Die Probleme des Menschen fangen damit an, dass er neugierig auf die Welt ist und ständig irgendwo hin will. Das muss sich jetzt unbedingt ändern.
Schluss mit dem Pessimismus. Glaubt mir: Wir sehen idyllischen Zeiten entgegen. Es geht zurück ins Biedermeier. Mutter sitzt am Küchentisch und schreibt Liebesromane. Vater verteilt im Homeoffice Bußgelder. Der Sohn daddelt im Kinderzimmer, zuletzt war er damit beschäftigt, in einer grünen Hölle zu überleben, in der jeder Farn tödlich sein konnte.
Die Wohnung verlassen die drei nur, wenn es gar nicht anders geht, was selten der Fall ist. Das meiste lässt sich digital erledigen, Lebensmittel bringt der bewaffnete Lieferdienst. Denn da draußen lauert die Gefahr. Tröstender Gedanke: Was muss man auch hinaus in die Welt, wenn die Welt zu einem kommt?
Prophetisch verkündete der Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl nach den Messermorden in Solingen: Jeder müsse mit sich „ausmachen, ob er beispielsweise zu Festivitäten geht, ob er zu Fußballspielen geht, ob er im öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist.“
Am besten also, man bleibt zuhause. Das Auto ist längst aus den Innenstädten verbannt. Nur Politiker dürfen noch in gepanzerten Limousinen und mit schwer bewaffnetem Begleitschutz unterwegs sein. Busse und Bahnen sind den Eingewanderten vorbehalten, die man nicht mehr Schwarzfahrer nennen darf, wobei sich manches Problem von selbst erledigt, ein von der Politik mit Erleichterung wahrgenommener Nebeneffekt.
Flüge ab Berlin gestrichen
Flugreisen sind klimaschädlich – vor allem: wer will uns denn noch an seinen Stränden haben, wo der kleine deutsche Mann und die noch kleinere deutsche Frau den Blick aufs Meer verstellen könnten? Nur die Außenministerin darf an exotische Strände fliegen, am besten mit einer Regierungsmaschine, sie muss ja überprüfen, was der Klimawandel mit fernen Atollen so anstellt. (Nicht viel, natürlich, aber man muss schon mal nachschauen, gell?)
Vorausschauend hat Billigflieger Ryanair 20 Prozent der Flüge ab Berlin gestrichen, das sind 750.000 Sitzplätze weniger, nach einem die Entscheidung fördernden Fußtritt von Seiten der Regierung: Zuletzt wurde zum 1. Mai 2024 die Luftverkehrssteuer um rund 25 Prozent erhöht. Ab Januar wird es noch teurer. Ryanair bezeichnete die einst vom damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble eingeführte neue Steuer als Strafsteuer und einen Angriff auf die Reisefreiheit. Ja, natürlich! Was denn sonst!
Auch die Kreuzfahrt fürs mittlere Budget ist in Bedrängnis. Venedig will keinen der Riesen mehr in seine Nähe lassen, vor der Corona-Pandemie liefen pro Jahr mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe Venedig an. Insbesondere zwischen Mai und Oktober fuhren die großen Passagierschiffe durch den vergleichsweise schmalen Kanal von Giudecca, um den Gästen einen uneingeschränkten Blick auf die Sehenswürdigkeiten wie den Markusplatz bieten zu können. Dass das weder für die Fundamente der Stadt noch für das ökologische Gleichgewicht der Lagune gesund ist, lässt sich denken.
Freuen auf das neue Biedermeier!
Da fragt man sich schon, warum und wofür die deutsche Regierung die Meyer-Werft retten will. Die bauen dort Kreuzfahrtschiffe. Aber ist das noch zeitgemäß? Hat Deutschland ein Interesse daran? Und was wird die EU dazu sagen? Und was, im übrigen, würde geschehen, wenn sich einmal ein Mann aufs Schiff verirrt, der in der Kombüse ein Messer abgreift? Es hilft alles nichts: Zuhause bleiben, lautet die Devise.
