Georg Keckl, Gastautor / 21.02.2020 / 10:00 / Foto: Nürnberg Messe / 14 / Seite ausdrucken

Treblinka auf der “Biofach 2020”

Die vereinzelte Kritik, die sich die Bio-Eliten zu der Peta-Kampagne „Holocaust auf Deinem Teller“ vor 10 Jahren mühsam abgerungen haben, war geheuchelt. Der Hintergrund des über alle Gerichtsinstanzen bestätigten Verbotes dieser Kampagne (siehe hier und hier und hier) ist an den Köpfen dieser Erfolgsbranche abgeprallt. 

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und die bekannte Primatenforscherin Jane Goodall durften die Eröffnungsreden zur diesjährigen Bio-Leitmesse „Biofach“ am 12. Februar 2020 in Nürnberg halten. Frau Klöckner sprach am Vormittag unter anderem von der konventionellen Tierhaltung. Den Nachmittag läutete der Vortrag Dr. Goodall ein.

Frau Goodall reist mit einer Sammlung von Plüschtieren zu solchen Vorträgen, einer kleinen Kuh namens Carrol, einem Schweinchen und einem Äffchen. Damit möchte sie die Herzen der Menschen treffen, die sie erfahrungsgemäß mit Geschichten und Bildern eher erreichen würde als mit ihren Argumenten zur „Rettung der Zukunft“. Mit dem Satz: „Wir haben heute Morgen Diskussionen über die intensive Haltung von Tieren gehört. Und deshalb habe ich dieses kleine (Plüsch-)Volk dabei“, knüpfte sie an die Rede von Ministerin Klöckner an. 

Mit Carrol ins Publikum winkend, leitete sie in der 12. Minute ihres Vortrages den Holocaustvergleich ein: „Das ist Carrol. Carrol sieht traurig aus, oder? Ja, das ist sie auch!“ Die Biofreunde hingen nun an ihren Lippen: „Diese intensiven Tierhaltungen wurden von einem Überlebenden des Holocaust mit Konzentrationslagern verglichen. Er beschrieb es in einem Buch als das ewige Treblinka“.

Damit spielte sie auf eine Kurzgeschichte des Literatur-Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer an. In der Kurzgeschichte „The Letter Writer“ sinniert die verzweifelte Hauptfigur, Herman Gombiner, ein frierender, fiebernder und hungernder Überlebender des Holocaust im New York der 50er Jahre, über den ebenfalls zu erwartenden Hungertod seiner geliebten Maus namens „Hulda“. Mitleidvoll dachte er in dem Moment an ein „ewiges Treblinka der Tiere“, das von der Menschheit verursacht wird (hier und hier).

Den Hintergrund dieser Geschichte dürfte kaum jemand kennen, aber der platte Vergleich tut seine Wirkung vor einer grünen Glaubensgemeinde stets. Andere trickreich schlecht zu machen, ist ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells vieler in der Bio-Branche, deshalb schweigen sie zu dem Vergleich moderner Tierställe mit dem KZ Treblinka, den Dr. Jane Goodall der begeisterten Bioelite vortrug.

Auch die der Biobewegung überwiegend wohlgesonnene Presse verschwieg den Vergleich, wenn man mal von einem mutigen Kommentar in der „AgarZeitung“ vom 14.02.2020 absieht. Ein(e) Leserbriefschreiber(in) durfte in Onlinedienst der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung schreiben: „Vom Ausmaß der Grausamkeit steht das Heute dem Gestern nicht nach.“  

Foto: Nürnberg Messe

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Hans Reinhardt / 21.02.2020

War da kein Platz mehr im Pflegeheim frei? Alte Frauen, die sich an Plüschtiere klammern und mit ihnen reden trifft man gemeinhin dort an und nicht auf Messen.

Sabine Lotus / 21.02.2020

Ich bin da jetzt nicht auf dem letzten Stand, was die Rinderhaltung angeht. Was allerdings die Hühner betrifft, habe ich vor knapp einem halben Jahr eine interessante Doku aus NL gesehen. Darin wurde ein Hühnerhalter gefragt, welche Eier er konsumieren würde. Seine Antwort: Die billigsten aus der unteren Regalreihe in der Plastikpackung, solange sie aus NL stammen. Propaganda könnte man meinen. Aber dann wurde zur Begründundung sein (konventioneller, nix Bio oder Freiland) Stall gezeigt. Wer immer noch das Bild der 2 DinA4 Blätter Käfighaltung aus den 80-90ern im Kopf hat, sollte sich das unbedingt mal ansehen. Diese ‘geschundenen Massentierhaltungshühner’ leben inzwischen lässiger als der durchschnittliche Deutsche Großstädter.

Wilfried Cremer / 21.02.2020

Das Kalb ist zwar erwachsen und statt golden plüschig und zumeist im Oberstübchen angebunden, doch es hat die gleiche Rolle wie sein Urbild in der Bibel: Es ist der alte Götze Tier.

Antonio Ponzio / 21.02.2020

Ich habe gerade gefrühstückt und es kommt Mir zum kotzen, wenn Ich das lesen.Tanti saluti dal Atlantico.Antonio.

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