Mit der Rückgabe der Benin-Bronzen wollten Annalena Baerbock und Claudia Roth einen „Wendepunkt internationaler Kulturpolitik“ einleiten. Das Ganze geriet zur Farce. Doch die irre Geschichte geht mit einer weiteren irren Geschichte in die nächste Runde.
Es war doch alles so gut gemeint! Als Annalena Baerbock und Claudia Roth am 20. Dezember 2022 in die nigerianische Hauptstadt Abuja reisten, um 20 sogenannte Benin-Bronzen dem afrikanischen Land zurückzugeben, feierten sie das als „Wendepunkt internationaler Kulturpolitik“.
Mit diesem Geschenk arbeite Deutschland die „eigene koloniale Vergangenheit“ auf. Auch seien die Bronzen besonders wichtig für die Menschen in Nigeria, „weil es nicht nur Kunststücke sind, nicht nur kulturelles Erbe, sondern auch ein Stück von Identität“.
Kulturelles Erbe? Und ein Stück welcher Identität?
Nigeria ist seit 1960 unabhängig. Es hat heute 230 Millionen Einwohner aus etwa 250 Ethnien. Es werden 514 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. Die drei größten Volksgruppen sind die Yoruba, die Igbo und die Hausa. Und für all deren Identitäten stehen die Benin-Bronzen? Und sie alle empfinden die Bronzen als „kulturelles Erbe“? Eher unwahrscheinlich. Und mit deutscher „kolonialer Vergangenheit“ hat die moralisch hochstehende Geste rein gar nichts zu tun. Das ist geradezu eine kulturelle Aneignung.
Vor allem aber sind die „Benin-Bronzen“ Artefakte nicht „der Nigerianer“, sondern des Königshauses Benin, im 16. Jahrhundert ein Hauptzentrum des Sklavenhandels und berüchtigt durch Menschenopfer bei Festlichkeiten. Die Benin-Bronzen sind meist aus sogenannten „Manillen“ gefertigt, Armreifen aus Bronze, auch als „Sklavenhandelswährung“ bekannt, als die Europäer begonnen hatten, damit den Erwerb von Sklaven zu bezahlen.
Nachdem 1897 eine britische Abordnung von Benin-Kriegern massakriert wurde, entsandte das British Empire umgehend 1.200 Soldaten zu einer Strafexpedition, in deren Verlauf Soldaten viele Benin-Bronzen mitgehen ließen, wonach sie auf dem Weltmarkt kursierten.
Erbe eines Sklavenstaates
Ein britischer Augenzeuge berichtet, die Bewohner der Stadt hätten sich beim Eintreffen der Briten kurz aus der Deckung heraus gewehrt, seien dann aber allesamt, inklusive des Königs, geflohen – unter Zurücklassung von rund 200 Leichen von auf bestialische Weise ermordeten Sklaven.
Der Augenzeuge beschreibt den grässlichen Leichengeruch, der über der Stadt lag und der selbst für hartgesottene Soldaten unerträglich gewesen sei; überall sei Blut zu sehen gewesen, die Leichen der ermordeten Sklaven lagen auf den Straßen und in Brunnenschächten, die Bronzen, das Elfenbein und sogar die Wände seien mit Blut beschmiert gewesen. (Siehe den Bericht von Peter J. Brenner in „Deutsche Legenden. Wer schreibt unsere Geschichte?“ Soeben erschienen im Buchhaus Loschwitz.)
Die Bronzen sind also kulturelles Erbe nicht „der“ Nigerianer, sondern eines Sklavenstaates, weshalb die Eigentumsrechte an den Benin-Bronzen per Erlass des nigerianischen Staatspräsidenten an den Ur-Ur-Enkel des Königs von Benin in Privatbesitz übertragen wurden. Konsequenterweise.
Es werden nur Repliken gezeigt
Was hat das „nigerianische Volk“ also nun von der deutschen Großtat? Hat niemand die damalige deutsche Außenministerin auf die wahre Geschichte aufmerksam gemacht? Oder war man so beduselt vom „historischen Moment“? Hilfsweise erklärte der nigerianische Außenminister Geoffrey Onyeama die Benin-Bronzen nun zum „gemeinschaftlichen Vermögen der Menschheit“, damit sind alle Fragen erledigt. Oder?
