„Kriegstüchtig“ sein setzt eine gewisse Souveränität voraus, was Energie, Lebensmittel und auch Medikamente betrifft. Davon kann, was Deutschland betrifft, nicht die Rede sein.
Ich gebe zu: Mir hat das gefallen, wie J.D. Vance leicht süffisant lächelnd bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu seiner Nachbarin Ricarda Lang sagte: „Sie deindustrialisieren Ihr eigenes Land, während Sie gleichzeitig sagen, dass Putin um jeden Preis besiegt werden muss. Wenn Putin um jeden Preis besiegt werden muss, dann, liebe deutsche Freunde, hört auf, euer eigenes Land im Namen einer lächerlichen grünen Energiepolitik zu deindustrialisieren.“
Wie recht er hat. Deutschland ist nicht – wie der Verteidigungsminister Boris Pistorius fordert – „kriegstüchtig“, oder wenigsens verteidigungsbereit, und das wird es auch bis 2029 nicht werden. Es fehlen zum einen die beiden M: Manpower und Munition. Und F: Finanzen. Daran würde auch die Wiedereinführung einer Wehrpflicht nicht viel ändern, jedenfalls nicht kurzfristig.
Doch „kriegstüchtig“ hat noch viele andere Facetten. Es geht ja nicht nur darum, dass Menschen an der Front zu Fuß, mit schwangerengerecht umgebauten Panzern oder als Spähtrupp am Computer oder Spezialisten für den Drohnenkrieg Krieg tatsächlich führen. Auch ist die Front längst diffuser, als sie im Ersten Weltkrieg noch war.
Damals wurde insbesondere von den Briten eine gewaltige Propagandaschlacht geführt, noch immer eine treffliche Waffe, die auch jetzt im Konflikt um Russland und die Ukraine eine große Rolle spielt – und man glaube nicht, dass dabei nur die eine Seite lügt.
Was ist mit der Lebensmittelversorgung im Kriegsfall?
Vor allem aber fehlt die „Heimatfront“ in den Überlegungen des Verteidigungsministers. Da steht an erster Stelle das, was Vance die „lächerliche grüne Energiepolitik“ nennt, die nicht nur – längst spürbar – zur Deindustrialisierung führt. Es ist auch nicht gut für die Durchhaltefähigkeit der „Heimatfront“, wenn man dort frierend und hungrig im Dunkeln sitzt. Ein Land kann sich nur verteidigen, wenn es über zuverlässige Energiequellen verfügt.
Doch seien wir nicht so: Wenigstens der Bundeswehr wird eine Feldküche zugestanden. Zur Not brät man sich da eben einen Storch. Doch was ist mit der Lebensmittelversorgung aller im Kriegsfall? Sollen sich die Deutschen dann immer noch auf den Weltmarkt verlassen, der ihnen liefert, was sie selbst nicht mehr zu erzeugen in der Lage sind? Das kann man – man erinnere sich an die Blockadepolitik der Briten im Ersten und der Alliierten im Zweiten Weltkrieg – leicht verhindern.
Doch so weit zurück denkt die deutsche Agrarpolitik nicht, die schon seit längerem nichts anderes als ein systematisches Verdrängen vom Bauern und Landwirtschaft bewirkt, auf Anordnung und mit Unterstützung durch die EU. Und natürlich: des Klimas wegen! Auch das ist im Kriegsfall nicht hilfreich.
(Ganz nebenbei, als Treppenwitz der Geschichte: Man hat in Deutschland das Cannabisverbot aufgehoben, bevor es eine Produktion im eigenen Land gibt, was die mächtige Drogenmafia ins Land gelockt hat, die nun ihre Konkurrenz blutig zu verdrängen versucht.)
Worüber reden wir eigentlich, wenn es um „Kriegstüchtigkeit“ geht?
„Kriegstüchtig“ sein setzt eine gewisse Souveränität voraus, was Energie, Lebensmittel und auch Medikamente betrifft. Davon kann, was Deutschland betrifft, die Rede nicht sein. Und ob die öffentlich-rechtliche Propagandamaschine noch ihr kriegstüchtiges Werk tut, sobald sie nicht mehr gut geölt wird, ist ebenfalls fraglich.
