News-Redaktion / 07.11.2019 / 17:00 / Foto: Colegota / 0 / Seite ausdrucken

Uiguren müssen Haus und Bett mit KP-Kadern teilen

Muslimische Frauen im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang werden offenbar gezwungen, Vertreter des chinesischen Staates tagelang in ihre Familien aufzunehmen und mit ihnen ein Bett zu teilen. Das berichtet der staatliche amerikanische Rundfunkveranstalter „Radio Free Asia“ (RFA) mit Bezug auf Aussagen von örtlichen Amtsträgern.

Xinjiang ist im Westen vor allem für sein riesiges Lagersystem bekannt, in dem zurzeit rund 1,5 Millionen Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten interniert sind. Die größtenteils männlichen Gefangenen sollen umerzogen werden, da sie aus Sicht des chinesischen Staates „starke religiöse Überzeugungen“ und „falsche politische Vorstellungen“ haben.

Die von RFA beschriebenen Hausbesuche nehmen offenbar in erster Linie die Frauen der internierten Männer ins Visier und sollen sie ebenfalls ideologisch umformen. Nach Angaben des Radiosenders sind sie Teil des Programms „Tut euch zusammen und werdet Familie“, das im Oktober 2016 geschaffen und im Dezember 2017 massiv ausgebaut worden sei. Mittlerweile habe man im Rahmen des Programms mehr als eine Million Parteikader mobilisiert und zu „Ersatz-Verwandten“ der Uigurinnen gemacht, berichtet RFA mit Bezug auf Angaben der amerikanischen Nichtregierungsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW).

RFA zitiert einen anonymen KP-Funktionär aus dem Regierungsbezirk Kaxgar: „Sie helfen den Familien mit ihrer Ideologie, bringen neue Ideen. Sie reden mit ihnen über das Leben, und mit der Zeit entwickeln sie Gefühle füreinander.“ In seiner Gemeinde gebe es derzeit 70 bis 80 Familien, die all zwei Monate Besuch von den chinesischen „Verwandten“ erhalten. Die größtenteils männlichen Besucher arbeiteten und äßen mit den Uiguren, und teilten sich – vor allem im Winter – auch ein Bett bzw. eine traditionelle Schlafplattform mit ihnen. Der Chef eines Nachbarschaftskomitees in Kaxgar, der ebenfalls anonym bleiben wollte, habe diese Aussagen bestätigt: „Ja, sie schlafen alle auf derselben Plattform.“ Als sozial angemessen gelte ein Abstand von einem Meter.

Ein Gemeindevorsitzender im Regierungsbezirk Hotan habe gegenüber RFA angegeben, dass die „Verwandten“ bei ihren rund einwöchigen Besuchen die Politik der chinesischen Zentralregierung in der Region preisen und versuchen, ihren unfreiwilligen Gastgebern die chinesische Sprache beizubringen. Manchmal brächten sie auch Alkohol und Schweinefleisch mit, und erwarteten, dass die Uiguren diese aus muslimischer Sicht verbotenen Produkte konsumieren.

RFA sprach nach eigenen Angaben auch mit Dolkun Isa. Für den Vorsitzenden der in München ansässigen Exilgruppe „Weltkongress der Uiguren“, bedeutet das „Tut euch zusammen und werdet Familie“ Programm die „totale Auslöschung der Sicherheit und des Wohlbefindens der Familienmitglieder.“ Es habe die Uigurischen Häuser in Gefängnisse verwandelt, aus denen es kein Entkommen gebe.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
News-Redaktion / 25.10.2020 / 15:00 / 0

Bundesregierung zahlt 186 Millionen an Berater

Trotz 20.000 Mitarbeitern in den Ministerien kauft die Bundesregierung Jahr für Jahr für viel Geld externe Expertise zu, meldet n-tv.de. Alleine im ersten Halbjahr hätten…/ mehr

News-Redaktion / 25.10.2020 / 09:01 / 0

Die Morgenlage: Kämpfe und Kritik

In Afghanistan gab es wieder zahlreiche Todesopfer islamistischer Anschläge, in Kamerun sind vier Kinder bei einem Angriff auf eine Schule getötet worden, in Berg-Karabach wird weiter…/ mehr

News-Redaktion / 24.10.2020 / 09:00 / 0

Die Morgenlage: Proteste und Pensionslasten

Nigerias Präsident räumt ein, dass in den letzten Tagen 69 Menschen bei Protesten getötet wurden, die USA erreichen einen Friedensschluss zwischen dem Sudan und Israel,…/ mehr

News-Redaktion / 23.10.2020 / 09:26 / 0

Die Morgenlage: Gefährder und Gemeinnützigkeit

Großbritannien und Japan unterzeichneten ein Freihandelsabkommen, bei einem gezielter US-Luftangriff in Syrien sind Al-Kaida-Führer getötet worden, der Verfassungsschutz schätzt mehr als 2000 Gefährder in Deutschland,…/ mehr

News-Redaktion / 22.10.2020 / 08:49 / 0

Die Morgenlage: Soldaten und Sperrstunde

Etliche Tote gab es bei Kämpfen mit Islamisten in Somalia, bei brutalem Vorgehen gegen Demonstranten in Nigeria und bei Zusammenstößen in Guinea. Die Türkei bietet…/ mehr

News-Redaktion / 21.10.2020 / 08:59 / 0

Die Morgenlage: Reisefreiheit und Reserven

Der EU-Ministerrat einigt sich auf eine Agrarreform, Donald Trump fordert Korruptionsermittlungen gegen Joe Biden, in Nigeria wurde scharf auf Demonstranten geschossen, Kunstwerke in Berliner Museen…/ mehr

News-Redaktion / 20.10.2020 / 08:38 / 0

Die Morgenlage: Abschiebungen und Ausgangssperre

Frankreichs Innenminister lässt nach dem islamistischen Mord an einem Lehrer eine Moschee schließen und Gefährder abschieben, in Guinea erklärt sich der Oppositionsführer zum Wahlsieger der…/ mehr

News-Redaktion / 19.10.2020 / 08:58 / 0

Die Morgenlage: Billion und Blockade

In Afghanistan wurden bei einem Anschlag 13 Menschen getötet, Frankreich will nach der Enthauptung eines Lehrers stärker gegen eine islamistische Radikalisierung vorgehen, in Weißrussland gab…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com