Donald Trump hat den Beginn einer neuen Russlandpolitik verkündet. Doch was als Machtdemonstration gedacht war, droht zum ökonomischen Boomerang zu werden.
Mit seinem abrupten Kurswechsel hat der US-Präsident die geopolitischen Koordinaten des Krieges neu vermessen. Nachdem er in der vergangenen Woche eine „wichtige Mitteilung“ zur Russlandpolitik angekündigt hatte, trat er nun in einer Reihe öffentlicher Auftritte mit klaren Signalen an die Weltöffentlichkeit: milliardenschwere Waffenlieferungen an die Ukraine, eine explizite Drohung mit Sekundärsanktionen – und ein Ultimatum an den Kreml. Sollte Moskau binnen 50 Tagen kein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnen, werde Washington Strafzölle in Höhe von „100 Prozent“ auf russische Exporte sowie auf Einfuhren aus deren wichtigsten Partnerländern verhängen.
Trump, der sich zuletzt betont zurückhaltend zum Krieg geäußert hatte, zeigte sich bei einem gemeinsamen Auftritt mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Oval Office demonstrativ konfrontativ. Die Vereinigten Staaten, so der Präsident, würden „hochwertigste Waffen“ produzieren und über das NATO-Bündnis an Kiew liefern – darunter bis zu 17 Patriot-Flugabwehrsysteme, die bislang an andere Partnerstaaten verkauft worden waren. Die ersten davon könnten „sehr schnell“ in der Ukraine eintreffen. Rutte begrüßte den Schritt als „wirklich bedeutende Stärkung der ukrainischen Luftabwehr“.
Die Koordination der Lieferungen solle über die NATO erfolgen – unter direkter Einbindung des US-Sondergesandten Matt Whitaker. Zugleich stellte Trump klar, dass die USA die Waffen nicht selbst finanzieren würden: „Wir liefern – und die NATO zahlt.“ Die Europäische Union werde demnach für die Patriots aufkommen. Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Norwegen hätten zugesagt, mehrere Systeme zu beschaffen. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil sich die USA damit auf die Rolle eines reinen Waffenlieferanten zurückziehen.
"Enttäuscht, aber nicht hoffnungslos"
In einem anschließenden Interview erklärte Trump, er sei von Wladimir Putin „enttäuscht, aber noch nicht hoffnungslos“. Auf die Frage, ob er dem russischen Präsidenten noch vertraue, antwortete er trocken: „Ich vertraue fast niemandem.“ Es habe vier gescheiterte Anläufe für ein Abkommen gegeben. „Wir führen gute Gespräche – und dann sprengt er nachts ein Gebäude in Kiew.“ Gleichzeitig erneuerte Trump seine Rückendeckung für die NATO, die er früher noch als „obsolet“ bezeichnet hatte. Nun lobte er die Allianz dafür, „ihre Rechnungen zu bezahlen“, und bekräftigte seine Unterstützung für den Bündnisfall.
Dass diese Worte von jenem Donald Trump stammen, der noch im Februar am selben Ort den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zur Freude des Kremls öffentlich gerügt hatte, wirkt fast surreal. Damals galt Trump als Vertreter eines strategischen Appeasements, der den Krieg als „größten Fehler der Biden-Regierung“ anprangerte. Jetzt ist von dieser Haltung nur noch ein rhetorisches Hintergrundrauschen übrig. Das Weiße Haus hat ein deutliches Warnsignal gesendet – politisch, militärisch, vor allem aber ökonomisch.
Dass der US-Präsident nun einen solch fundamentalen Kurswechsel vollzieht, kommt nicht überraschend. Trump, der die Beendigung des Krieges zu einem zentralen Wahlkampfthema erklärt hatte, wirkte zunehmend ausgebremst – nicht zuletzt durch Putins Hinhaltetaktik. Während russische Delegationen amerikanische Unterhändler empfingen, in Riad Gesprächsbereitschaft demonstrierten, intensivierte der Kreml zugleich seine Angriffe auf Kiew. Es entstand eine paradoxe Lage, in der Worte und Taten Moskaus unvereinbar wurden – und Trump in seiner Rolle als Vermittler zunehmend unglaubwürdig erschien.
