Bauern sollen gemäß der EU-„Wiederherstellungsverordnung“ Ackerflächen offenbar wieder „der Natur“ überlassen, trockengelegte Moore bewässern und keinen Dünger mehr ausbringen. Kurz: den Laden dichtmachen.
Dass Bauern als „Nährstand“ umworben werden, ist lange schon vorbei. Ihre Macht hat mit ihrer Zahl und mit dem Weltmarkt abgenommen. Manch einer scheint sie für verzichtbar zu halten. Längst vergessen die Zeiten, als Seeblockaden der Kriegsgegner in Deutschland Hungersnöte verursacht haben. Heute gelten Bauern als Brunnenvergifter – Nitrat im Grundwasser dank Dünger. Und Agrarimporte aus aller Welt sind unschlagbar günstig, die sind ja auch nicht von EU-Verordnungen betroffen.
Nun, man muss nicht gleich von nationaler Autonomie träumen, um die deutsche Landwirtschaft für wichtig und notwendig zu halten. Doch die EU wird nicht müde, die Axt an den Stamm zu legen. Beispiel: Die Implementierung der Wiederherstellungsverordnung der EU. Deutschland muss, wie alle anderen EU-Mitgliedstaaten, einen Nationalen Wiederherstellungsplan (NWP) entwickeln – und alle dürfen mitmachen. Es geht um nichts Geringeres als „bessere Lebensräume“ in der EU.
„Kernanliegen der Wiederherstellungsverordnung sind die kontinuierliche Erholung der Natur, insbesondere der Artenvielfalt und der Widerstandsfähigkeit aller Ökosysteme der Gesamtlandschaft sowie die Leistung eines Beitrags zur Erreichung der Klimaschutzziele und die Erfüllung eingegangener internationalen Vereinbarungen.“ Die Erholung der Natur? Von welcher Krankheit? Und wird auch hier wieder die sonderbare Vorstellung gepflegt, man könne das Klima schützen? Vielleicht durch das Verbot furzender Rinder?
Undurchdringlicher Dornenverhau oder Sumpfmarsch?
Über 80 Prozent der europäischen Lebensräume seien „in schlechtem Zustand“, die biologische Vielfalt nehme kontinuierlich ab. Angestrebt wird eine „grünere Zukunft“ durch „Beseitigung nicht heimischer Pflanzen auf Wiesen, in Feuchtgebieten und Wäldern; die Wiederbefeuchtung trockengelegter Moorgebiete; Verringerung und/oder Einstellung des Einsatzes von chemischen Pestiziden und Düngemitteln; Förderung der Erhaltung der Wildnis.“ Wildnis, dein guter Freund und das geliebte Habitat des Wolfes. Da freut sich der Schäfer.
Im Ernst: Die Details offenbaren eine eigenartige Vorstellung von „Natur“. Was soll das heißen: „Auf 20 Prozent aller Land- und Wasserflächen“ sei „Natur wiederherzustellen“? Also das, was vor Urzeiten womöglich da war: undurchdringlicher Dornenverhau oder Sumpfmarsch?
Städter fürchten sich offenbar nicht vor der Renaturierung ihres Habitats. Was müsste da an Betonwüsten abgebaut werden! Es geht, genau, gegen die Bauern. Sie sollen Ackerflächen offenbar wieder „der Natur“ überlassen, trockengelegte Moore bewässern und keinen Dünger mehr ausbringen. Kurz: den Laden dichtmachen.
