Die Frankfurter Buchmesse ist mal wieder keinen Besuch mehr wert.
Man nehme das an allen Fronten angegriffene Israel. Immer wieder erstaunlich, wie viele ansonsten als nicht als schrecklich dumm aufgefallene Europäer das Land des Westens im Nahen Osten hassen. Weil die Israeli Völkermord an den Palästinensern begehen? Deren Zahl im Gazastreifen ist von 0,25 Millionen im Jahre 1950 auf heute über 2 Millionen angestiegen, der Streifen hat die höchste Geburtenrate der Welt. Egal: Der eigene Hass auf den Westen scheint das Narrativ vom völkermordenden Israel zu befeuern.
Was sonst noch los ist? Die Buchmesse, natürlich. Bei der es immer um „Menschlichkeit“ geht, wie Jürgen Boos, der Direktor der Messe, erklärt: „Der Terrorkrieg gegen Israel widerspricht allen Werten der Frankfurter Buchmesse. Bei der Frankfurter Buchmesse geht es immer um Menschlichkeit, im Zentrum steht der friedliche und demokratische Diskurs. Diese Menschlichkeit ist durch den Angriff der Hamas-Terroristen auf Israel abermals zerbrochen.“
Ich mag das Wort „Menschlichkeit“ nicht. Zur Menschlichkeit gehört nunmal nicht nur Gutes und Schönes, sondern auch das krasse Gegenteil. So ist der Mensch eben: er ist zu beidem fähig, zum Guten und zum Bösen. Aber immerhin: wenigstens die Buchmesse ist bemüht, sich der allfälligen Israelhetze zu enthalten und kündigt Veranstaltungen mit der Schriftstellerin Lizzie Doron und Meron Mendel an, bis 2022 Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Mit diesem Namen verbinde ich meinen letzten Besuch auf der Buchmesse 2017. Damals war Mendel an Protestaktionen gegen die Präsenz rechtsgerichteter und rechtsextremer Verlage beteiligt. (Nicht, natürlich, gegen die Präsenz zahlreicher obskurer muslimischer Verlage). 2017 reservierte die Buchmesse deshalb für die rechten (und extrem rechts gelesenen) Verlage eine Insel der Abgeschiedenheit in einer Sackgasse. Das war lustig, es gab ein wenig Gerangel und viel Polizeipräsenz, doch zum Bücherverbot mochte man sich dann doch nicht durchringen. Immerhin: „Verleger*innen (warben) für eine vielfältige und solidarische Verlagsszene“. „Wir stehen für eine offene Debatte und treten für die Beteiligung und Teilhabe möglichst vieler Menschen an Kultur und Literatur ein.“ Nur rechtsradikale und rechtspopulistische Verlage und Publikationen dürfen nicht „teilhaben“, wer immer definiert, wer das genau ist. Vielfalt und Teilhabe gilt eben nicht für jeden. Deshalb sind auch in diesem Jahr russische Verlage nicht vertreten, egal, ob sie für oder gegen den Krieg mit der Ukraine sind.
In diesem Jahr hat sich die „Junge Freiheit“ gar nicht erst angemeldet, ebensowenig der Antaois-Verlag. Verbellen wirkt! Dafür aber ist die Frankfurter Rundschau dabei! Jubel!
Gut, dass ich nicht kommen werde
Doch hallo: Wird das Gastland Italien nicht von einer „postfaschistischen“ Ministerpräsidentin regiert? Hat man sich etwa an die Anwesenheit rechtsradikaler Kräfte gewöhnt? Fragen über Fragen, auch in der Schweiz.
Ach, ich weiß, warum ich nicht mehr zur Frankfurter Buchmesse gehe. Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch heiterer Alkoholkonsum an befreundeten Ständen und viel Klatsch und Tratsch. Heute muss man wahrscheinlich ein Schild mit einem Bekenntnis zur Demokratie und Toleranz hochhalten, wie es ältere Herrschaften auf der letzten Leipziger Buchmesse mit Begeisterung praktizierten. Außerdem wird Kiepenheuer & Witsch, ein Verlag, bei dem meine letzten fünf Bücher erschienen, mit stolzgeschwellter Brust nun das Jahrhundertwerk von Angela Merkel vorstellen, das ausgerechnet „Freiheit“ heißt. Welch Anmaßung.