Dies führte zu einem spürbaren Einbruch seiner Zustimmungswerte. Seit Februar verzeichnet Trump einen kontinuierlichen Rückgang. Während er im Januar noch rund 48 Prozent Zustimmung verbuchen konnte, liegt dieser Wert aktuell – mit Stand vom 15. Juli – nur noch bei 44 Prozent. Parallel dazu ist die Ablehnung deutlich gestiegen und erreicht nun 52 Prozent.
Politischer Befreiungsschlag?
Auslöser dieser Trendwende war offenbar eine Reihe außenpolitischer Entscheidungen – allen voran die Luftangriffe auf iranisches Territorium. Wie mehrere Umfragen – darunter CNN/SSRS und Reuters/Ipsos – zeigen, stieß Trumps militärisches Vorgehen auf breite Ablehnung, selbst innerhalb der eigenen Wählerschaft. Laut CNN missbilligen 84 Prozent der Befragten die Angriffe, darunter 74 Prozent der Republikaner.
Damit erreicht Trump den bislang niedrigsten Zustimmungswert seiner zweiten Amtszeit. Zwar gilt ein anfänglicher Rückgang der Popularität als typisches Muster in US-Präsidentschaften, doch die Geschwindigkeit des Abstiegs ist auffällig. Auch gezielte militärische Profilierung konnte den Trend nicht stoppen. In diesem Kontext erscheinen Washingtons neue Zollpläne weniger als strategischer Vorstoß, denn als politischer Befreiungsschlag.
Der eigentliche Bruch liegt jedoch in Trumps wirtschaftspolitischer Drohung: Sollte Russland bis zum 1. September nicht einlenken, will Washington nicht nur russische Rohstoffe mit 100-Prozent-Zöllen belegen, sondern gezielt auch jene Staaten unter Druck setzen, die weiterhin russisches Öl und Gas importieren.
Das beträfe nicht nur Moskaus direkte Partner – etwa China, Indien und die Türkei –, sondern auch europäische Einzelstaaten wie Ungarn oder die Slowakei sowie Länder wie Saudi-Arabien, die russische Raffinerieprodukte beziehen. Die angedrohten Sekundärsanktionen markieren einen Paradigmenwechsel: weg von der Strafmaßnahme gegen einen einzelnen Akteur – hin zu einer systemischen Isolation der gesamten russischen Energiearchitektur.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte forderte in diesem Zusammenhang die Staats- und Regierungschefs in Peking, Neu-Delhi und Brasília öffentlich auf, Einfluss auf den Kreml zu nehmen. Man solle, so Rutte wörtlich, „Wladimir anrufen und sagen: ‚Hör zu, Freund, wir kaufen noch immer bei dir – aber du musst es jetzt endlich ernst meinen mit diesen Verhandlungen.‘“ Trumps Zollandrohung sei „klug konstruiert“ und sende ein deutliches Signal an Moskau.
"Exekutiver Hammer"
Der Präsident selbst blieb in seinen öffentlichen Äußerungen vage. Regierungsvertreter deuteten jedoch an, dass sich die Maßnahme vor allem gegen den russischen Energiehandel richten solle – in abgeschwächter Form jenes Gesetzesentwurfs, den die Senatoren Lindsey Graham und Richard Blumenthal eingebracht hatten. Dieser sah Strafzölle von bis zu 500 Prozent auf Käufer russischer Energie vor. Trump lehnt das Vorhaben ab – wohl auch deshalb, weil es ihn zu einem rechtlich gebundenen Vollstrecker eines ökonomischen Ultimatums gemacht hätte. Stattdessen setzt er auf maximale Drohkulisse bei gleichzeitiger Wahrung seines Handlungsspielraums.
Er selbst erklärte, sowohl Zölle in Höhe von 100 als auch 500 Prozent für gleichermaßen wirksam zu halten, sehe jedoch keinen zwingenden Bedarf für eine gesetzliche Fixierung. „Ich bin nicht sicher, ob wir das wirklich brauchen – aber gut, dass der Senat daran arbeitet“, sagte er zur Initiative Grahams und Blumenthals.
Während Trump betonte, er hoffe, die Zölle nicht verhängen zu müssen, sehen die beiden Senatoren in seiner Ankündigung bereits einen „exekutiven Hammer“, mit dem Putin zum Einlenken gezwungen werden könne. Doch ist eine solche Erwartung realistisch? Selbst diese vorsichtige Variante birgt erhebliche Risiken – wirtschaftlich, geopolitisch und strategisch. Denn es ist alles andere als ausgemacht, ob Trumps Zölle gegen russische Partnerstaaten überhaupt praktikabel wären – und falls doch, wen sie konkret träfen.
