Die Kunst des Todes
Anselm Kiefer hat bei einer Rede vor dem College de France Osama bin Laden zum Künstler umgewidmet. Die von ihm entworfenen Attentate des 11. September 2001 hätten “das perfekte Bild geschaffen”. Sie trügen alle Merkmale eines Kunstwerkes, so Kiefer, und es sei ihm in erster Linie um die Schaffung dieser Bilder gegangen. Ähnlich äußerte sich schon 2003 der Medientheoretiker Boris Groys: Er nannte Osama bin Laden einen Videokünstler, Al-Dschasira sein Medienunternehmen. “Es ging von Anfang an um eine neue Video- und Medienkunst auf der Ebene der Machtausübung und eines strategischen Spiels.” Schon Sayyid Qutb, Chefideologe der Muslimbruderschaft nach Hassan al-Bannas Tod, schuf wie kein anderer die Verbindung von Gläubigkeit und Terrorismus. Seine Theorie “Die Kunst des Todes - Tod ist Kunst” machte ihn später zum Cheftheoretiker. “Der Sieg kann nur erreicht werden über die Meisterschaft in der Kunst des Todes”, so Qutb. Wir fragen am Dienstag nach den Motiven von Kiefer und Groys und nach einer Beziehung zu Qutb.