Douglas Murray ist nicht nur ein genauer, er ist ein leidender und mitfühlender Berichterstatter. Ich wüsste nicht, dass es in Deutschland in Bezug auf Israel eine ähnlich empathische Berichterstattung gegeben hat oder auch nur geben kann.
Ich kann das schon verstehen, dass Greta Thunberg, mit dem Selfie-Boot und ein paar Mehltüten auf dem Weg nach Gaza, den ihr von den Israeli angebotenen Film über das Massaker vom 7. Oktober 2023 nicht ansehen wollte. Es reicht ja fast, darüber zu lesen. Deshalb sei das Buch von Douglas Murray „On Democracies and Death Cults“ nur Menschen mit starken Nerven empfohlen. Oder – halt! – sollte man es womöglich denen zwangsvorlesen, die von Israel ständig Zurückhaltung einfordern?
Douglas Murray, einer der klügsten Köpfe, hat Israel seit 2006 oft besucht und war schockiert, als am 7. Oktober auf New Yorks Time Square Jubel zu hören war über das Massaker, das im Süden Israels noch immer weiterging. Größere Proteste gegen die Hamas in irgendeiner westlichen Großstadt? Nichts dergleichen. Und haben viele westliche Regierungen nicht Milliarden von Dollars an die Hamas rübergeschoben unter dem Vorwand, man müsse den armen Palästinensern helfen? Und war die besorgte Frage in manchen Medien, was Israel nun im Gegenzug unternehmen würde, wirklich das wichtigste Thema?
Murray gehörte zu den Journalisten, denen in London ein 45 Minuten langer Film vorgeführt wurde, zusammengestellt aus den Videos, die die Terroristen selbst von ihren Taten anfertigten, sowie Videos von ihren Opfern und den Ersthelfern. Das dürfte furchtbar genug gewesen sein. Doch danach reiste er durch Israel, sprach mit den Familien der Opfer, mit den Überlebenden, folgte den Spuren des Massakers, ging durch den niedergerissenen Grenzzaun nach Gaza, wo ein Tunneleingang nach dem anderen entdeckt wurde. Und er besuchte einige der Terroristen im israelischen Gefängnis.
Die perverse Lust auf den Gesichtern der Terroristen
Was ihn beschäftigte, war die perverse Lust auf den Gesichtern der Terroristen, ihre tiefe Freude, ihr Stolz auf ihr Tun, das sie in Videos festhielten. Ein junger Terrorist rief zuhause mit dem Telefon eines seiner Opfer bei seinen Eltern an und protzte damit, zehn Juden getötet zu haben, mit seinen eigenen Händen, er sei ein Held. Selbst die Nazis, schließt Murray, hätten mit einem Restbestand von Scham ihr Mordtaten nicht in alle Welt hinaus geblasen.
Was kann man gegen einen solchen Todeskult unternehmen? Ihn verdrängen? Doch wieso wird den abgeschlachteten Juden und den Geiseln so selten Sympathie oder wenigstens Respekt entgegengebracht? Weiter: Könnte es sein, dass, was den Juden geschah, irgendwann uns allen blüht?
Das Massaker an den Besuchern des „Nova Festivals“ und in den grenznahen Kibbuzim traf keineswegs überall auf Entsetzen, das könne halt passieren, hieß es hier und da, wenn man in der Nähe eines Konzentrationslagers feiere. Israel sei überdies ein rassistischer, ein Apartheidstaat – eine glatte Lüge. Etwa 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Araber oder Drusen. Nicht die Israeli tolerieren Araber nicht, sondern Araber und Muslime tolerieren Israeli nicht.
Und die Geiseln? Unter den 250 Verschleppten waren amerikanische, britische, französische und deutsche Bürger, aber der politische, diplomatische und soziale Druck, um ihre Befreiung zu erreichen, war minimal. Die großen Städte des Westens wurden dominiert von antiisraelischen Demonstrationen, an den amerikanischen Eliteuniversitäten blühte der Antisemitismus. Projektion, schließt Murray: Junge, überwiegend linke Menschen schätzen ihr eigenes Land nicht, meinen, es sei auf ethnischer Säuberung und Genozid gegründet, so, wie sie es für Israel behaupten. Und offenbar sehen viele den Unterschied nicht zwischen einer Gesellschaft, die Bunker für ihre Bevölkerung baut und einer, die Bunker für Raketen baut.