China, Indien und die Türkei sind nicht nur zentrale Akteure im russischen Energiehandel, sondern zugleich wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit den Vereinigten Staaten verflochten. Eine Zolleskalation mit Peking würde die fragile Entspannung im bilateralen Verhältnis empfindlich stören – zumal Washington weiterhin in hohem Maße auf chinesische Lieferketten angewiesen ist.
Neue Strafzölle gegen Indien und China?
Frühere Strafzölle Trumps in ähnlicher Höhe führten bereits zu steigenden Verbraucherpreisen im Inland und mussten später abgeschwächt oder revidiert werden. Auch Indien gilt als geopolitisches Gegengewicht zu China und ist eine tragende Säule der US-Strategie im indo-pazifischen Raum – ein Handelskonflikt könnte dieses strategische Gleichgewicht dauerhaft ins Wanken bringen.
China wiederum hat seine Energieimporte aus Russland seit Anfang 2025 deutlich reduziert. Die Einfuhren von Rohöl sanken um 14,2 Prozent, jene von Kohle um 13 Prozent, von Flüssigerdgas gar um 27,2 Prozent. Peking forciert stattdessen die eigene Energieproduktion – insbesondere durch den massiven Ausbau der Kohleverstromung, deren Kapazität allein 2024 um 48 Gigawatt wuchs.
Parallel steigt die heimische Ölförderung, während der Verbrauch von Benzin durch den rapiden Umstieg auf Elektro- und Hybridfahrzeuge spürbar zurückgeht: 2024 entfielen erstmals 48 Prozent aller Neuwagenverkäufe auf alternative Antriebe. Der dadurch sinkende Bedarf an Raffineriekapazitäten schwächt die Nachfrage nach russischen Produkten zusätzlich.
Zugleich verweigert Peking die von Moskau erbetene Aufhebung der Importzölle auf Kohle. Zwar stiegen die russischen Pipelinegaslieferungen nach China um 31,6 Prozent, doch insgesamt verfolgt Peking eine klare Linie: Energiesouveränität, technologische Autarkie und eine strategische Distanzierung von Russland. Für die russische Exportökonomie ist das ein Signal mit weitreichenden Folgen.
Indien hingegen hat seine Einfuhren russischer Ölprodukte im ersten Quartal 2025 auf ein neues Rekordniveau gesteigert – sowohl mengen- als auch wertmäßig. Die Importe stiegen um zehn Prozent auf zwei Millionen Tonnen, während die Ausgaben um 25 Prozent auf über eine Milliarde US-Dollar kletterten. Gleichzeitig sank der Preisnachlass auf russisches Öl auf den niedrigsten Stand seit 2022. Russland deckt aktuell rund 40 Prozent von Indiens Rohölimporten – vor allem mit den Sorten Urals, Arco und VSTO.
Wer schließt die Öl-Lücke?
Dieser Zuwachs ist auf direkte Lieferbeziehungen zurückzuführen, etwa zwischen Rosneft und dem indischen Energiekonzern Reliance. Ein Teil der Lieferungen wird über Raffinerien in Jamnagar, Vadinar und Mangalore weiterverarbeitet – mit anschließender Reexportierung in westliche Länder. 2024 stieg Indiens Treibstoffexport in die EU um über 70 Prozent. Zugleich wächst der heimische Bedarf: Indien zählt zu den größten Raffineriestandorten weltweit. Entsprechend könnten US-Zölle im Rahmen geplanter Sekundärsanktionen nicht nur den Reexport, sondern auch den Binnenmarkt erheblich unter Druck setzen.
Besonders heikel bleibt das Verhältnis zur Türkei. Ankara ist nicht nur NATO-Mitglied, sondern kontrolliert zentrale Routen im Schwarzen Meer und vermittelt regelmäßig zwischen Kiew und Moskau. Die Türkei in einen Wirtschaftskrieg hineinzuziehen, würde nicht nur das westliche Verteidigungsbündnis strategisch belasten, sondern auch die ohnehin fragile Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten gefährden.
