Gut hundert Tage nach Trumps Amtsantritt kann Putin sich seine hegemonialen Träume über die ganze Ukraine nun endgültig abschminken.
Im Weißen Haus haben sie sich öffentlichkeitswirksam gezofft, im Vatikan saßen sie sich wie intime Freunde gegenüber, die einen Coup aushecken. Und das haben sie auch. Das Rohstoff-Abkommen zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj ist ein ganz wichtiger Durchbruch in Richtung Frieden. Weitaus bedeutender als die vielen skeptischen Kommentare vermuten lassen.
Trump hat zwar nicht am ersten Amtstag den Frieden zwischen Russland und der Ukraine hergestellt, wie er typisch vollmundig angekündigt hat. Und es wird weiter geschossen und bombardiert. Aber gut hundert Tage nach Trumps Amtsantritt kann Wladimir Putin sich seine hegemonialen Träume über die ganze Ukraine nun endgültig abschminken. Die USA haben sich in die Ukraine eingekauft. Und für den Kaufmann Trump, der sich kaum an politische Regeln hält, ist so ein Handelsabkommen werthaltiger als jeder Friedensvertrag. Und damit zunächst einmal auch für die Ukraine.
Mit dem Abkommen, das Amerika einen dringend benötigten Zugriff auf die vielen Bodenschätze der Ukraine bietet, hat sich Washington auf Heller und Pfennig an das staatliche Überleben dieses Landes gebunden. Putin, der sich seit über drei Jahren an Selenskyj die Zähne ausbeißt, hat es nun nicht mehr nur indirekt, sondern ziemlich direkt mit den USA zu tun. Dass Washington auch wieder Waffen an die Ukraine liefern will, unterstreicht die amerikanische Haltung: Das Land, in dem Amerika schürfen will, (drill baby drill) wird endgültig zur No-Go-Area für Russland.
Jedenfalls der größte Teil. Wieviel Selenskyj am Ende für ein Friedensabkommen an die Russen abtreten muss, wird sich zeigen. Die Krim, obwohl völkerrechtlich ein klarer Fall, ist für ihn wohl verloren. Was sonst noch an den Rändern passiert, wird noch in einem harten und zunächst wohl auch blutigen Kampf entschieden. Immerhin: Auch dort, wo die Russen schon Gelände erobert haben, liegen für Amerika spannende Schätze im Boden. Schauen wir also mal.
Amerikaner statt Russen?
Nach dem nicht nur von Trump geschätzten Grundsatz money talks, kann die Ukraine nun größtenteils als gerettet gelten. In solchen Konflikten ist Amerika immer noch das Maß aller Dinge. Natürlich soll Europa darüber nicht vergessen werden. Man hält der Ukraine tapfer die Treue, liefert Waffen und verspricht in fernerer Zukunft die Aufnahme in die Europäische Union. Aber man fühlte sich hundert Tage lang allein zu Hause. Und in Sachen Frieden hat Europa kaum etwas geboten.
Wenn hoffentlich demnächst im amerikanischen Auftrag die Schürf- und Bohrbrigaden in der Ukraine anrollen, wird es ernst. Um es noch einmal zu sagen: Money talks. Die Amerikaner sind dann drin in der Ukraine. Lieber die als die Russen, werden sich die Leute in Kiew und Umgebung sagen.
Es mag ja sein, dass Trump und Putin zweitbeste Freunde sind. Aber die beste Hoffnung des Kreml-Chefs ist nun, dass der ungeduldige Trump die russische Wirtschaft nicht noch tiefer in den Ruin treibt, falls Putin weiter stur bleibt. Und dass er ihm nach einem Friedensabkommen hilft, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen.
Mit anderen Worten: Die Zänkerei im Weißen Haus mag eine tolle Show fürs Fernsehen gewesen sein, wie Trump ja damals konstatierte. Das intime Friedensgespräch der beiden ehemaligen Kontrahenten vor der historischen päpstlichen Kulisse hingegen war eine Szene für die Geschichtsbücher.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.

Gewohnt schwacher Artikel von Bonnhorst. Scheint den „Vertrag“ nicht gelesen zu haben – eine reine Absichtserklärung, mit der das Showtalent Trump etwas für’s Publikum vorweisen kann und der Vogel in der olivfarbenen Fantasieuniform sich aufgewertet fühlt. Wer sich selbst schlau macht, findet man schnell heraus, dass es in der Ukraine (vor allem nicht im von Kiew beherrschten Teil) keine nennenswerten nachgewiesenen Vorkommen rarer Rohstoffe gibt, auf welche die Amis scharf sein könnten, weil es sie woanders nicht gibt. Wäre das so, hätte Washington ja schon vor 10 Jahren diesen angeblichen Coup landen und sich mit einem solchen Deal und dem Einrücken von US-Förderfirmen die ganze Hochrüstung der Ukraine sparen können. Umgekehrt hätte die Ukraine den Amis genau das schon damals anbieten können, um sich gegen einen früher oder später zu erwartenden Einmarsch der Russen immunisieren zu können. Schätze, die Amis haben gemerkt, dass erst einmal Selenski als Haupthindernis für eine Beendigung des Kriegs ersetzt werden muss.
@Gerard Döring … Nazi oder nicht. … Das wird schwierig, weil nach der Definition unserer Inlands-Schlapphüte über 80% des Planeten schon als gesichert rechtsextrem gelten….
@ Lutz Herrmann – Putin hat oft gebug „gemault“. Ist nur hier nicht gesendet worden. War wohl wieder mal nur „regional wichtig“. Weglassen ist eben immer noch die eleganteste Form der Lüge.
