Dirk Maxeiner / 13.01.2017 / 17:00 / Foto: Jan Tik / 0 / Seite ausdrucken

Trump-Gegner: Fürchtet eure Wut

Alle hecheln in Sachen Donald Trump dem neusten Skandal oder Skandälchen nach, weiden sich an den absurdesten Spekulationen über Sex von Moskau bis Alpha Centauri. Da ist es doch ganz schön, mal etwas Analytisches zu lesen, das sich damit beschäftigt, was da in Washington gerade im Gange ist. Das Stück, das ich hiermit zur Lektüre empfehlen möchte (man muss es sich ja nicht zu eigen machen), stammt von Glenn Greenwald.

Der erlangte weltweit Bekanntheit , als er die von Edward Snowden im Jahr 2013 übermittelten Dokumente zum  NSA-Überwachungsprogramm PRISM aufbereitete und Anfang Juni 2013 in der britischen Tageszeitung "The Guardian" zusammen mit einem Interview Snowdens veröffentlichte. Greenwald ist Gründungsmitglied der Freedom of the Press Foundation. Seit Februar 2014 ist er als Hauptautor der publizistischen Website The Intercept tätig.

Und dort ist auch seine Analyse mit der Überschrift „The Deep State Goes to War With President-Elect, Using Unverified Claims, as Democrats Cheer“ zu lesen. Frei übersetzt: "Der Schattenstaat eröffnet dern Krieg gegen einen gewählten Präsidenten – und die Demokraten jubeln“. Greenwald ist ein erklärter politischer Gegner von Donald Trump. Die gegenwärtige Kampagne von Demokraten, Angehörigen des Washingtoner Establishments und vielen Medien, Trump zu beschädigen – bevor er überhaupt sein Amt angetreten hat – hält er allerdings für höchst gefährlich.

Greenwald sieht den "militärisch-industriellen Komplex" des Landes am Werk, der es letztendlich darauf anlege, einen gewählten Präsidenten zu stürzen, weil dieser seine Pfründe gefährde. Dies sei kein Novum in der amerikanischen Geschichte. Schon Dwight Eisenhower habe in seiner Abschiedsrede auf diese Problematik hingewiesen: “In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist.”

Nicht demokratisch gewählte Kräfte, so die Ansicht Greenwalds, hätten einen offenen Krieg gegen Trump angezettelt.

"This is the faction that is now engaged in open warfare against the duly elected and already widely disliked president-elect, Donald Trump. They are using classic Cold War dirty tactics and the defining ingredients of what has until recently been denounced as 'Fake News.'"

Die amerikanischen Demokraten, noch paralysiert von der Niederlage und der Implosion ihrer Partei, verabschiedeten sich immer mehr von einer rationalen Auseinandersetzung und griffen zu jeder noch so zweifelhaften Taktik wie ein Ertrinkender nach dem Strohhalm:

"And Democrats, still reeling from their unexpected and traumatic election loss, as well as a systemic collapse of their party, seemingly divorced further and further from reason with each passing day, are willing — eager — to embrace any claim, cheer any tactic, align with any villain, regardless of how unsupported, tawdry, and damaging those behaviors might be."

Sie nutzten dabei die amerikanischen Medien als wichtigsten Verbündeten, welche die Wahl Trumps ebenfalls als Niederlage empfinden. Derzeit sei jeder Kronzeuge recht, um diese Schmach zu beseitigen – zweifelhafte Geheimdienstkreise inklusive. Das sei, so Greenwald, eine  moralische Bankrott-Erklärung und werde nach hinten losgehen:

"Empowering the very entities that have produced the most shameful atrocities and systemic deceit over the last six decades is desperation of the worst kind. Demanding that evidence-free, anonymous assertions be instantly venerated as Truth – despite emanating from the very precincts designed to propagandize and lie – is an assault on journalism, democracy, and basic human rationality. And casually branding domestic adversaries who refuse to go along as traitors and disloyal foreign operatives is morally bankrupt and certain to backfire on those doing it."

Der – wie gesagt erklärte Trump-Gegner – warnt:  Wenn diese Kampagne zusammenbreche, werde Trump noch stärker sein als vorher. Es komme daher darauf an, ihn mit Argumenten politisch zu bekämpfen und zu stellen – und nicht mit einer durchsichtigen Dreckschleuder-Kampagne aus dunklen Kanälen. Nach dem Motto "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht", werde es für Trump künftig leicht sein – auch substanziellere Vorwürfe – als falsch abzutun. Greenwalds Fazit:

„There are solutions to Trump. They involve reasoned strategizing and patient focus on issues people actually care about. Whatever those solutions are, venerating the intelligence community, begging for its intervention, and equating its dark and dirty assertions as Truth are most certainly not among them. Doing that cannot possibly achieve any good and is already doing much harm“.

Die Verhältnisse in Deutschland sind anders als in USA. Dennoch gibt es in einigen Aspekten Parallelen. Zum Beispiel, dass Kampagnen gegen jene, die sich nicht dem gegenwärtigen Regierungslager verpflichtet fühlen, immer wütender und und auch irrationaler werden. Das riecht bereits jetzt nach großer Angst jener, die Privilegien zu verlieren haben.

Hier noch ein Fox-News-Interview mit Greenwald.

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