Vielen scheint es Spaß zu machen, Deutschland bei seiner Selbstzerstörung zuzusehen. Nicht nur bei der Sprengung des Kernkraftwerks Gundremmingen am Samstag, sondern auch jeden Tag beim Tod schöner deutscher Haus-Fassaden.
Der neueste heißbegehrte Event: die Sprengung der Kühltürme des AKW Gundremmingen. Am kommenden Samstag zur Mittagszeit werden mit den beiden 160 Meter hohen Kühltürmen 56.000 Tonnen Stahlbeton in sich zusammenbrechen. Tausende Schaulustige werden anreisen, weshalb auf Bundesstraßen in einer Länge von etwa 7,6 Kilometern 1.900 Parkplätze zur Verfügung gestellt werden.
Vater, Mutter, Kind: Alle freuen sich. Der Beifall wird ohrenbetäubend sein.
Das Kernkraftwerk Gundremmingen ist bereits Ende 2021 mit der Abschaltung des dritten Blocks vom Netz gegangen. Es hätte noch jahrelang Energie liefern können, die deutschen AKW gelten als technisch hervorragend. Die Sprengung der Kühltürme ist das erste nach außen hin sichtbare Zeichen der Abrissarbeiten, die bis in die 2030er Jahre andauern werden.
Der deutsche Sonderweg wird unbeirrt weiter gegangen, selbst wenn um das Land herum ein Kernkraftwerk nach dem anderen gebaut wird. Die Nachbarn wissen offenbar, dass ein AKW von allen Energielieferanten die geringsten Todesfälle erzeugt und kaum CO2 ausstößt – angeblich ja ein mörderisches Klimagift.
Im Übrigen sind alle deutschen AKW deutsches Volksvermögen, das hier mutwillig zerstört wird. Aber wir haben’s ja! Weg damit!
Komplettverschleierung des Baukörpers
Wegen der EU und dem „Klima“ dürfte der Werteverlust auch bei anderen Immobilien enorm sein. Wie werden sich die wenigen klassischen Altbauviertel in den Städten verändern, die nicht den Bombenangriffen des letzten Weltkriegs (oder in der DDR dem Verfall) zum Opfer gefallenen sind, wenn Habecks Heizungsgesetz und die EU ihre „klimafreundlichen“ Ziele erreicht haben? Die Merz-Regierung hatte zwar versprochen, das Heizungsgesetz abzuschaffen, aber passiert ist nichts dergleichen. Und noch immer wird die Komplettverschleierung des Baukörpers empfohlen, die Burka für das Haus. Verbunden mit einer Wärmepumpe, deren Umsatz allerdings 2024 erheblich eingebrochen ist.
Wohin diese Pläne führen, kann man in Frankreich beobachten, im Vivarais, in der Südardèche. Die Städte und Dörfer sind geprägt von alten Steinhäusern, ein großartiger Anblick, außerdem bleibt es innen im heißen Sommer schön kühl. In den Wintermonaten hilft ein Kaminfeuer. Doch viele Häuser stehen mittlerweile leer, dafür werden auf Wiesen und Weiden Niedrigenergiehäuser gebaut.
Ein altes Steinhaus auf Energieeffizienzstufe G können sich nur noch Touristen als Ferienhaus leisten. Als Geldanlage taugt allerdings auch das liebevollst restaurierte Haus aus dem 15. Jahrhundert nicht. Ein Gebäude mit Energieeffizienzstufe G darf ab 2026 nicht mehr vermietet werden. Und beim Verkauf schlägt der ganze Irrsinn aus der EU durch. Das Haus müsste gedämmt werden, angefangen mit dem Dach. Dann kommen die Wände dran: Außendämmung ist am effektivsten, vor allem, was die Verschandelung betrifft. Auch antike Fenster mit Einfachverglasung müssen dran glauben. Bis 2050 sollen alle Gebäude dem Standard eines Niedrigenergiehauses entsprechen.