Gut, dass ich nicht kommen werde. Denn offenbar will man nun auch das Publikum sieben. Feinsinnige Leser und Literaten, womöglich dem ganzen digitalen Quatsch stilvoll abgeneigt, müssen ihr Ticket jetzt online bestellen und mit Kreditkarte oder Paypal bezahlen. Allein das ist schon des Teufels, wo bleibt das Haptische und der nette Kontakt in der Warteschlange am Ticketschalter? Außerdem muss man nun der Weitergabe seiner Daten an alle möglichen Werbebetreiber zustimmen – und wer weiß, an wen noch. „Die Weitergabe an Aussteller steht unter dem Vorbehalt, dass man als Besucher dem Aussteller das Einscannen des auf seiner Eintrittskarte enthaltenen Barcodes gestattet. Mithin bekommt jeder Aussteller, der zum Beispiel bei einer Veranstaltung einen Scanner am Einlass aufstellt, automatisiert alle Daten der Besucher.“ Voll modern!
Endlich ist er da, der durchsichtige Messebesucher, willfähriges Opfer allerhand werbender Übergriffe. Fehlt nur noch die Gesinnungsprüfung.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.

@Thomas Ebs: „Elektronische Einlasskontrollen sind eine sehr gute Erfindung.“ Ja! Hatten die im Südsudan schon vor über 10 Jahren. Täglich ein Fingerscan, okay, hier das tägliche Essenspaket der UNO Hilfsorganisationen und anderer Hilfsorganisationen. Von Afrika lernen, heißt siegen lernen! Oder so. Wenn man will geht das. Nur man will nicht.
Liebe Frau Stephan, „Menschlichkeit“ ist seit 2015 eine Vokabel aus dem Wörterbuch des woken Unmenschen. Falls der Vergleich Nationalsozialisten-Wokisten Ihnen übertrieben vorkommt: die Wokeria hat, meist mit einer sogenannten „Impfung“, die ein nicht-immunisierendes, gefährliches mRNA-Experiment war und noch ist, über die Welt verteilt wahrscheinlich Millionen Menschen getötet. Wenn diese Kreaturen sich über „Menschlichkeit“ auslassen, und das tun sie immer noch, kann „Menschlichkeit“ ja nur noch ein echtes Unwort sein.
Elektronische Einlasskontrollen sind eine sehr gute Erfindung. Man muss sie nur an der richtigen Stelle aufstellen. Sie gehören an die deutschen Außengrenzen.
Danke, liebe Frau Stephan, da haben Sie den Nagel mal wieder mitten auf den Kopf getroffen. Es stimmt, früher war nicht nur mehr Lametta, sondern es herrschte auch eine fröhliche Stimmung auf der Buchmesse. Die Besucher waren neugierig auf eine große Auswahl spannender Neuerscheinungen. Inzwischen hat sich so etwas wie Lähmung breitgemacht. Man weiß ja nicht, was dem geneigten Leser überhaupt noch zu lesen gestattet ist. Oder wenn schon, wie er sich über die Lektüre äußern „darf“, ohne in irgendeine Ecke gestellt oder ausgegrenzt zu werden. Toll natürlich, dass unsere verehrte ehemalige Kanzleröse ihr Opus Magnum vorstellen wird – ja sogar muss. Ich bin schon einmal gespannt auf die Lobeshymnen aus den Redaktionen einschlägiger Presseorgane sowie der Staatsmedien. Dass Merkel ihr Oeuvre auch noch mit dem schönen Begriff „Freiheit“ betitelt, ist ein Treppenwitz. Ob diese begnadete sprachliche Stilistin wohl eigenmündig aus ihrem Werk vorlesen wird? Ein derartiges „Event“ dürfte dann in die Geschichtsbücher eingehen!!!
Tja, rechts und links is nich. Es gibt drinnen und draußen. Und die drinnen sind bestimmen die Spielregeln. Braunen Kot von drinnen nach draußen werfen inklusive. Ein paar Jahre her auf dem Filmfestival, ich glaube Berlin. Die Reporterin hatte schon diverse Interviews mit Schaupielsternchen eingefangen, über Klimawandel, Weltfrieden, Diversität, gelungene Integration, beste Deutschland aller Zeiten usw. als ihr Matthias Koerberlin über den Weg lief. Der auf die supertolle Frage der Reporterin sinngemäß antwortete: ´Weshalb wir alle hier sind? Es geht um Jobs.` Gesegnet sind diejenigen, die es sich finanziell erlauben können, draußen zu bleiben und sich nicht mehr prostituieren müssen.
Ideal, je linientreuer sie werden, desto schneller der Absturz. Das damit beworbene Buchmessen-Klientel versäuft doch lieber sein schwer beantragtes und von den treuen CDU-Wählern mit Freude erarbeitetes Bürgergeld oder trüffelt durch die Ghettos nach billigem Fentanyl. Das „FDJ-Studienjahr“ und das Mauermörderpartei-SED-„Parteilehrjahr“ sind auch mangels Gegenliebe verreckt.
„Fehlt nur noch die Gesinnungsprüfung…..“ In dem Augenblick, da man eine Karte kauft, ist die Gesinnungsprüfung bereits abgeschlossen. ;-)