Künstliche Intelligenz urteilt nicht nach Gesinnung oder Sympathie, sondern nach Alfred Nobels Testament. Und das spricht nicht gegen Donald Trump.
Republikanische US-Präsidenten werden von der europäischen Presse fast schon traditionell mit karikaturhaften Stereotypen gezeichnet. „Tricky Dick“ Richard Nixon (1969–1974) war der hinterhältige Intrigant, schon lange vor Watergate. Gerald Ford (1974–1977) wurde als tölpelhaft und ungeschickt verspottet und in der „Saturday Night Live“-Parodie von Chevy Chase stolperte er stets durch die Szene und fiel schließlich hin. Ronald Reagan (1981–1989) galt als dümmlicher B-Schauspieler mit Cowboy-Mentalität, George H. Bush (1989–1993) war der ungekrönte König der sprachlichen Patzer (Bushismus), sein Sohn George W. Bush (2001–2009) galt als zu dumm, um Bücher zu lesen, und jetzt also Donald Trump, the Orange Man, der fleischgewordene Dämon, der alle negativen Narrative in sich vereint.
Doch spielt das für die Vergabung des Nobelpreises überhaupt eine Rolle? Aber sicher, werden die meisten europäischen Medien im Chor trompeten, denn mittlerweile wird auch bei Film-, Musik und Literaturwettbewerben die Gesinnung höher gewertet als die zu bewertende Leistung.
Für eine KI zählen hingegen weder Gesinnung noch Meinungen, sondern die Kriterien des Preisstifters Alfred Nobel (1833–1896). Er hat testamentarisch festgehalten: Die Auszeichnung wird an Personen oder Organisationen verliehen, die „am meisten oder am besten zur Verbrüderung der Völker, zur Abschaffung oder Reduzierung stehender Heere oder zur Förderung von Friedenskongressen gewirkt haben.“
Für die europäische Presse gibt es keine Grautöne
Nicht Charakter oder Moral sind ausschlaggebend, sondern ausschließlich konkrete Handlungen für den Frieden. Auch bloße Bemühungen sind für den Preis ausreichend.
- Henry Kissinger (1973) bekam den Preis, obwohl er als Mitarchitekt des Vietnamkriegs sehr umstritten war. Der Grund war seine Rolle beim Pariser Friedensabkommen.
- Terroristenchef Jassir Arafat, Jitzhak Rabin, Schimon Peres (1994) erhielten den Preis für das Oslo-Abkommen, obwohl der Nahostkonflikt nicht gelöst wurde.
- Barack Obama (2009) bekam den Preis am Beginn seiner Amtszeit, obwohl er noch gar nichts geleistet hatte.
Trump hingegen nimmt für sich in Anspruch sechs Konflikte/Kriege beendet zu haben, Israel/Iran, Kongo/Ruanda, Kambodscha/Thailand, Indien/Pakistan, Armenien/Aserbaidschan und Ägypten/Äthiopien. In Europa sehen das nicht alle so. Während Indien Trumps Verdienste bestreiten, schlägt Pakistan Trump für den Nobelpreis vor.
Für die europäische Presse gibt es in dieser Sache keine Grautöne. Diese Haltung erinnert an die Unreife von Teenagern, die stets 100 Matchingpunkte erwarten, um jemanden zu mögen. Doch weder die Menschen noch die Welt sind schwarz oder weiß. Persönlichkeiten wie Edward Hopper, Charly Chaplin oder Hergé haben Großartiges geleistet, waren aber privat alles andere als großartig. Egal was man über Donald Trump denkt, er hat sich bemüht, dass enorme Leid in den Konfliktgebieten dauerhaft oder vorübergehend zu beenden. Er hat mehr aufgegleist als die gesamte europäische Elite, die erst aufwacht, wenn sie befürchtet, übergangen zu werden. Somit erfüllt Donald Trump allemal die Kriterien des Nobelpreis-Komitees. Obama hat den Friedensnobelpreis für weniger erhalten.
Claude Cueni ist Schriftsteller in Basel. Zuletzt von ihm erschienen: Small Worlds. 70 Dioramen. Edition Künigsstuhl. 164 S., Fr. 39,90.
