Gunter Weißgerber / 21.01.2017 / 17:30 / 4 / Seite ausdrucken

Trump hat ein Problem – und die Verschwörungstheoretiker auch

Donald Trump hielt eine patriotische Rede, wie sie im US-amerikanischen und britischen Raum nicht aus dem Rahmen fiel. Allerdings kündigte er kommende Erfolge an, die üblicherweise nur Göttern vorbehalten sind.
 Allein der Spruch, die Macht an das Volk zurückzugeben, wird ihm in zwei Jahren schwer auf die Füsse fallen. Römische Cäsaren salbten so, weil Sie im Wahne mümmelten, das Volk zu sein und folglich das Volkswohl zu personifizieren. Nichts da.

Sehr oft wurden sie vor ihrem persönlichem Mindesthaltbarkeitsdatum zu Göttern, sie wurden schlicht umgebracht. Dieses körperliche Schicksal wird Trump hoffentlich nicht ereilen, die Mehrheiten im Kongress werden sich jedoch sicher gegen ihn wenden.
 Dennoch bleibt seine Schuld, den Leuten was versprochen zu haben, was technisch nicht möglich ist. Es wird aber von seinen Jüngern enttäuscht eingefordert werden.

Trump besitzt zunächst mal nicht das Lebensgefühl der meisten Amerikaner, die ihn wählten. Außer dem Schimpfen auf die Liga, in der er selbst auch spielt, gibt es da wenig Übereinstimmung. Selbstherrlich wie er auftritt, wird er wohl jede Kritik und jede Forderung, die ihm nicht einleuchtet, wegwischen - gepaart mit einer Schnoddrigkeit, die an Beleidigung grenzt. Weil er allein weiß, was paßt und richtig ist... Donald 
Trump kann ohne die regelmäßig zu wählenden Volksvertreter nicht regieren. Das wollten die Gründer seines Staates so: Weil sie aus dem feudalen, selbstherrlichen Europa stammten und vor dem Autokratismus geflüchtet waren. Seine Amerikaner sind zu frei für einen Autokraten.

Wir dürfen gespannt sein

Was wird mit seinen Deals? Deal meint Geschäfte zum gegenseitigen Vorteil. Falls er das so meint, wird er viele neue Verträge nicht hinbekommen. Warum sollen die bisherigen Vertragspartner etwas zu ihrem Nachteil ändern? Die könnten das, würden sie dem nachgeben, ihrerseits vor ihren Wählern nicht vertreten. Trump wird lernen müssen, dass andere Regierungen die Interessen ihrer Länder so vertreten, wie er die Interessen seines Landes vertritt.

Einzig die Verschwörungstheoretiker allerorten müßten jetzt ein logisches Problem bekommen: Wie steht es denn nun mit Amerikas vermeintlicher Herrschaft über die Welt, wenn der neue Präsident sich beklagt, dass die USA von der Welt ausgenutzt wurden und werden? Dass die EU (allen voran Germany) contra die USA geschaffen wurde  – und nicht etwa ein Instrument der USA-Rothschild-Undsoweiter-Wirtschaft zur Beherrschung der Dorfdeutschen ist?

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Ralf Schmode / 21.01.2017

“Trump wird lernen müssen, dass andere Regierungen die Interessen ihrer Länder so vertreten, wie er die Interessen seines Landes vertritt.” Sehr geehrter Herr Weißgerber, die Bemerkung war unnötig. Trump hat in seiner Rede zur Amtseinführung genau das zur künftigen Grundlage der auswärtigen Beziehungen der USA erklärt: “We will seek friendship and goodwill with the nations of the world—but we do so with the understanding that it is the right of all nations to put their own interests first” Da steht “all nations”, nicht “USA only”. Wir sollten damit aufhören, den neuen Präsidenten über seine Amtsführung belehren zu wollen. Schon gar nicht mit Dingen, mit denen offene Türen eingerannt werden.

Rainer Wichert / 21.01.2017

‘Warum sollen die bisherigen Vertragspartner etwas zu ihrem Nachteil ändern? Die könnten das, würden sie dem nachgeben, ihrerseits vor ihren Wählern nicht vertreten.’ Herr Weißgerber, das linke Spektrum beklagt vornehmlich, daß Deutschland die anderen Europäer benachteiligt. Das rechte Spektrum beklagt die Benachteiligung der deutschen Sparer. Das wird ja von allen Seiten seit vielen Jahren ‘vertreten’. Was muß China vor seinen Wählern vertreten? Mal sehen, was die Europäer und andere demnächst an Neuem im Zusammenhang mit den USA ‘vertreten’ werden.

Lutz Muelbredt / 21.01.2017

“Allerdings kündigte er kommende Erfolge an, die üblicherweise nur Göttern vorbehalten sind”. Gegenfrage. Was ist jemand, der weder aus dem All noch auf Erden irgendeine ernsthafte Bedrohung für sich und sein Land befürchten muß? Die reale Bedrohung für sein Land ist die weitere Aushöhlung der Demokratie und das hat er offensichtlich erkannt und deutlich ausgesprochen. Der Feind steht sozusagen im Innern. Den Leuten in den Elfenbeintürmen geht es blendend und Obama hatte nach Trumps Worten immer eine Menge Spaß im Weißen Haus. Doch dieser Spaß blieb den Leuten im Land mehr und mehr im Halse stecken. Kurzum, der Friedensnobelpreisträger Obama hat die Welt nicht friedlicher gemacht. Das Großmaul Trump macht sie vielleicht wieder gerechter u n d friedlicher. Globalisierung vergißt das Lokale, ein Umdenken wird stattfinden.

Bernhard Freiling / 21.01.2017

Nicht zu übersehen, daß sich Trump ein wenig wie die Cäsaren geriert. Das weiß m.E. das Volk, das ihm jetzt zujubelt, aber auch richtig einzusortieren. “Die Macht dem Volke zurück zu geben”  scheint mir nur die Geste, die er bedient, weil sie von ihm erwartet wird. Gemessen wird er daran, ob es ihm tatsächlich gelingt, mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen.  An seinem Vermögen, für die USA günstige Verträge abzuschliessen, hege ich nicht den geringsten Zweifel. Der Mann weiß, wie Großobjekte bearbeitet werden müssen. Der hat sein Leben lang nix Anderes getan. Und da Amerikas Handelsbilanz arg defizitär ist, sitzt er beim Abschluß günstiger Verträge gewiß am längeren Hebel. Vergleichen sie nur mal die Anzahl der von Amerika exportierten mit der von Amerika importierten Fahrzeuge. Und das ist bei Weitem noch nicht Alles. Amerika sitzt auf exportierfähigen Ölvorräten, nach denen sich die ganze Welt die Finger lecken wird, sollte Trump tatsächlich den Kampf gegen die islamistische Welt, und zu der gehören die größten heutigen Ölexporteure, wahr machen. Sich gegenüber “diesem Simpel” auf’s hohe Roß zu setzen, so wie das gerade eben auch wieder Merkel getan hat, dürfte eine Taktik sein, die völlig daneben geht. Viele Wahrnehmungsstörungen beginnen mit der Überschätzung der eigenen Möglichkeiten. Merkel schafft die “Flüchtlingskrise” nicht und noch viel weniger wird sie “Trump schaffen”. Amerika schnupft Europa zum Frühstück, wenn die von ihrer eigenen Herrlichkeit berauschten europäischen Politiker nicht endlich zur Besinnung kommen.

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