Die Corona-Maßnahmen und die hohen Energiekosten haben vielen Kneipen den Rest gegeben. Frankreich versucht, das Kneipensterben aufzuhalten und Abhilfe zu schaffen.
Die Franzosen machen es vor, und wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen: Die Nationalversammlung billigte am Montag mit 156 zu 2 Stimmen einen Vorstoß aus dem Regierungslager, in Dörfern mit weniger als 3.500 Einwohnern das Eröffnen einer Kneipe zu erleichtern. Jetzt muss nur noch der Senat darüber entscheiden. Doch wer kann schon dagegen sein? Vor allem auf dem Land sterben die Kneipen aus.
In mehr als zwei Dritteln der Kommunen gibt es keinen zentralen Ausschank mehr, wo man gemeinsam anstoßen und abschalten kann. In den 1960er Jahren zählte man 200.000 Bars und Cafés mit Alkoholausschank, 2015 nur noch 36.000.
Der alte Sehnsuchtsort, das romantische Café oder Bistrot, vor dem man in der Sonne sitzt und die Weltlage erörtert, leidet schon lange an Schwindsucht. Da muss man selbst über die Existenz einer dieser hässlichen Sportsbars froh sein.
Eine Schneise der Zerstörung
Wer kann schon gegen eine solche Initiative sein? Offenbar ein Abgeordneter der moralischen Klasse, der Grünen, der bemängelt, dass in einem Café auch Alkohol ausgeschenkt werde, und der verursache Todesfälle. Kein schlagendes Argument, denn man kann sich auch daheim zu Tode trinken. In Gesellschaft macht das jedenfalls mehr Spaß.
31.000 von insgesamt 35.000 französischen Kommunen haben weniger als 3.500 Einwohner. Die jetzt beschlossene Regelung soll nur für Orte gelten, in denen es keine Dorfkneipe gibt. Bislang konnte man nur dann ein Café eröffnen, wenn man die Lizenz eines Betriebs erwarb, der dichtmacht. Das erstickt natürlich jeden Versuch einer Wiederbelebung im Keim.
Ganz wie bei uns haben auch in Frankreich die absurden Coronaregeln eine Schneise der Zerstörung geschlagen, daran sind zahlreiche Restaurants und Bars zugrunde gegangen. Passenderweise haben die Restriktionen vor allem jene Orte ruiniert, die dafür bekannt sind, dass nicht nur am Stammtisch die Fetzen fliegen, wenn es gegen die Regierung geht. Den Wirtshäusern gab man schon in früheren Zeiten die Schuld an allen möglichen Übeln, Kritik an der Obrigkeit oder die Zerstörung der Familie im trauten Heim. Wirtshausromantiker sehen das ganz anders – und wer die Frankfurter Ebbelwoikneipen kennt, weiß, dass da was dran ist: Hier trifft der Lehrer auf den Autoschlosser und die Marktfrau auf Achim Winter.
Begegnung und sozialer Zusammenhalt
Doch nicht nur Frankreich beklagt das Kneipensterben. Schlimme Nachrichten kommen aus dem Vereinigten Königreich, dem himmlischen Reich der Pubs. In den vergangenen fünf Jahren mussten 2.074 Pubs schließen – ein dramatischer Verlust, die britischen Pubs verkörpern Tradition, und dort, wo man dichtgedrängt steht mit einem Pint in der Hand, findet womöglich genau das statt, was sich die Franzosen wieder wünschen: Begegnung und sozialer Zusammenhalt.
Corona und hohe Energiekosten sowie die Mehrwertsteuer – Deutschlands Gastronomen geht es nicht viel besser. Nehmen wir Nordrhein-Westfalen: Dort ist die Zahl der Kneipen zwischen den Jahren 2006 und 2023 um fast 42 Prozent gesunken. Während 2006 noch etwa 14.000 Kneipen gezählt wurden, waren es bei der letzten Zählung 2023 nur noch gut 8.000. Hohe Kosten, Mangel an Arbeitskräften, ausufernde Bürokratie und die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Speisen hat neben Corona vielen den Todesstoß versetzt.
Aus einem Brandbrief der Kölner Gastwirte an die Bundesregierung vom 2023:
„Jeder Tresen und jeder Sitzplatz hat auch eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kommunikation, Geselligkeit und unvergessene Abende. In aufgeheizten Zeiten wichtiger denn je.“ Doch Vorsicht: Eine gute Kneipe kann auch ein Ort sein, an dem aufgeheizt wird. Und das war bei der Obrigkeit noch nie gern gesehen.