#„Gerard Döring“, falls es einen Menschen dieses Namens geben sollte: Ja, es gibt Bodenschätze in Afghanistan, seit unserem Rückzug von den Chinks ausgebeutet. Die pfeifen auf Menschenrechte und kaufen die Musels einfach.
Das Volk auf der Krim hat sich seit 1990 mehrfach mit großer Mehrheit gegen einen Verbleib in der Ukraine ausgesprochen. Das Recht, sich gegen die Ukraine zu entscheiden, verwehrt Herr Bonhorst diesem Volk und nennt das dann Völkerrecht. Völkerrecht ist natürlich, wenn ein kommunistischer Führer aus Lust und Laune mal so einfach ein wichtiges Stück eines Landes verwaltungsmäßig an ein anderes angliedert, d.h. per Willkürakt. Und wer diesen Willkürakt korrigiert, bricht natürlich das Völkerrecht, entsprechend Herrn Bonhorst, oder hat er hier nur eine der Platitüden der Hauptstrommedien versehentlich nachgeplappert. Kann ja jedem ‚mal passieren.
Nachdem sein Vorgänger zuletzt etwas besonnener schrieb, gilt hier nun offenbar: Bonhorst heißt der neue Osthof. Statt seine schwülen Träume genießen zu müssen, wäre es angemessener, gestern dem elften Jahrestag des Massakers von Odessa gedacht zu haben, bei dem 48 den Maidan-Putschisten mißliebige Bürger im dortigen Gewerkschaftshaus verbrannten. Und ja, ja, leider, leider konnten „die Einzelheiten nie geklärt“ werdemn und folglich wurde niemand angeklagt. Die Hauptorganisatoren waren schließlich der damalige Kiewer Interimspräsident Turtschinow, Ministerpräsident Jazenjuk und Verteidigungsminister Parubij. Und aus den Ausführenden rekrutierten sich dann später jene Asow-Nazis, welche die Bevölkerung in nicht segregierten Teilen des Donbaß wie in Mariúpol jahrelang drangsalierten. Jazenjuk sagte schon im März 2014 über prorussische Separatisten: „Wir werden sie alle finden – auch wenn es ein oder zwei Jahre dauert – und sie zur Rechenschaft ziehen und vor ukrainischen und internationalen Gerichten anklagen. Der Boden wird unter ihren Füßen brennen.“ In der nationalistischen Westukraine werden übrigens gerade in Lwiw die Gebeine sowjetischer Soldaten aus Kriegsgräber exhumiert, diese also geschändet. Aktuell dürfen in der Restukraine auslaufend nur noch einige hundert Kinder in der Schule Russisch lernen. In Charkow waren vor dem Krieg 85-90% der Ukrainer russischsprachig. Auch in einer nach dem Ausgebombtwerden von dort geflüchteten Familie, der ich übrigens seitdem vielfach mitgeholfen habe, wird hierzulande ausschließlich Russisch gesprochen. Die Kinder mucken und beschweren sich jetzt in Deutschland ständig darüber, im Fernunterricht jene ukrainische Dialektsprache lernen zu müssen, die sich zum Russischen verhält wie Niederländisch zum Deutschen. Aber all das ficht ja die einzig hier vorgelassenen Ukraine-„Experten“ nicht an, und schon gar nicht jene Wiederholungsschreiber mit ihrem Wahn vom Putler und der Slawerey.
@Peter Holschke : >>In einem halben Jahr, spricht kein Mensch mehr darüber und dann sitzen die Russen vielleicht schon in Odessa, wenn nicht gar in Kiew.<<
Das sehe ich nicht. Ich sehe die Krim als Hauptgrund. Die Übergabe der Krim an die Verwaltung der Ukrainischen Sowjetrepublik in den 50-ern war eine technische Entscheidung ohne völkerrechtlichen Belang, weil es OHNE Referendung war, eine autokratsiche Entscheidung eines Sowjetführers, den der Westen im Ganzen gar nicht anerkennt. Der Fehler Jelzins war es, diese Entscheidung nicht im Moment der Loslösung der Ukraine rückgängig zu machen. Aber das war nicht der einzige Fehler Jelzins. Der hatte vordergründig mehr mit sich selbst zu tun. Wenn der Westen, nachdem er KEINEN der Sowjetchefs seit 1945 anerkannt hat, daraus einen völkerrechtlichen Anspruch gemacht hat, war DAS die Ursache für Instabilität und Krieg. Man muss sich auch mit der sowjetrussischen Sicht auf die „Raubfrieden von Brest-Litowsk“ von 1918 befassen. Auch dort wird eine Konstruktion, die wenige Tage unter deutsch-österreichischer Besatzung bestand und von den Besatzern SELBST nicht anerkannt wurde, zum Völkerrechts-Subjekt gemacht. Wer so vorgeht, soll sich dann nicht wundern! Selbst das Referendung über die Zugehörigkeit der Krim zu Russland in den 2010-er Jahren, das EINDEUTIG ausging, gilt nicht, wird entwertet durch die Behauptung, es wäre „erzwungen“ worden. Nein, wenn es Zwang gab, dann lange vorher! Dann hat man die Krim ausgehungert und ausgetrocknet!!! Putin hat in Windeseile eine Brücke bauen lassen und deutsche Generalstäbler haben nichts besseres zu tun, als darüber zu palavern, wie sie diese Brücke zerstören wollen. MIT WELCHEM RECHT!! Jetzt gibt es die Landverbindung südlich des Dnepr. Das war das unvermeidliche Kriegsziel der Russen und die Front hat kaum noch Bewegung. WARUM WOHL? Trotzdem muss sie durch KAMPF gehalten werden, wenn eine Seite die Lage nicht anerkennen will!