Amerika war der Große Satan und Israel der kleine
Schon 1979 hatte der Westen weggesehen. Intellektuelle und Journalisten haben den Flug Ayatollah Khomeinis von Paris in den Iran sogar gefeiert, etwa Michel Foucault, der es begrüßte, dass Khomeini eine spirituelle Revolution mit sich bringe, die ein Ende mache mit dem westlichen Kapitalismus und Materialismus. Man glaubte, er sei ein moderater Religionsführer und übersah, wie schnell das neue Regime begann, Studenten ins Gefängnis zu werfen, Frauen zu unterdrücken, Homosexuelle aufzuhängen. In Laufe der 1980er Jahre setzte sich der Iran im Irak fest, im Libanon, in Syrien, und mästete den Terror von Hisbollah, Hamas oder den Houthi. Der Iran wuchs zur größten imperialen Macht auf. Amerika war der Große Satan und Israel der kleine, den man ausradieren wollte.
Dass Israel Gaza im Jahr 2005 aufgab und die dortige israelische Bevölkerung weichen musste, war eine bittere Entscheidung. Vor allem schaffte sie nicht, was man sich erhofft hatte: Frieden. Im Gegenteil. Seit der Machtübernahme durch die Hamas wurde Israel immer wieder angegriffen, mit Raketen, die der Iran lieferte. Seither haben alle Häuser in grenznahen Gebieten sichere Räume zum Schutz der Familien. Diese Räume können allerdings nicht von innen verriegelt werden, was sich als furchtbarer Fehler erwies.
Douglas Murray zeichnet nach, was im Kibbuz der „Peaceniks“ von Be’eri geschah an diesem 7. Oktober, und das ist eine schmerzende Lektüre. Die Terroristen gingen von Haus zu Haus, zielten auf die sicheren Räume, die man von innen nur schwer zuhalten konnte, schossen auf die Menschen und brannten das Haus mit seinen Einwohnern nieder. Die Bewohner warteten auf das Eintreffen der IDF – vergeblich. Das war der nächste Schock. Juden sind schon längst, etwa in Frankreich, nicht mehr sicher – galt das nun etwa auch für Israel?
Es gibt Fanatiker, die sich nicht kaufen lassen
Warum kam die IDF nicht? Murray meint, man habe sich in Israel in der Vorstellung eingerichtet, die Hamas werde wie alle terroristischen Bewegungen den Weg des Geldes gehen und sich an der Korruption erfreuen. Einer vom politischen Flügel der Hamas lebte seit Jahren in einem luxuriösen Apartment in Qatar. Wer würde dieses Luxusleben riskieren wollen? Doch es gibt Fanatiker, die sich nicht kaufen lassen – und diese hier verkündeten immer wieder, dass sie Israel auslöschen wollten. Warum glaubte man ihnen nicht?
Israel hat den Iron Dome. Gut so. Das aber geht nicht an die Quelle des Problems. Was ist das für ein Leben, fragt Murray, in dem man sich an eine ständige Bedrohung gewöhnen muss? In Israel liebt man das Leben. Die Terroristen lieben den Tod. Das ist der Unterschied.
Douglas Murray sprach auch mit Benjamin Netanjahu. Hier deutet sich bereits an, worum es geht: Irans Atombombe muss verhindert werden. Unklar, ob das auch gelungen ist.
Douglas Murray ist nicht nur ein genauer, er ist ein leidender und mitfühlender Berichterstatter. Ich wüsste nicht, dass es in Deutschland in Bezug auf Israel eine ähnlich empathische Berichterstattung gegeben hat oder auch nur geben kann. Der rotgrüne Mainstream weiß nichts von Israel und will es auch nicht wissen.
Douglas Murray, On Democracies and Death Cults, London 2025, 287 Seiten
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
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Beitragsbild: Douglas Murray

An dieser Stelle habe ich schon einmal erwähnt; auch das ist nichts für schwache Nerven. Eine Wiederholung kostet mich Überwindung und bereitet körperliche Schmerzen: unmittelbar nach der Machtübernahme durch den Verbrecher Ayatollah Ruhollah Chomeini begann die große „Säuberungsaktion“. Ein Heer an vermeintlich/ tatsächlich-Mitläufer-Anhänger des gestürzten sha reza Pahlavi wurden eingekerkert, „jungfräuliche“ vor der Execution durch Religionsgarden defloriert. Nach koranischer Lesart, bleibt jenen das „Paradies“ verwehrt!! Im übrigen bin ich der Meinung, die „Religion“ des Friedens gewinnt unaufhaltsam an Macht und Einfluss. Wollen wir das?