Hinzu kommen grundlegende rechtliche und logistische Fragen. Ein pauschaler Zoll auf sämtliche Importe aus den betroffenen Staaten wäre wirtschaftlich kaum tragbar, ein selektiver Zoll politisch schwer zu legitimieren. Und die technische Implementierung eines differenzierten Zollregimes, das sich ausschließlich auf spezifische Energiegeschäfte bezieht, wäre äußerst komplex – und anfällig für Umgehungsstrategien.
Trump plant, mögliche Strafmaßnahmen auf Grundlage präsidialer Notstandsvollmachten zu erlassen. Eine gesetzliche Grundlage sei seiner Ansicht nach nicht erforderlich. Damit wahrt er sich maximale Flexibilität – entzieht sich aber zugleich der parlamentarischen Kontrolle durch den Kongress.
Doch selbst wenn es gelänge, zentrale Abnehmer russischer Energie durch Drohungen oder Sanktionen zu einem Kurswechsel zu bewegen, wäre der Weltmarkt kaum in der Lage, die entstehende Lücke kurzfristig zu füllen. Zwar haben OPEC+-Staaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate angekündigt, ihre Fördermengen zu erhöhen – bislang jedoch verläuft der Ausbau schleppend. Analysten bezweifeln, dass die angekündigten zwei Millionen Barrel pro Tag zeitnah mobilisierbar sind. Der Ölpreis bleibt trotz geplanter Förderausweitungen stabil über 70 US-Dollar – ein Indikator für die Skepsis der Märkte.
Wann sind die Sanktionsmöglichkeiten ausgeschöpft?
Auch ein potenzieller Rückfallpartner wie der Iran könnte das Defizit nur begrenzt ausgleichen. Zwar exportiert Teheran derzeit rund 1,8 Millionen Barrel pro Tag – ein kurzfristiger Anstieg um 500.000 Barrel gilt als denkbar, würde jedoch bei weitem nicht ausreichen, um die rund fünf Millionen Barrel russischer Exporte zu kompensieren. Hinzu kommt: Viele Investoren scheuen Engagements im Iran – nicht zuletzt wegen der Unberechenbarkeit der US-Politik. Die einseitige Kündigung des Atomabkommens durch Trump im Jahr 2018 wirkt bis heute nach.
Insgesamt sind die Erfolgsaussichten der US-Pläne gering. Schon die bisherigen Maßnahmen des Westens gegen den russischen Energiesektor haben die Grenzen ökonomischer Zwangsinstrumente offenbart. Preisdeckel, Embargos, Schiffsverbote – all diese Hebel entfalteten kurzfristig Wirkung, wurden jedoch rasch durch neue Handelsrouten, Vermittlerstaaten und sogenannte Schattenflotten umgangen. Laut dem russischen Energieexperten Sergej Wakulenko reichte der Effekt der letzten US-Sanktionsrunde kaum über drei Wochen hinaus; danach normalisierten sich die russischen Rohstoffexporte – teils bei nur geringem Preisabschlag.
Zwar erzeugen die Sanktionen operative Reibungsverluste und zwingen Russland zur stärkeren Fokussierung auf einzelne Absatzmärkte. Doch ein struktureller Einbruch des Energieexports blieb bislang aus. Im Gegenteil: Jeder weitere Versuch, die Sanktionsschraube enger zu ziehen, droht zunehmend zur Belastung westlicher Volkswirtschaften zu werden – und unterminiert das Vertrauen in stabile, globale Lieferketten. Mit anderen Worten: Der Westen hat das politisch Durchsetzbare weitgehend ausgeschöpft. Jeder weitere Schritt droht zum ökonomischen Bumerang zu werden.
In Moskau ist man sich dieser Asymmetrie bewusst. Der Kreml reagierte auf Trumps Ultimatum bislang zurückhaltend. Präsidentensprecher Dmitri Peskow sprach von einem „sehr ernsten Signal“ und kündigte an, dass Präsident Putin sich unter Umständen persönlich äußern werde. Zugleich betonte er, dass Waffenlieferungen an die Ukraine nicht als Schritt in Richtung Frieden, sondern als Fortsetzung des Krieges verstanden würden. Russland sei grundsätzlich zu direkten Gesprächen mit Kiew bereit – werde seine militärischen Ziele jedoch notfalls auch weiterhin auf dem Schlachtfeld verfolgen.