Mit anderen Worten: Worüber reden wir eigentlich, wenn es um „Kriegstüchtigkeit“ geht? Im „Spiegel“ wird in womöglich beruhigender Absicht geschrieben, dass Deutschland innerhalb der NATO nur eine andere Rolle einnehme: „Anders als noch im Kalten Krieg ist Deutschland nicht mehr Frontstaat des Bündnisses, sondern eine Drehscheibe für verbündete Streitkräfte.“ Na klar: So eine Drehscheibe ist kein Ziel mehr für weitreichende Waffen! Magisch!
Womöglich sehen die Bundesbürger die Sache ein wenig realistischer als unsere Politiker. Im April 2024 meinten rund 79 Prozent der Befragten in Deutschland, dass die Bundeswehr als Teil der NATO eher schlecht aufgestellt sei. Das ist womöglich noch untertrieben. Wenn Pistorius glaubt, sich mit seiner Rhetorik als neuer starker Mann gegenüber Lauchen wie Olaf Scholz profilieren zu können, dann ist das nicht nur zynisch. Es ist vor allem völlig unrealistisch.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
Beitragsbild: Pixabay/ jyrkijnieminen

Die Feldküche darf ganz sicher nicht mit „fossilen Brenstoffen“ betrieben werden, weil man ja auch an die Zukunft der Kinder denken muss, nicht wahr? Ich sehe die Aufgabe der NATO nicht mehr in der Verteidigung westlicher Werte, wie man so sagt, sondern in der UNO-WHO initiierten Unterdrückung derjenigen, die ein Leben haben wollen, wie es vor 2020 ganz normal gelebt und genossen wurde. Genuss nach westlicher Art, ist entweder haram oder klimaschädlich Es bleibt also zukünftig nur noch die Wahl zwischen Blut im Stuhl oder Stuhl im Blut. (Wer sich den Ukrainekrieg anschauen will, der gehe zu rumble com und tippe dort „Ukraine war“ ein … aber Vorsicht! – der Krieg ist wie jede echte Sache völlig echt – und nicht jeder*in kann mit „echt“ umgehen!
Naja , wenn wir in ein paar Jahren kaum noch Energie und Wohlstand haben, wird die Resilienz in einem Kriegsfall deutlich höher sein, weil wir an schwierge Bedingungen gewöhnt sein werden, im Gegensatz zu jetzt. Ob wir uns dann überhaupt noch mit etwas anderem als Mistgabel und Dreschflegel wehren können, steht auf einem anderen Blatt
Richtig. Am Anhang war und ist der Wille. Insoweit setzt auch dieser Artikel etwas zu spaet an. Der Wille, um den es hier zunaechst und vor allem geht, ist ein „ nationaler“. Ein Begriff, der „ uns“ immer und ueberall irgendwann einholt. Egal, ob es um die Verteidigung, nicht nur gegen den boesen Putin uebrigens, oder die Überlebensfaehigkeit vor, waehrend und nach einem Krieg oder sogar ausserhalb dieses Krieges geht. Bekanntlich kann man „ Krieg“ heute auf sehr unterschiedliche Weise fuehren. Man kann sogar Krieg gegen das „ eigene“ Volk fuehren. Gegen das Volk, das unerwünschte und zu transformieren de, das einen dann unter Einsatz des Lebens der Verachteten verteidigen soll. Bei einer in Teilen suizidalen Verfassung „ unten“ und einer lebensgefährlichen Ideologie „ oben“ duerfte kaum Kriegstuechtigkeit herzustellen sein. Sehr wahrscheinlich geht es ohnehin mehr um die gelegentliche Opferung der Richtigen, der Indigenen, der weissen Maenner. Das Regime schlaegt quasi 2 Fliegen mit einer Klappe, unter Verwendung der ueblichen Rettungsnarrative. Viele Michel machen ja auch mehr oder weniger begeistert mit, aber beim Fronteinsatz hege ich doch angesichts des Fehlens der testosteronbedingten, toxischen Männlichkeit in Sch’land, Migranten exklusive, massive Zweifel. Der selbstvergewissernde Dreitagebart allein wird es nicht richten.