / 11.03.2022

“Das wäre vielleicht sogar gelungen, hätte der Kölner „Express“ entgegen der üblichen medialen Schönfärberei nicht die Wahrheit berichtet.”: Nein! Ich war 2016-01-02 in Neuseeland, und dort wurde der Taharrusch in Köln am Abend (also Vormittags in Deutschland) in den Nachrichten gebracht. Die hatten es sicher nicht vom unbedeutenden Express. Das hat die ganze Welt mitgekriegt, und nur deshalb musste es auch in Deutschland in die Medien. Eine in Deutschland geborene Türkin, die mit mir die Nachrichten sah, hatte große Angst vor dem ihrer Meinung nach zu erwartenden Echo und telefonierte mit ihren Leuten in Deutschland; und die wussten von nichts, auch drei Tage später wussten die von nichts. In diesen drei Tagen bin ich mehrmals angesprochen worden “Du bist Deutscher? Was ist da in Köln los?”.

Karla Kuhn / 11.03.2022

“Volker Sulz, “Von einer Schönheit und Anmut, .....” Echt ? Diejenigen “Schönheiten voller Anmut”, die wir gestern sehen konnten mußten diese Attribute aber hervorragend versteckt haben ! RM Petersen, so ist es. Die Ukraine ist ein durch und durch korruptes Land, für viele “Einwanderer"scheint Deutschland vermutlich noch im Untergang attraktiver zu sein als das eigene. Es sollen ja bis jetzt über 300000 neue Wohnungen entstanden sein, da können doch die 90000? Geflüchteten gleich einziehen. ??  SO viel “Solidarität” muß sein.  Ludwig Luhmann, “Everybody’s friend is nobody’s friend!” Aber wirklich!  “Im Übrigen gilt heute, dass gerade so zugeknöpfte Länder wie Ungarn und Polen ihre Nachbarn mit offenen Armen aufnehmen.” Das hat geschichtliche Gründe. WARUM soll England Flüchtlinge aufnehmen ? Das Land ist kein EU Mitglied mehr und gerade London hat vermutlich mehr ASYLANTEN aller Art als ganz Europa zusammen. KEIN Land ist verpflichtet, es muß alles auf freiwilliger Basis geschehen. “Die Schizophrenie linker Feministinnen, die aus Angst, als fremdenfeindlich zu gelten, die im Islam verbreitete Missachtung der Frauenrechte akzeptieren, .....”  Dann versuchen SIE mal in diesen Ländern diesen Frauen zu helfen, in manchen wird sogar noch gesteinigt, Sie werden froh sein, nur an einem “Baukran” zu hängen.  WIE lebensfremd ist das denn ? Uns am “deutschen Wesen”  wollen viel auch gar nicht genesen Alex Schindler, “Nach Stichproben der Bundespolizei, eigentlich nicht. 80% sind Afrikaner und muslemische Männer aus Afghanistan etc, die alte Klientel.”  Da ich keine Mainstream Medien SEHE/LESE, kann ich das nicht beurteilen, nur das WAS ich bis jetzt mit eigenen Augen gesehen habe, das waren viele Kinder mit ihren ELTERN ! In Bayern sollen ALLE zuerst GETESTET werden , auch geimpft sollen alle werden aber ob das stimmt, weiß ich nicht. Na ja, da Geimpfte wieder infektiös werden können, vermutlich ein “gefundenes Fressen” für Lauterbach und die “INZIDENZEN”

Victor Kleinpeter / 11.03.2022

Ich kann noch nicht beurteilen, was da gespielt wird, aber ich habe einen begründeten Verdacht. Mir ist klar, dass Putin ein Young Global Leader war (Es gibt ein Video, wo Schwab das sagt.), und dass Putin auf der Waldai-Konferenz gesagt hat, dass im Westen gerade Oktoberrevolution sei. Die Leute, die uns gerade als Ukraine-Flüchtlinge verkauft werden, sind wohl dieselben, die vor ein paar Monaten an der Grenze Weißrussland-Polen standen. Und auch da wird Putin auf Lukaschenkos Seite mitgemischt haben. Die Ortskräfte heißen jetzt Studenten, sprechen weder Russisch noch Ukrainisch und kaum Englisch. Die Russen setzen in der Ukraine Tschetschenen ein, die in Syrien gekämpft haben. Die Ukrainer haben Hilfstruppen aus Syrien. Und nun meine Vorhersage: Die Russen machen den Kessel westlich von Donezk zu. Dann ist Waffenstillstand. Dann werden die eingekesselten Hilfstruppen vom Wertewesten nach Ramstein ausgeflogen und mit Bussen in Deutschland verteilt. Unter den Ausgeflogenen werden natürlich auch viele Tschetschenen, die vorher auf der anderen Seite gekämpft haben, sein. Wir haben Platz und die Russen und Ukrainer sind sie los.

Joerg Machan / 11.03.2022

Jeder Student, dem das Studium vom Staat finanziert, wird muss das Bafög irgendwann wieder zurückzahlen. Warum verfährt man mit Flüchtlingen und Asylbewerbern eigentlich nicht genau so? Sobald man einen Job hat beginnt die Rückzahlung in (kleinen) Raten. Oder man verlässt Deutschland und gut ist.

Klaus Keller / 11.03.2022

NZZ INTERVIEW Wir befinden uns nach wie vor im Kontrollverlust: Bundespolizei kritisiert Zustände an den deutschen Grenzen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Bundespolizei, Heiko Teggatz, wirft der Innenministerin vor, aus den Fehlern von 2015 nichts gelernt zu haben. Flüchtlinge aus der Ukraine müssten bei der Einreise kontrolliert werden, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden. - Wir haben wohl noch nicht alle Steinchen in diesem Mosaik gesehen

Wolf Hagen / 11.03.2022

Ich halte es für relativ ausgeschlossen, dass ich in einem Jahr, abends in der Innenstadt, von einer Horde allein-erziehender Mütter angegriffen und zusammengeschlagen werde, weil denen gerade langweilig ist. Dieses Mal kommen in Mehrzahl keine Kulturfremden und Asylbetrüger, sondern eben wirkliche Kriegsflüchtlinge. Frauen und Kinder, deren Männer tatsächlich kämpfen!

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