Gefährliche westliche Selbsttäuschung
Zwar bemühten sich regierungsnahe Propagandisten, der amerikanischen Öffentlichkeit Entschlossenheit zu signalisieren – doch hinter den Kulissen überwog offenbar Erleichterung. Die Drohkulisse, so der Tenor russischer Kommentatoren, sei „halb so wild“. Trumps Rede wurde als kalkulierte Machtdemonstration gewertet, nicht aber als Wendepunkt.
Die Komsomolskaja Prawda, eine Zeitung, die Putin nach eigener Aussage regelmäßig liest, sprach von einer „kritischen, aber nicht feindseligen“ Rhetorik – und erkannte darin Raum für Gespräche. Auch die angekündigte Lieferung weiterer Patriot-Systeme an die Ukraine wurde als begrenzt bedrohlich eingestuft. Der 50-Tage-Aufschub der Strafzölle sorgte an der Moskauer Börse sogar für Kursgewinne. Der Kreml ließ verlauten, man werde Trumps Ankündigungen sorgfältig analysieren – von unmittelbarer Gefahr war keine Rede.
Putins enger Vertrauter Dmitri Medwedew sprach von einem „theatralischen Ultimatum“, dem Russland keine Beachtung schenken müsse. Außenminister Sergej Lawrow ließ sich in Peking demonstrativ den Rückhalt von Staatschef Xi Jinping zusichern, während dessen Regierung Trumps extraterritoriale Sanktionen scharf kritisierte.
Noch bedeutender jedoch ist, dass Washingtons Kalkül auf einer Fehleinschätzung beruht. Ein Einlenken Putins erscheint aus heutiger Sicht äußerst unwahrscheinlich. Der Kreml setzt auf eine schleichende Entzweiung der westlichen Allianz, auf die ökonomische Verwundbarkeit des Westens – und auf die Tatsache, dass Putin innenpolitisch keinerlei Rückzugsspielraum hat. Zudem liegt die militärische Initiative aktuell bei Russland. Im Donbass schreiten die Offensiven voran, während sich in der ukrainischen Verteidigung neue Schwächen zeigen.
Russlands Haltung folgt einer klaren Logik: Der Krieg dient dem Machterhalt – als Instrument politischer Kontrolle, gesellschaftlicher Mobilisierung und staatlicher Selbstbehauptung. Ein Waffenstillstand ohne strategische Gewinne käme einem Risiko gleich, das der Kreml nicht eingehen kann.
Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einer russischen Eskalation – sondern in der westlichen Selbsttäuschung. Trumps Strategie setzt weniger Moskau unter Druck, als dass sie Spannungen mit strategischen Partnern verschärft. Und damit droht sie ausgerechnet das zu unterminieren, was sie schützen soll: die Handlungsfähigkeit des Westens und seine abschreckende Glaubwürdigkeit gegenüber Russland. Was als Druckmittel gedacht war, könnte sich als strategische Selbstsabotage erweisen.
Dr. Christian Osthold ist Historiker mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte Russlands. Seine Monographie über den russisch-tschetschenischen Konflikt ist in der Cambridge University Press rezensiert worden. Seit 2015 ist Osthold vielfach in den Medien aufgetreten.
„Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Norwegen hätten zugesagt, mehrere Systeme zu beschaffen.“ Geht klar. Dafür senken wir dann eben einfach die Ausgaben für Soziales. Man muss eben die richtigen Prioritäten setzen. Aufrüstung, und dann das Klima schützen, indem man in Gambia für 500.000 Euro Wrestling-Arenen baut. Immerhin: der neue Außenminister benötigt keinen Stylisten und keine Visagistin, die ihn rund um den Globus begleitet, das spart ein paar Euro. Ich habe jetzt übrigens endlich den Zusammenhang von Wrestling-Arenen und Klimaschutz begriffen: das Land wird dadurch so attraktiv für die Einheimischen, dass sie sich nicht mehr auf den Weg nach Europa machen werden. Das spart jede Menge CO2, und man muss auch nicht mehr im Görlitzer Park frieren, während man versucht, die Schulden beim Schlepper zurückzuzahlen. Eine win-win-Situation für alle. (/Sarkasmus)
Für Deutschland sind die Sanktionen längst zum Bumerang geworden.Ein abschreckendes Beispiel für andere.
Trumps Wahl zum Präsidenten ist voller Risiken .Und die droht nicht nur zum ökonomischen Boomerang zu werden …