Dr. Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
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Beitragsbild: Marion Post Wolcott - Photograph by Marion Post Wolcott, via Library of Congress website at [1], border cropped and converted from TIFF to .jpg, Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Muselmanen bleiben unter sich. Die wollen nicht mit Ungläubigen bzw. Untermenschen in einer Kneipe sitzen. Wenn ich daran denke, wie sehr die Islamisierung in Frankreich vorangeschritten ist, dann wird mir flau im Magen. Seit dem Jahre 2000 meide ich französische Großstädte grundsätzlich.
a votre, Madame!
Danke, Frau Stephan, für diesen Beitrag. Da fiel mir nämlich Peter Alexanders „die kleine Kneipe an unserer Straße“ ein. Fand ich 1976 abartig. Humble Pie, Deep Purple und Black Sabbath waren angesagt. Aber doch nicht solche Schnulzen. Gerade habe ich es mir nochmals angehört. Und? 50 Jahre später erinnert es mich sogar an Jaques Brel und an Bécauds Nathalie. Pardon Peter, daß ich Dich so verkannte. Ja, die Zeiten ändern sich. „Anders“ heißt nicht zwangsläufig „besser“.
Von mir aus kann der Rest auch noch dicht machen. Wer mich während der C-Zeit als Ungeimpften nicht rein ließ, bekommt mein Geld heute auch nicht mehr. Ich vergesse das nicht… kein Mitleid.
„Hohe Kosten, Mangel an Arbeitskräften, ausufernde Bürokratie und die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Speisen hat neben Corona vielen den Todesstoß versetzt.“, Mangel an Arbeitskräften würde ich hiervon ausnehmen bzw. dieser Mangel entsteht aus der Verwaltung (Anmelden, Abmelden, Abrechnung, Nachweise, übersteigerte Hygiene usw.) der Arbeitskräfte. Ich war bei einer Sportveranstaltung. Ein halber Liter Bier den ich mir selbst holen muss, in einem Plastebecher mit 2,00 Euro Pfand, den ich danach mit anstellen wieder zurückbringe, getrunken an einem klebrigen Stehtisch oder aus Mangel an Stehtischen in der Hand haltend, kostete 6,00 Euro. In solch einer Runde erkläre ich dann, wer alles an dem Bier mittrinkt. Alle staunen immer wieder, dass die Brauerei und der Standbetreiber den kleinsten Teil davon haben. A propos Hygiene. Eine Bekannte, leider nicht so richtig meine Bekannte, sonst müsste ich nicht täglich einer Arbeit im bürgerlichen Sinne nachgehen, wollte bei der Tafel mithelfen. Die ist da hingegangen, guten Tag wo darf ich anpacken. Na so einfach geht das nicht. Sie müssen zum Amt und sich anmelden. Okay Amt, hier bin ich. Nee, nee so einfach nicht. Irgendetwas Unbedenklichkeitsbescheinigung, Hygieneeinweisung / Schulung, Formulare ausfüllen, Bestätigung abwarten usw. Was soll ich schreiben. Die ist drei Tage später für vier Wochen zum Schifahren nach Aspen geflogen. Wie oben erwähnt, ohne mich.
@L. Luhmann, es betrifft jetzt schon fast jede Stadt mit mehr als 10000 Einwohnern.Die Vermehrungsrate des Klientel ist ein Garant, das bald jede Stadt ihr Muslimviertel mit entsprechendem Ambiente hat. Die Reichen bekommen in ihren Quarties davon nichts mit, in England läuft es ebenso.
„Wenn es ihnen dort nicht gefällt, sollen sie sich doch eine Villa/Cottage kaufen. Ach, sie haben keine Millionen, na dann gehören sie nicht zu uns, viel Glück in der Gosse“ (Und zahlt weiter fleissig Steuern , ihr Untertan-Deppen!)
@L. Luhmann, es betrifft jetzt schon fast jede Stadt mit mehr als 10000 Einwohnern.Die Vermehrungsrate des Klientel ist ein Garant, das bald jede Stadt ihr Muslimviertel mit entsprechendem Ambiente hat. Die Reichen bekommen in ihren Quarties davon nichts mit, in England läuft es ebenso.
„Wenn es ihnen dort nicht gefällt, sollen sie sich doch eine Villa/Cottage kaufen. Ach, sie haben keine Millionen, na dann gehören sie nicht zu uns, viel Glück in der Gosse“ (Und zahlt weiter fleissig Steuern , ihr Untertan-Deppen!)