Die Bauern haben gerade viel Arbeit und können im Moment nicht protestieren, während die Bundesregierung Trostpflaster anbietet und die EU gerade neue Zumutungen beschlossen hat.
Man hört so gar nichts mehr von den Bauern, die doch seit Anfang des Jahres mit ihren spektakulären Traktorendemos so sichtbar waren? Also ich höre sie, hier im Dorf, wie sie die paar sonnigen Tage nutzen, um vor dem nächsten Regenguss das Heu einzubringen. Insofern war es ein geschickter Schachzug von der Regierung, gerade jetzt das neue Agrarpaket vorzustellen, da muss man keine neuen Traktorendemos nach Berlin befürchten.
Denn das Agrarpaket, auf das sich die Bundesregierung am Dienstag geeinigt hat und das in der kommenden Woche im Bundestag verabschiedet werden soll, ist ein höchst bescheidenes Päckchen. Bürokratieabbau und eine kleine steuerliche Entlastung durch „Gewinnglättung“ über drei Jahre, so dass die Landwirte die Einkünfte aus guten und schlechten Jahren besser miteinander verrechnen können – das war’s in etwa. Halt: Die Abschaffung der Vergünstigungen beim Agrar-Diesel wurde auf drei Jahre gestreckt.
Das hilft nicht viel, zumal die Angriffe aus anderen Richtungen weitergehen. Noch droht Ursula von der Leyens „Green Deal“, also die Abschaffung der „schmutzigen fossilen Energien“ bis 2050, was die niederländischen Bauern dazu bewogen hat, eine eigene Partei in die Regierung zu schicken. Mit abseitigen Vorschriften soll die gesamte europäische Landwirtschaft abgewürgt werden. Umso bemerkenswerter die offensichtliche Kehrtwende im Nachbarland und seit den Wahlen zum EU-Parlament in der gesamten EU.
Der zweite Angriff auf die Landwirtschaft erfolgte jüngst durch das im Hauruckverfahren durchgepeitschte „Naturwiederherstellungsgesetz“ der EU-Umweltminister, das die Ergebnisse der EU-Wahlen nicht berücksichtigt. Mal abgesehen davon, dass wir in Europa in Kulturlandschaften leben und eine „Wiederherstellung“ der Natur eine absurde Idee ist, geht es dabei etwa um die Wiedervernässung von Mooren oder um „Waldökosysteme“, in denen Totholz stehen- und liegenbleiben soll. Ein Paradies für den lieben Borkenkäfer und eine Freude für Waldbrandstifter!
Ideologie im steten Kampf gegen die Realität
Wie die „Renaturierung“ wirkt, beschreibt ein Bauer namens Fritz am Beispiel eines Beherbergungsbetriebs im ländlichen Raum mit 60 Betten. Von den 60 Zimmern muss man nunmehr zehn für die Natur weit offen halten, was Gäste verständlicherweise eher abschreckt, man wird also Verluste machen. Nun, wird die „Renaturierungsbehörde“ auf die Klage des Herbergsvaters sagen, „für die Natur müsse nun mal jeder ein Opfer bringen. Und es sei doch besser, ihr Betrieb ‚brennt ab‘ als die ganze Welt.“
Ideologie im steten Kampf gegen die Realität. Man will offenbar schlichtweg die heimische Landwirtschaft einschränken zugunsten von „Landschaftselementen mit hohem Naturschutzwert“ – und womöglich zugunsten billiger Anbieter auf dem Weltmarkt. Ganz klar: Es geht gegen die Bauern, die angeblich die Gewässer vergiften und die Insekten ausrotten. (Mein Vorschlag dazu wäre, übrigens, die ganzjährige Ausbringung von Misthaufen, das lieben die kleinen Flügler.)
Nun, die Abstimmung fiel knapp aus und das Gesetz wäre wohl nicht verabschiedet worden, wenn nicht die grüne Klimaministerin Österreichs, Leonore Gewessler, zugestimmt hätte – gegen das explizite Verbot von Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer. Inzwischen liegen zwei Anzeigen wegen Amtsmissbrauch gegen sie vor. Nach der ÖVP hat auch der Bauernbund Österreich Anzeige erstattet. Gewessler habe sich skrupellos über den innerstaatlichen Konsens hinweggesetzt.
Vielleicht war Europa ja einst eine Wüste?
Es gab also Krach in Österreich – gut möglich, dass die Grünen bei der nächsten Regierung nicht mehr dabei sein werden. Das gilt auch für Deutschland. Man mag die Partei des Moralisierens und Bevormundens nicht mehr.
Und mit „Natur“ oder gar deren Schutz hat eine Partei wohl kaum noch etwas am Hut, die ganz ohne Technologiefolgeabschätzung das Land mit Windmühlen vollstellen und „Landschaftselemente“ mit Solarpaneelen zupflastern will. Das schützt weder die Natur noch das Klima. Oben werden Vögel und Insekten von den Rotorblättern erschlagen, und unter den Paneelen verschwindet fruchtbarer Boden, denn dort wird es brütend heiß.
Doch wer weiß: vielleicht war Europa ja einst eine Wüste? Dann hätten wir damit tatsächlich eine „Wiederherstelllung der Natur“. Ohne Menschen, die stören.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
Beitragsbild: David Baldi (user PandaDB) - Transferred from en.wikipedia.org [1]: 2007-01-21 22:38 . . PandaDB . . Traditional Eastern European Farmer Woman. I (David Baldi, PandaDB) am the original author of this photograph and do hereby release it into the public domain for use on en.wikipedia.org., Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Landwirtschaftsumbauminister Ökodemir hat sich für Anhebung der Mehrwertsteuer auf Fleisch ausgesprochen , um einen Umbau der Tierhaltung zu höheren Standards mitzufinanzieren . Der Grünen-Politiker griff am Donnerstag beim Deutschen Bauerntag in Cottbus einen entsprechenden Vorschlag des Bauernverbands auf . Alle Herzen im Dreivierteltakt …Schöne Grillsaison noch !
„Das schützt weder die Natur noch das Klima. Oben werden Vögel und Insekten von den Rotorblättern erschlagen, und unter den Paneelen verschwindet fruchtbarer Boden, denn dort wird es brütend heiß. Doch wer weiß: vielleicht war Europa ja einst eine Wüste? Dann hätten wir damit tatsächlich eine “Wiederherstelllung der Natur„. Ohne Menschen, die stören.“ --- #ZeroCarbon bedeutet #ZeroHumans! … und die Georgia Guidestones waren ganz sicher ernstgemeint!
Die Bauern werden wieder demonstrieren, aber dann ist es zu spät, bei der EU- Wahl hätten die Bauern ihren Protest zeigen können, in ganz Europa, aber man wählt weiter so.