@L.Luhmann: Das Versagen der IDF am 07. Oktober 23 ist längst analysiert und dem isaelischen Volk offengelegt worden. Es waren teils unverzeihliche, läppische und arrogante Überschätzungen wichtiger Stabschefs, welche die dringlichen Warnungen der Gaza-Zaun-Kontrolleure und Beobachter in den Wind schlugen und nach dem schrecklichen Massaker zurück getreten sind. Darüber konnte man ausführlichst in den israelischen und in hiesigen – unabhängig berichtenden – Medien lesen. Jetzt ist Krieg in Israel! Die tapfere israelische IDF mitsamt ihren Reservisten, die israelische Bevölkerung, Männer wie Frauen, können das schreckliche Versagen nicht mehr rückgängig machen, und werden aus den verheerenden Fehlern – mit weitreichenden Wahnsinnskonsequenzen – lernen.
Nach dem hoffentlichen Sieg des aktuellen Überlebenskampfes des kleinen israelischen Staates werden Militär-Prozesse geführt und die Hauptschuldigen zur Verantwortung gezogen. Dazu braucht es weder die deutschen Ratschläge, noch deren Einmischungen. Und schon gar nicht Ihre unqualifizierten, ja dummen Einlassungen. Schalom!
Douglas Murray hat schon gleich zu Beginn kurz nach dem 7. Oktober 2023 herausragende Interviews im britischen Fernsehen gegeben.
@L. Luhmann : >>Unter dem Polen Netanyahu, der kein Jude ist, sind die Juden in Israel unter enormem Druck dazu gebracht wurden, sich ausschließlich PFIZER-TOXINE injizieren zu lassen… Die Israelis und Juden wurden zu Massenversuchsuntermenschen gemacht!<< ## Ich stelle mir gerade vor, wie das gewesen wäre, wenn ich Ihnen das vor 15 Jahren so gesagt hätte. Ich hätte dann vielleicht noch hinzugefügt „Das sind doch ganz andere Leute“ und Sie hätten das vollständig von sich gewiesen. Aber zum Glück habe ich ja niemals so gedacht. Niemals hätte ich einen Zweifel gehabt, dass die Politik Bibis die einzig richtige ist. Nein, die einzig mögliche! Ich hätte mich vielleicht gewundert, dass es im britischen „Golders Green“ möglich ist, dass koschere und halale Läden nebeneinander sind. Was ja gar nicht sein könnte, wenn sie sich gegenseitig immer mit Raketen beschossen hätten. Dann wären dort jetzt Trümmer. Ich war lange nicht mehr dort und vermutlich ist dort inzwischen auch viel kaputt. Soll ich denn deswegen dort hin fahren, um es zu wissen? Ich glaube einfach nichts mehr!
Seit dem unfassbaren Massaker auf dem Nova-Festival mag ich kein Psytrance mehr hören… ehrlich… ich höre wieder 80´s…
Schon 1969 (!) gab es einen schweren, Gott sei Dank aber nicht geklappten, antisemitischen Anschlag.
Archiv-Quelle: Deutschlandfunk.
„Die Bombe, die nicht zündete“
Vor 50 Jahren wäre im Westberliner Haus der Jüdischen Gemeinde fast eine Brandbombe explodiert .Zunächst wurde ein rechtsextremes Motiv vermutet, dann stellte sich heraus: Dieser Antisemitismus kam von Linken. Bislang wird an die Tat kaum öffentlich erinnert.
Vermutlicher Drahtzieher war Dieter Kunzelmann, der später im Anwaltsbüro Ströbele, dem links-alternativen Urgestein arbeitete.
Heute gilt: Linksradikale Studenten sind nicht nur Palästina-Freunde (From the River to the Sea… ), sondern auch zum großen Teil Hamas-Fans.
MfG
Werner Pfetzing
Gut so, Frau Stephan, nicht lockerlassen und immer wieder an das fürchterliche Geschehen erinnern. Und überall auf der Welt suchen nach Politikern, Journalisten oder auch einfachen Bürgern, die an der Seite Israels stehen und diese islamistischen Terroristen aufs schärfste verurteilen. Dieser Tag im Oktober 2023 DARF NICHT in Vergessenheit geraten, auch wenn linke Kräfte in aller Welt das verhindern möchten!