Nun, das hat Tradition. Das Bündnis zwischen einer Linken und dem Islam – französisch „Islamogauchism“ – ist so alt wie fies. Die Älteren, „Alt-68er“, werden sich erinnern, wie es am 2. Juni 1967 zu heftigen Protesten gegen den Besuch des persischen Operettenkönigs Schah mit seiner Farah Diba in Berlin kam. Ich weiß nicht, wie viele der Demonstranten wirklich etwas über die Lage im Iran unter dem autoritären Regime des Königs wussten. Viele hatten es womöglich einfach nur satt, diese Schwärmerei in den bunten Blättern in Deutschland über den Mann auf dem „Pfauenthron“. Und viele waren gewiss beeindruckt von den Erzählungen der eloquenten Perser, die vor dem Schah nach Deutschland geflohen waren. Und die waren, was dem damaligen Zeitgeist auch in Deutschland entsprach, links bis sehr links. Und so demonstrierten die Kommunisten der Tudeh-Partei Hand in Hand mit den Anhängern der Theokratie gegen den Schah, der das Land modernisiert und zu einer festen Stütze westlicher Vorherrschaft gemacht hatte. Das war der Punkt, weshalb die Linken ihn nicht mochten.
Die linke intellektuelle Elite Europas applaudierte vielmehr den Mullas – Michel Foucault etwa, aber auch Jean Paul Sartre. Und das scheint bis heute nachzuwirken: während man das zweifellos autoritäre und gewaltsame Regime des Schahs bekämpfte, sah man über die autoritäre (maoistische) Linke hinweg, die ganz gewiss keine Alternative bot.
Und wie stand man zu dem alten Bärtigen, Ruhollah Khomeini, der mit einem Jumbo aus seinem französischen Exil in den Iran gebracht wurde? Mit Ghandi verglich manch einer ihn, er genoss nicht nur die Unterstützung der französischen Regierung, sondern auch irritierende Lobpreisung im linken Teil der Öffentlichkeit. Nur die italienische Journalistin und Schriftstellerin Orianna Fallaci zeigte sich wenig andachtsvoll, sie interviewte den alten Herrn und fragte ihn: „Warum zwingen Sie die Frauen, sich wie ein Bündel unter einem unbequemen und absurden Kleidungsstück zu verstecken, in dem man weder arbeiten noch sich bewegen kann?“ Feministische Gegenstimme aus der Spontiszene in Frankfurt: Die Burka sei doch irgendwie eine feine Sache, weil sie die Konkurrenz unter Frauen abschaffe. Tja. Seltsame Bündnisse.
Mitgefühl ist nichts, was man von Linken erwarten kann
Die Aufstandsbewegung von 1978 und der Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlewi 1979 wurde dank Frankreichs Unterstützung von Khomeini zur „islamischen Revolution“, dabei war nirgendwo im Nahen Osten die Zivilbevölkerung so säkular wie im Iran. Im übrigen machte die Mullahherrschaft umgehend kurzen Prozess mit den linken Iranern.
Möglicherweise ist der „Islamogauchisme“ nachdenklichen Linken heute peinlich. Doch auch Jüngere haben bereits wieder Antworten auf das, was die Menschen meinen, die unter Lebensgefahr in den iranischen Städten demonstrieren. Denn siehe: sie rufen doch tatsächlich nach dem Sohn des Schah, nach Reza Pahlevi! Also ein reaktionärer Wunsch nach der Rückkehr zur Monarchie – und ist nicht Pahlevi eine Marionette der USA und Israels?
Nun: wir wissen nicht, was jeder einzelne der Demonstranten sich wünscht – außer dem Verschwinden der Mullahs und ihrer Schergen. Doch Pahlevi scheint eine verbindende Figur zu sein, auf die alle sich einigen können – das galt und gilt noch heute für viele Monarchien. Und warum sollten sich Menschen, die gegen das islamistische Regime protestieren, hernach plötzlich einer „Marionette“ unterwerfen?
Doch da ist er wieder, der Gegner, der Linke auf pittoreske Allianzen eingehen lässt: der Westen. Dem zieht man offenbar noch immer steinzeitliche Verhältnisse vor. Währenddessen wird die öffentliche Hinrichtung von Erfan Soltani vorbereitet. Weiterhin geht das Regime im Iran brutal gegen die Demonstranten vor. Doch Mitgefühl ist nichts, was man von Linken erwarten kann, denen der Kampf gegen „den Westen“ in Gestalt von Israel und den USA das größere Herzensanliegen ist.
Es kommen einem die Tränen. Nicht nur, wenn man sieht, wie todesmutig Tausende Tag für Tag gegen das verkommene Regime protestieren. Die Zahl der Toten wird steigen, je mehr das Regime in Panik gerät. Die jüngsten Signale aus Teheran lassen eine Eskalation befürchten. Derweil fordert Donald Trump die Iraner zum Durchhalten auf. Er schreibt: „Protestiert weiter – übernehmt eure Institutionen.“ Hilfe sei unterwegs. Doch was dann? Angeblich haben Saudi-Arabien, Oman und Katar das Weiße Haus vor dem Versuch gewarnt, die iranische Führung zu stürzen, das würde die Ölmärkte erschüttern und letztlich der US-Wirtschaft schaden. Und Israel?
Und doch: es bleibt die Hoffnung, dass die Iraner sich befreien können und dass mit dem islamischen Gottesstaat Iran auch die Geldquelle für sämtliche Terrororganisationen im Nahe Osten verschwindet.

ich finde es einfach unfassbar wie im Mainstream , aber auch hier auf der Achse der Regime Change im Iran herbeigesehnt wird.
haben wir denn nichts gelernt ?
