Wie die „Jerusalem Post“ berichtete, stammen zum Beispiel zahlreiche israelfeindliche, pro-palästinensische und pro-iranische Inhalte nicht von westlichen Aktivisten, wie die entsprechenden Profile glauben machen wollen, sondern aus der Türkei oder aus Pakistan. So hat die am 22. November von X eingeführte Standortfunktion unter anderem offengelegt, dass „Tiberius“ – ein Account, der nach eigenen Angaben einem antiisraelischen, linksradikalen britischen Journalisten gehört – seinen Sitz in Thailand hat. Zudem hat „Tiberius“ seit 2018 seinen Benutzernamen 24 Mal geändert.
„The Times of Gaza“, die fast eine Million Follower hat und „Palästina“ als Standort angibt, postet laut Transparenz-Feature von X in Wahrheit aus Ostasien und ist über einen nordafrikanischen App Store angemeldet. Auch der palästinensische Journalist Mohammad Smiry, der behauptet, in Gaza zu leben und über das „Leben unter Besatzung“ zu berichten, wird in Indonesien lokalisiert. Simry erklärt diese Verortung nun damit, dass sich sein Bruder in Indonesien aufhalte und Zugriff auf sein Konto habe. Doch nicht nur Nachrichtenkonten werden durch die neue Funktion in Frage gestellt, auch viele Konten von Privatpersonen, die berichten, dass sie den „Völkermord“ an den Palästinensern erleben, befinden sich in Wirklichkeit ganz woanders. Ein X-Nutzer postet etwa über Hunger in Gaza, ist aber in Großbritannien geolokalisiert. Weitere sind beispielsweise in den Niederlanden, in Nigeria, Indien, Polen und Kanada stationiert, bitten jedoch um Spenden – angeblich um ihr Leben in Gaza zu finanzieren.
Darüber hinaus haben sich einige „America First”-Accounts, die behaupten, eine radikale amerikanische Rechte zu vertreten, als gar nicht amerikanisch herausgestellt. Manche X-Konten wie zum Beispiel „American Voice“ oder der anti-israelische und antisemitische Account „Khalisee“ wurden offenbar sogleich gelöscht, nachdem die Standortfunktion live gegangen war. Und „Israel Exposed“, das angebliche israelische Kriegsverbrechen dokumentiert, wurde in Saudi-Arabien erstellt. Der pro-iranische kommunistische Aktivist Jackson Hinkle hingegen ist zwar eine reale Person, aber die neue Funktion deckte auf, dass sein X-Account in Burkina Faso angemeldet ist. Auf der anderen Seite haben sich etliche pro-israelische Accounts, insbesondere solche, die attraktive Soldatinnen der israelischen Streitkräfte zeigen, als unecht herausgestellt. Der Account „Mariana Times“ zum Beispiel, der über 78.000 Follower hat und vorgeblich einer israelischen Frau gehört, hat seinen echten Sitz in Indien.
Es könnte noch einige Überraschungen geben
Betroffen ist ebenfalls die Initiative „Make America Great Again“ (kurz: MAGA), die von der US-Regierung forciert wird. So wird der Account „Maga Nation“, dem fast 400.000 Nutzer folgen, aus Ost-Europa betrieben, wie die „Welt“ vermeldet. Der Account „Trump Is My President“ ist demnach ebenfalls in Mazedonien gelistet, weitere MAGA-Konten sind in Afrika und Indien registriert. Ob die Profilbetreiber allerdings tatächlich politischen Einfluss ausüben oder nur schlichtweg Geld mit ihrem Profil verdienen wollen, lässt sich nicht klären. X beteiligt seine erfolgreichsten Nutzer nämlich am Gewinn: Ab mindestens 500 verifizierten Follower und 5 Millionen Ansichten in drei Monaten erhalten sie einen Teil der Einnahmen durch die Werbeanzeigen auf ihrem Profil. Außerdem waren manche Ortsangaben offenkundig zumindest zu Beginn fehlerhaft.
In Deutschland hat bisher vor allem der Account der Bundespartei AfD für Schlagzeilen gesorgt, der in Irland registriert sein soll. Und nach Recherchen von watson wurde auch das Konto der AfD-Parteifraktion NRW in den USA gegründet. Die Pressestelle der AfD-Fraktion NRW erklärte hierzu auf Anfrage von watson: „Warum X für unseren Account derzeit die USA als Standort anzeigt, können wir nicht erklären. Der Account wird ausschließlich aus Deutschland betreut. Möglich ist ein technischer Effekt durch Server-Routing oder VPN-Strukturen, vor allem durch das landtagsinterne Netzwerk, welches, soweit wir wissen, VPN nutzt.“ X-Manager Nikita Bier gab zur Fehleranfälligkeit der neuen Funktion an, dass die angezeigten Daten durch Reisen, temporäre Ortswechsel oder die Nutzung eines VPN beeinflusst werden könnten. Außerdem würden die Standortdaten offizieller Regierungs-Accounts aus Sicherheitsgründen nicht angezeigt. X will künftig jedoch eine Genauigkeit von 99 Prozent bei der Standortangabe erreichen. Es könnte also noch einige Überraschungen geben.
