Kleider machen Leute, manchmal auch in der Politik. Sahra Wagenknecht hat die modische Latte etwas höher gelegt, das ist in der deutschen Politik aber auch nicht besonders schwierig.
Wie kann das sein, dass eine Partei in so kurzer Zeit so viel an Zustimmung erfährt, die mit keinem Programm in ihrem Namen lockt, sondern mit einer Person? Die Bewegung Sahra Wagenknecht ist kaum mehr als das: Wagenknecht. Immer proper gekleidet, gut frisiert, mit ein wenig exotischen Gesichtszügen. Die Frau ist das Programm. Und sie verlockt nicht nur mit Eloquenz und Intelligenz, sondern auch mit ihrem Style: unterkühlte Eleganz, ein wenig bieder, kein Emanzenlook und vor allem nicht „queer“. Die ganze Erscheinung lässt keinen Zweifel zu: Wagenknecht ist eine Frau.
Das tut gut in genderbesoffenen Zeiten. Oder auch angesichts all der anderen weiblich gelesenen Personen im Politikangebot. Wir erinnern uns: Angela Merkel, genannt „Der Hosenanzug“, bevorzugte den Mao-Look. Wobei sie auch anders konnte: Bei der Eröffnung der neuen Oper in Oslo 2008 zeigte sie obenrum beinahe alles. Das kam nie wieder vor, Kermit-Grün gefiel allerdings auch nicht allen.
Besonders wagemutig zeigt sich stets Claudia Roth (Grün), als ob es bei „Kultur“ vor allem auf viel Bunt und viel Schräg ankäme. Aber das ist immer noch besser als der wandelnde Griesgram namens Saskia Esken, kurze Haare, verkniffener Mund, rotes oder lila Jackett, C&A statt Chanel. Doch es wird nicht an ihrer Kleidung liegen, dass Brandenburgs SPD-Vizechefin Katrin Lange der Genossin Esken den Mund verbieten möchte: bitte keine Talkshowauftritte mehr – sie dürfte den gemeint haben, in dem Esken meinte, aus den Solinger Messermorden sei nichts zu lernen.
Scholz im Baumarkt-Look
Auch wenn die SPD längst keine Arbeiterpartei mehr ist, sondern tapfer Minderheits- und Identitätspolitik vertritt, bleibt das Auftreten von SPD-Männern wie -Frauen ein wenig, sagen wir: unüberlegt. Nancy Faeser, Innenministerin, gab bei den Fußballweltmeisterschaften in Katar ein modisches Signal in Gestalt der One-Love-Binde um den stabilen Oberarm. Unelegant.
Bundeskanzler Olaf Scholz legt schon mal die Krawatte ab, das wirkt sportlich. Denkt er wahrscheinlich. Die blaue Krawatte mit den weißen Flecken ist ja auch wirklich nicht der Renner. Dass er schon mal einen Pulli trägt, etwa auf einer langen Flugreise nach Washington, sollte man ihm nicht verübeln. Höchstens die Auswahl desselben: „Baumarkt-Look“ nannten das Böswillige. Doch immerhin hat er nicht den ukrainischen Präsidenten Selenski imitiert, der ja stets im kleinen Kampfanzug auftritt.
Auch bei den Grünen ist Stil die Frage und nicht die Antwort. Dass derdiedas Ganserer mittlerweile ohne die prächtige (Echthaar?) Perücke auftritt, die uns Normalfrauen erblassen lässt, ist im Prinzip eine gute Entscheidung. Man sollte nicht mit etwas protzen, das man nicht hat. Nebenbei: Im sichtbaren Dessous unter dem Jäckchen im Bundestag zu erscheinen, zeugt nicht gerade von Respekt vor dem Hohen Haus. Dabei hat Olaf Scholz doch einst „Respekt“ versprochen – oder gefordert, wie so ein Talahon?