Und wer könnte das besser als die Deutschen, die sich während der Panikpandemie durch und durch korrekt verhalten haben (bis auf jene, die wir nicht nennen wollen)? Daheimbleiben! Begrüßen wir also das neue Paradies. Bewegung ist nur etwas für Schwurbler, Querdenker, Leugner von diesem oder jenem, kurz: für Sozialschädlinge. Der anständige Bürger freut sich aufs neue Biedermeier.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
Beitragsbild: Leopold Zielke - Own scan from "Biedermeier. Die Erfindung der Einfachheit" (Early Victorian period. The Invention of Simplicity). Catalogue of an exhibition. Hatje Cantz Verlag Ostfildern. ISBN 978-3-7757-1795-3 (german) and .....-0 (english)., Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Bis vor kurzem war der Labrador der Lieblingshund der Deutschen, bald wird’s der Malinois, der Belgische Schäferhund. Mit einem solchen Tierchen kann man um Mitternacht durch jeden Görlitzer Park spazieren. Katzenfreunde wechseln vom Kegelclub zum Schützenverein, und ältere Herrschaften ersetzen den Rollator durch einen soliden Spazierstock mit Bleiknauf. Neulich sah ich in einer süddeutschen Zeitungsbeilage ein Angebot für einen „Pop-up-Panikraum“. Offenbar gibt es dafür Nachfrage.
Die verehrte Autorin irrt sich: Man kann und soll nicht daheim bleiben! Denn man muss jeden Sonntag zur Demo gegen räxt, gegen Hass und Hetz; und freitags muss man sich fürs Klima kleben.
Heute habe ich -wie jede Woche – die demolierte Autobahn strapaziert um meine 90-jährige Mutter zu besuchen. Sie befragte mich -wach wie sie ist – wie ich das noch einige Tage andauernde Strohwitwertum zu überstehen gedenke. Ich berichtete von meinem Plan, das Weinfest in meiner Großstadt zu besuchen. Sie ermahnte mich, mich bitte nicht abstechen zu lassen, man höre ja diesbezüglich aus meiner Stadt nur Schlechtes. Meine Antwort: In ihrer Kleinstadt sähe es auch nicht mehr viel besser aus. Ihre Replik: Ja das hätte sie gestern mit ihrem Physiotherapeuten genau so besprochen. Es folgten noch einige einerseits rechtsphilosophîsche, andererseits praktisch orientierte Erörterungen pro und kontra Bewaffnung, wie bei Missisippi in El Dorado, wo glücklicherweise der rettende John Wayne mit dem Peacemaker bereitstand. Der fehlt heute, stattdessen haben wir die entwaffnende Fancy Maesser, also Vorsicht, Leute.
Es kann einen immer und überall treffen. Ja, auch zuhause. ABER: Die besagte Freundin saß heute in einem Café. Hätte ein Schirm und ein Fahrrad den Baum so weit es ging aufgehalten, wäre dieser auf sie gestürzt. In der Mittagspause, aus heiterem Himmel, nach einer kurzen Windböe. Das Böse ist immer und überall…
Beim Zuhause bleiben bitte die Thromboseprophylaxe beachten was man dadurch bewerkstelligen kann das man mehrmals täglich einen kleinen Spaziergang macht der gleichzeitig auch das beste Mittel gegen vorzeitige Demenz ist da das Gehirn in vielfältiger Weise in Anspruch genommen wird. Wenn sie das Zuhause bleiben an sich stört könnte es sein das sie sowieso am falschen Ort leben. Wenn Sie sich ein Klavier oder ein anderes Geräusche machendes Instrument kaufen wollen nehmen Sie eines an das man einen Kopfhörer anschließen kann. PS Kommata können nach belieben verteilt werden.
@Lutz Herrmann: Hier Blau-Verbots-Zone!!! Wer blau trägt oder bei sich hat, muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen!
Alles gut und schön. Doch irgendwann zieht so ein Tuppes die Vorhänge des Biedemeier-Homes auf und vorbei ists mit der Idylle. Die Frau Bundestagsvizepräsidentin Katrin Dagmar Göring-Eckardt, geborene Eckardt findets herrlich. Doch für Hinz und Kunz ist so etwas nichts.