Beitragsbild: Jack Bain - https://digitalcollections.qut.edu.au/6726/, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

@Karsten Dörre: Ich arbeite in der IT und stelle fest, dass die Leute VPN mit Anonymität verwechseln. Nichts ist einfacher als herauszubekommen, ob jemand ein VPN verwendet. Viele VPNs werden sogar über NSA-Maryland geroutet. Sehr praktisch, so landen die Daten gleich da wo sie erwünscht sind, und die Idioten zahlen auch noch dafür.
Cooler Artikel, Frau Binnig, hatte ich noch nicht gewußt. Gleich mal Carl Orff auflegen.
Zwei Spaßfakten: Erstens wurde der Account von Homeland Security Israel zugeordnet, und zweitens würde ich davon ausgehen, dass nicht nur Influencer fake&gay; sind, sondern auch Benutzer. So würde ich zum Beispiel davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der pro-russischen Kommentare auf der Achse von einem russischen Botnet stammen, welches versucht bestimmte Positionen zu astroturfen, indem es Selbstgespräche führt und andersdenkende Mobbt, und auf diese Weise Konsensbildung nur dann zulässt, wenn sie im russischen Sinn ist. Large Language Models machen es möglich.
In Firefox (höchstwahrscheinlich nicht nur da) gibt es viele kleine Apps (also Zusatzprogramme für den Browser) mit der man seinen Standort verändern oder verheimlichen kann. Manche können sich bei jeder Einwahl ändern… U.a. kann es daran liegen. Dennoch ist bei Twitter auch eine Registrierung notwendig. Es ist also noch nicht alles geklärt. Ich glaube, dass sich hinter einigen Usern auch heuchlerische A…geigen verstecken. Schöne neue Welt… Noch was Wichtiges: viel Spass in Gießen mit den „gerechten“ Linken, die ja auch gegen Hass und Hetze sind (indem sie es zuerst anwenden?) Wenn sich das so weiter entwickelt werden die Rechten irgendwann zurückschlagen. Und dann ? Das ist doch mal ein Thema.
@Karsten Dörre Über VPN kann man seinen Standort vielleicht verstecken aber mit der EU „Chatkontrolle“ sitzt die Schnüffelschnittstelle direkt im PC oder Smartphone VOR der Ende-zu-Ende Verschlüsselung oder VPN. Siehe „Max Planck Institute for Security and Privacy“ Aufklärungsvideo for Dummys, abrufbar über Twitter Sonneborn, das kleinseitige Scannen. P.S. Darüber das VPN auch kein echten Schutz bietet, lässt sich diskutieren. „..die Polizei kann eine VPN-Verbindung in bestimmten Fällen zurückverfolgen, obwohl ein VPN die Online-Aktivitäten verschleiert. Eine Rückverfolgung ist möglich, indem der Internetanbieter (ISP) kontaktiert wird, der die Daten über die Verbindung zum VPN-Server bereitstellen kann. Darüber hinaus könnten Sicherheitslücken im VPN selbst ausgenutzt werden.“ Jetzt müssen auch noch alle Deutschen virtuell auswandern um sich vor der übergriffigen NATO-EU zu schützen. Die Inhalte einfach mal auf Firmen mit sensiblen, geheimen Daten übertragen. Der CIA Enercon-Skandal lässt grüßen, der MAD, der den Enercon Skandal untersuchte, müsste aufschreien. Kurzum, die EU bedroht alle, vor allem Firmen, den Staat und alle Bürger.
„So hat die am 22. November von X eingeführte Standortfunktion unter anderem offengelegt, dass “Tiberius„ – ein Account, der nach eigenen Angaben einem antiisraelischen, linksradikalen britischen Journalisten gehört – seinen Sitz in Thailand hat. Zudem hat “Tiberius„ seit 2018 seinen Benutzernamen 24 Mal geändert.“ – Es gehört zum Allgemeinwissen (zumindest bei jüngeren Generationen sowie bei älteren Generationen, die das Internet nicht unbedarft nutzen), dass man per VPN über andere Länderserver anmelden und dann angeblich von Thailand oder aus Klingonenland surft. Wer z.B. die lästige Youtube-Werbung nicht haben will, surft im Internet über einen VPN-Server. Überraschend ist das seit Mitte der Nuller-Jahre nicht (ca. zwanzig Jahre her) und nutzen keineswegs nur Antisemiten. Wer z.B. im Iran oder in China nicht nur Staatsinternet haben möchte, muss (!) auf VPN-Server ausweichen.
Warum in die Ferne schweifen? Das Böse liegt so nahe. Bei ARD,ZDF,ARTE…sitzen Sie in der letzten Reihe.