Immerhin: Nun zeigt Ganserer echte Glatze, tätowiert, womit er glatt zur Stilikone avancieren könnte. Auch Olaf Scholz sähe mit derlei künstlerischer Veredelung mal richtig bedrohlich aus. Nun muss man nur noch warten, bis dem Hofreiter Anton die Haare ausfallen, dann geht’s im Bundestag rund.
Löcher in den Socken für alle!
Doch wir wollen das heimliche Lustobjekt vieler Medienmenschen nicht vergessen: das Knuddelbärchen Habeck! Dreitagebart kann auch Lindner, aber Robärt sieht damit viel niedlicher aus. Und dann noch Löcher in den Strümpfen! Da erwachen alle mütterlichen und anderen Gefühle. Jana Hensel von der „Zeit“ zeigte sich regelrecht überwältigt: „Wenn Robert Habeck im ICE-Bordbistro seine Schuhe auszieht, was er nicht immer, aber eigentlich gern macht, weil er wahrscheinlich momentan in Zügen mehr zu Hause ist als irgendwo sonst, dann kann es schon passieren und man sieht die Löcher in seinen Socken. Ihm selbst ist daran nichts peinlich. Er blickt einen an, als seien Löcher in den Socken das Normalste auf der Welt.“ Und so wird es wohl auch kommen, wenn er als Wirtschaftsminister weiter daran arbeitet, Deutschland zur rauchenden Ruine zu machen. Löcher in den Socken für alle! Genau deshalb, im Übrigen, fürchtet man in Sachsen und Thüringen die Grünen, und wenn sie noch so wuschelig dahertappsen.
Doch womöglich sollte man auch die Jackie Kennedy des Bündnisses Sahra Wagenknecht fürchten, selbst wenn kein Stäubchen ihr Äußeres trübt. Sie will, selbstverständlich, mitreden bei der Regierungsbildung in Sachsen und Thüringen, und womöglich nicht nur dort. „Wer mit BSW koalieren will, muss auch mit mir sprechen. Wenn es um die großen Linien geht…“ Genau. Die wird sie gewiss vorher mit dem trickreichen alten Strippenzieher Oskar Lafontaine erörtert haben.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.
Beitragsbild: Library of Congress

Mit Verlaub, dass „deutsche“ – man sträubt sich, das Wort zu gebrauchen – Politiker und -innen (natürlich) zu den anerkanntermaßen schlechtest gekleideten Menschen auf dem Globus gehören, ist nun mal eine Binse. Da ändern auch Hoffotografen oder Visagisten nichts. Und wer ernsthaft meint, eine fehlende Krawatte dünste so etwas wie „Arbeiterschweiß“ als Stallgeruch aus, verkennt, dass das Volk – den Ausdruck darf man noch gebrauchen (?) – durchaus gerne gut (nicht unbedingt luxuriös) und passend (Politiker sollten wenigstens den Änderungsschneider beauftragen) gekleidete Volksangestellte wünscht. Aber auch hier stirbt die Hoffnung zuletzt. Passte wenigstens der Chic und anschwiegsam Anzug, es wäre einiges gewonnen. Im Übrigen meine ich mich zu erinnern, dass besagte Dame auch mal in Bayreuth darauf hingewiesen wurde, dass die getragene Robe die Körperfülle im oberen Körperdrittel eher unvorteilhaft betonte. Es gab da wohl ein Fotofinish mit Frau Lengsfeld.
