Sissy Hewson / 04.01.2014 / 12:35 / 5 / Seite ausdrucken

Trippel, trippel, au, au, au!

Warum lassen sich das Frauen gefallen? Oder, noch genauer, warum gefällt es Frauen, sich für ein Schönheitsideal zu verstümmeln? Hier soll gar nicht die Rede sein von schmerzhaften Schönheits-OPs oder Tatoos, Piercings oder Implants, für die ja auch Männern Schmerzen auf sich nehmen.

Nein, es geht um die „harmlose“ Form der Selbstunterdrückung, die Mode. Und auch da soll nicht von bodenlangen Mänteln, heißen Kopfvermummungen oder Ganzkörperverschleierungen die Rede sein. Sondern von Stelzen, die sich Frauen seit einigen Jahren an die Füße schnallen, um kurze Röcke noch kürzer und Beine länger erscheinen zu lassen. Seit kurzem prangen auch nicht nur Stilettos an dürrem Gehwerkezug, sondern auch Keilabsätze, die man früher als „Klumpfußschuhe für Kleingewachsene“ verkauft hätte.

Und so wackeln, stolpern, wanken und trippeln diese Mädels erbärmlich daher, als ob sie eine misslungene Hüftoperation hinter sich hätten. Oder – wirklich schon selbst beobachtet – gestützt von Mutter und Freund, um das unebene Pflaster irgendwie zu überwinden. Es ist lächerlich. Und es ist nicht wirklich neu. Ob geschnürte Taillen, gepresste Brüste, turmhohe Perücken, die gerne Feuer fingen, oder zusammengeschnürte Füße, die Gehen unmöglich machten, ob tellergroße Unterlippenimplantate oder Ritzungen, Ohrlappenvergrößerungen oder Spitzzahnfeilungen, den Menschen fällt immer und überall schmerzhafter Blödsinn ein.

Aber warum lassen sich das heute, in einer Zeit, wo Frauen immerhin das Wahlrecht haben und langsam für vernunftbegabte Wesen gehandelt werden, die sich sogar hie und da in Führungspositionen bewähren, immer noch derartig behindernden Schwachsinn einreden? Abgesehen von der Männerperspektive, die solchem Gewackel gerne beinmessend hinterherblickt, verheddern sich Stilettos & Co nicht nur im Gaspedal und ruinieren Böden, sie ruinieren auch die Wirbelsäule, von Knöchelbrüchen und Sehnenzerrungen gar nicht zu reden. Mit anderen Worten: Sie sind eine Behinderung oder verursachen Behinderungen. Und das lassen sich auch Frauen gefallen, die sonst wild gegen die Unterdrückung des (offensichtlich gerne) schwachen Geschlechtes auftreten, nein, auftrippeln.

Natürlich stehe ich jetzt als typische Altgeneration da, die keine Ahnung von Coolness hat und den jungen Dingern einfach ihre Schönheit neidig ist. Soll sein. Blöd sind diese Dinger trotzdem.

 

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Leserpost

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Mona Rieboldt / 06.01.2014

Ach ja, es ist dieses alte Konkurrenz-Denken gegenüber jungen Frauen, die einfach sexy aussehen wollen.  Da kommt dann das Gerede von Emanzipation und Wahlrecht *lach* Auch der Hinweis darauf, dass Männer es gut finden bzw. gern hinterher schauen, zeigt schon etwas von Neid auf diese jungen Mädchen. Und an den Schuhen fest gemacht, kann die Autorin dann die jungen Frauen lächerlich machen. Und um Himmels willen, dass Frauen sexy aussehen wollen, da kommt jetzt bestimmt der nächste Artikel über den bösen Sexismus von Männern, die gern einen schönen Anblick genießen. Solche Artikel scheinen bei alternden Autorinnen hier ohnehin recht beliebt.

Rainer Müller / 04.01.2014

In meinem Umfeld sind die allermeisten Frauen “zünftig” im typischen Outdoor-Look unterwegs. Die von der Autorin beschriebenen sehr seltenen Mädchen und Frauen werden sicher auch noch auf den Pfad der Tugend geführt.

Michael Lorenz / 04.01.2014

Liebe Frau Hewson, Sie schreiben: “Und auch da soll nicht von bodenlangen Mänteln, heißen Kopfvermummungen oder Ganzkörperverschleierungen die Rede sein. Sondern von Stelzen, die sich Frauen seit einigen Jahren an die Füße schnallen, …” Das ist schade, denn da fehlt Ihrem Artikel das Wesentliche. Das will ich mit folgendem Beispiel beleuchten, denn wie fast alles, was Sie da schreiben, stimmt auch jenes 100%ig: “Es ist lächerlich … Natürlich stehe ich jetzt als typische Altgeneration da, die keine Ahnung von Coolness hat … Blöd sind diese Dinger trotzdem.” Wir nehmen jetzt einmal einen der zahlreichen beobachtbaren Teenager, der mit seinen turmhohen Unterlegkeilen derartig lächerlich durch die Fußgängerzone humpelt, dass man als Erwachsener aufpassen muss, nicht brüllend loszuprusten. Und nun stellen wir uns vor, dieser Teenager geht abends zu Papa und sagt: “Ich habs ausprobiert, die Dinger sind blöd, ab morgen trage ich normale Kleidung “. Wie reagiert der Papa? ‘Habe ich doch gleich gesagt’ vielleicht … Und nun nehmen wir die muslimische Sechstklässlerin, die an einem Sommertag bei 35° im Schatten ihr dunkles Kopftuch natürlich weiterträgt, egal wie der Schweiß läuft, aber abends zum Papa kommt und sagt: “Ich habs ausprobiert, das Ding ist blöd, ab morgen trage ich normale Kleidung “. DAS wäre einen Artikel wert gewesen. Für alles andere, über das Sie völlig zutreffend geschrieben haben, habe ich bloß die Frage übrig: Und? Zwingt die jemand?

Stefan Schütz / 04.01.2014

Kehrt auf achgut.de nun auch der Zeitgeist ein, alles was Spaß macht, zu kritisieren? Schuhe sind halt oft nicht praktisch, sondern ein Statement. Und das sollte auch so bleiben, wenn gleich sich auch hier ein duftes Betätigungsfeld für alle möglichen Weltverbesserer auftun würde. Vielleicht kommt auch bald noch das Verbot für High-Heels ab 4 cm für unter 18-jährige? Leute, lasst doch einfach eure Mitmenschen mit diesem belehrenden Quatsch in Ruhe und genießt die Vielfalt.

Frank Habert / 04.01.2014

In einem Satz und entgegen den Zeitgeist. Der Großteil der Frauen möchte gerne sexy sein. Das permanente feministische Grundrauschen und die gefühlten fünf Millionen Artikel gegen den Sexismus und sonstigen Bla wird von diesen (fast allen) Frauen nicht wahr genommen, denn diese lesen lieber Modemagazine und dort gibts keine Seximusdebatte sondern eine Sexiness-Debatte und die beinhaltet hochhackige Schuhe.

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