Ältere Herren erzählen gern davon, dass sie vor umpfzig Jahren ihre Autos noch selbst reparieren konnten. Damenstrumpfhosen zu Keilriemen! Waren das romantische Zeiten. Selbermachen geht heute höchstens noch bei Autos mit wenig und wenig komplexer Elektronik. Dabei ist es doch das, wie David Mamet meint, was einen Mann ausmacht: „Dass er, wenn etwas kaputtgeht, eine Möglichkeit finden würde, es zu flicken.“ Und erst recht in Krisenzeiten ist er unentbehrlich: der Mann, der jagen, fischen und holzhacken kann.
Dieses oder ähnliche Talente hat man noch vor einigen Jahren gepriesen, es steckt in der Forderung nach Subsidiarität, was heißt: „Staatliche Eingriffe (etwa von Bund oder Europäischer Union) und öffentliche Leistungen sollen nur unterstützend und nur dann erfolgen, wenn die jeweils tiefere hierarchische Ebene (Länder, Kommunen, Familien) die Leistung nicht erbringen kann.“ Damit sollten Eigenverantwortung und Selbstbestimmung gefördert werden.
Verdammt gute Idee. Doch davon redet kaum noch einer. Hilfsbedürftig darf man Hilfe erwarten. Probleme werden mit Geld zugeschissen, das fördert die Treue zu Staat und Regierung. Abhängigkeit macht anhänglich. Im Übrigen: Was täte man mit all den Akademikern mit Abschlüssen in Geschwätzwissenschaften, wenn der Staat nicht wäre? Doch was, wenn das Geld mal ausgeht?
Bezeichnenderweise nennt Anja Reschke, öffentlich-rechtliches Sprachrohr, die Empfehlung von „Preppern“, sich so einzudecken, dass man sich im Krisenfall eine Zeitlang selbst versorgen kann, „Misstrauen in Staat und Politik“. Vertrauen ist alles! (Schon mal was von Subsidiarität gehört, Frau Reschke?)
So beginnt der Verlust von Freiheit
Außerdem ist das Misstrauen mehr als berechtigt. Deutschland steuert seit Jahren auf einen Blackout zu, dank der sogenannten „Energiewende“, die das Land abhängig gemacht hat von volatiler, also unzuverlässiger Energie durch Wind und Sonne, dank der Zerstörung der Kernkraftwerke und der Northstream-Pipeline. Und wenn Linksterrorismus hinzukommt, wie im Fall des tagelangen Stromausfalls in Berlin, kann sich jeder freuen, der einen Holzofen und ein Notstromaggregat zur Verfügung hat. Und jemanden, der Holz hacken kann. Das sind allerdings Bedingungen, die in einer Großstadt eher unwahrscheinlich sind. Selbsthilfe gedeiht hier nicht so gut wie auf dem Land.
Und natürlich gibt es Hysteriker unter den „Preppern“. Aber es ist durchaus vernünftig, dafür zu sorgen, dass man so lange wie möglich für sich selbst sorgen kann. Das nennt man Autarkie. Doch das Gefühl für eine gewisse „Autarkie“ scheint uns in Deutschland abhanden gekommen zu sein – wir haben zur Not ja die europäischen Nachbarn mit ihrem Atomstrom und überdies den Weltmarkt, weshalb es uns egal sein kann, ob es dank Mercosur der einheimischen Landwirtschaft an den Kragen geht.
Gewiss: Was wären wir ohne den Welthandel. Davon profitierte das deutsche Kaiserreich im 19. Jahrhundert mit großem Erfolg. Doch die von der britischen Seeblockade in und nach dem 1. Weltkrieg verursachte Hungerkrise sowie die Weltwirtschaftskrise 1929 befeuerten die Debatte über Autarkie. Die Hungerblockade war eine traumatische Erfahrung, die zeigte, wie verwundbar ein Land ist, das sich auf den freien Handel verlassen hatte. Autarkie hieß das Streben nach einer möglichst großen Unabhängigkeit vom Welthandel. Eine plausible Lehre aus der Geschichte: Man ist nicht immer von Freunden umzingelt.