Das sehen nicht alle so. Bereits im August 2022 gab es Protest der US-amerikanischen Restitution Study Group an der Rückgabe. Sie forderte Frankreich, Großbritannien, die USA und Museen anderer Länder auf, die Bronzen weiterhin auszustellen, da sie in westlichen Museen den tatsächlichen Nachfahren von Sklaven zugänglich seien, die dafür „mit ihrem Leben bezahlt“ hätten, und nicht den Nachfahren von Sklavenhändlern.
Doch die irre Geschichte endet mit einer weiteren irren Geschichte. Eigentlich sollten die Bronzen in Benin in einem Museum ausgestellt werden, das am 11. November eröffnet wird, mitfinanziert von vielen europäischen Ländern. Doch die Erben von Benin scheinen nicht mitgespielt zu haben: Die identitätsstiftenden Bronzen bleiben den Augen der aufs kulturelle Erbe neugierigen Nigerianer entzogen. Dafür werden nun – Repliken gezeigt.
Vielleicht hätte man auf diese elegante Lösung gleich kommen sollen? Doch das hätte Annalena Baerbock und Claudia Roth ihren „Wendepunkt internationaler Kulturpolitik“ genommen. Und das wäre doch schade gewesen.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.

„… Rückgabe … Annalena Baerbock und Claudia Roth …“. Ich habe zusammengefaßt. Es wird sich niemand auf der Welt finden. Warum haben deren Eltern sich so ausgelebt. Eine Strafe Gottes oder für die verlorenen Weltkriege, die Rache der Welt für schlechte Touristen oder alles zusammen?
Eigentlich interessiert mich das alte Benin-Gelumpe herzlich wenig. Was mir aber wirklich Angst macht ist die Gewissenslosigkeit, mit der unser Eigentum „zurückgegeben“ wird. Was wird als nächstes „zurückgegeben“? Im Moment scheinen unsere Renten „zurückgegeben“ zu werden. Als nächstes dann auch unsere Häuser und Autos, wenn sie nicht mit der „richtigen“ Ideologie betrieben oder beheizt werden. Auch unser Vermögen wird scheibchenweise zurückgegeben an die, die ihre Taschen nicht voll genug bekommen können. Wenn uns das Los trifft, dürfen wir sogar unser Leben an der russischen Grenze zurückgeben.
Das war reiner Moral-Aktionismus. Warum fällt mir zu den beiden Abgebildeten immer Talleyrand ein: „Klug und fleißig – gibt’s nicht; klug und faul – bin ich selbst; dumm und faul – für Repräsentationszwecke noch ganz gut zu gebrauchen; dumm und fleißig – davor behüte uns der Himmel.“
In Nigeria sind seit 2005 von der islamistischen Terror Miliz Boko Haram schätzungsweise 150000 Christen z.T. bestialisch ermordet worden! Interessiert hier in D kein „Schwein“? Gaza, Gaza,… Israel = Genozid! Julius Streicher? Es muss an mir liegen? Ich werde demnächst 70, irgend etwas bekomme ich nicht mehr auf die Reihe?
Guten Morgen! Ganz schön heftig, den Tag nicht nur mit dem ersten Kaffee, sondern mit Bildern von Claudia-Fatima und dem Lenchen zu beginnen… .
Es geht um die Show. Eine alberne Show naiver Eitelkeiten besagter Damen samt Gefolgschaft. Devise: schaut her, wir sind gut, wir sind sogar besser. Wir sind (insgeheim) die neuen Herrenmenschen, pardon Damenmenschen. Und so überzeugt man offenbar stabil mehr als ein Zehntel der Wähler, vor allem Wählerinnen.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass „gut gemeint“ nicht unbedingt mit „gut“ identisch ist. Für diese Fehlannahmen sind die „Grünen“ seit jeher berühmt.