Dirk Maxeiner / 21.08.2017 / 14:03 / Foto: Gyrostat / 5 / Seite ausdrucken

Totale Finsternis schaffen wir auch!

Heute ab dem frühen Abend unserer Zeit findet eine totale Sonnenfinsternis statt, deren Zentralzone sich quer über die USA – von Oregon bis South Carolina – zieht. Die "Great American Eclipse" wird die Westküste der USA um 19:20 Uhr erreicht haben und ihr Kernschatten läuft spektakulär quer über das gesamte Land. Diesen Korridor nennt man „Totalitätszone“.

In Deutschland müssen wir auf das Spektakel leider verzichten, aber Erfahrungen mit „Totalitätszonen“ haben auch wir. Eine solche war beispielsweise das „Tal der Ahungslosen“ zu DDR-Zeiten, da konnte man zwar die Sonne aber nicht das Westfernsehen sehen. Und die Finsternis dauerte nicht ein paar Minuten sondern ein halbes Jahrhundert.  Das Tal der Ahnunglosen erstreckte sich über die Regionen im Nordosten um Greifswald und im Südosten der DDR im ehemaligen Bezirk Dresden, in denen UKW-Radio- und Fernsehübertragungen aus dem damaligen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nur mit großem Aufwand terrestrisch empfangen werden konnten. Die Bewohner dieser Gebiete, die vom Westfernsehen und UKW-Rundfunk nicht erreicht wurden, galten in der DDR als schlecht informiert, weil sie nur über Informationen der Mittel- und Kurzwelle sowie der zensierten DDR-Medien verfügten. Sie machten etwa 15 Prozent der Bevölkerung der DDR aus.

Inzwischen behaupten böse Zungen, das Tal der Ahnunglosen habe sich still und leise nach Westen ausgedehnt. So sind mindestens 50 Prozent der deutschen Bevölkerung vollkommen ahnunglos, was sie am 24. September zur Bundestagswahl wählen sollen, weil ja alle, die einigermaßen Chancen haben an die Regierung zu gelangen, das Gleiche erzählen und das Gleiche beschweigen. Das ist so etwas wie eine totale Gedanken-Finsternis und vermutlich auch am Tag nach der Wahl nicht vorbei. Aber die Sonne geht wieder auf, soviel steht fest.

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Leserpost (5)
Dirk Jungnickel / 22.08.2017

Kleine Korrektur: Im Tal der Ahnungslosen wurden mit offizieller Duldung schon ab der achtziger Jahre vor allem in Neubaugebieten Verkabelungen eingeführt, in die - auf private Initiative -  auch Westsender eingespeist werden konnten und wurden. - Es hat den Anschein, dass Vielen nicht bewusst ist , wie stark der immer öfter kolportierte Vergleich “DDR” mit dem heutigen Deutschland die “DDR” verharmlost. Selbstverständlich kann man Parallelen aufspüren, und diese bringen mich auch auf die Palme. Die Feindbilder sind teilweise erschreckend ähnlich. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass die Macken der derzeitigen deutschen Demokratie benannt und bekämpft werden können. (s.a. DIE ACHSE DES GUTEN ).  Die “Gleichsetzer” sollten sich vor Augen führen, dass in totalitären Systemen auch die Verfolgung Andersdenkender totalitäre Züge hat und hatte. Schon die Absicht eines ” geografischen Wechsels”  war strafbar.  Ein angedachter Regierungswechsel galt als konterrevolutionär und war damit im höchsten Masse staatsfeindlich.  Möglicherweise haben nur EX -  “DDR” - Bürger ein Gespür für die Realitäten.  Eine “totale Gedankenfinsternis”  sehe ich bei uns weder am Horizont noch hinter dem Horizont.  Was für Russland oder die Türkei nicht zutrifft, hier könnte schneller als wir ahnen die Dämmerung aufziehen.  

Hubert Bauer / 21.08.2017

Was erlaubt sich dieser Donald Trump schon wieder? Einfach mitten am Tag die Sonne abdunkeln. Das hat es unter Obama nicht gegeben.

Rudolf George / 21.08.2017

In der Tat drängen sich immer mehr Vergleiche zwischen Deutschland 2017 und DDR 1987 auf. Eine realitätsblinde Politführung, die eisern ihre Entscheidungen der Vergangenheit verteidigt und ihren Daseinszweck in der Bekämpfung eines weitgehend imaginären Feindes (damals “Faschismus” oder “Konterrevolution” genannt, heute “Faschismus” oder “Rechts”) sieht. Eine staatstragende Medienklasse, die weiß, dass das persönliche Fortkommen daran gebunden ist, stets den offiziell propagierten Feind zu bekämpfen und keinesfalls die blinden Flecken der Politführung auszuleuchten. Eine Führungspartei, die nach außen hin absolut geschlossen hinter ihrer Spitze steht, wobei aber in- und außerhalb der Partei alle darauf hoffen, dass die abgewirtschaftete Führungsriege endlich von Leuten mit frischen Ideen abgelöst wird.

Frank Holdergrün / 21.08.2017

Man sollte berücksichtigen zugunsten des Tales der Ahnungslosen um Dresden: Schlecht ist es ihnen nicht bekommen, findet doch dort Montag für Montag die einzige Opposition des Landes statt. Sich von Plärr-Medien abzukoppeln, wieder zu lesen, selbst nachzudenken: eine empfehlenswerte Übung.

Stefan Schultz / 21.08.2017

Wie war das noch einmal? “Fool me once, shame on you. Fool me twice shame on me!”. Die etablierten Parteien spielen in der Tat mit dem Kurzzeitgedächtnis des Wählers. Ich jedenfalls, lasse mich nicht erneut für dumm verkaufen!

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