Totaler Vormachtsanspruch grüner Ideologen
Kein Wunder, dass die „Freien Bauern“ vehement protestieren. Yvonne Dorowski, Bauersfrau und Jägerin aus Leibsch im Spreewald und Vorstand der Freien Bauern Brandenburg, bescheinigt der „Wiederherstellungsverordnung“ „ideologische Abgehobenheit, überflüssige Bürokratie und völlige Ignoranz gegenüber den betroffenen Menschen“. „Bereits die Vorgabe, auf 20 Prozent aller Land- und Wasserflächen Natur wiederherzustellen, ist ein ideologisches Konstrukt ohne wissenschaftlichen Hintergrund“, argumentiert Dorowski, die mit ihrem Mann einen Biobetrieb bewirtschaftet. Natur sei die gesamte belebte Umwelt und kein Zustand, der sich vom grünen Tisch aus wiederherstellen ließe. Hier tobe sich ein totaler Vormachtsanspruch grüner Ideologen über den ländlichen Raum aus.
So sehen wir sie also wieder bei der Arbeit, die Ideologen und Bürokraten ohne einen blassen Schimmer, die unter Natur eine blühende Idylle mit von Seerosen überwuchertem Teich verstehen, durch die Wolf und Wisent streifen, während die Amsel singt und die Nachtigall schlägt.
Was für ein Schwachsinn. In unkultivierter Natur herrscht Krieg aller gegen alle, das ist der, genau: Naturzustand.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.

Mehr Moore, mehr Brachfläche, weniger Dünger heißt weniger Anbau, weniger Tiere, weniger Ernte bei gleichzeitig mehr Menschen im Land und höhere Preise. Wird künftig alles regional importiert?
Über 80 Prozent der europäischen Regierungen sind auch in schlechtem Zustand. Zustand kommt von Zustand.
Es stimmt nicht, dass in der Natur ständig Krieg herrscht. Vielmehr ist die Symbiose der Normalzustand. Die Bauern sollten versuchen, sich diese Beziehungen zu gegenseitigem Vorteil zunutze zu machen. Sie wären dumm, wenn sie Pflanzen anbauten, die sich nicht gegenseitig vertragen. Altes Wissen über sinnvolle Nachbarschaft und Kulturfolge sollte gehütet werden.
@Martin Schmitt / 04.09.2025 : Genau! Leute fresst Scheiße (frei nach Konrad Lorenz). Er und seine Familie bewirtschaften einen Hof in der 10. Generation.
Ein „Theaterwissenschaftler“ erklärt ihm heute, so geht das aber nicht? Nichts gegen Theaterwissenschaftler. Aber Schuster bleib bei deinen Leisten!
Ich lebe in einer Mittelgebirgsregion in Spanien. Dort beklagen sich alle Einheimischen, dass sich Landwirtschaft oder Viehhaltung schon lange nicht mehr lohnt. Hier wächst alles zu und die Natur übernimmt wieder mehr und mehr den Raum. Dadurch wächst die Gefahr von verheerenden Waldbränden. Hier sagen die Experten, man brauche wieder mehr „Kultivierung“ der Natur und man müsse die Leute/Wirtschaft wieder zurück in die Dörfer locken. Das ist genau das Gegenteil von Renaturierung.
Die Lamd/Forst/Viehwirtschaft ist in solchen Regionen aber wenig wettbewerbstfähig und von daher ist eine Verwilderung kaum aufzuhalten. Wenn gleichzeitig in Europa an anderer Stelle Bauern behindert werden ihr fruchtbares Land zu bestellen, um der Natur mehr Platz zu geben, dann ist das doch idiotisch (geplant).
Das Fachblatt für Klimakatastrophe und Weltuntergang LOCUS weiss uns zu warnen..: „ Ökologische Veränderung … Forscher erkennen aus dem All, dass die Jahreszeiten der Erde außer Takt sind ..“ Immerhin sind das keine Forster- äh ForscherInnenIn – deutet sich da ein Paradigmenwechsel an ?!
Der Vollständigkeit halber sei hier darauf hingewiesen, dass das Bundesumweltministerium gerade ein Beteiligungsverfahren gestartet hat. Man findet es unter „Online-Beteiligung zur EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur“. Es gibt dort eine Umfrage, Kommentare und Ideen können hinterlassen werde.