Können Sie sich das vorstellen? 1948: Berlin-Blockade. Der regierende Bürgermeister Ernst Reuter geht erst einmal schön in die nur halb zerstörte „Dolly-Bar“, um „den Kopf frei zu kriegen“. 1961, Mauerbau in Berlin. Der regierende Bürgermeister Willy Brandt lässt sich „im Home Office“, dort in der Badewanne, vom Fortlauf des Mauerbaus informieren, ist also „erreichbar“. 1962, Flutkatastrophe Hamburg: Helmut Schmidt verbringt knapp zwei Stunden auf einer Segeltörn in der Binnenalster, um „das Hemd zu wechseln“, kann jedoch durch Megaphone vom Uferrand aus erreicht werden. 2002, Dresden und Umland saufen ab: Gerhard Schröder schickt die besten Wünsche aus Mallorca und beteuert, er wäre gerne vor Ort, aber „Malle ist eben auch nur einmal im Jahr“.
Können Sie nicht? War ja auch nicht so. Politische Führer sind Menschen, die von ihren Wählern „das Vertrauen geschenkt bekommen haben“, das vielmehr ein verliehenes Vertrauen ist, das der Wähler auch wieder zurückfordern kann. Die Bewährungsprobe eines jeden Führungspolitikers ist die Krise, die Katastrophe. Hier zeigt sich, aus welchem Holz ein Politiker geschnitzt ist, ob er das tut, wozu ihn sein Amtseid verpflichtet: Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.
Niemand hätte von Gerhard Schröder oder Helmut Schmidt erwartet, dass sie in den ersten 60 Minuten ihrer Bewährungsproben an Ort und Stelle stehen und Sandsacktragen simulieren, wie es der immer noch politisch unsterbliche Helge Lindh beim Hochwasser in Wuppertal so wunderdoof getan hat, wo er den Rettungskräften im Weg herum stolperte. Was ein Bürger aber von seinem gewählten Politiker verlangen kann, ist, dass sich dieser kümmert. Tätig wird. Katastrophen sind der Lackmus-Test, politisch, charakterlich und fachlich für jeden, der „das Vertrauen der Bürger erhalten hat“. Für weitgehend unbekannte oder auch unbeliebte Politiker sind sie sogar DIE Chance, ihr Können zum Wohle der Allgemeinheit unter Beweis zu stellen und ihre Kompetenz zu zeigen. Oder Konsequenzen zu ziehen.
Helmut Schmidt hatte bei der Befreiungsaktion der „Landshut“ von ihren palästinensischen Entführern seine Rücktrittserklärung in der Jackentasche. Wenn das schiefgegangen wäre, hätte er als Verantwortlicher sofort die Konsequenzen gezogen. Es ging gut. Auch und dank der Mithilfe hervorragender Berater und Mitarbeiter und sogar der Opposition, die in der Krisenlage ihre parteipolitischen Interessen hintanstellten und dem Kanzler zuarbeiteten oder freie Hand gaben.
Um nicht nur SPD-Politikern hier das Feld zu lassen: Adenauer brachte die Kriegsgefangenen heim, und Kohl und Genscher waren geschickt genug, die Deutsche Einheit zu verhandeln, Fischer clever genug, Deutschland nicht in den Irak-Krieg hineinzuziehen. Wir hatten sie, die klasse Politiker.
„Salga a bordo, cazzo“
Und jetzt haben wir die Kai Wegners. Die, die „aus dem Homeoffice arbeiten“ und „zwischendurch mal auf ’ne Stunde Tennis spielen“, während 50.000 Hauhalte ohne Strom, Wasser und Wärme im Dunkeln hocken und sich wegen möglicher Plünderer nicht aus den Wohnungen trauen. Die Kai Wegners, die gerne mal, hihihi und huhu, einen auf „Freund aller Schwulen und Lesben“ machen und antisemitische Aufmärsche irgendwelcher Heiopeis dulden, gerne schön Häppchen essen und Sektchen trinken und mit Krisenlagen so derart überfordert sind, dass sie therapeutisch mal auf eine Stunde Tennisspielen gehen, um den ohnehin schon kahlen Kopf „freizukriegen“. Wie schlecht muss man eigentlich sein, um einen Beliebtheits- und Kompetenzwettbewerb gegen Franziska Giffey zu verlieren?
Nun hat ja, wie Kemmerich seinerzeit in Thüringen erfahren durfte, hat jeder Chef auch einen Oberchef. Einen, der den Tennisprinzen mal anruft und – wie seinerzeit den auf einem Felsen vor seinem sinkenden Schiff stehenden Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, der meinte, er könne eine Evakuierungsaktion besser ausführen, wenn er selbst in Sicherheit ist – anbrüllt: „Salga a bordo, cazzo.“ (Geh an Bord, verdammt noch mal.“). Googeln Sie selbst nach.
Und hier? Kein Bundeskanzler Merz, der bei „dem lieben Kai“ anruft und ihn fragt, ob er Lack gesoffen hat. Kein Bundeskanzler Merz, der vor die Kameras tritt und wenigstens mal sein Mitgefühl ausdrückt. Oder wenigstens heuchelt. Kein Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sonst bei jedem Furz mitteilen muss, „wo seine Gedanken sind“, der bei jedem Huster „mit Abscheu und Empörung“ reagiert. Ja, nicht einmal eine verdammte Tagesschau, die es wagt, am Katastrophentag ausgerechnet eine Doku über Pinguine zu senden. Wenn das nicht zynisch gemeint war, war es immerhin witzig.
