Für die einen reklamiert Elif Eralp das Kurdentum, für die anderen das Alevitentum, für die Traditionalisten bleibt sie schlicht Türkin. Jeder versucht, sie in die eigene Identitätsschublade zu pressen, um ein wenig kollektiven Stolz auf „die Eigene“ abzugreifen.
Genau in diesem Schauspiel verbirgt sich ein ungleich größeres, fundamentaleres Thema. Schon innerhalb der türkeistämmigen Bevölkerung existiert ein unübersichtliches Geflecht aus Identitäten, Bruchlinien und Abgrenzungen: Türken gegen Kurden, Aleviten gegen Sunniten – und innerhalb dieser Blöcke wiederum unzählige Untergruppen. Das Ergebnis ist eine chronische Fragmentierung, das ewige, unermüdliche Zementieren von „Wir“ gegen „Ihr“.
Und hier reden wir wohlgemerkt nur von einer einzigen Herkunftsregion. Deutschland ist längst zur Heimat für Menschen aus Syrien, Afghanistan, verschiedenen afrikanischen Staaten und zahllosen anderen Ländern geworden. Und im Handgepäck führen diese Menschen selbstverständlich ihre eigenen ethnischen, religiösen, kulturellen und politischen Prägungen mit sich.
Migration bedeutet eben nicht nur die Bereicherung des Speiseplans, neue Musik oder sprachliche Vielfalt. Sie bedeutet auch den Import von Geschichte – und damit den Import von tiefsitzenden Konflikten, historischen Verletzungen und uralten Feindseligkeiten. Ein erheblicher Teil dieser alten Rechnungen wird nahtlos auf deutschem Boden weitergeführt und hier ausgetragen.
Zusammenleben entsteht nicht durch Diversität, sondern oft trotz dieser
Das macht ein gesellschaftliches Zusammenleben nicht per se unmöglich. Aber es entlarvt die naive, fast schon kindliche linksliberale Vorstellung, dass Vielfalt quasi naturgesetzlich zu Harmonie führe. Zusammenleben entsteht nicht durch Diversität, sondern oft trotz dieser. Es entsteht erst dann, wenn Menschen mühsam lernen, Unterschiede schlicht auszuhalten, anstatt aus jeder Nuance der Herkunft sofort eine neue Front im Kulturkampf zu errichten.
In Deutschland war das Zusammenleben traditionell von einer wohltuenden Pragmatik geprägt: Das Trennende war Privatsache. Wer aus der Kirche austrat oder einer bestimmten Konfession angehörte, tat dies für sich. Für den Alltag mit Nachbarn, Kollegen oder Freunden spielte das schlicht keine Rolle. Die Privatsphäre diente als Puffer, der den gesellschaftlichen Frieden sicherte.
Vielleicht liegt genau in dieser fast vergessenen Tugend die Antwort: Eine moderne, aufgeklärte Gesellschaft funktioniert nicht, weil alle ihre Differenzen wie Monstranzen vor sich hertragen. Sie funktioniert dann, wenn Herkunft, Religion und die Zugehörigkeit zu irgendeiner geschlossenen Untergruppe eben nicht darüber entscheiden, wer dazugehört und wer der Feind ist. Wenn das Individuum zählt – und nicht die Kollektivschuld oder der Kollektivstolz der eigenen Blase.
PS: Stopp, stopp, stopp! Wie zur Bestätigung dieses identitätspolitischen Irrsinns meldet sich nun auch noch der Ortsvorsteher des anatolischen Dorfes zu Wort, aus dem die Familie Eralp einst auswanderte. Seine eilige Klarstellung: Die Familie habe in Wahrheit tscherkessische Wurzeln! Das Karussell der Stammeszugehörigkeiten dreht sich ungerührt weiter.
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„Unterwanderung“ von Sascha Adamek, LangenMüller Verlag 2026, hier bestellbar.


Einfalt in Vielfalt, das interkulturelle Evangelium.