Er hätte ihn bereits für die Abraham Accords verdient, welche in der Europäischen Presse seinerzeit so gut wie rot geschwiegen wurden. Ich denke, heute will er ihn nicht mehr. Als nächsten Schritt zum Frieden, sollte er zunächst mal dem Guterres den UN-Stecker ziehen.
„Obama hat den Friedensnobelpreis für weniger erhalten.“
Nicht nur „für weniger“, sondern für das Anzetteln von Kriegen und das Schüren von bereits existierenden Konflikten! Der Preis hätte diesem Nobel-Prize-decorated-Peace-Nigga (NPDPN) wieder aberkannt werden müssen. Seine, zusammen mit der Clinton begangenen Kriegsverbrechen waren das Eingreifen in Libyen, Syrien und in der Ukraine, wo die USA den Sturz Yanukovitchs befeuert haben, und damit einen bis heute dauernden Krieg initiiert haben.
Nach vorangegangenen Preisträgern stellt die Verleihung mittlerweile eher eine Abwertung dar, Ruhm und Ehre werden mit dem FN-Preis nicht mehr verbunden. Eher Show. Das scheint Trump anzusprechen. Frieden schaffen ist auch kein Business, sondern eine Passion. Obwohl Frieden auch gut für den Handel ist. Trump zerreißt zunehmend den Schleier der vorgegaukelten Realitäten, unter den die Welt genötigt wurde. Diese Leistung ist dermaßen gigantisch, da kommt der Nobel-Preis ohnehin nicht heran.
Sehr geehrter Herr Luhmann. Ihr „Nobelpreisträger ‚können mich mal’!„ erinnert mich an mein Lieblingszitat von Albert Einstein: “Die sollten sich schämen, welche täglich die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik nutzen, und davon soviel verstehen, wie die Kuh von der Botanik der Blume, welche sie gerade genussvoll verspeist.„
Zitat:„ Ronald Reagan (1981–1989) galt als dümmlicher B-Schauspieler mit Cowboy-Mentalität,…“ Wenn man weiß, was da damals gelaufen ist, hätte Ronald Reagan den Friedensnobelpreis genauso verdient wie heute Trump. Dass der Mauerfall damals ohne einen einzigen Schuss über die Bühne gegangen ist, haben wir Reagan zu verdanken. Reagan war eben nicht dumm, er hat die Hardliner seines ihm damals unterstellten Apparates nur einfach immer wieder aus sehr gutem Grund ignoriert, was diese als Dummheit fehlinterpretiert hatten. Hätte er das nicht getan, die ganze Sache hätte in Weltkrieg Nr III enden können und nicht in der Wiedervereinigung. Dies hat im Nachgang zwar leider seinen Tribut gefordert, aber das lag nicht an Reagan, sondern daran, dass er nicht mehr Präsident war. Trump ist in vergleichbarer Lage. Man muss nur die aktuellen News von heute gegenchecken und kommt vielleicht drauf. Eisenhower hat sich auch mal dazu warnend geäußert. Und Trump hat bereits in seiner ersten Amtszeit mit den Abraham Abkommen genau den selben Weg wie Reagan eingeschlagen und allein dafür bereits den Friedensnobelpreis verdient. Wenn ein Apparat so mächtig wird, dass er ein Eigenleben entwickelt, braucht es ungewöhnliche Methoden, um das wieder in den Griff zu bekommen. Aber das versteht nicht jeder. Bei Reagan damals nicht und bei Trump heute auch nicht.
Vorausgesetzt Trump hätte tatsächlich einen Preis als Friedensstifter verdient, sollte er nicht diesen Preis annehmen. Der ist wegen der genannten vorherigen Verleihungen inzwischen toxisch.
Könnte mir vorstellen, Herr Trump würde im Falle einer Preisverleihung mit ähnlicher Chuzpe wie Bob Zimmermann verfahren. Es sei denn, Herr Steinmeier – als ausgewiesener Fachmann – würde die Laudatio etwa so vortragen: „ Es ist eine Freude, diese Auszeichnung an einen beispiellosen Politiker mit seinem außergewöhnlichen politischen Lebensweg, auf dem Sie die Erfahrung der Diktatur so überzeugend einsetzten für die Stärkung der Demokratie, zu verleihen.“ Halt, nein, jetzt hab ich was verwechselt. Gilt nur für das Großkreuz in besonderer Ausführung der BeRDE.