Kai Wegner als regenbogenfarbener Kasper
Wir sind verlassen. Inmitten eines linksextremistischen Terroranschlags, bei dem 50.000 Berliner Haushalte im Dunkeln hockten – eine bessere Steilvorlage kann es für einen konservativen Politiker eigentlich nicht geben – entpuppt sich Kai Wegner als regenbogenfarbener Kasper, der die Chuzpe hat, einen 98-jährigen Pflegefall in einer Turnhalle mit einem Kamerateam zu umstellen, um dann wieder in die „Erreichbarkeit“ im schön gewärmten Amtsbüro zu flüchten und mit einem Krisenzauberstab zu wutschen und zu wedeln. Die an Totalausfällen gewiss nicht arme Bunte Republik hat einen weiteren und damit allen Grund zu einer geharnischten Politikverdrossenheit.
Lassen Sie es mich deutlich sagen: Derartige Schönwetter-Bimsbirnen haben sofort und mit aller Konsequenz zurückzutreten. Ganz ungeachtet vom Parteibuch. Und ihre ebenfalls im „öffentlichen Bärendienst“ stehenden Lebensgefährtinnen gleich mit.
(Weitere Katastrophenartikel des Autors unter www.politticker.de)
Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten

@Ilona Grimm, „Außer Spott und Hohn “ernte„ ich in der Regel keine Kommentare von Bibelfernen und/oder Atheisten.“ —
Wo Sie doch so einfühlsam über Atheisten sprechen. Ungerecht ist die Welt!
„Zum Umdenken ist keiner bereit.“ —
Möchten Sie anfangen?
„Atheisten beharren auf ihrem religiösen -nicht selten von Missionseifer getriebenen- Glauben, es gebe Gott nicht.“ —
Gut, dass wenigstens Sie nicht missionieren möchten.
„Sie behaupten gar, das ganz genau zu wissen, obwohl keiner von ihnen ewig, allwissend, allmächtig und zu allen Zeiten überall im Kosmos gleichzeitig präsent ist. Wie wollen sie “wissen„, dass Gott nicht existiert??“ —
„Wissen“ Sie, dass Gott existiert? Sicher? Na klar, Sie sind ja allwissend.
Nicht ganz korrekt. CDU-Genosse Kai Wegner hockte medienwirksam in einer Sporthalle neben einer bettlägerig pflegebedürftigen Seniorin, hielt Händchen und palaverte Hilflosigkeiten. Dümmlicher konnte eine ausgetüftelte PR-Aktion nicht sein. Heutige hochbezahlte Berater sind dumm wie Stulle und die Beratenden sind zusätzlich neben dumm noch dümmer. Es muss die Frage gestellt werden, ob aktuelle Wahlen und Kandidaten wirklich noch einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen.
Er war beim Tennis? Das verstehe ich nicht. Wieso war er nicht in der Schwulensauna, wie es sich für einen ordentlichen Oberbürgermeister von Berlin gehört? Ansonsten hat der Mann doch bloß seinen Job gemacht, nämlich nichts tun. Ja, „sie können Krise“, nämlich das Ausfrieren von Zehntausenden, ohne das der Aufstand und Empörung Wellen schlägt. Test absolviert. Mit dieser Bevölkerung kann man es machen.
Wenn eine Firma in einer Jobanzeige einen Allrounder sucht, dann ist das nicht einer, der alles perfekt kann, sondern nichts richtig. Sie schreiben es nur so verquast, dass jeder, der sich die Schuhe selbst zubinden kann, Angst hat, sich zu bewerben. Dabei würden die den wegen Überqualifikation ablehnen. Nur vollständig Ahnungslose haben das Selbstbewusstsein, sich da zu bewerben, und werden auch genommen. Warum soll das bei Verwaltungen anders sein?
Boh dieser Staat, und insbesondere die politischen Machthaber und das staatseigene Medienpersonal sind doch bis auf das Letzte vollkommen verkommen.
Wegner: „Lasse mir diesen Erfolg nicht kaputtmachen“; Merz: „Wir hätten das wahrscheinlich nicht viel besser machen können, als es so gemacht wurde“. Man hat durch die eigene kompetenzferne ideologische Politik die Energiesicherheit sabotiert. Zugleich hat man sich eine neue Generation von Linksterroristen herangezüchtet. Das fatale Ergebnis dieser Gemengelage – die Realität! – wird von der Politik nonchalant ausblendet. Politiker ziehen unbeirrt ihre ideologische Agenda durch, kleben an ihren Posten, ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Rücksicht auf jegliche Art von Verlusten: Versorgungssicherheit, innere Sicherheit, wirtschaftliche Stärke, Demokratie, Freiheit, Frieden, Wohlstand, notfalls eben auch Leib und Leben der Bürger werden bedenkenlos aufs zynische Spiel gesetzt und für die eigenen Ziele geopfert. Nach außen hin lügt man sich ein Narrativ ums andere zurecht. Selbige Lügengebäude werden von medialen Gefolgsleuten zuverlässig propagiert. Das trägt lyssenkoistische Züge. Nur der Platz an der Macht und am Futtertrog zählt. Es wird kein Fehler eingestanden, es wird keine Verantwortung übernommen. Es gibt keine Rücktritte mehr. Rücktritte gibt es nur in der Demokratie, nicht aber in „UnsereDemokratie (TM)“. Aber Vorsicht: Je mehr die ökosozialistische Revolution voranschreitet, desto eher frisst sie ihre Kinder…
In Ihrer Aufzählung der „klasse Politiker“ gehört aber der „Joschka“ nicht hinein, der war als Außenminister ebenso eine Null, ein völlig überschätzter Dauerschwätzer.