Sehr geehrter Herr Dener, wenn es mit der Zugehörigkeit Probleme gibt, ich würde auf die Dame in Berlin sofort verzichten. Hilft das?
Mfg
Nico Schmidt
Aus jedem Hijab lugt ein Sozialdemokrat heraus. Das wissen die und das wissen wir. Anders wären die hier nicht reingekommen.
Wie steht den die berliner Linke, Elif Eralp zum Völkermord an den Armeniern?
Hrant Dink wurde 2007 in Istanbul auf offener Straße vor dem Redaktionsgebäude seiner Zeitung ermordet.
Wenigstens einer, der den richtigen Kontrapunkt setzt und die Verbindungen herstellt. Sie sind längst unbezahlbar, Herr Dener.
Allerdings haben wir das bei diesem sperrigen System weder mit Sozialismus noch mit Kommunismus zu tun. Das ist das Haar in der Suppe, auf welches ich gebissen habe.
Die Linkspartei hat mit der Sozialdemokratie während ihrer Koalition in Berlin die 200.000 Wohnungen privatisiert, die sie nun wieder verstaatlichen wollen. Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln. Das war keinem aufgefallen und ist vor allem kein Kommunismus. Die leben rein vom Image, das wir denen zusprechen.
Sokrates, Platon, Archimedes – wer kennt die noch? Reichskirchen, Barock, Gotik, Schiller, Biedermeier, Beethoven – und dann kam die SPD.
Im Alltag zeigt(e) sich die Mischung aus Ordnung und Innerlichkeit in Dingen wie Pünktlichkeit, Planung und einem gewissen Vertrauen in Regeln – gleichzeitig aber auch im Bedürfnis nach Rückzug, Privatsphäre und einem klar abgegrenzten „eigenen Bereich“.
Das „Wir“ ist der freie Radikale in der deutschen Kultur. Typisch war eine gewisse Sachlichkeit im Umgang miteinander – man trennt(e) zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Arbeit und Freizeit. Gleichzeitig gab es starke lokale Traditionen, Feste und Vereine, die Gemeinschaft schaffen. – Alles futsch. Was wir heute haben, ist nicht mal mehr Zivilisation, sondern das Minenfeld auf einem Kriegsschauplatz. Wir werden darauf trainiert, alles aufzugeben, was den Zudringlingen mißfallen könnte mit permanenten Sprachterror, Kulturterror, Politterror, Reklameterror. Die Reklamewände sagen uns heute, wozu wir Lust haben dürfen, wie wir bezahlen müssen, wann wir das Netz abschalten müssen, und daß wir ständig begeistert sein müssen, ob beim Studium oder beim Einkauf von Klopapier, welche Freunde die richtigen sind, wen wir heiraten sollen, mit welchen Ethnien wir wo rumzusumpfen haben, und was – bei Allah! – wir nicht sagen dürfen. Nicht mal denken.
Die Deutsche Einheit ist abgerutscht zum afrikanisch-türkischen-arabischen Stelldichein.
Eine demokratische Gesellschaft braucht ein gewisses Maß an gemeinsam akzeptierter Wirklichkeit. – Das war gestern!
Das Problem sind nicht die Türken, die Migranten aus Nordafrikanischen Ländern, die ihre neue Heimat und deren Bürger und Kultur zu schätzen wissen, sondern jene radikalen Gruppen, die es nicht schätzen eine neue Heimat zu haben und diese Kultur zu achten, die nun mal jüdisch christlich ist und wo hart für Menschenrechte und Frauenrechte gekämpft wurde. Alexander von Humboldt würde sich für seine zum ideologischen Schlachtfeld heruntergekommene Uni tot schämen. Merz lässt sich wieder von die Linke treiben, einfach neues Gesetz basteln, wo doch auch Black Rock D. schon fast aufgekauft hat, die etwas unterbelichtete Linke glaubt, sie könne Stalin nach eifern, Pustekuchen.