All die Regime Changes und der tolle „Arabische Frühling“ haben nur viel mehr Leid, Zerstörung, Tod gebracht.
und viel Terror u nd viele, Flüchtlinge nach Europa.
Und das würde hier wieder so werden.
Und der Iran ist ne ganz andere Hausnummer als ‚Afghanistan oder Irak.
dann gäbe es wahrscheinlcih einen fürchterlichen Bürgerkrieg und dann ein IS 2.0
@Hermann Göring : Emil.Meins@ – – – – – Das Traurige ist ja, daß sich ein altes Kulturvolk zu einer Primitiv-„religion“ bekennt – – – – – Welche Religion wäre denn generell als primitiver anzusehen als die anderen Religionen und warum?==>
Grundsätzlich haben Sie Recht, und meine Einschätzung kommt vor allem daher, daß der angebliche „Prophet“ mit M. seine „Weisheiten“ bei den anderen existierenden Religionen per frühem Copy and paste zusammengeklaut, mit seinen eigenen Ideen vermischt, und zu einer „Mord-und Totschlag“-Ideologie zusammengerührt hat, die Anspruch auf die Beherrschung der gesamten Welt erhebt. Wobei der Großteil der Gläubigen irgendwelche ungebildeten Dummköpfe aus shithole-Ländern sind, dienen man mit diesem Quatsch das Paradies verspricht, während man sie unter dem Joch mittelalterlicher Primitivität hält.
ich bin im Übrigen kein Mitglied eines all dieser Vereine mehr, nicht mal im Hasenverein. Das Einzige, was infrage käme, wäre ein Schützenverein, und das auch nur um Schießen zu lernen und legal eine Waffe zu besitzen.
In Deutschland leben über 300 000 Iraner , das ist eine Massendemonstration DER DEUTSCHEN und geht in Ordnung . Nur bei anderen Völkern hat man es … leicht … übertrieben . Ich will jetzt keine Beispiele nennen , sonst verzettelt man sich , typisch deutsch , wieder ins Uferlose .
Und das führt wieder zu NICHTS , wie wir längst wissen .
Hoffentlich .
Vollkomme richtig: Die Linke hat keine Sympathie mit den Iranerinnen und Iranern (Gendern absichtlich, um die besondere Rolle der Frauen im Iran zu betonen!)
Ja, und die Rechte? Beobachten Sie dort eine große Sympathie mit dem iranischen Protesten, eine Unterstützung für die Rebellen? Ich kann dies beim besten Willen nicht erkennen. Weder in den Kommentaren in konservativen Foren, noch in den Aussagen der in diesem Forum vielgelobten AfD kann ich eine klare Solidarität mit dem iranischen Volk finden. Sei denn, man braucht ein elektronisches Mikroskop.
Nun, vielleicht stürzt das Regime im Iran, zuvor aber wird der Iran in Grund und Boden gebommt, wobei Israel hierbei den USA den Vortritt lässt, da man beim letzten Waffengang mit dem Iran starke Schläge einstecken musste. Syrien wird sich wohl von seinem Regimechange nie mehr erholen und dass dort ein diplomierter Kopfabschneider jetzt Regierungschef ist, stört im „Wertewesten “ niemanden. Als positives Beispiel mag aber Japan angeführt werden, denn nachdem dieses mit Atomwaffen angegriffen worden waren hat sich das Land mit leichter zeitlicher Verzögerung doch ganz toll entwickelt
Also wohlan denn Mr President: „ To free the iranian people we had to nuke them“. Vielleicht wird Israel da auch ein bisschen atomare helfen.
Was haben Ajatollah Chomeini, die Mullahs und die übergroße Mehrheit der mehr oder weniger fanatischen Iraner Deutschland, den Deutschen und speziell der Achse-Gemeinde an Bösem getan, dass man stets und ständig das Iran-Thema beackert und den Regime-Change so dringend herbeiwünscht? Sind es die Schiiten, die in Europa den Terror verbreiten und ihre Angehörigen verdoofen, aufhetzen und zum Hass auf ihre Gastgebernationen aufheizen? Kaufen die Schiiten Konzerne, Ressourcen, Zeitungen und Politiker in der westlichen Welt auf? Und ist das iranische Regime tatsächlich so eine existenzielle Gefahr für die Juden, wie das Netanjahu seit Jahrzehnten nicht müde wird, zu behaupten, und wie es das iranische Regime aus reinen Propagandazwecken selbst vorgaukelt? Was geht uns das US-amerikanische Trauma an, von den Iranern rausgeschmissen und gedemütigt worden zu sein? Und gibt es nicht andere Regime, deren Zeit längst gekommen ist – um den Kreis zum Thema: „Warum nicht auch gegen was anderes demonstrieren“, geschlossen wäre…
Emil.Meins@ – - – - – Das Traurige ist ja, daß sich ein altes Kulturvolk zu einer Primitiv-„religion“ bekennt – - – - – Welche Religion wäre denn generell als primitiver anzusehen als die anderen Religionen und warum?
Sofern die Annahme gilt, dass sich z.B. die drei großen Weltreligionen weitestgehend aus einem Horst speisen und diese sich seit diesem Zeitpunkt darüber streiten, sich bekriegen etc., wer die Urheberschaft auf diesen Horst und die einzige Wahrheit damit inne hat, doch trotz aller schlau und klugklingen wollenden Texte deren heiliger Bücher, die Annahme durchaus berechtigt wäre, dass alle Religionen Primitiv-„religionen“ sein könnten, ja vielleicht sogar alle Religionen. Oder?