Aus einem Artikel von Alexander Horn auf NOVO Argumente:
“…84 Prozent der Bundesbürger sind gegen das Geschäft mit Nahrungsmittelkontrakten. Banken, die nicht auf dieses Geschäftsfeld verzichten, werden inzwischen öffentlich an den Pranger gestellt. Dabei steht die in der Öffentlichkeit vorherrschende Stimmung durchaus in Widerspruch zu den Fakten. Die nun auch von vielen Banken übernommene Behauptung, der Handel mit Nahrungsmittelkontrakten treibe die Preise und sei verantwortlich für den Welthunger, stellt die Realität auf den Kopf. Außerdem zeigt sich im Erfolg der Kampagne gegen Nahrungsmittelspekulationen die problematische Tendenz der Gesellschaft, zur Sicherung von Wohlstand und gesellschaftlichem Fortschritt unabdingbare ökonomische Vernunft und wissenschaftliche Erkenntnis durch kurzsichtiges Moralisieren zu ersetzen.
Bislang fehlt der wissenschaftliche Beweis, dass Nahrungsmittelspekulation tatsächlich eine verzerrende oder gar preistreibende Wirkung hat. Weder die kurzfristige Preisbildung an den Märkten noch die langfristige Preisentwicklung für Nahrungsmittel wird nachweislich durch die Spekulation beeinflusst. Verschiedene Untersuchungen schätzen die Folgen der geforderten Restriktionen oder gar des Verzichts auf Nahrungsmittelspekulation für Industrie und Verbraucher als weitaus schädlicher ein, als deren Fortbestand. Angesichts dieser Sachlage setzen Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch nunmehr auf Indizien und Behauptungen. So sehen sie etwa in der zwischen dem Preisanstieg und dem wachsenden Handelsvolumen bei Nahrungsmittelderivaten bestehenden Korrelation ein Indiz für einen Kausalzusammenhang. Da solche Indizien aber keine wissenschaftliche Beweiskraft haben, muss Foodwatch in die Trickkiste greifen: Ohne Beweise kehrt man die Beweislast einfach um. Sollen doch die Banken beweisen, dass der von Foodwatch vermutete Zusammenhang nicht besteht, ansonsten steht immer der Vorwurf einer erheblichen Mitschuld am Welthunger im Raum…”