Wie lautete noch die Warnung vor dem günstigen russischen Öl? Man mache sich damit von Russland abhängig. In der Tat. Vor allem, wenn man die nationale Stromversorgung mit Kernenergie abstellt, das Fracking der Gasvorkommen in Norddeutschland für schädlich hält und aus der Kohle aussteigen will. Deutschland ist verwundbar. Dafür haben seine Regierungen seit Jahren gesorgt. Umso wichtiger wäre die Resilienz seiner Bürger: Man darf sich von der Weisheit der Regierungen nicht abhängig machen. Und erst recht nicht von medialem Geschwätz.
„Der junge Mann von heute“, schreibt David Mamet, „weiß mehr über seine Gefühle als über Werkzeuge. Er kann ein Dutzend Punkte der emotionalen Etikette aufzählen, doch gibt man ihm einen kaputten Stuhl, schaut er auf Google nach, wo man einen neuen finden kann.“ So beginnt der Verlust von Freiheit.
Beitragsbild: Library of Congress

Das Subsidiaritätsprinzip ist ein Kernelement der katholischen Soziallehre, und es steht auch im Vertrag zur Europäischen Union. Nein, Letzteres ist kein Scherz.
Es gibt eine „zeitgemäße Reparatur“. Wenn der Plastik-Gartenstuhl defekt ist, lohnt sich doch der Aufwand nicht. Bei Ebay-Kleinanzeigen endlose Angebote. Man kanns auch übertreiben…
Ex FDP Ralf Dahrendorf 1982 -->„Nicht um die Arbeit gehe es den Machthabern, sondern um sich selbst, um die Möglichkeit, den Reichtum der Bürger so zu verteilen, wie es ihnen passt. Deshalb sind die Mächtigen um die Arbeit besorgt, sagt Dahrendorf: “Wenn sie ausgeht, verlieren die Herren der Arbeitsgesellschaft das Fundament ihrer Macht.„<-- Die Regierung plappert von Subsidiarität um gleichermaßen alle Menschen zu verarmen. Real wird die Prädestinationslehre des Calvin umgesetzt. Produktive Arbeitsplätze werden scheinbar nicht mehr benötigt, also ist die Verblödung und Bullshit Jobs ein wichtiger Schritt für den Machterhalt.
Hervorragend passender Artikel über die Millionen von Bullshit Jobs “On the Phenomenon of Bullshit Jobs: A Work Rant by David Graeber„ strikemag /bullshit-jobs/ Jetzt gibts sogar ein “Hydroklimatologe„
Die Autorin lebt in TakaTukaLand. Wer auf dem Lande den Kaminofen anwirft, kriegt genauso schnell Ärger wie jemand der in der Stadt wohnt , Auch auf dem Lande gibt es genug GRÜNlinge, die mit Wärmepumpe und E-Auto ihren Nachbarn Vorschriften machen. Und das Notstromaggregat des Preppers funktioniert genauso wie sein steinzleitlicher VW-Kübelwagen natürlich nur dann, wenn genug Benzin da ist. Die Tankstellen werden im Falle eines Falles das erste sein, was dicht macht. Bleibt als kleiner Trost die Tatsache, dass die Solardächer im Schneewinter ihren Geist aufgeben.
„Probleme werden mit Geld zugeschissen, das fördert die Treue zu Staat und Regierung.“ Es sei denn, bald geht auch die Scheisse auch.
Was ist das Wichtigste im Werkzeugkasten einer Frau? Die Telefonnummer eines Mannes.
Mein Großvater fuhr regelmäßig mit dem Fahrrad in den Wald und kam stets mit etwas Holz auf dem großen Gepäckträger wieder, das er im Keller stapelte. Damit heizte er seine Küche, in der er meistens saß, und die für meinen Geschmack als Kind immer ein wenig zu warm war. Erst, als er längst tot war, ist mir aufgefallen, daß man nach ein paar Jahren Ostfront und russischer Kriegsgefangenschaft zur selbstbestimmten Wärme ein besonderes Verhältnis entwickeln kann.