Es hat im ersten Moment etwas demokratisches, wenn die Herrschaft genauso abgerissen und verwahrlost dahergeschlurft kommt wie das Volk. Trotzdem sehnt sich das Volk wahrscheinlich immer nach Glanz, Ausstrahlung, Auftreten, Inszenierung, Eloquenz, Stil, Format. Eleganz und Stil hängt aber sehr stark von der Persönlichkeit ab, ich bezweifle, daß das derzeitige politische Führungspersonal besser gekleidet einen besseren Eindruck machen würde. Angela M. im Abendkleid oder dem „Kleinen Schwarzen“, das wäre eher eine schrille Performance als ein Augenschmaus. Friedrich M. im Stresemann würde doch immer wie ein Bestatter wirken, der einem die Vorzüge eines Eiche-Furnier Sarges erkärt. Immerhin: sie alle sind wirklich sehr, sehr authentisch. Ein dem Amt angemessenes Auftreten ist in der Regel heutzutage nicht mehr zu erwarten. Ausnahmen bestätigen die Regel. – Möglicherweise bekommen wir aber wieder bessere und besser angezogene Politiker, wenn wir anfangen, mehr auf uns selbst, unser Auftreten, unsere Kleider -und Wortwahl zu achten- in Umkehrung der Regel „Wie der Herr, so ´s Gscherr!“ Anfangen kann man ja mal, mit der täglichen Rasur und der überlegten Wahl der Lektüre, des Fernsehprogramms und der Partei, der man in der Wahlkabine seine Stimme gibt. Es muß nicht zwingend die schlechteste Entscheidung sein, einfach die Partei mit den bestangezogenen Protagonisten zu wählen.
Eigentlich müssten alle in Sack und Asche gehen.
@Angela Seegers / „Eine Unterhose auf dem Kopf, gekrönt von einem Brotkörbchen aus Binsen, eingewickelt in eine gerollte Pergola. Der leicht geöffnete Mund der Trägerin dieser anmutigen Kombination aus Naturnaterialien, farblich dezent abgestimmt, lässt dem Zuschauer nur die Frage: Who Fuchs Who?“:::: Gut beschrieben! ==> Frau Seegers, nach meinen physiognomischen Analysen handelt es sich bei der abgebildeten Person um eines der in letzter Zeit auf den Laufstegen so beliebten Transwesen, ursprünglich männlich, aber eben nicht so recht sicher, wo es hingehört. Sozusagen der „Hahn im Korb“, der einen auf Henne macht, aber keine Eier legen kann. So kommt es eben als Frühstücksei im Bio-Warmhaltekörbchen daher. Böse Zungen sagen ja Männern nach, daß sie besser sehen, als denken können. Das würde aber zumindest erklären, daß einige sogar noch an Annalena Gefallen finden würden, über die dabei im Kopf ablaufenden Prozesse breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Nicht zu leugnen ist aber, daß wir leider in vielen Dingen von alten Gehirnregionen gelenkt werden, über die wir keine Kontrolle haben. So kommt es halt zum Schwiegersohn-Effekt, oder zum Bärchen-Effekt bei Leuten wie Habeck (gerade bei Frauen), und Männer lassen sich von Reizen blenden, die sich vorwiegend in dem auswirken, was die Person auf dem Bild nach Frau Seegers nicht ganz abwegiger Ansicht auf dem Kopf trägt.Während früher auch Frauen, die keine Models waren, in hohen Ämtern bestehen konnten, da sie zumindest Stil hatten, und die Form wahrten, werden wir heute von Angelas, Saskias und Claudias (und ihren Schwestern im Geiste) nicht nur optisch beleidigt. Da ist dann eine Frau Sahra schon fast wieder eine „Lichtgestalt“.
Sie schreiben: „Die ganze Erscheinung lässt keinen Zweifel zu: Wagenknecht ist eine Frau.“ Weitaus mehr trifft dies aber auf Ricarda Lang zu, das schönste Gesicht grüner Politik in Deutschland. Stets in vorteilhaft wallende Gewänder gehüllt, stilsicher, zugleich feminin mit dezent erotischem Charme. Eine wirklich bezaubernde Frau.
Die Ex-Kanzlerin trug so gut wie nie Anzüge im Mao-Style, sondern fast ausschließlich zu kurze Blazer mit Revers.
Sahra Wagenknecht, Julia Klöckner, Alice Weidel. Drei Frauen, denen die Natur nicht nur ein angenehmes Äußeres mit auf den Lebensweg gab, sondern auch noch einen eigenen treffsicheren Mode-Stil. Ungeheuerlich.