Das deutsche Dämmstoffwesen
Also Schluss mit dem vertrauten Bild der Städte mit ihren Tempeln aus Stein, Schluss mit Kultur und Geschichte, ein Todesstoß für alles, was Franzosen zu ihrem „Patrimoine“, zu ihrem Erbe zählen. Für Hausbesitzer wiederum sind all diese Maßnahmen nichts anderes als Enteignung. Kann man sich auf das französische Talent für Randale verlassen? Man weiß es nicht.
Und die Deutschen? Ach, die haben ja kein Patrimoine, zumal ihr Gedächtnis höchstens bis 1933 zurückreicht. Und was ist mit den von der RAF verschonten Fachwerkstädten? Immer schön Dämmplatten draufnageln, dann freut sich drinnen der Schimmel?
Was tun Menschen nicht alles für die Rettung des Klimas! „Am deutschen Dämmstoffwesen soll das Weltklima genesen“, spöttelten die beiden Autoren der FAZ bereits 2010 und beklagen, dass die meisten Deutschen gar kein Problem mit der Verschandelung im Namen des angeblichen Klimaschutzes hätten.
Der Chef des Wohnungsunternehmens LEG Lars von Lackum hält nichts vom Dämmen. „Dämmen ist unfassbar teuer und hat kaum Klimaeffekte. Der durchschnittliche Energieverbrauch ist dadurch lediglich von 131 Kilowattstunden pro Quadratmeter auf 129 Kilowattstunden gesunken.“
Ob man dem Mann endlich zuhört, bevor es zu spät ist?
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Das aktuelle von ihr herausgegebene Buch heißt "Deutsche Legenden. Wer schreibt unsere Geschichte?"

Herr Rahmenschneider, bitte mal unter dem Stichwort „Taupunktverschiebung“ nachlesen und versuchen zu verstehen, was selbige mit der Installation einer dicken Innendämmung zu tun hat!
Bis vorhin hatte ich noch auf das Wunder gehofft, dass die Gundremminger Türme verschont bleiben würden. Soo entsetzt, und soo traurig.
@ Else Schrammen -- „Stimmt aber, der Beifall, wenn in Deutschland mal wieder die Abrissbirne walten darf, wird ohrenbetäubend sein.“ – Nicht ohne Grund hat ein gewisser Herr FdP-Lindner in der Branche seine Anschlußverwendung gefunden. Da schließt sich ein Kreis.
Den Klimafaschismus in seinem Lauf, hält wder Ochs noch Esel auf ! – Und die Deutschen schon garnicht.
Werte Frau Dr. Stephan, man braucht für die Argumentation gegen die Überdämmung keinen Herrn von Lackum. Es reicht, wenn man mit einem lokalen „Feuerwehr-Hauptmann“ spricht. Das Zeug brennt wie Zunder oder besser Brandbeschleuniger. Den Brand eines förder-gedämmten Hauses löscht niemand.
Textzitat: „Wie werden sich die wenigen klassischen Altbauviertel in den Städten verändern, die nicht den Bombenangriffen des letzten Weltkriegs (oder in der DDR dem Verfall) zum Opfer gefallenen sind, wenn Habecks Heizungsgesetz und die EU ihre “klimafreundlichen„ Ziele erreicht haben?“ Gründerzeitbauten sind eigentlich alle denkmalgeschützt, da greift das GEG nur eingeschränkt, und Verschandelung durch Fassaden„sanierung“ = Dämmung muss man nicht befürchten. Zum Thema ‚Dämmen’: neben dem tatsächlich geringen Effekt des Ganzen ist es ja auch so, dass man toxische Materialien, die zum Dämmen eingesetzt werden, irgendwann wieder entfernen (und fachgerecht entsorgen muss). Das alles ist daher nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Handwerker und Symbolpolitik. Die jedoch leider viele Vermieter und Mieter finanziell an die Grenzen bringen oder ruinieren und zur Verzweiflung treiben wird. Es ist alles so schräg und absurd, dass man eigentlich nur noch ungläubig lachen kann.
Atomkraftwerke sind als Bunker quasi antizyklisch. Normalerweise ist die Dosisleistung im Bunker geringer als aussen.